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Hulk

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Hulk Kritik

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Hulk Kritik
0 Kommentare - 21.06.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Hulk" ist.

Bewertung: 3 / 5

Der Wissenschaftler Bruce Banner (Eric Bana) arbeitet zusammen mit seinem Team, in welchem auch seine Ex-Freundin Elisabeth „Betty“ Ross (Jennifer Connelly) ist, an einem Experiment mit Gamma-Strahlung. Eines Tages wird Banner der radioaktiven Strahlung ausgesetzt und kann zur Verwunderung vieler überleben. Doch seitdem plagen ihn Albträume und er wacht an unbekannten Orten mit zerrissener Kleidung auf. Zudem verfolgt ihn auch noch ein seltsamer Mann (Nick Nolte).

Die Faszination eines Charakters wird manchmal missverstanden, gerade Comicverfilmungen litten eine ganze Weile daran, auf gewisse Dinge einfach reduziert zu werden. Da gab es dann seelenlose Actionfilme, versuchte Komödien wie etwa Fantastic Four (2005) und Fantastic Four: Rise of the Silver Surfer (2007), es gab übersexualisierte hautenge Anzüge, ohne daß der Charakter irgendeine Form von Substanz zu sich hat wie in Elektra (2005) oder Catwoman (2003). Es gab Machwerke, über dessen Schlechtigkeit man endlos lange diskutieren könnte wie Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen (2003) und es gab Hulk. Nun ist der Hulk an sich eine wirklich faszinierende Persönlichkeit, weil er so vieles in sich vereint. Er steht für Dr. Jekyll und Mr. Hyde, er steht für Dr. Frankenstein und Frankeinsteins Monster, er steht für das Produkt aus einer Atomkrieg verseuchten Umgebung, also der großen Angst der 1960er Jahre. Er steht für eine sexuelle Konnotation, die keinerlei Höhepunkte erfahren kann, ohne dabei zu eskalieren. Er steht für den inneren Konflikt aus sehnsüchtiger Nähe zu der Liebe seines Lebens und dem Abstand, den er gewinnen muss, um diese zu beschützen. Er steht für so vieles, was man großartig, auch dramatisch aufgreifen könnte. Doch Ang Lees Interpretation des Hulk-Stoffes lässt eines tunlichst vermissen: Spannende Charaktere. Da gibt es all diese Bewegungen in dem Leben von Bruce Banner und trotzdem regt sich dabei nichts in seinem Wesen. Er versprüht keinerlei Emotionen, wenn es um Verlangen und derlei Dinge geht. Dabei wirkt Eric Bana zumeist auch in der Hauptrolle völlig uncharismatisch, was aber vermutlich auch daran liegt, daß der Film die Figur völlig farblos zeichnet.

Trailer zu Hulk

Das besondere und irgendwie absurde an diesem Werk ist, daß Ang Lee eigentlich ein Meister der leisen Töne ist. Völlig seelenruhig inszeniert er große Dramen, die von großen Gefühlen handeln und diese dabei tatsächlich auch erreichen kann. In Hulk stellt sich aber erstmal heraus, daß sein Stil sich mit einem latent schizophrenen Drehbuch beißt. Da geht es um die Psychologie des Charakters, aber es geht auch um Ästhetik in Form von Action. Das heißt, der Ansatz der Figur soll sich in zweierlei Hinsicht zeigen, während keine Form davon überhaupt angemessen bedient wird. Überdies werden ohnehin auch weitere Figuren etabliert, die zwar in das Mantra von Lee passen und auch in das von Künstlern wie Steven Spielberg oder George Lucas geprägte Familienbild, leider aber nicht in diesen Film. Dann die gesamte Zeit über etabliert der Film den großen Konflikt einer Familientragödie, nach dem Vorbild von William Shakespeare. Der Vater, warum sind es immer diese Väter, die in Geschichten so wichtig für das Leben des Protagonisten sind. Man muss sich dagegen auflehnen. Ist es pubertärer Trotz, der hier zum Vorschein kommt, oder sind es tatsächlich reelle Konflikte? Nun, um dahingehend mal einen sozio-psychologischen Deutungsversuch zu wagen, der auch im Hinblick auf diesen Film spannend sein kann, behaupte ich ganz frech, daß der Hulk natürlich ähnlich wie die Figur von Spider-Man auch für körperliche Veränderungen steht. Dabei ist das Thema von Hulk innerhalb der frühen Comics natürlich ein anderes. Daß aber so eine Figur in den Konflikt der Elterngeneration gerät, der sich während einer Phase der körperlichen Veränderung offenbart, spricht hier dafür, daß die Adoleszenz hier zum Gewinner wird.

Meines Erachtens sollte man pubertierende Menschen wesentlich ernster nehmen, als es der Film vielleicht häufig getan hat und auch noch tut. Insofern darf man Regisseuren wie John Hughes ein großes Lob aussprechen. Dabei kommt in Hulk aber eines zum anderen, denn wenn man nach einem wissenschaftlichen Standard schaut, dann sind im Zuge der Pubertät einige Hirnareale natürlich nicht so ausgereift, wie bei einem Erwachsenen Menschen. Daß der Hulk aber im Kern das Produkt einer kaputten Umwelt ist, zeigt, wie viel Wert in junge, rebellische Menschen gelegt wird. Weil diese Veränderungen, also pathetisch gesprochen Veränderungen zum Besseren, natürlich in dieser Lebensphase am ausgeprägtesten sind. Um nun auf den eigentlichen Film zurückzukommen, steht die Hauptfigur natürlich im starken Konflikt zwischen wissenschaftlichem Streben und der Leitung dessen, durch das Militär. Es gibt in den Comics und in der späteren Verfilmung Der unglaubliche Hulk (2008) kaum einen klareren Antagonismus, als das Militär. Doch der Film macht dahingehend einen großen Fehler, weil der Figur des ehemaligen Soldaten Glenn Talbot zu viel Raum gibt und dieser insofern auch nach Macht strebt. Dadurch verlagert sich aber der gesamte Zentralkonflikt von einer Organisation oder einem Kollektiv, auf einen einzelnen, wodurch eine systemische Kritik an den Strukturen des Militärs verloren geht. Ohnehin kommt General Ross in dem gesamten Film viel zu gut weg.

Das findet aber auch alles nur auf einer symbolischen Ebene statt. Denn hier werden tatsächlich keine wirklichen Figuren in Szene gesetzt, sondern nur Symbolträger für verschiedene Ideologien. Doch im Kern bleiben diese Figuren dabei einfach zu uninteressant, um ihnen folgen zu wollen. Auch im Hinblick darauf, daß man hier mehr auf Charakterdrama, als auf Action setzt, sorgt dies mitunter dafür, daß die Action im Kern viel zu dosiert daherkommt. Zwar macht das Spaß, den Hulk durch die Wüste hüpfen zu sehen. Dennoch braucht der Film viel zu viel Zeit, um überhaupt so weit zu kommen. Insgesamt vermittelt Lee auch inhaltlich den Eindruck, als wolle er den Comicfans ein Werk präsentieren, welches sich stark an Comics orientiert. Dabei setzt der Regisseur auf die klare Inszenierung von Panels durch Splitscreens und dynamische Kamerafahrten. Das ist insofern clever, als daß es die langatmige Exposition ein wenig rasanter gestaltet.

Insgesamt versucht der Film durchaus über seine zeitgemäßen Actionsequenzen hinwegzutäuschen, indem es viele Szenen mit dem Hulk gibt, die sich bei Nacht abspielen. Dabei fehlt auch ganz klar ein Antagonist. Gleichsam sind die Szenen, die dann wirklich mal zur Sache gehen, auch wirklich intensiv und zeigen den Hulk in seiner rohesten Form. Schauspielerisch sind es vor allem Nick Nolte und Sam Elliot, die zu überzeugen wissen. Während Bana die ganze Zeit etwas neben der Spur wirkt. Jennifer Connelly wirkt gnadenlos verheizt, ohne dabei richtig zur Geltung zu kommen. Wenn sie aber dann mal was zu sagen hat, ist das gewohnt gut. Josh Lucas hingegen ist einfach dabei.

Es mag der Liebe für diesen Charakter geschuldet sein, und dennoch bietet Ang Lee in Hulk einige Dinge, die man auch im Comicgenre selten gesehen hat. Der Versuch Drama und Action zu kombinieren gelingt hier nicht zweifelsfrei, klar ist aber das die symbolischen Bedeutungen der Charaktere gut getroffen wird und auch stilistisch zwischen bewusst überzogenem und stilsicherer Härte hin- und hergewechselt wird.

Hulk Bewertung
Bewertung des Films
610

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