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Der beste Film aller Zeiten

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Der beste Film aller Zeiten Kritik

Der beste Film aller Zeiten Kritik

Der beste Film aller Zeiten Kritik
0 Kommentare - 21.07.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Der beste Film aller Zeiten" ist.
Der beste Film aller Zeiten

Bewertung: 3.5 / 5

Der Milliardär Humberto Suárez (José Luis Gómez) möchte sich zu seinem 80. Geburtstag ein Denkmal setzen, welches in endgültig verewigen soll. Dazu plant er den besten Film aller Zeiten zu produzieren und seinen Namen ganz groß auf die Plakate zu bringen. So entscheidet er sich, die Rechte an einem Pulitzerpreis ausgezeichneten Roman zu kaufen und die exzentrische, aber viel gefeierte Regisseurin Lola Cuevas (Penélope Cruz) anzuheuern, um das Projekt in die Tat umzusetzen. Für die beiden Hauptrollen im Film peilt Cuevas den großen Theaterschauspieler Iván Torres (Oscar Martínez) und den internationalen Filmstar Félix Rivero (Antonio Banderas) an. Doch bereits bei den Proben geraten die beiden Stars aneinander und sorgen für einen schwierigen Verlauf bei den Vorbereitungen.

Die Welt aus dem Blickwinkel des Filmschaffenden ist eine Welt, die so kinderleicht von der Hand geht. Wer könnte nicht besser über die Filmindustrie reden, als es große Schauspieler tun könnten. Dabei ist dieses Werk auch keine Ausnahme, schließlich sind Filme über Filmproduktionen in den letzten Jahren immer wieder vermehrt auftreten. Von Hail, Caesar! (2016), über Stan & Ollie (2018), bis hin zum deutschen Pendant Traumfabrik (2019) oder auch Mank (2020) ist das Thema des Films im Film immer häufiger eines, daß die Verantwortlichen hinter dem Projekt zum Kern ihrer Geschichte machen. Und häufig fehlt da ein gewisser Realitätsbezug, weil man da leicht der Dekadenz frönt. Die Künstlerinnen und Künstler solcher Projekte, also die Rollen in den Filmen, erfahren häufig einen Höhenflug und einen tiefen Fall, gleichsam wirken sie oft sehr unnahbar, weil sie so ironisch daherkommen. Gerade Komödien haben da auch das Problem, daß die Unnahbarkeit natürlich ein Teil des Konzeptes ist. Und so ein wenig dekadent wirken auch diese Figuren. Grundsätzlich lässt sich sagen, daß es schwerfällt, diese Figuren zuzuordnen, weil sie natürlich auch ganz unterschiedlich sind und eben dabei die Kontraste darstellen. Der Künstler, mit den Starallüren, daß kennt man ja schon. Der Künstler, der sich die Wahrhaftigkeit ersehnt und der Künstler, der ein Klischee darstellt. Gerade in einem so breiten Spektrum und in einer Kunstform, die die unterschiedlichsten Facetten eines Menschen herauskitzeln soll, wundert es doch schon stark, daß man hier auf Klischees setzt. Und warum dem so ist, liegt auf der Hand. Es handelt sich um eine Komödie, in welcher eben Karikaturen regieren.

Trailer zu Der beste Film aller Zeiten

Doch die Probleme, die Der beste Film aller Zeiten hat, sind eher kleinlich im Vergleich zu dem, was der Film bietet. Im Prinzip spielt sich ein Großteil der Handlung in einem Haus ab, indem die Proben zum geplanten Film entstehen sollen. Der ganze Witz am Film ist aber auch bezeichnend für das, was in großen Studiosystem schiefläuft. Denn hier regieren nicht mehr die Künstler über das Projekt, sondern die Geldgeber, sprich die Produzenten. Gleich zu Beginn wird klar, daß der Milliardär Humberto Suárez in das Filmgeschäft einsteigen will, um sein eigenes Ego zu befriedigen. Hier teilt er also auch Gemeinsamkeiten mit dem Künstler. Doch der Unterschied zu den Künstlerinnen und Künstlern hier ist, daß diese eben auch Ahnung von Kunst haben. Das ist natürlich eine perfekte Parabel auf Hollywood, lässt sich aber wohl gleichsam auch auf die spanische, wie auch deutsche Filmindustrie anwenden. Wo sind diejenigen, die wirklich auch Ahnung von Kunst haben, beziehungsweise ein handwerkliches Verständnis von einem Film. Die Antwort schmeckt nicht gut, liegt aber gleichsam auf der Hand. Der Film wirft hier kein rosiges Licht auf die Filmproduktion und wühlt dann erstmals bitterböse in Wunden. Da werden dann zu Teilen einzelne Szenen geprobt, um sie dem Finanzier vorzuspielen. Die Macht und das Unverständnis für wirkliche Kunst, die hier in Suárez zu erkennen sind, machen überdeutlich, was da schiefläuft.

Zumeist findet der Film in einem Haus statt, wo Cruzs, Martínez’s und Banderas’s Figuren immer wieder aneinandergeraten. Das geht direkt zu Beginn los, indem Rivero vor seinem Drehpartner sehr eigenwillige Methoden anwendet, um sich auf seine Rollen vorzubereiten. Und gerade in diesen Momenten ist der Film albern, aber auch großartig satirisch, weil er zum einen den aktuellen Zeitgeist im Filmgeschäft, aber auch die großen Klischees jedwedes Künstlers einfängt. Da wird diese Autorenfilmerin gezeichnet, die einen Film drehen will, der Bedeutung hat und eine gewisse Schwere. Man kann nicht anders, als diese Figur direkt in ein stereotypes, linksliberales Bild zu packen. Auch die sexuelle Orientierung wird dann gleich zum Thema, was eben dann wieder ein Spiegel der Zeit ist. Der große Konflikt liegt aber zwischen den Egos der Männer. Das hat mitunter immer was klischiert animalisches, ist aber auch im Zusammenspiel großartig. Hier werden Konservatismus gegen Progressivismus, akribische Vorbereitung gegen lautere Arbeitsmoral und Ruhm gegen Eitelkeit ausgespielt. All diese Charaktere haben etwas Unehrliches an sich. So behauptet der Theaterkünstler Torres, daß die Anerkennung durch Preise kaum Bedeutung hat und es ihm als Künstler nur darum geht, ein großes Kunstwerk abzuliefern. Viele Preise lehnt er angeblich aus einer Antihaltung geben über Preisverleihungen und dem Publikum ab, entlarvt sich aber dann, wenn er etwa seine Dankesrede für einen eventuellen Oscar, den er sich durch seine Leistung erhofft, vor einem Badezimmerspiegel probt.

Dabei kommt der Film dann zu der Aussage, daß Künstler sich immer nach Anerkennung sehnen. Ob das nun stimmt, oder nicht, ist sicherlich eine viel zu komplexe Frage, um sie zu klären. Dennoch wird wohl etwas dran sein, schließlich ist es nun mal die Aufgabe von Schauspielern gesehen zu werden und wenn man keinen Gefallen daran fände, würde man das wohl auch nicht tun. Den Zeitgeist hingegen trifft am ehesten Rivero, weil er etwa in bester Influencer-Manier seinen Followern auf jedwedem sozialen Netzwerk davon berichtet, was er nun tut. Das ist schon recht treffend, wenn man sich ansieht, wie viel Künstler heute über Instagram oder dergleichen teilen. Die einzig ehrliche ist da wohl dann Lola, weil sie für ihr Werk so weit gehen würde, alles aufzugeben, was sie in diesem Leben festigt. Das ist zwar auch überzeichnet und stellt sozusagen die Antithese zum Schauspieler dar, ist aber indes auch wahr, weil der Fokus eben komplett auf dem Projekt liegt, für das sie arbeitet und ihre Künstler teils heftigst drangsaliert.

Und dann nimmt der Film tatsächlich nochmal eine ganz andere Richtung ein, indem er sehr schwarzhumorig und bitterböse wird. Wer ab diesem Zeitpunkt noch nicht den Eindruck hatte, daß die Filmwelt verkommen war, wird sie spätestens gegen Ende haben. Dabei überrascht der Film auch, weil er tonal recht ernst wird und den Zuschauer dann auf eine ganz andere Fährte führt. Es musste wohl so kommen und es hat wohl acuh die richtige Figur getroffen, weil ihre Präsenz dann doch nicht so groß war. Man merkt, wie viel Quatsch dann in Interviews geredet wird und wie unehrlich diese Welt sein kann.

Etwas verbraucht ist das Thema schon und Der beste Film aller Zeiten wird sicherlich nicht seinem Namen gerecht werden. Dann wiederum trifft der Film einen interessanten Kommentar auf den Zeitgeist moderner Filmproduktionen und das Aufeinandertreffen von Egos. Das ist schauspielerisch absolut unterhaltsam und sorgt dafür, daß die Zeit recht schnell vergeht.

Der beste Film aller Zeiten Bewertung
Bewertung des Films
710

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