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Marriage Story gesehen am  
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Marriage Story (2019)

Ein Film von Noah Baumbach mit Adam Driver und Scarlett Johansson

Veröffentlichung: 06. Dezember 2019136 Min.FSK6Drama, Komödie
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Ø MJ-User (7)
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Marriage Story Bewertung
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Marriage Story Inhalt

Der Film porträtiert eine Familie, die trotz einer zerrütteten Ehe zusammenzuhalten versucht.

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Cast & Crew

Wer ist der Regisseur von Marriage Story und wer spielt mit?

OV-Titel
Marriage Story
Format
2D
Der Film erhielt die FSK-Freigabe "Freigegeben ab sechs Jahren".
Spannende Filme
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29 Kommentare
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
22.12.2019 18:57 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 12.294 | Reviews: 180 | Hüte: 418

@PaulLeger

Da hast du Recht.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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PaulLeger : : Moviejones-Fan
22.12.2019 14:10 Uhr | Editiert am 22.12.2019 - 14:16 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 151 | Reviews: 1 | Hüte: 23

Nicht der ganz große Wurf aber in einem insgesamt eher enttäuschenden Filmjahr 2019 locker oben dabei und neben "Szenen einer Ehe" und "Nader und Simin" sicherlich jetzt schon zu den essentiellen Scheidungsfilmen zu zählen. Was ihn positiv von "Kramer gegen Kramer" abhebt ist das Vermeiden einer eindeutigen Parteinahme. Ich habe zwar eher mit Johanssons Charakter sympathisiert aber Driver gelingt es mühelos, auch für seine Figur Empathie zu wecken, etwas was Streep in ihrem "too little too late"-Auftritt, so großartig sie den auch spielt, nach einstündiger Absenz in der Handlung nicht mehr schaffen konnte.

@ luhp92

Finde schon, dass auch in "Marriage Story" über die Kernhandlung hinaus Subtext mitschwingt, etwa wird der Gegensatz zwischen High Art (New York, Theater) und Unterhaltungsindustrie (L.A., seichte TV-Shows) verhandelt, der ironischerweise in gewisser Weise dann auch hier Diskussionsthema wurde, wenn auch nicht inhaltlich, sondern exemplarisch anhand des vorliegenden Films.

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
18.12.2019 19:48 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 12.294 | Reviews: 180 | Hüte: 418

@sublim77

Ich fühle mich wie MobyDick auch in beiden "Filmlagern" zu Hause. Weder auf das eine noch auf das andere möchte ich verzichten, gleichzeitig aber auch nicht nur Filme aus einem der beiden Lager schauen. Die Mischung macht es.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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MobyDick : : Moviejones-Fan
16.12.2019 14:23 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.148 | Reviews: 99 | Hüte: 351

sublim:

Danke für den Hut, und wie gesagt, man kann jeden Filkm unterschiedlich wahrnehmen (daher auch an eli4s: nüchtern und nichtssagend kann er auch wahrgenommen werden, das schliesst ja nicht aus, dass andere es anders wahrnehmen, kommt immer auf die Perspektive an), und es gibt kein richtig oder falsch. Insofern finde ich es klasse, dass du es immer wieder versuchst.

Nur eine Sache, die mich ein bißchen stört, ist wie du meinen Filmkonsum anscheinend einwertest:

Während einige sich hauptsächlich Filmen mit Problembehandlung widmen oder auch einen intellektuellen Anspruch in dem Gesehenen suchen, wozu ich User wie dich, eli4s, Mobydick ...

Also bei aller Liebe, ich schaue sehr gerne Nobrainer und konsumier das ganze, aber irgendwie hat sich mein moralischer Kompass schon deutlich insofern verschoben, dass ich heuchlerische und feindliche Filme irgendwelcher Gesinnung einfach nicht wirklich ertragen kann. Ein jüngeres Beispiel: Es gab da diese beiden etwa zeitgleich erschienenen Filme über eine Attacke im weissen Haus, einer mit Gerard Butler, der andere mit everybodies Darling Tatum. Allgemein ist der Butler Film besser aufgenommen worden, auch weil er eine deutlich härtere Gangart an den Tag gelegt hat, während der andere etwas komödiantischer daher kam. Ich persönlich konnte mit diesem revanchistischen und teilweise grotesk reaktionärem Butler Vehikel überhaupt nichts anfangen, weil er einfach zu bierernst seine fremdenfeindliche Message an den Mann brachte. Den Tatum Film hab ich richtiggehend abgefeiert, weil der so harmlos hanebüchen daher kam. Butler ist so eine Art rotes Tuch für mich, weil da gefühlt jede 85% seiner Filme irgendwelche Tropen bedient. Denzel Washington ist so ein anderes Extrembeispiel, einerseits hat er - vor allem mit Tony Scott - solche gewaltverherrlichenden Werke abgeliefert, die allerdings aber auch trotzdem sehr gut waren, weil sie auch zeigten, dass das Handeln Konsequenzen haben muss (Man on Fire, sehr guter Film, obwohl fragwürdig!), aber dann auch solche gewaltverherrlichenden Filme, die zwar ohne Sinn, aber dafür sehr fragwürdig sind und viele viele Fans haben (Equalizer).

Auf der anderen Seite gibt es ja trotzdem noch die typischen "Abschaltfilme" wo munter drauf los getötet und geactioned wird, ohne tiefere Message, John Wick, The Raid usw. Wenn diese Filme wirklich gut gemacht sind, ist das Guilty Pleasure vom Feinsten.

Da gehe ich nicht intellektuell ran, sondern geniesse einfach.

Matrix zum Beispiel habe ich erst etwa beim fünften Mal schauen irgendwann bemerkt, dass dieser Film so ideologisch fragwürdig ist, wie sonst kaum ein Film. Seitdem lobe ich den Film auch nicht mehr. Aber schauen tue ich ihn immer noch gerne an.

Einer meiner liebsten Testosteron-Filme ist der extrem fragwürdige 300.

So, jetzt aber zurück zu Marriage Story

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
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sublim77 : : Rattle Head
16.12.2019 10:36 Uhr | Editiert am 16.12.2019 - 13:37 Uhr
0
Dabei seit: 18.12.15 | Posts: 5.036 | Reviews: 42 | Hüte: 464

@luhp92:

Auch für dich einen Hut, weil ich deine Meinung dazu ebenfalls sehr interessant zu lesen finde.

Es geht eben grundsätzlich um die Erwartung, die man an einen Film stellt und auch generell um die Gründe, warum man sich einen Film überhaupt anschaut (macht ja auch Sinn). Das scheint größtenteils den Ausschlag zu geben, im Bezug auf die großen Unterschiede in der Bewertung eines Film (oder auch Serie). Während einige sich hauptsächlich Filmen mit Problembehandlung widmen oder auch einen intellektuellen Anspruch in dem Gesehenen suchen, wozu ich User wie dich, eli4s, Mobydick und ich schätze auch User wie Silencio (obwohl da auch oft positive Kommentare zu Filmen aus dem einfachen Actiongenre kommen) und auch MB80 oder CINEAST (zumindst so mein Eindruck) zählen würde (mit Sicherheit gibt es da auch noch genug andere, aber das wären jetzt die ersten, die mir da einfallen würden), gibt es da dann andere, die eben eher den emotionalen Reiz durch Action, aussergewöhnliche Taten, Geschichten die von fantastischen Welten oder verborgenen, geheimen Organisationen oder auch nur einfachen Helden handeln, eben Storys, die mehr durch optische Brillanz, Spannung, Action und was man sonst noch so als Mainstreamberieselung bezeichnen kann (wozu ich mich dann selbst definitiv zählen würde). Natürlich gibt es da noch sehr viel mehr dazwischen, aber das wäre für mich jetzt erstmal so die Quintessenz und Ergebnis zu meiner ürsprünglichen Fage "Was gefällt euch daran...".

Wie gesagt, auch dir ein Dankeschön, für deine Antwort.

@MobyDick @eli4s und luhp92:

Wenn ich sage, dass ich nach all euren Aussagen glaube, ein bisschen besser verstehen zu können, was euch an Filmen wie Marriage Story so gefällt, dann meine ich das absolut ehrlich. Ich finde es immerwieder interessant zu lesen, wie unterschiedlich doch die Leute sein können. Noch spannender finde ich es allerdings, diese Meinungen dann nicht nur zu hören, sondern sie auch nachvollziehen zu können.

Bei der Macht von Greyskull! Isch han uff de Grub Geschloof!!!

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
15.12.2019 22:45 Uhr
1
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 12.294 | Reviews: 180 | Hüte: 418

@eli4s
"Was ist denn notwendiger als so ein universelles, und wie du selbst sagst (?), wichtiges, Thema des menschlichen Lebens [...]? wenn das nicht wichtig ist, sind 90% aller Filme nicht wichtig. Kann dir immer noch nicht ganz folgen."

Ja, eben. Und das geht meiner Meinung nach aus dem Film für partiell hervor.


"Da schwingt nicht mehr viel Subtext ohne ein anständiges Wort Dialog."

Das mag sein, der Subtext ist nichtsdestotrotz dennoch vorhanden. Was bei "Marriage Story" nicht der Fall ist. Was allerdings auch gar nicht notwendig oder ein Muss ist, ich reagierte hier jetzt nur speziell auf deinen Vergleich mit "Pulp Fiction".

"Und was macht denn Tarantino als Regisseur zu einem großen Anteil?"

Zum Einen verfügt er über eine individuelle und kreative Handschrift, die seine Filme aus der 08/15-Masse hervorheben, zum Anderen sind seine Filme in der Regel bildsprachlich sehr interessant und bedeutsam. Beide sehe ich in "Marriage Story" jetzt nicht.

"Ich war auch traurig, dass luhp meine Begeisterung nicht geteilt hat - weil ich sie gerne geteilt hätte. Da "verzweifle" ich auch mal dran, aber eher im positiven Sinne. Aber es ist ja dann auch eine Chance auf Austausch und neue Perspektiven."

Wahre Worte!


@sublim77
"Was genau macht euch Spaß daran, euch in eurer Freizeit einen Film anzusehen, in dem einfach alles nur zeigt, wie beschissen das Leben doch sein kann?"

Ich für meinen Teil möchte nicht einfach nur anspruchslose Kunst (hier: Filme) zum Abschalten, zum Berieseln oder der profanen Unterhaltung wegen konsumieren. Dafür ist mir die Zeit zu schade, so eine schlichte Lebensexistenz möchte ich nicht fristen. Arbeiten gehen, abschalten, schalfen gehen und so weiter... Dafür sind reale Geschehnisse auch viel zu relevant. Ich möchte daher lieber intellektuell herausgefordert und weitergebildet werden, emotional überwältigt werden, meinen Horizont erweitern, mehr über die Wesenhaftigkeit der Welt, des Menschen und menschlichen Zusammenleben erfahren. Das Leben ist eben kein Ponyhof und besteht nicht nur aus Friede, Freude, Eierkuchen und das sollte in Kunst auch wiedergegeben werden.

Ansonsten einen Hut für deine offenen Worte!

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

MJ-Pat
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sublim77 : : Rattle Head
14.12.2019 16:50 Uhr | Editiert am 14.12.2019 - 22:35 Uhr
0
Dabei seit: 18.12.15 | Posts: 5.036 | Reviews: 42 | Hüte: 464

@MobyDick und @eli4s:

Also erstmal muss ich sagen, das ich eure Antworten wirklich sehr spannend zu lesen fand. Ich hoffe meine Antwort genügt euch, denn da ist so vieles, auf das ich einfach keine Antwort habe. Ich fange einfach mal mit dem offensichtlichen an.

Also mein Sohnemannn ist fast 17 (und hier im Forum als Halespare4 bekannt, auch wenn er im Moment keine Lust mehr auf MJ hat).

Ich geb euch Recht, dass die Schauspieler in Marriage Story absolut toll spielen. Man nimmt ihnen jede Szene, jedes Gefühl, jeden Gefühlsausbruch komplett ab. Da kann ich nichts gegenteiliges sagen. Was filmspezifische Techniken angeht, generell kann ich an technischen Dingen sowieso nichts wirklich fachkundig bewerten, weil ich da einfach keine Ahnung habe. Also ich meine ob der Kameramann gut, die Beleuchtung toll oder der Schnitt gut war. Ich bemerke höchstens mal, wenn mir ein Film zu schnell geschnitten ist oder die Kamera zu viel wackelt oder mir generell der Ablauf einer Story durch schlechten Schnitt negativ auffällt. Auch hier kann ich nichts davon in Marriage Story feststellen.

Ich bemerke, dass ihr euch beide sehr viel Gedanken über Dinge in und an einem Film macht, die für mich keine besondere Bedeutung haben. Wenn ich mir zum Beispiel die Szene ansehe in der der Mann weinend zusammenbricht, dann ist das für mich einfach nur nevig. Oder auch die Szene mit dem Messer ist für mich einfach nur zum fremdschämen. Da denke ich einfach nur, dass der Typ einen an der Waffel hat. Und ehrlich gesagt kann ich da auch nicht drüber lachen. Ich empfand das einfach nur peinlich. Ebenso die Szene in der Sie für Ihn das Essen aussucht. Da denke ich einfach nur, was das für eine null ist. Lässt sich scheiden und kann noch nicht mal selbst sein Essen bestellen. Das ringt mir dann höchstens ein weiteres genervtes Kopfschütteln ab. Aber ich finde es gut, dass ihr diese Szene erwähnt habt, denn ich fange langsam an zu verstehen, wie ihr bei solchen Szenen tickt und warum ihr sowas gut findet.

Da eli4s Filme wie Joker, Rambo oder auch Hacksaw Ridge erwähnt hat, will ich hierzu ein paar Beispiele bringen.

Eine Szene, die ich in Rambo - Last Blood besonders gut fand, war die, in der Rambo dem Mädchen eine Frage stellt, sie ihn bewusst anlügt und er dann volle Kanne das Messer in den Tisch rammt und irgendetwas sagt wie: "Sag mir wo Sie ist. Wenn du mich anlügst, dann werde ich dir sehr, sehr weh tun." woraufhin sie ihm natürlich sagt, was er wissen will. Versteht ihr, das ist für mich eine starke Szene. Nicht unbedingt die Gewalt, sondern die Art mit welcher Konseqenz er die Sachlage klärt. Bei sowas bekomm ich Gänsehaut. Oder auch beim Joker, als er den geschockten Kollegen (nachdem er den anderen in der Wohnung völlig überraschend platt gemacht hat) erklärt, dass er ihn gehen lässt, weil er immer nett zu ihm war, diese Situation zeigt ganz klar, dass ER hier sagt, wer weiterleben darf und wer nicht, DAS ist für mich eine starke Szene. Und Hacksaw Ridge ist einfach ein spannender Film, auch wenn ich Kriegsfilme generell eher nicht so mag. Der Junge gibt einfach nicht auf. Sowas beeindruckt mich. In Marriage Story geben im Prinzip alle einfach nur auf, sowas depremiert mich und das will ich eben nicht sehen. Das gibt mir ein schlechtes Gefühl und wie MobyDick schon festgestellt hat, will ich Filme sehen, die mir in irgendeiner Form ein gutes Gefühl geben. Auch Spannung kann ein gutes Gefühl sein, sogar wenn ein Film nicht gut ausgeht (wie z.B. Star Wars Episode 3 oder Braveheard), kann er bei mir ein gutes Gefühl erzeugen. Bei Marriage Story gibt es weder Spannung, noch ein gutes Ende, finde ich jedenfalls (und ich weiss, dass ihr das anders seht). Das ist auch der Unterscheid zu Three Billboards Outside Ebbing Missouri. Der Film gibt einem irgendwie das Gefühl, das es irgendwie weitergeht. Die Geschichte ist auf eine ganz besondere Weise Liebenswert.

Ich denke es läuft bei mir meistens auf das Selbe hinaus. Ich mag Filme in denen ein starker Hauptprotagonist die Zügel in der Hand hält und über sich hinauswächst. Und das Thema ansich muss mich halt interessieren. Marriage Story handelt grundsätzlich mal von einer Scheidung. Das ist jetzt nicht unbedingt ein Thema, mit dem ich mich befassen will. Wie eli4s schon schrieb, wäre es schlimm genug, wenn man es müsste. Natürlich könnte man jetzt sagen, mit einem durchgeknallten Joker will man sich ja wohl eigentlich auch nicht befassen, oder mit einem Verrückten Typ der ein Messer in meinen Wohnzimmertisch rammt. Klaro, aber es geht hier eben um eine Geschiche über Heldentum, was ich eben spannend finde. Wogegen bei Marriage Story alle einfach nur nerven (also mich jedenfalls). Ganz besonders nervt mich die Anwältin der Frau. Vor allem aber die Situation, die sie schafft, wo es doch hätte so einfach sein können. Mir tut der Typ einfach nur leid, wohingegen ich die Frau und die Anwältin zum Ende des Films hin fast schon gehasst habe, weil sie ihm das alles aufgezwungen haben. Mal im ernst, wenn seine Frau einfach mal artikuliert hätte, was sie will, dann hätten sich die beiden nie trennen müssen. Natürlich ist die Tatsache, dass er fremdgegangen ist auch nicht gerade eine Glanzleistung gewesen, aber das wusste sie ja noch garnicht, als sie sich diese Teufelin als Anwältin geholt hatte. Ihr seht, dass ich mir schon Gedanken über den Film gemacht habe, denn ich wollte dem Streifen wirklich eine Chance geben. Aber das sind alles Gedanken, die ich eher als nevativ und eben nervig empfinde.

Nichtsdestotrotz, will ich auch weiterhin Filme schauen, von denen ich glaube, dass sie mir nicht gefallen und werde bestimmt auch immer wieder danach fragen, was anderen daran gefällt. Einfach weil mich die Antworten ernsthaft interessieren. Also nochmal danke an euch, dass ihr einem Actionfan wie mir, ein wenig mehr die Tür zu solchen Filmen öffnen wollt. Hierfür einen Hut.

Ich hoffe ihr findet meine Antworten nicht zu platt, ich hab das jetzt einfach mal frei von der Leber weg geschrieben.

Bei der Macht von Greyskull! Isch han uff de Grub Geschloof!!!

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eli4s : : Moviejones-Fan
13.12.2019 16:41 Uhr | Editiert am 13.12.2019 - 17:03 Uhr
1
Dabei seit: 22.02.12 | Posts: 2.171 | Reviews: 33 | Hüte: 76

Uff, ganz schön viel Text. Aber ich möchte gerne dazu einsteigen...

@MobyDick 1) / sublim

Schau dir nur an, welche Szene bei eli4s extrem hängen geblieben ist. Diese Szene war für mich nur eine weitere Szene. Dafür hat mich der Meltdown des Mannes beim Streit sehr berührt.

Ich weiß, dass du das nicht ausgeschlossen hast, trotzdem nochmal fürs Protokoll. Bei mir sind sehr viele Szenen hängen geblieben und der Meltdown hat mich ebenfalls sehr berührt. Mir hat der ganze Film von Anfang bis Ende gefallen. Aber ja, die Szene war schon der Gipfel des Absurden^^

Der Film ist einerseits recht nüchtern und nichtssagend

Also, sorry, aber das kann ich so nicht stehen lassen. Wieso ist der Film nichtssagend. Neben seinem vollkommen legitimen Kernthema (Baumbachs übergreifendes Thema) nämlich wie zwischenmenschliche Beziehungen funktionieren und hier spezifisch die Trennungsgeschichte, hat der Film noch viele weitere Themen, die er anspricht, wie du ja selbst auch sagst. Also ist der Film auch nicht nichtssagend. Oder wie meinst du das.

Wenn ich es auf die Spitze treibe, ist kein Film einfach nur ein Film. Jeder hat einen anderen Geschmack, andere Erfahrungswerte.

Das würde ich sofort unterschreiben. Kein Film ist nur ein Film.
Der letzte Akt beim Schaffen eines Films ist, ihn zu schauen. Manche behaupten ja Bedeutung entsteht erst bei der Rezeption (Stimmt natürlich so nicht). Deshalb hat auch jeder ein anderes Seherlebnis.
Im Zuge dessen zB. bei Interesse mal Stuart Halls Encoding Decoding Modell reinziehen.

@Sublim77 /Moby

Erstmal finde ich es toll, dass dir Moviejones so wichtig zu sein scheint, dass du dich durch einen Film quälst, der dir nicht gefällt.

nach den ersten zehn Minuten fagte mich mein Sohn: "Äh...warum schauen wir uns diesen Käse nochmal an?"

Naja gut, ich weiß nicht, wie alt dein Sohn ist, aber als Kind hätte ich so einen Film auch als langweilig empfunden... generell aber dazu... Geschmack hin oder her: wer nur zehn Minuten schaut, kann sich auch keine vernünftige Meinung bilden.

Mein Problem dabei ist auch nicht, dass mir so mancher Film (wie auch Marriage Story) dann nicht gefällt, sondern die Tatsache, dass ich die oft komplett anders gelagerten Aussagen (...) nicht nur nicht nachvollziehen kann, sondern sie mir erscheinen, als wären sie in einer anderen Sprache geschrieben.

Haha, tja so kann das passieren. Aber das muss ja nicht zwangsweise schlecht sein.
Ich war auch traurig, dass luhp meine Begeisterung nicht geteilt hat - weil ich sie gerne geteilt hätte. Da "verzweifle" ich auch mal dran, aber eher im positiven Sinne. Aber es ist ja dann auch eine Chance auf Austausch und neue Perspektiven.

Wenn ich jetzt ungeschönt und absolut ehrlich meine Meinung und meine Eindrücke zu Marriage Story äussern muss, dann bleibt da einfach nichts positives übrig.

Naja, jetzt mal vom Inhalt abgesehen zu dem du keinen Zugang gefunden hast... die Schauspieler waren doch zB. gut, meinst du nicht? Ordentlich zumindest? Sollten sie ja sein, sind ja Profis der ersten Riege weltweit...

Was genau macht euch Spaß daran, euch in eurer Freizeit einen Film anzusehen, in dem einfach alles nur zeigt, wie beschissen das Leben doch sein kann? Wieso um alles in der Welt, sollte es mir Spaß machen zwei reichen Leuten beim streiten über belangose Alltagsprobleme zuzusehen?

Also erstens, finde ich das sehr überspitzt. Der Film zeigt nicht nur, wie alles beschissen ist. Das ist nun schlicht weg falsch. Der Film zeigt ja durchaus auch, die schönen Seiten der Liebe - auch im Zuge der Trennung. Es gibt so nette Szenen, wie wenn Scarlett dem guten Adam weiterhilft, als er sich bei den Anwälten nicht entscheiden kann, was er zu Mittag essen soll (auch eine Wahnsinns-Szene nebenbei), was zeigt, wie gut sie ihn kennt. Sowas passiert immer mal wieder sehr subtil im ganzen Film. Das versöhnliche Ende und die "Briefe" nicht zu vergessen.
Zweitens, so schlimm die Trennung ist - ist hier noch lang nicht alles beschissen.
Drittens... DIE SIND NICHT REICH, VERDAMMT laughing
VIERTENS... das ist alles andere als belanglos. Das verstehe ich nun wirklich nicht.
Wenn sich du und deine Frau jetzt trennen würdet (Gott bewahre, wir wollen es nicht hoffen, aber müsstest dich ja eigentlich gut hineinversetzen können) dann wäre das doch für dich auch nicht belanglos, sondern ein großes existienzielles Problem, ein einschneidendes Ereignis, eine große emotionale Belastung?? oder etwas nicht? Also ist es nicht belanglos.
Wie schon anderswo gesagt: der Film erzählt von Beziehungen, wie die funktionieren, wie absurd und kompliziert das sein kann, was das für die Figuren bedeutet, emotional, finanziell etcetc. ...
Fünftens. Es ist immer noch eine Komödie. Eine Tragikkomödie (die besten!), aber trotzdem. Der Film ist voll von schwarzem Humor, was ich sehr gerne mag. Ich verstehe vollkommen, wenn du sagst, das ist nicht dein Humor und damit kannst du nichts anfangen. Aber zu erkennen, dass da Humor drin ist und andere Leute das lustig finden könnten, sollte schon möglich sein. Das geht ja teilweise fast in Slapstick. Um bei meiner Lieblingsszene zu bleiben: der Besuch zu Hause von der Frau vom Gericht/Jugendamt oder was auch immer. Wo Driver alles perfekt machen und vorbereiten will und nichts funktioniert von vorn bis hinten... und das gipfelt in der Szene mit dem Messer (cringe!), was er vergeblich versucht zu überspielen, dass dann noch die Tür nicht aufgeht, er der Frau nicht die Hand geben kann und alles vollblutet und danach umkippt. Das ist - meiner Ansicht nach - so toll aufgebaut, das ist pures Comedy-Gold.

So jetzt mal zu den "deprimierenden Anteilen". Auch die deprimierenden Szenen lösen ja (bei manchen von uns) Gefühle aus. Gefühle der Empathie zum Beispiel. Auch das kann Spaß machen oder gewisse Bedürfnisse befriedigen.
Bei Interesse mal nach Studien zum Uses-and-Gratifications Approach raussuchen.

Da steckt ja fast ne philisophische Frage drin. Warum schauen wir Filme? Was bringt das? warum tun wir Menschen überhaupt irgendwas? Warum fahr ich im Winter auf einen Berg um auf einem Brett wieder herunterzufahren... ist doch vollkommen absurd?

Was ich jetzt wiederum nicht verstehe, ist:
einerseits sagst du, das ist dir zu deprimierend (in dem Fall bedingt nachzuvollziehen, da Komödie) und du willst dich abseits des Jobs nicht mit so Real-World-Problems auseinandersetzen, wie Moby sagte, was vollkommen in Ordnung ist.
Aber andererseits gefällt dir dann sowas wie Joker, Rambo, Hacksaw Ridge... um mal drei Beispiel zu nennen. Joker ist ja wohl 1000x deprimierender als Marriage Story. und in den anderen beiden werden am FLießband leute abgeschlachtet. Diese zeigen doch sehr viel mehr, was alles beschissen ist. Ich finde, da bist du dann nicht sehr konsequent.

Soweit mal dazu. Mache mal noch einen extra Post für MobyDick

EDIT: war jetzt doch nicht mehr soviel

@MobyDick 2)

Sehr häufig bei solchen Kritikerlieblingen und Festivalhits handelt es sich um verkopfte Intellektuellenfilme, die nicht jedermanns Sache sind. Sie haben eine Menge "versteckte" Anspielungen und kokettieren damit, wen sie alles wie zitieren und welche Themen sie streifen. Das macht sogar ein Tarantino so.

Also bei Marriage Story handelt sich es aber nun wirklich nicht um einen "verkopften Intelektuellenfilm".
Tarantino hat das sogar perfektioniert...

...Leute, die sich aus Bequemlichkeit und Egoismus einen immer bitterer werdenden Scheidungskrieg liefern, anstatt sich zusammenzuraufen und eine gemeinsame Lösung zu finden.

also so simpel ist es, denke ich, nicht. Beziehung und menschliche Bedürfnisse sind etwas komplexer. Wenn man sich nur etwas zusammenraufen müsste, würden sich vermutlich nicht so viele Paare trennen.

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MobyDick : : Moviejones-Fan
13.12.2019 08:58 Uhr
1
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.148 | Reviews: 99 | Hüte: 351

sublim77

Ich spreche hier jetzt nur für mich!

Also erst mal möchte ich mal ganz kurz sagen, dass dir der Film nicht gefallen muss, nur weil er allen Kritikern gefällt. Sehr häufig bei solchen Kritikerlieblingen und Festivalhits handelt es sich um verkopfte Intellektuellenfilme, die nicht jedermanns Sache sind. Sie haben eine Menge "versteckte" Anspielungen und kokettieren damit, wen sie alles wie zitieren und welche Themen sie streifen. Das macht sogar ein Tarantino so.

Ich schaue mir das Zeugs trotzdem ganz gerne an, weil es zu einem gewissen Grade auch eine Art Ratespiel ist: Welche Einstellung wird jetzt für welchen Zweck gewählt, wieso hängt im Hintergrund dieses Filmplakat, warum heisst die Protagonistin wie sie heisst usw. Aber das passsiert alles recht parallel zum Schauen des eigentlichen Films und fällt mir auch nicht immer sofort auf. Aber das ist trotzdem irgendwie spannend, und man muss sich manchmal in diese Filme regelrecht hineinkämpfen, weil sie so oberflächlich verdammt langweilig sein können. Mit der abnehmenden Aufmerksamkeitsspanne in der Gesellschaft heutzutage wird das immer mehr zu einem Problem.

Ich erinnere mich an letztes Jahr, als mir eine ähnliche Situation wie dir jetzt mit Marriage Story passiert ist. Ich habe mit meiner Frau Roma angefangen zu schauen und sie ist vor totaler Langeweile dabei eingeschlafen. Ich war selbst todmüde, habe mich aber trotzdem durch den eigentlich strunzlangweiligen Film durchgequält, gerade weil der Film trotz allem was er eigentlich nicht abgeliefert hat, immer wieder trotzdem etwas anderes geliefert hat, und dann kommt irgendwann eine krasse Eigendynamik in den Film rein, das Audiovisuelle verschmilzt regelrecht mit dem Inhalt und man sitzt plötzlich fast schon erleuchtet und mit einer Gänsehaut da, weil das trotz aller Tristesse und Beiläufigkeit für die betroffenen Figuren schließlich doch eine epochale Phase in ihrem Leben ist und wir daran irgendwie teilhaben durften.

Das muss nicht jedermanns Sache sein, und ist es sicher auch nicht. Aber wie gesagt, muss es auch nicht. Wenn dir der Film nicht gefällt, darfst du ruhig auch sagen, dass du ihn scheisse fandest. Das ist völlig legitim und genausowenig falsch wie dass der Film über den Klee gelobt wird. Es kommt immer darauf an, wo du gerade im Leben stehst und wie du zu gewissen Aspekten im Leben stehst.

Und jetzt zu deiner Wahrnehmung des Films an sich:

Du bringst es in deinen 2 Absätzen ehrlich gesagt tatsächlich teilweise besser zum Punkt als ich es in meiner ganzen Review hingekriegt habe: Das ist tatsächlich auch die Geschichte zweier recht wohlhabender Leute, die sich aus Bequemlichkeit und Egoismus einen immer bitterer werdenden Scheidungskrieg liefern, anstatt sich zusammenzuraufen und eine gemeinsame Lösung zu finden. Und wenn man das so sieht, kann man auch ziemlich angewidert vom Film rauskommen, da dieser Aspekt bis zum Ende durch exerziert wird. Aber wie gesagt, es kommt darauf an, wie und wo du im Leben stehst, und das ist deine Sichtweise zu diesem Film. Eli4s und luhp, die eben (höchstwahrscheinlich alleine vom Alter oder den Lebensumständen her, evtl haben sie auch einen ganz anderen Standpunkt zu Familienplanung als du, wer weiss das schon) ganz andere Ansichten als du haben, werden gänzlich andere Aspekte aufgreifen.

Und das macht der Film halt in der Art wie er das macht, wirklich gut, er wirft jeder Gesinnung gewisse Bröckchen zu und gibt ihnen was, womit er dann den Film konsumieren kann. Nicht umsonst schrieb ich ja sinngemäß in meine Kritik, dass das der Scheidungsfilm für die Generation "UP in the Air" ist. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass Familienstrukturen sich immer weiter auflösen, weil die Leute es heutzutage - vereinfacht gesprochen - immer seltener in Betracht ziehen, füreinander zu kämpfen. So ist das halt auch mit den beiden, die sich immer noch irgendwie lieben. Und das ist halt der Realismus des Films. Aber das ist eben nur ein Aspekt dieses Films.

Klar das muss nicht jedem gefallen, mir hat das auch nicht unbedingt gefallen. Auch ich wollte ab einem Punkt nicht, dass der Film endet (selbst eli4s sagt ja irgendwann, dass er nicht wollte, dass der Film endet, die Frage wäre hier, ob aus ähnlichen Gründen?), dass er so endet, egrade weil ich dann bei den letzten Szenen doch noch auf das Hollywoodende gehofft habe, aber der Film nimmt halt für sich in Anspruch eben kein typischer Hollywoodfilm sein zu wollen.

Aber um nochmal auf dich zurück zu kommen, und nochmal in aller Deutlichkeit, ich finde nicht, dass du Filme falsch verstehst oder gänzlich anders wahrnimmst, da gibt es kein richtig oder falsch. Und jeder, der den anderen wegen seiner Wahrnehmung bestimmter Punkte oder evtl. sogar wegen der Nichtwahrnehmung an den Pranger stellt, hat irgendwie nicht verstanden, dass alles richtig und alles falsch sein kann. Selbst der Regisseur eines Werkes hat nach Ablieferung nicht mehr die Deutungshoheit über sein Werk! und du siehst halt Sachen nunmal anders, nicht weniger richtig. So einfach ist das manchmal.

(Wobei man das sicherlich einschränekn kann, sollte und sogar muss, wenn es ganz deutliche Signale in einem Werk gibt, und dann Leute trotzdem die Augen dafür verschliessen, weil sie vehement anderer Gesinnung sind, sei es nun rassistisch, religiös, sexuell oder sonstwie motiviert, dann gibt es natürlich immer trotzdem ein richtig oder falsch. Aber ich wollte jetzt auf den recht unschuldigen offenen Blick auf ein Werk eingehen, da ich ja hier davon ausgehe, dass du dem Film tatsächlich eine wahre Chance eingeräumt hast und dich darüber austauschen willst)

Nur noch ein kurzes weiteres Beispiel: Ich glaube du warst es, der dem irishman wirklich gruselige Effekte attestiert hat. Auch hier: Besser konnte ich es nicht auf den Punkt bringen!

Ich weiss nicht, ob dir das Antwort groß was nützt?

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
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sublim77 : : Rattle Head
12.12.2019 20:40 Uhr | Editiert am 12.12.2019 - 21:25 Uhr
1
Dabei seit: 18.12.15 | Posts: 5.036 | Reviews: 42 | Hüte: 464

@MobyDick:

Zuerst mal muss ich sagen, dass du tatsächlich schon sehr vieles richtig getroffen hast und einiges, was ich schreiben wollte, vorweggenommen hast. Ich muss sagen, ich bin wirklich überrascht, dass du mich doch so gut einschätzen kannst. Denn vom Gefühl her werde ich sehr viel öfter falsch eingeschätzt und fühle mich missverstanden, auch und gerade von Leuten, von denen ich meine, dass sie mich besser "kennen" würden. Bevor ich dazu komme, näher auf meine Gedanken zu Marriage Story einzugehen, möchte ich erzählen, wie mein recht kurzer erster Kommentar zustande gekommen ist.

Aufgrund der tollen Bewertung von dir und einigen anderen, wollte ich mir Marriage Story zusammen mit meiner Frau und meinem Sohn ansehen. Wir begannen den Film zu schauen und schon nach den ersten zehn Minuten fagte mich mein Sohn: "Äh...warum schauen wir uns diesen Käse nochmal an?". Ich erklärte ihm, dass der Film sehr positiv auf MJ angekommen ist und meinte, er solle der Sache eine Chance geben. Er entschied sich (keine fünf Minuten später) in sein Zimmer zu gehen um einen "guten Film" zu schauen. Weitere zehn Minuten später etwa, monierte dann meine Frau den Streifen. Sie entschied sich ebenfalls nicht weiterzuschauen. Stattdessen wollte sie (ich zitiere) "eine ihrer Backzeitschriften lesen, weil das spannender sei, als dieser depressive Kram". So saß ich dann alleine da, fest entschlossen diesen Film zu Ende zu schauen, was ich auch tat. Als dann der Abspann lief, gingen mir all die überschwänglichen Kommentare durch den Kopf. Äusserst depremiert, zum Einen über den Film, vor allem aber über meine Unfähigkeit auch nur irgendetwas von dem Gesagten mit dem Gesehenen in Einklang bringen zu können, textete ich den einzigen Satz, der mir zu Marriage Story in diesem Moment einfiel.

Soviel zu meinem ersten Kommentar, der (das ist mir bewusst) natürlich keinen Mehrwert hat, sondern lediglich Ausdruck meiner Frustration in diesem Moment war.

Kommen wir nun zu meinem generellen Problem mit solchen Filmen und den für mich völlig unveständlichen Kommentaren.

Ich denke, dass du meinen Filmgeschmack und meine Einstellung zu Filmen schon sehr gut getroffen hast, darum muss ich das jetzt auch nicht groß weiter ausführen. Auch die Tatsache, dass ich gerne auch mal Filmen eine Chance gebe, von denen ich eigentlich ausgehe, dass sie mir nicht gefallen werden, trifft absolut zu. Denn wenn dem nicht so wäre, dann hätte ich Marriage Story nie angeschaut. Mein Problem dabei ist auch nicht, dass mir so mancher Film (wie auch Marriage Story) dann nicht gefällt, sondern die Tatsache, dass ich die oft komplett anders gelagerten Aussagen von zum Beispiel dir oder auch luhp92, fast immer auch eli4s, nicht nur nicht nachvollziehen kann, sondern sie mir erscheinen, als wären sie in einer anderen Sprache geschrieben. Es ist, als hättet ihr einen anderen Film gesehen, als ich. Das mag jetzt vielleicht etwas polemisch klingen, aber es scheint mir manchmal fast, als ob ihr in einer anderen Welt leben würdet wie ich oder als ob sich für euch eine völlig andere Welt erschließt, die mir gänzlich verborgen bleibt. Oft führt das bei mir zu einer Art ausdrucksloser Verzweiflung, die sich dann in spitzen Kommentaren entlädt. Dabei liegt es mir absolut fern eure Meinungen zu diskreditieren, ganz im Gegenteil. Ich versuche wirklich aufrichtig es zu verstehen oder wenigstens ein bisschen nachvollziehen zu können. Doch letzten Endes gelingt es mir nicht.

Wenn ich jetzt ungeschönt und absolut ehrlich meine Meinung und meine Eindrücke zu Marriage Story äussern muss, dann bleibt da einfach nichts positives übrig. Bitte nicht falsch verstehen, aber für mich ist das einfach nur ein langweiliger, depremierender und zutiefst uninteressanter Film über zwei Menschen, die sich aus halbgaren Gründen scheiden lassen wollen und am Ende ihrer Wege gehen, nachdem sie Unmengen an Geld zum Fenster hinausgeschmissen haben. Und hier kommt jetzt meine absolut ernst gemeinte Frage, an alle die diesen Film toll finden. Was genau macht euch Spaß daran, euch in eurer Freizeit einen Film anzusehen, in dem einfach alles nur zeigt, wie beschissen das Leben doch sein kann? Wieso um alles in der Welt, sollte es mir Spaß machen zwei reichen Leuten beim streiten über belangose Alltagsprobleme zuzusehen?

Ich habe mir heute mal die Mühe gemacht und einige Freunde angerufen, die auch Netflix haben. Ich habe sie gefragt, ob sie den Film schon gesehen haben. Das Ergebnis war, dass drei ihn angefangen haben, keiner ihn aber länger als eine halbe Stunde geschaut hat. Niemand fand ihn gut. Das muss ja noch lange nichts über den Film sagen, aber was ich damit sagen will, ist, dass ich in meinem Umfeld keinen gefunden habe, dem dieser Film gefällt, so dass ich hätte versuchen können meinen Fragen ein wenig mehr auf den Grund zu gehen. Darum hoffe ich, dass du (ihr) mir ein wenig mehr vermitteln könnt, was man an diesem Film nun gut finden kann. Deine Review habe ich natürlich gelesen, kann daraus aber nicht schlau werden. Wie gesagt, ich kann deine Aussagen zum Film nicht mit dem in Einklang bringen, was ich gesehen habe.

Abschließend möchte ich dir nur noch kurz sagen, dass ich nicht aufgrund deiner Korrektur, die ja auch sachlich absolut richtig war, ein wenig spitzfindig geantwortet habe. Vielmehr war es der Ärger über mich selbst, dass ich es nicht fertig gebracht habe, mehr diskutables über diesen Film zustande zu bringen, als einen Rechtschreibfehler, geschweige denn einen diskutablen Text.

Soviel erst einmal von mir.

Bei der Macht von Greyskull! Isch han uff de Grub Geschloof!!!

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MobyDick : : Moviejones-Fan
12.12.2019 15:46 Uhr
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sublim77

Sehr gerne. Ich freue mich auf deine ausführliche Meinung :-D

Hmm, habe ein bißchen überlegt, ob ich das Folgende jetzt schreiben soll, oder ob das deiner Argumentation vorgreift, schließlich kenne ich dich ja nicht wirklich. Aber was solls. Wenn es dich stört, sag mir bitte einfach Bescheid und ich lösche das dann.

Ich denke schon, dass ich deinen Filmgeschmack mittlerweile recht gut abstecken kann und daher auch irgendwie verstehe, was du eigentlich meinst (Korrigier mich bitte wenn ich daneben liege): Einerseits magst du zwar recht dumpfe Crowdpleaser a la Gerard Butler Filme, andererseits bist du aber schon um eine gewisse Moralität bemüht, weshalb beispielsweise Atomic Blonde bei dir gar nicht geht. Du hast glaube ich auch mal geschrieben, dass du schon bei der Arbeit mit so viel Extremsituationen konfrontiert bist, dass du abends auch einfach nur mal nebenher abschalten willst und nicht unnötig mit Real-World-Problems vollgestopft werden willst. So weit so gut. Was aber dann doch immer wieder durchschimmert, ist dass du trotzdem gut besprochenen Werken immer mal eine Chance gewährst, wider eigentlich besseren Wissens, da davon auszugehen ist, dass sie dir eh nicht gefallen werden. Wenn ich mich recht erinnere hat dir ja daher beispielsweise Three Billboards dabei ja wirklich gut gefallen? Insofern gehe ich schon davon aus, dass du durchaus auch andere Qualitäten als den normalen Ballerfilm auch würdigen tust. Dies wird ja vor allem auch dadurch unterstrichen, dass sowohl Archer als auch Undone bei dir ganz gut wegkommen.

Was hat das jetzt mit Marriage Story zu tun? ich gehe davon aus, dass du - wahrscheinlich von den extrem guten Bewertungen überall - den Film gesehen hast und er dich einfach nicht abgeholt hat. Wahrscheinlich war er dir zu nah an der Realität, oder er war dir nicht nah genug an der Realität, aber irgendwie hat er dich nicht abgeholt. Es kann sogar die eine oder andere Szene gegeben haben, die dich so gar nicht angesprochen hat. Und letztendlich hast du dir gesagt: War jetzt nur ein Film, okay, habe es versucht. Fair enough.

Dass es jetzt allerdings Leute gibt, die den Film so abfeiern können, das verstehst du jetzt nicht so recht, richtig? Nun ja, wie gesagt, ich bin da sowohl bei luhp als auch bei Eli4s. Der Film ist einerseits recht nüchtern und nichtssagend, aber andererseits sehr fein beobachtet und er streift extrem viele Themen. Er ist einfach per se nicht schlecht.

Und wie es so üblich ist, für dich ist es jetzt ein Film. Nicht mehr. Er ist für viele nur ein Film. Aber eben doch manchmal doch deutlich mehr. So ist das mit dem Medium nunmal. Wenn ich es auf die Spitze treibe, ist kein Film einfach nur ein Film. Jeder hat einen anderen Geschmack, andere Erfahrungswerte. Schau dir nur an, welche Szene bei eli4s extrem hängen geblieben ist. Diese Szene war für mich nur eine weitere Szene. Dafür hat mich der Meltdown des Mannes beim Streit sehr berührt.

Wie gesagt, ich kann verstehen, dass du mit dem Film wahrscheinlich nichts anfangen kannst, und das ist völlig in Ordnung. Es ist ja auch nur ein Film. Genauso verhält es sich bei mir mit den ganzen Star Wars Filmen. Sind halt nur Filme. Aber es gibt auch einen Grund für solche Dokumentarfilme wie The People vs George Lucas. Für irgendwen sind es eben nicht nur nur Filme mehr :-)

Und nur nochmal zur Klarstellung, sollte sicherlich kein persönlicher Angriff sein, aber irgendwie fand ich es extrem befremdlich, zwei Kommentare von dir zu lesen, die so irgendwie komplett im luftleeren Raum hängen und auch wie Hohn wirken könnten, was, erstens so gar nicht dem Bild das ich von dir habe entspricht und zweitens wie sich, wenn ich mich nicht komplett irre mit meinen obigen Ausführungen, herausstellt eben auch nicht so gemeint war?

Wie gesagt, das ist jetzt alles sehr hypothetisch was ich geschrieben habe, und egal wie weit ich jetzt von der Wahrheit entfernt bin, so rechne ich es dir hoch an, dass du dich bereit erklärt hast, Licht ins Dunkel zu bringen :-)

Dünyayi Kurtaran Adam
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@MobyDick:

Ich möchte dir gerne eine ausführliche und ernst gemeinte Antwort (bzw Frage) zu meiner Reaktion, zum Thema Marriage Story und zu solchen Filmen generell geben. Leider ist es mir zeitlich im Moment nicht möglich. Heute Abend oder morgen früh versuche ich mir die Zeit zu nehmen und hoffe, dass du darauf antworten wirst, da ich ein paar Fragen habe, deren Antworten mich aufrichtig interessieren.

Bei der Macht von Greyskull! Isch han uff de Grub Geschloof!!!

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MobyDick : : Moviejones-Fan
12.12.2019 10:13 Uhr
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sublim77:

Sollte sicherlich kein Klugscheissmodus sein, zumal ich mir deiner Eloquenz durchaus bewusst bin, aber da du ja hier so lange und süffisant elaboriert hast, dass du eigentlich nichts zum Film beizutragen hast, wollte ich doch zumindest dafür sorgen, dass deine Ausführungen nicht doch ein kleines bißchen mißverstanden werden:

Weil viel ist ja schon eine ganze Menge undecided

Dünyayi Kurtaran Adam
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sublim77 : : Rattle Head
12.12.2019 09:53 Uhr | Editiert am 12.12.2019 - 09:56 Uhr
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@MobyDick:

Interessant, was dir so alles auffällt. Selbstverständlich habe ich diesen Fauxpas beseitigt, möchte aber hinzufügen, dass ich denke, dass es hier im Forum doch einige weeeeesentlich größere Baustellen in Sachen "Rechtschreibung" gibt, um die man sich kümmern könnte (sollte? müsste?), lese ich doch täglich einige Kommentare, die beim Lesen fast schon Augenkrebs verursachen. Verbesserungsvorschläge habe ich aber zumeist vermieden, schließlich mag Klugscheißer ja keiner wink

Bei der Macht von Greyskull! Isch han uff de Grub Geschloof!!!

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MobyDick : : Moviejones-Fan
12.12.2019 09:44 Uhr | Editiert am 12.12.2019 - 09:44 Uhr
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sublim:

Da viel mir auv, dass Du viel tatsächlich mit f schreiben solltest tongue-out

Dünyayi Kurtaran Adam
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