Das Franchise-Zeitalter steckt in einer kleinen Identitätskrise. Das MCU sucht nach der Infinity Saga noch immer zu alter Stärke zurück, das DCU startet erneut bei null, Star Wars tut sich auf der Kinoleinwand schwer und selbst Fast & Furious hat zuletzt deutlich an Zugkraft verloren.
Und dann gibt es Spider-Man!
Mit Spider-Man - Brand New Day, der am Wochenende in den Kinos startet, könnte die Erfolgsgeschichte um Tom Hollands Peter Parker nahtlos weitergehen. Erste Kritiken fallen überwiegend positiv aus und auch an den Kinokassen deutet vieles auf einen weiteren mega Blockbuster hin. Bemerkenswert ist dabei vor allem, dass der Film nicht auf die mittlerweile üblichen Franchise-Tricks setzt. Kein Multiversum-Spektakel, keine Rückkehr zahlreicher Legacy-Charaktere und keine gigantische Bedrohung für das gesamte Universum – stattdessen steht wieder Spider-Man selbst im Mittelpunkt.
Eine Erfolgsgeschichte ohne große Ausreißer
Seit Tom Holland 2016 in The First Avenger - Civil War seinen Einstand als Peter Parker feierte, kennt die Reihe eigentlich nur eine Richtung. Homecoming legte einen starken Grundstein, Far from Home steigerte den Erfolg noch einmal und No Way Home entwickelte sich schließlich zu einem der erfolgreichsten Superheldenfilme.
Dazu kommen mit A New Universe und Across the Spider-Verse zwei Animationsfilme, die sowohl Kritiker als auch Zuschauer begeisterten und eindrucksvoll bewiesen, dass die Figur auch außerhalb des MCU hervorragend funktioniert.
Natürlich verlief nicht jede Spider-Man-Verfilmung perfekt. Sam Raimis Spider-Man 3 wird bis heute kontrovers diskutiert und auch The Amazing Spider-Man 2 - Rise of Electro gehört nicht unbedingt zu den Lieblingen der Fans. Verglichen mit anderen langlebigen Blockbuster-Reihen bleibt die Trefferquote der Spinnenfilme aber außergewöhnlich hoch.
Erfolg trotz komplizierter Rechte
Eigentlich dürfte Spider-Man gar nicht so reibungslos funktionieren, denn die Filmrechte liegen weiterhin bei Sony Pictures, während Marvel Studios die kreative Einbindung ins MCU übernimmt. Zwei große Studios mit unterschiedlichen Interessen – normalerweise kein Rezept für eine dauerhaft erfolgreiche Reihe.
Dennoch scheint genau dieses Modell bislang erstaunlich gut zu funktionieren. Ironischerweise haben beide Studios außerhalb der eigentlichen Spider-Man-Filme zuletzt deutlich größere Probleme. Marvel musste nach Avengers - Endgame einige Rückschläge hinnehmen, während Sonys eigenes Spider-Man-Universum mit Filmen wie Morbius, Madame Web oder Kraven the Hunter weder Kritiker noch Publikum überzeugen konnte.
Umso bemerkenswerter ist es, dass ausgerechnet Spider-Man von dieser ungewöhnlichen Zusammenarbeit profitiert.
Der größte Trumpf heißt Peter Parker
Vielleicht liegt der Erfolg aber gar nicht an Studios oder Produzenten. Spider-Man gehört seit über 60 Jahren zu den beliebtesten Comicfiguren überhaupt. Peter Parker ist kein unnahbarer Gott, kein milliardenschwerer Playboy und kein außerirdischer Krieger. Er ist ein junger Mensch, der Schule, Studium, Arbeit, Beziehungen und seine Verantwortung als Held unter einen Hut bringen muss. Genau diese Bodenständigkeit macht ihn so nahbar.
Tom Holland hat diesen Charakter zudem so überzeugend verkörpert, dass viele Zuschauer ihn inzwischen als die definitive Kino-Version von Peter Parker ansehen. Seine Mischung aus Unsicherheit, Humor und Ernsthaftigkeit trifft den Kern der Figur und dürfte ein wesentlicher Grund für den anhaltenden Erfolg sein.
Vielleicht ist Spider-Man einfach zeitlos
Während viele Franchises versuchen, sich mit immer größeren Ereignissen, spektakuläreren Cameos oder ständig steigenden Einsätzen neu zu erfinden, zeigt Spider-Man seit Jahren, dass manchmal das Gegenteil der bessere Weg ist. Gute Figuren, nachvollziehbare Konflikte und eine Geschichte, in der der Held selbst wichtiger ist als das nächste Multiversumsereignis (No Way Home sei an dieser Stelle ausgenommen).
Der bereits schon jetzt abzusehende Erfolg von Spider-Man - Brand New Day ist ein weiterer Beleg dafür, dass Spider-Man aktuell die wohl verlässlichste Blockbuster-Marke Hollywoods ist.
Und vielleicht steckt genau darin die eigentliche Lektion: Nicht jedes erfolgreiches Franchise braucht ständig größer, lauter und verrückter zu werden. Manchmal reicht einfach ein freundlicher Superheld aus der Nachbarschaft.
