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About Schmidt

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About Schmidt

About Schmidt Kritik

About Schmidt Kritik
0 Kommentare - 07.08.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "About Schmidt" ist.

Bewertung: 4 / 5

Für Warren Schmidt (Jack Nicholson) ändert sich schlagartig sein Leben, als er in Pension geschickt wird. Als dann noch seine Frau Helen (June Squibb) stirbt, beginnt das Chaos. Er ist ziellos und hat sich mit seiner Tochter Jeannie (Hope Davis) zerstritten und als er herausfindet, daß seine Frau eine Affäre hatte, ist seine Welt völlig zerstört. Nun macht er sich mit einem Wohnmobil auf die Reise zu den Orten seiner Vergangenheit, um sich selbst wiederzufinden.

Die Zeit zu fangen und sie in wahrhaftige Momente zu verwandeln, ist ein Traum, der nicht nur vielen Menschen das Leben versüßt, sondern auch das Medium Film immer wieder vor Herausforderungen stellt. Dann kommt das Leben und wenn es da ist, dann weiß man eigentlich schon ganz genau, was damit gemeint ist. About Schmidt ist ein Film über das, was man eigentlich nicht zum Thema einer solchen Geschichte machen würde und dennoch will dieser Film Kitsch und er will Kitsch wiederum nicht. So sind da ähnliche Gefühle zu ganz anderen Momenten zu sehen. Der Tod, der völlig belanglos für diese Hauptfigur zu sein scheint und die Tochter, die alles für sie darstellt. Warren Schmidt ist eine komplexe Figur und in manchen Momenten ist sie schlicht und ergreifend nicht nachvollziehbar, weil sie sich nach etwas sehnt, was sie in nahezu gleicher Auslegung ablehnt. Das ist natürlich nicht exakt das gleiche, wenn man seine eigene Frau kaum betrauert und dennoch genau die Entfremdung herbeiführt und auch sucht und auf der anderen Seite eine stärkere Bindung zur eigenen Tochter haben will. Das heißt der Konservatismus, wird hier durch einen anderen Konservatismus ausgetauscht. Zumindest auf dieser rein familiären Ebene. Dabei wird Warren zwangsläufig mit den unterschiedlichsten, ihm fremden Menschen konfrontiert und der Film bietet hier leicht die Möglichkeit an, sich über all diese linksalternativen Lebensstile, die wahre 68er noch leben, lustig zumachen. Das ist mitunter so ein wenig unangenehm, weil der Film hier eigentlich eine Kultur vorführt, deren Kernthesen eben nicht nur aus Drogen und Schlachtrufen bestand.

Ja, frei von konservativen Konzepten ist About Schmidt nicht. Wenngleich der Film den Zuschauer auch mit einer hochkomplexen Hauptfigur konfrontiert, die immer wieder über die sozialen Muster des Lebens philosophiert. Einem tansanischen Jungen namens Ndugu schreibt der ältere Herr immer wieder Briefe und berichtet davon, was ihm gerade widerfährt. Vieles ändert sich da, die Frau stirbt, sein Vermächtnis als Versicherungsmakler wird auf den Kopf gestellt und heiratetet seine Tochter, einen Mann, der bei weitem nicht seinen Idealen entspricht. Schmidt bewegt sich da auf ganz dünnem Eis, weil seine ideologischen Ideen vielleicht auch nicht in allen Punkten so sind, wie man sich eine perfekte Welt vorstellen würde. Gleichsam ist dieser Film in all dem nachdenklichen, was diese Figur dem kleinen Jungen schreibt, auch nicht selten unehrlich. Gekonnt vermischt der Film hier die Taten der Hauptfigur mit seinen Worten und Schriften an den Jungen. Der Zuschauer kennt die gesamte Wahrheit und weiß auch, daß dieser Mensch nicht gerade ein philosophischer Philanthrop ist. Viel eher bringt der Film seine Hauptfigur als einen Vertreter des American Way of Life in Position, dessen Schicksal die letztliche Einsamkeit bleiben wird. Da gibt es kein Happy End für diesen Charakter und all die Scherben, die Warren auf seinem Lebensweg hinterlassen hat, werden für immer bleiben. Das Intelligente daran ist, daß die Hauptfigur das auch weiß und nicht etwa versucht ihr Leben komplett zu wandeln. Klar ist da die Tochter, die für ihn von Bedeutung ist, aber es geht ihm nicht darum, sich mit allen auszusöhnen und ein besserer Mensch zu werden.

Denn dieser Film ist vor allem eines, eine bitterböse Abrechnung und Satire auf das schlichte amerikanische Volk. Während Schmidt mit einem zukünftigen Schwiegersohn konfrontiert wird, dessen Familie er nicht ausstehen kann und für ziemlich verblödet hält, lässt er sich das natürlich in klassischer Kleinbürgermanie kaum anmerken. Doch dieser Mann verteilt immer wieder Spitzen. Da ist es sogar okay, dieses kapitalistische Gedankengut der Hauptfigur in Kauf zu nehmen. Zumal das ja auch in Einsamkeit mündet. Ganz offen und ohne eine Form von Scham versucht Schmidt dann seine Tochter zu überreden, diesen Mann nicht zu heiraten und man kann das als Zuschauer aus folgenden Gründen super nachvollziehen. Zum einen ist es natürlich so, dass die 68er-Attitüde schon in ihrer Ausübung relativ peinlich ist. Man muss zwar nicht überall und vielleicht auch auf einer Hochzeit nicht mit Schlips und Krawatte erscheinen, doch auf der anderen Seite merkt man, daß in diesen Gutmenschen auch nichts mehr steckt als die völlige Verblödung. Wenn es intellektuell dann etwas mehr ist, dann werden Drogen hier eigentlich als Ventil verwendet, um in der eigenen Tristesse zu überleben. Darauß entspinnen sich herrliche Momente der Familienzusammenkunft, zwischen Schwiegereltern, Freundin des Vaters und so weiter und so fort. Ein Wasserbett für einen Schmidt. Jack Nicholson spielt dabei seine Rolle so gekonnt und hyperironisch und sarkastisch, dass man in seinen ständigen Blicken merkt, wie entgeistert er in diesen Reihen von Menschen ist.

Unterdessen und in all den Interaktionen mit diesen Menschen sucht dieser Mann die Flucht aus diesem Leben. Mit seinem Wohnwagen hatte er eigentlich vor, eine Reise mit seiner Frau anzutreten. Doch nach kurzer Trauer macht er sich nun alleine auf den Weg und betrachtet das Leben aus ganz neuen Blickwinkeln. Auch hier kommt der sehr tragische Charakter des Films zum Vorschein, weil dieser Mann so einsam und ziellos durch die Welt streift. Es ist aber nicht so, als wäre es vorher anders gewesen. Auch die Ehe gab da keinen Halt, zumal sie auch der Auslöser von verpatzten Chancen sein könnte. Diese entstanden nur aus der Ehe und so stellt dieser Film die gewagte und mutige Antithese vieler Pilgerfilme dar, nach welchen eine Figur ihre Mitmenschen zur Überzeugung bringen muss, daß Liebe oder sonstig pathetisch verklärte Themen auf diesem Planeten durchaus die Lösung allen Übels sind. Daß hier ein Jack Nicholson auch perfekt gecastet ist, liegt wohl auf der Hand. Der Bruch mit dem kleinbürgerlichen Leben ist einer, der sich auch rein konzeptionell für Komödien sehr gut anbietet, da gerade diese auch häufig dieses Leben zeigen, ohne dabei einen Bruch hineinzubauen. Man erinnere sich nur mal an die Sitcoms der 2000er Jahre, in denen How I Met Your Mother (2005-2014) und später auch The Big Bang Theory (2007-2019) einen breiten Konservatismus predigten, nach welchem Erfüllung nur die Liebe geben kann und auch Frauen dafür grundsätzlich ein wenig auf das Frausein reduziert werden.

Die Einsamkeit eines normalen Lebens gehört zu den Grundthesen, die About Schmidt vermitteln möchte. Darin liegt die Erkenntnis, daß Momente wichtiger sind, als eine familiäre Pracht. Nicht immer geht dieses Konzept auf, weil die Satire gerade im Hinblick auf Beziehungsmuster von der Menschlichkeit eingeholt wird. Und dennoch ist dieser Film so herrlich böse, hat einen brillanten Hauptdarsteller und reiht sich in die Riege großer analytischer Werke über die Bedeutung von Trauer und das Leben ein.

About Schmidt Bewertung
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810

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