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Erin Brockovich - Eine wahre Geschichte

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Erin Brockovich – Eine wahre Geschichte Kritik

Erin Brockovich - Eine wahre Geschichte Kritik

Erin Brockovich - Eine wahre Geschichte Kritik
0 Kommentare - 26.07.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Erin Brockovich - Eine wahre Geschichte" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Erin Brockovich (Julia Roberts) hat es nicht leicht. Als Mutter von drei Kindern und nach zweimaliger Scheidung, beginnt sie als Anwaltsgehilfin in der Kanzlei von Ed Masry (Albert Finney). Während ihrer Arbeit stößt sie auf eine auffallende Häufung von Krebsfällen in einer kleinen Gemeinde. Es stellt sich heraus, daß diese durch verseuchtes Trinkwasser im Ort verursacht werden. Mit der Erlaubnis von Masry geht sie der Sache weiter nach und wird vor immer mehr Hürden gestellt.

Kommt man zu Beginn in eine Planung über Großprojekt, dann gibt es Dinge, die in einem Film nicht fehlen dürfen. Mit Stilsicherheit hat das nichts zu tun, viel eher aber mit Feigheit. Auch wenn das wie die letzte Polemik anklingt, ist es doch letztlich eher eine Trauer um das, was aus dem Leben von Erin Brockovich gemacht wird. Nicht, daß es nicht der Wahrheit entspräche, denn man munkelt, der Film täte dies peinlichst genau. Nicht, daß die Geschichte nicht erzählenswert wäre, denn das ist sie auch im übergeordneten Sinne, weil sie natürlich eine gewisse Botschaft hat. Es geht um Aufklärung, viel eher, als es um Feminismus, das Konzept der Familie oder ähnliche Themen geht. Es geht also nicht unbedingt um das Individuum, weil dieses auch hätte jedes andere sein können. Doch auch dieser Gedanke verdreht die Wahrheit, weil dieser Film mit einer Hauptfigur daherkommt, die ein wahrer Glücksfall ist. In ihrem ständigen Treiben und Schaffen ist Brockovich von Beginn bis zum Ende einfach nur herrlich gewöhnlich. Ob Beleidigungen, Wutanfälle oder ganz üble Polemik, Erin Brockovich beherrscht das, was man natürlich aus einer privilegierten Sicht heraus als Gossenslang titulieren würde. Doch manche Menschen sind eben ehrlich, schockierend. Und ebenso schockierend ist, daß diese Figur darüber hinaus so komplex scheint.

Man denkt daran zurück, daß ein großer Umweltskandal, der das Wasser der Ortschaft verseucht hat, nicht zum letzten Mal Thema eines Filmes sein sollte. Vergiftete Wahrheit näherte sich dem ziemlich gleichen auf einer weitaus dramatischeren Ebene an. Dabei ist Erin Brockovich – Eine wahre Geschichte aber keineswegs eine Komödie, sondern viel eher durch eine Hauptfigur gesegnet, deren Idealismus den Zuschauer auch wirklich interessiert. Und dann kommt natürlich Julia Roberts ins Spiel. Der Film bietet mit ihrer Leistung natürlich daß, was den großen Filmpreisverleihungen gerne gefällt und hier gelingt Roberts aber dennoch eine hochkomplexe und vielschichtige Leistung, deren Deutung einzig und allein eine Geschmacksfrage bleibt. Denn man kann das als grotesk empfinden, wenn eine Frau etwa ihr weites Dekolleté einsetzt, um Informationen von einem begierigen Mann zu erfahren. Es wäre aber ein wenig unfair, dies einfach stehenzulassen, weil es auch wichtig ist, zu erklären, warum das in Ordnung ist. Letzten Endes bleibt natürlich die Frage, welchen Wert der Körper hat. Ist zynisch, daß ist klar. Auf der anderen Seite spielt das ganz gut in unsere eigene Zeit, weil der Verkauf des eigenen Körpers zugunsten von Prestige auf sozialen Medien oder dergleichen längst zum Alltag gehört. Daß wird dann natürlich als Feminismus verkauft und die Frage ist ja, ob der Mensch sich damit nicht nur einem System ergibt, oder grenzenlose Freiheit erlangt. Der Unterschied zu modernen Marketingstrategien und Erin Brockovich ist aber, daß Brockovich keinerlei Interesse an wirtschaftlichem Erfolg hegt, sondern über ihren Zuständigkeitsbereich hinaus auf eigene Faust agiert. Dabei kann es also keinerlei Belohnung geben, die ihr persönlich einen Nutzen bringt und in dieser Hinsicht ist dies wirklich selbstlos.

Roberts dominiert hier die Leinwand mit vermeintlicher Einfachheit, Witz, und Direktheit, während sie die finanzielle Unterschicht repräsentiert. Doch nicht nur sie kann in diesem Film punkten, auch Albert Finney spielt seine Sache großartig. Das gesamte Konzept ist damit natürlich stark an My Fair Lady (1964) angelehnt, weil es auch hier einen Culture-Clash gibt, nach welchem der gediegene Anwalt immer wieder versucht Brockovich in Zaum zu halten und darin kläglich versagt. Es macht Spaß, Finney bei dieser Überforderung zuzusehen, weil seine Figur immer zwei Schritte zurück hinkt. Darüber hinaus spürt man einfach die Chemie zwischen den beiden. Wenn Roberts ihre gewöhnliche Ader sprießen lässt, kann auch Finney nicht anders, als ihr direkt in die Arme zu spielen. Abgerundet wird dieses Gespann dann nur noch von Aaron Eckhart, dessen Figur ebenso absurd und herrlich gewöhnlich anmutet, wie Roberts’ Darstellung. Eines der großen Probleme hierbei ist indes, daß Eckhart einfach zu wenig Screen-Time bekommt. Und gerade weil diese Figuren so herrlich schräg sind und ihre Präsenz immer wieder den Zuschauer in Besitz nehmen, gelingt es Soderberghs famoser Regiearbeit auch trotz der Schwere des Themas eine Leichtfüßigkeit zu bewahren, die andere Filme dieser Art vermissen lassen, oder in diesem Zusammenhang die Botschaft des Werkes völlig zerstörten.

Gleichzeitig bleibt der Film auch nicht die klassische Variante einer American Dream-Geschichte. Denn Erin Brockovich – Eine wahre Geschichte bleibt keineswegs dort stehen, wenn ihre Hauptfigur einen gewissen Wohlstand erreicht hat. Daran scheitern in der Regel solche Filme, weil sie nicht begreifen, daß die Probleme immer noch die gleichen sind, sobald ihre Hauptfigur Erfolg hat. Doch dieser Film ist durchdacht und dreht nicht einfach nur die Vermögensverhältnisse um, sondern bleibt bei seiner philanthropischen Grundprämisse. Ein ebenso immer wieder aufkeimendes Thema ist hier auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gerade der Umstand, der Hilfe wird ja gerne im neoliberalen Zeitalter gesellschaftlich mit Schwäche assoziiert und auch in dieser Hinsicht zeigt dieser Film auf, daß es ohne nicht gehen kann. Daß wird dann sogar nochmal ausgeweitet, indem sich die ein oder andere Person, deren äußerliches Erscheinungsbild und Verhalten nicht zwingend immer in einer Symbiose zwischen Verhalten und Erwartung passt, hier dennoch den Anforderungen gerecht werden kann und diese im weiteren Verlauf sogar übertrumpft.

Insgesamt bleibt das Schema zwischen gut und böse hier zwar recht banal, was aber auch daran liegt, daß der Film seine sozialen Themen primär in den Vordergrund rückt und ein banaler Antagonismus vom bösen Wirtschafts-Hampel nicht wirklich ziel fördernd wirkt. Interessant ist zudem, daß der Film nicht das Aktenwälzen oder die Kämpfe vor Gericht zu seinem Hauptthema macht, sondern eher die investigative Arbeit seiner Hauptfigur. Das führt natürlich alle um sie herum so ein wenig in den Wahnsinn, macht aber dann in der Auflösung der Konflikte nur noch mehr Spaß beim Ansehen.

Erin Brockovich – Eine wahre Geschichte gehört vor allem Julia Roberts. Ihre Figur ist so herrlich amüsant und gewöhnlich zugleich, wie man sich selten traut. Dabei gelingt es der Regie gleichsam den Fokus genau daraufzulegen, während Genreklischees zumeist umgangen werden. Natürlich ist die Geschichte altbekannt, doch auch der restliche Cast tröstet darüber locker hinweg, sodass das gesamte Werk kurzweilig, trotz der Schwere bleibt.

Erin Brockovich - Eine wahre Geschichte Bewertung
Bewertung des Films
710

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