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Valmont

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Valmont Kritik

Valmont Kritik

Valmont Kritik
0 Kommentare - 21.09.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Valmont" ist.

Bewertung: 2.5 / 5

Die junge Cécile (Fairuza Balk) wird von ihrer Mutter Madame de Volanges (Siân Phillips) aus dem Kloster geholt, um Gercourt (Jeffrey Jones) zu heiraten. Doch dessen Geliebte Merteuil (Annette Bening) versucht, das zu unterbinden. Dazu bittet sie ihren Freund Valmont (Colin Firth), Cécile zu verführen und damit Gercourts Ehre zu besudeln. Valmont hingegen versucht, mit der braven Madame de Tourvel (Meg Tilly) zu schlafen. Daher fordert Merteuil ihn heraus und glaubt, ihm würde die Verführung von de Tourvel nicht gelingen. Sollte Valmont dies nicht schaffen, müsse er in ein Kloster.

In der Welt der Schönen und Mächtigen kommt es hin und wieder zu großen Problemen. Zumindest auf dem Blatt Papier. Die Wahrheit steckt irgendwo dazwischen, weil diese Probleme natürlich nur dann groß werden, wenn man sie auf das Volk loslässt und Aristokraten hatten diese Macht. Die Intrige, die hier zum Auslöser einer Geschichte wird, wirkt indes aber genauso banal, wie uninspiriert. Das verwundert, denn schließlich erzählte Miloš Forman in seinem Vorgängerfilm Amadeus (1984) von einer grausamen Rivalität, die in ein großartiges Drama mündete. Hier hat Forman auch eigentlich alles, was es braucht, um eine solide Geschichte zu erzählen. Er scheitert doch an den banalsten Dingen. Das beginnt zum einen bei der Geschichte selber, die sich wesentlich schneller erzählen ließe, vom Film aber durch etwa 130 Minuten gestreckt wird, in denen dann mal so gar nichts passiert. Hier ein lüsterner Hauptcharakter, da eine intrigante Frau, die sich in ihrer Ehre verletzt fühlt. Hier ein Mann, der ein Interesse an einer Minderjährigen hegt, all das sind Stoffe, die durchaus spannende, heikle Themen darstellen könnten. Doch der Film verpasst es, sie stringent und lebhaft in Szene zu setzen, weil er sich viel zu sehr in große Bilder und vermeintliche Gefühle vernarrt, die zwar ausgesprochen und behauptet werden, nie aber an Größe gewinnen. Daß nun ausgerechnet ein Jeffrey Jones ein Interesse an einer minderjährigen Frau hegt, ist dabei tatsächlich schon die zynischste Form von Humor, die ein Film dieser Sorte zutage fördern könnte.

Überdies verschwendet der Film vor allem seine Schauspieler. Ob ein Colin Firth, der absolut unnahbar und wenig aussagekräftig bleibt, oder auch eine Fairuza Balk, deren rebellisches Auflehnen, durchaus thematisch vieles zu sagen hätte. Denn Balks Figur steht für nichts so sehr, wie für die Rebellion. Eine klassische Rebellion, die hier natürlich mit den Frauen auferlegten Rollenmustern spielen könnte. Natürlich ist die Figur dazu viel zu wenig ausgearbeitet und wo man an anderer Stelle vielleicht eine Form von Feminismus hineindeuten könnte, leidet dieser Film vor allem daran, ein Produkt seiner Zeit und einer Darstellung einer ganz anderen zu sein. Doch eigentlich ist das ja was Gutes, wenn junge Frauen sich den Zwängen der Rollen entledigen und sich versuchen selbst zu finden. Daß man diese geistige Reife dann mit einer Form von bevormundendem Erwachsenensein so ein wenig unter dem Scheffel verschwinden lässt, ist in diesem Film passend, doch eben auch ein Produkt seiner Zeit, wodurch die Kritik nicht ganz so weit reichen kann. Viel eher wird das Schauspiel von Sekunde eins an durch Annette Bening dominiert. Wie sie es schafft, ihre Familie vorzuführen und ihre intriganten Pläne zu schmieden, ist atemberaubend. Da liegt die ganze Zeit über ein böses Lächeln in ihren Augen, was so unaufgeregt und gekonnt zu der Erkenntnis führt, daß sie nur sich selber dient. Und das ist natürlich auch eine gewisse Form von Wahrheit, wenngleich sowas in diesen kontextualisierten Kreisen durchaus stereotyp daherkommt.

Formans Regie hingegen nimmt sich spürbar zurück. Vielleicht sogar ein wenig zu sehr für den ein oder anderen Moment. Doch das bleibt jedem letztlich überlassen. Für meinen Geschmack werden große Momente kaum ausgekostet. Das kann zwar gut sein, weil das Werk damit kaum manipulieren wird, auf der anderen Seite ist das auch ein fataler Fehler. Denn dadurch, daß die Figuren nichts anderes als Symbole bleiben, kann auch ihr Spiel kaum in den Momenten glänzen, weil das Drehbuch seine Figuren kaum zu Ende denkt. Wenn sich dann noch eine Regie zurücknimmt, dann ist das natürlich für das Endprodukt sehr fatal. Zumal das auch verwundert, weil Forman in seinen großen Werken Einer flog über das Kuckucksnest (1975) oder Amadeus (1984) wusste den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Sicherlich lag das zu Teilen auch an den faszinierenden Figuren, doch der einfachste Biss und das völlig entstellte im Geist, fehlt den Figuren hier komplett. Dabei braucht es kaum an Vorstellungskraft, auch in diesen großen Kreisen etwas sehr Dekadentes und verwahrlostes zu finden. Schließlich scheint das Werk auch immer die logische Konsequenz aus der Biographie dieses Österreichers gewesen zu sein, weil es historisch nahtlos an diese Epoche anschließt.

Das ist dann schwierige Liebe, die der Film auf seine Zuschauer entlässt. Wenn es überhaupt Liebe ist, oder als solche verstanden werden will. Die Figuren wissen das nicht, ohnehin scheinen sie genauso suchend zu agieren, wie es der Zuschauer tut. Natürlich kann man dann fragen, was jetzt der gesamte Film soll, weil man darauß augenscheinlich nichts ziehen kann. Doch Forman tut sehr gut dran, zwischen Individuum und System zu unterscheiden. Das ist eine Kunst, die in unserer aktuellen Zeit mehr denn je abhandengekommen ist und die den Menschen vor dem ein oder anderen Skandal zurückschrecken lässt, weil man ja besseres erwarten konnte. Das ist das Analytische, was große Regisseure ausmacht, was auch einen Christopher Nolan oder einen Ridley Scott so groß machten. Wenngleich Forman der schmale Grat zwischen Emotionen und Zustand wesentlich besser noch gelingt als Nolan zum Beispiel. Gerade bei einem solchen Thema wie diesem kann man sich nicht keine Wertung erlauben.

Für einen Großteil der Geschichte verbleibt Valmont auf Bildern, denen sein Regisseur Miloš Forman eine Art Faszination abgewinnen möchte, in denen sich aber tatsächlich nichts spiegelt, nichts Tiefes finden lässt und in denen nichts passiert. Natürlich kaschieren die Schauspieler das gekonnt, zu Teilen zumindest und auch die heiklen Themen, die der Film anspricht, machen ihn dann auf einer ganz anderen Ebene durchaus spannend. Mehr ist da allerdings nicht.

Valmont Bewertung
Bewertung des Films
510

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