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Das Schweigen der Lämmer

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Das Schweigen der Lämmer Kritik

Das Schweigen der Lämmer Kritik

Das Schweigen der Lämmer Kritik
0 Kommentare - 02.10.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Das Schweigen der Lämmer" ist.
Das Schweigen der Lämmer

Bewertung: 3.5 / 5

Als der Frauenmörder Buffalo Bill (Ted Levine) im Nordosten der USA sein Unwesen treibt, sendet der Leiter der Verhaltensforschung des FBI Dr. Crawford (Scott Glenn) die junge, noch in der Ausbildung befindliche Agentin Clarice Starling (Jodie Foster) unter einem Vorwand zu dem inhaftieren Kannibalen Dr. Hannibal Lecter (Anthony Hopkins). Von ihm erhofft sich Crawford insgeheim Informationen über die Identifizierung des Mörders.

Auch wenn der Begriff Psychothriller eigentlich nur einen gehobenen Horrorfilm umschreibt, so lässt sich über Das Schweigen der Lämmer sagen, daß dieser Film im wahrsten Sinne, des Wortes diesen Begriff erfüllt. Nicht, im negativen Sinne. Wenngleich es durchaus Aspekte in diesem Film gibt, die einfach etwas Albernes zu sich haben. Faszinierend wird das vor allem in der zweiten Hälfte, denn sobald Hannibal Lecter aufgrund eines Handels mit dem FBI in ein anderes Gefängnis verlegt wird, überschlagen sich plötzlich die Ereignisse. Ab diesem Punkt hat er alles unter Kontrolle. Clarice Starling ist ihm komplett ausgeliefert, Polizisten passieren völlig banale Patzer und das FBI hat keine Zeit für Lecter. An dem Punkt im Film muss wirklich das Gewissen darüber entscheiden, ob man das Gezeigte noch für voll nehmen kann. Denn tatsächlich ist auch das so ein wenig arg konstruiert. Denn wie sich die Polizisten hier ausspielen lassen, mit welchen Anstrengungen Lecter es schafft, eine Leiche verschwinden zu lassen und dann noch in einem Krankenwagen abtransportiert zu werden, ohne daß die Beteiligten überprüfen, wer dort wie liegt und wer eben nicht, daß ist, auch wenn man dem Film nichts Böses will, ausgemachter Quatsch. Und das wäre indes kein Problem, wenn es solchen Thrillern nicht auch zum Großteil darum ginge, eine wirklich stimmige und nachvollziehbare Geschichte zu erzählen. Doch das gelingt nur, wenn man ein paar Gehirnzellen einfach anderweitig benutzt.

Unterdessen gibt es in diesem Film wirklich viele unerwartete Wendungen, von denen ein Ausbruch eben nur eine ist. Eine weitere unerwartete Wendung ist aber leider Gottes ebenso erwartbar und von daher nicht wirklich spannend. Väter hier, Väter da. Nach der guten alten Spielberg-Schule erklärt Das Schweigen der Lämmer viel weniger von der inneren Psyche seines Deuteragonisten Hannibal Lecter, sondern von seiner eigentlichen Hauptfigur. So weit, so gut. Doch wenn man ein wenig geschult ist in gängigen Stereotypen klassischer Filme, dann erkennt man nach dem ersten Gespräch zwischen Starling und Lecter, wohin dieser Film sich entwickeln wird und das kann mitunter sauer aufstoßen, weil es auch der gemahnten Logik der Geschichte wiederum schadet. Denn man darf dann auch gerne mal die Frage in den Raum werfen, warum denn eine Person, die vom FBI ausgebildet wird, sich so einfach in die Fänge von einem hochintelligenten Serienmörder begibt. Da werden Bedingungen verhandelt, die ganz klar etwas absurd anmuten. Gleichzeitig wird dann auch die Übermacht des Dr. Lecter deutlich, indem ihm natürlich die Gabe zuteilwird, Menschen, die darauf geschult sind zu lügen, zu durchschauen. Auch ist es ein wenig unrealistisch, daß Dr. Lecter, selbst wenn er der Therapeut von besagtem Mörder war, keine Aufzeichnungen oder Unterlagen über die psychologischen Innereien von Buffalo Bill hat, oder man nicht ganz einfach auch jemand anderen zurate ziehen könnte. Das mag man dem Film durchaus verzeihen, entpuppt sich dabei aber dennoch als Kernpunkt der Geschichte und ist indes nicht gut genug konstruiert worden.

Überdies ist Das Schweigen der Lämmer ein wirklich atmosphärischer Film, der seine Spannung aus dem zieht, was den Zuschauer wirklich erschüttert. Nämlich bildliche Gewalt. Man muss das nicht zeigen und die wenigen Momente der tatsächlichen, rohen Gewalt sind dabei umso wirkungsvoller. Ein Großteil des Charmes des Films ist natürlich auch vor allem Anthony Hopkins’s Darstellung zuzuschreiben. Sein Hannibal Lecter hat einen eindringlichen Blick und lässt sich nie ganz in die Karten schauen, während er seine ganz eigenen Bedingungen verhandeln möchte. Dann wiederum schafft es Hopkins auch den Zwiespalt und die ambivalenten Bindungen zu Claris Starling oder auch zu Barney Matthews zu veranschaulichen. Dabei zeigt er sich unterschwellig, tatsächlich verletzlich und gleichsam auch Person, die durchaus die ein oder andere emotionale Bindung eingehen kann, was seinem Psychopathenstatus natürlich nur noch widerlegen würde. Auf der anderen Seite erfährt man in diesem zweiten Teil auch zu wenig über die letztliche Beziehung zwischen Lecter und Starling, was dann auch wieder dazu führt, daß gerade dieser Aspekt reine Interpretation bleibt. Indessen bleibt Foster im gesamten Film leider viel zu vorhersehbar, was natürlich auch dem Drehbuch geschuldet ist, aber dem Werk dadurch etwas an Kraft raubt.

Ähnliches lässt sich auch über den Film sagen und hier gerät man dann auch wirklich in einen Konflikt. Das Problem ist nämlich, daß die Geschichte des Films bis auf ein paar kleine Unterschiede eigentlich nur nochmal Roter Drache (2002) wiederholt. Und nun steht natürlich die Frage im Raum, ob man das diesem Film vorwerfen kann. Schließlich ist Das Schweigen der Lämmer auch Jahre vor dem genannten Prequel gedreht worden und erschienen. Nun, damit kommt man dann wirklich zur offenkundigen Geschmacksfrage, weil man dann nur noch aufgrund handwerklicher Aspekte werten kann. Und an der Stelle würde ich behaupten, daß Roter Drache sowohl von der Atmosphäre stimmiger, als auch mit Schauspielern wie Edward Norton, Harvey Keitel, Ralph Fiennes, Emily Watson aber auch vor allem Philip Seymour Hoffman einen deutlich besseren und Charakterdarstellerlastigen Cast zu sich hat. In der letztlichen Wertung geben sich beide Filme aber nicht wirklich etwas, weil die Geschichte einfach gleich bleibt und auch Handwerk und Darstellerriege für eine Wertung in diesem Fall zu wenig ausschlaggebend sind. Ansonsten machen die Schauspieler in diesem Fall natürlich auch Spaß. Allen voran ein Ted Levine, aber auch der ein oder andere improvisierte Hopkins-Moment, machen das Werk in seiner Gänze durchaus unterhaltsam.

Dabei bezieht sich der Film natürlich auf real existierende Vorbilder, wenn es um die Darstellung seiner Massenmörder geht. Es mag sein, daß das dem gesamten Treiben nochmal einen doppelten Boden gibt, dennoch ist das Werk auch sonst nichts für zartbesaitete. Interessant ist zudem, daß der gesamte Film ebenso wie sein Vorgänger keinerlei Längen aufweist. Denn dadurch, daß der Film zwei parallele Handlungsstränge und eine dichte Atmosphäre zu sich hat, kommt wirklich keine Langweile auf. Natürlich tun die Schauspieler dabei ihr Übriges.

Wem auch immer das zu verdanken ist, ob Vorlage, ob Drehbuch, ob irgendetwas anderes, so ist Das Schweigen der Lämmer im Kontext der gesamten Reihe ein durchaus ermüdendes Sequel, weil es nichts zu erzählen gibt, was nicht schon erzählt wurde. Wirklich vorhalten kann man das einem Werk, daß elf Jahre vor seinem Prequel erschien, aber auch nicht und so verbleibt vor allem das Gefühl von großartiger Ruhe, in grausamer Tragik. Getragen wird das von einem tollen Cast, der von Hopkins’s Leistung profitiert. Manche Wendungen sind ab Sekunde eins klar, doch als Thriller überzeugt der Film dennoch.

Das Schweigen der Lämmer Bewertung
Bewertung des Films
710

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