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The Wall

Sniper gegen Sniper

The Wall Kritik

0 Kommentar(e) - 13.06.2017 von Moviejones
Filmkritik

The Wall Bewertung: 3.5/5

Doug Liman ist für unterhaltsame Actionfilme bekannt, sei es Mr. & Mrs. Smith oder Edge of Tomorrow. Mit The Wall bleibt er dem Genre treu, gestaltet es aber deutlich realitätsnäher und begibt sich in den staubigen irakischen Wüstensand, wo Aaron Taylor-Johnson eine bewegende One-Man-Show abliefert. In den etwas über 80 Minuten wird die Dramatik der Situation greifbar, auch wenn der Dialog so manche Plattitüde drischt und "guter Ami, böser Iraki" zwar vom Film hinterfragt, aber nicht in voller Intensität ausgespielt wird.

The Wall Kritik

Schon kurz nach der US-Invasion im Frühjahr 2003 wurde der Irakkrieg vom damaligen Präsidenten George W. Bush als siegreich beendet erklärt. Was folgte, waren mehrere Jahre der Besetzung, in denen es bürgerkriegsähnliche Zustände und Terroranschläge den USA und ihren Verbündeten schwermachten, an einen zeitnahen Abzug auch nur zu denken. The Wall erzählt uns die Geschichte zweier US-amerikanischer Soldaten, die in einer Wüstenei von einem irakischen Scharfschützen ins Visier genommen werden - wobei nur ein instabiler Mauerrest Isaac (Johnson) und Matthews (John Cena) vor den Attacken schützt...

Ein Kammerspiel. Im heißen Wüstensand. Und jede Menge Dialogfetzen zwischen Gut und Böse. Doch wer ist gut? Und wer böse? Eine interessante Frage, die Doug Liman mit seinem The Wall aufwirft, die aber nicht beantwortet wird. Zu komplex das Ganze, an dem sich einst die "Koalition der Willigen" gegen den angeblich mit Massenvernichtungswaffen vollgestopften Irak verbissen haben. Dahingehend berechtigte Fragen, die Isaac vom Sniper gestellt bekommt, denn was Soldaten gesagt wird und was an Tischen in Hinterzimmern entschieden, muss nicht zwingend der gleichen Wahrheit entsprechen.

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Überhaupt lebt The Wall vom Dialog zwischen Johnsons Charakter, dem jungen amerikanischen Soldaten, der schon einige dramatische Verluste erleben musste, und dem irakischen Schützen. Der Zuschauer erfährt bruchstückhafte Fetzen aus deren Vergangenheit und etwas über ihren Antrieb hinter dem Kampf, der schnell persönliche Züge annimmt, sobald man Freunde verliert. Es wird klar, dass Isaacs Aufgabe vielleicht nicht falsch ist, aber das große Ganze auch nicht richtig - ebenso wie die Auffassung seines Gegners nachvollziehbar ist, man sich aber über das Wie streiten kann. Doch im weichen Sessel wissend nicken und Ratschläge erteilen, ist immer einfach - die Attitüde vergeht einem leicht, wenn man sich Johnsons entbehrungsreiche Darbietung anschaut.

Dieser liefert mit seinem Schauspiel eine tolle, eindringliche Leistung ab und faktisch ist es eine One-Man-Show wie eingangs erwähnt. Die Spannung wird über längere Zeit aufrechterhalten, auch wenn aufmerksame Zuschauer schnell der einen oder anderen Absicht des Gegners auf die Schliche kommen könnten. Diese brüchige, in sich zerfallende Mauer ist dabei nicht nur ein Schutzwall, sondern gereicht auch als Metapher der letzten, langsam bröckelnden Wehrhaftigkeit des Westens. Ein Rest Wand, der jedoch eins ganz klar zeigt: Was einst eine Schule war, hätte nie eine Schule sein dürfen, denn wer so mauert, legt auf das Wohl seiner Kinder ebenfalls keinen Wert.

Mit dem Ende gleitet The Wall vom verbalen Schlagabtausch zweier Wartender noch einmal ab und das Finale ist kurz verstörend, aber auch naheliegend. Wie gesagt, der aufmerksame Zuschauer wird das eine oder andere erahnen können. Diese Absehbarkeit und die interessanten, im Anbetracht des Moments aber nur angeschnittenen Überzeugungen hinter den Worten machen den Film zwar realistisch, verschenken aber auch etwas. Denn hier treffen Staaten, Welten, Überzeugungen aufeinander - und mit einem etwas komplexeren Setting bzw. Drehbuch hätte dieser intime Kampf auf Leben und Tod weitaus mehr bedeuten und intensiver nachhallen können.



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