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Sinola

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Sinola Kritik

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Sinola Kritik
0 Kommentare - 11.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Sinola" ist.

Bewertung: 3 / 5

Zu Beginn des 20. Jahrhundert wundert der ehemalige Kopfgeldjäger Joe Kidd (Clint Eastwood) im amerikanischen Südwesten. Kidd ist berühmt dafür, sich aus allen Streitereien rauszuhalten, doch dieses Vorhaben wird bald auf eine harte Probe gestellt. Die US-Regierung verweigert einer Gruppe mexikanischer Kleinbauern ihre Ansprüche auf Land und deshalb greifen die Farmer zu den Waffen. Deren charismatischer Führer Louis Chama (John Saxon) schwingt revolutionäre Reden und legt sich mit dem Landbesitzer Frank Harlan (Robert Duvall) an, der Chama am liebsten tot sehen würde. Dafür möchte Chama Kidd anheuern, der die Aufgabe verweigert. Doch als Chama Kidds Pferde stiehlt, befindet sich Kidd mitten im Konflikt.

Verhandlungen um Land und Gut sind sicherlich für den romantisierten Western des latent rechten Aushängeschilds dieses Genres John Wayne ein Thema, dessen Fragestellung er nicht wirklich begreifen würde. Dabei erinnert Sinola in seinen Grundzügen schon sehr an moderne Debatten und lässt den Anschein erwecken, als wäre man hier im 21. Jahrhundert angekommen. Zugegebenermaßen, ist das aber auch nicht wirklich so clever geschrieben, wie man es gerne haben würde und so kann man sagen, daß der Film sich wie ein üblicher Vertreter seines eigenen Genres anfühlt. Ja, es ist eben dieser eine weitere Western, von knallharten Typen berichtet er, bei denen es zur Tagesordnung gehört, auch mal nicht mehr Teil der nächsten Tagesordnung zu sein. Ein Plot mausert sich da zusammen, der anhand seiner Banalität eben auch genau in diese Art von Abenteuerfilm passt, oder sogar einem modernen Abenteuerfilm entsprechen könnte. Figuren gehen Halt von A nach B, um eine Reise zu machen und das ist auch schon alles, was es dort zu berichten gibt. Und dann bekommt man ohnehin den Eindruck als drehe Sturges hier einen Werbefilm, weil er sich so in diese Landschaftsaufnahmen vernarrt, anstatt die Figuren weiterzuentwickeln. Das ist ok für ein paar Minuten, aber auch nicht mehr.

Insgesamt versucht sich Regisseur John Sturges hier schon an etwas anderen Gedanken. Das bedeutet im Prinzip, daß er eine Rachegeschichte zentralisiert und auch ansonsten den Heroismus seines Die glorreichen Sieben (1960) zum Beispiel ad acta legt. Es ist eine andere Zeit und man orientiert sich hier natürlich an dem durch Italo-Amerikaner geprägten Italo-Western. Denn das Thema bietet sich einfach an und deckt auch die A-Moral so ziemlich jeder einzelnen Figur auf. Allen voran ist natürlich auch der von Eastwood verkörperte Joe Kidd eine Figur, die die üblichen Ambivalenzen eines Eastwood-Charakters hervorhebt. Ein wenig kriminell, ein wenig A-Moral und keineswegs Probleme damit, über jedwede Leiche zu gehen. Man muss das auch ganz deutlich sagen, immerhin fängt das Werk auch für diese Figur im Gefängnis an. Dabei stellt Eastwood das natürlich gekonnt heraus und lässt den Zuschauer gleichsam mit der Frage zurück, ob das nicht sogar ein recht modernes Werk ist. Denn mit seinen Kernfragen und der Figurenschreibe lässt Sinola eigentlich genug Übertragungen in das 21. Jahrhundert zu. Und gleichsam präsentiert sich dieser Revolver-Anti-Held eigentlich als Resultat eines Systems, daß natürlich durch die bloße Gier nach Macht, aber auch ein fehlendes Gefühl für ein Miteinander, solche Individuen hervorbringt. Sie denken an sich selber und sind auch bereit, jedes Opfer in Kauf zu nehmen.

Sinola lässt sich überdies in die Kategorie von Film einordnen, die ein Paradebeispiel für einen klassischen Film ihres Stars sind. Wortkarg, a-moralisch und gut in Schuß ist Eastwood hier, dessen Höchstleistung als Schauspieler eben auch jenes Klischee ist. Das reicht aber sicherlich auch nicht an das heran, was Eastwood mit seinem Schaffen in die Filmgeschichte brachte. Nun kann man aber doch sagen, daß der Film einen unterhält. Er ist eben einer jener Western, die einen klassischen Western darstellen. Da werden keine Gefangenen gemacht und die Frage nach Länderei und Besitztum scheint aktueller denn je. Gerade wenn man sich an Werke wie Killers of the Flower Moon (2023) erinnert. Natürlich ist das vage und man sollte wohl auch von Sinola da nicht erwarten, daß er sich von Konservativen Gedankengut komplett entfernt. Man kann wohl übergeordnet sagen so ein wenig mit dem Feuer zu spielen versucht, aber nie genug, daß er jemanden verärgere und sich daran verbrennen würde. Im Prinzip funktioniert Sinola auch eher auf einer anderen Ebene, in welcher er vor allem die Romantik des Western herausstellt und eben ein klassisches Eastwood-Thema in den Mittelpunkt rückt. Denn ein Held ist sein Revolvermann eben auch nicht, sondern jemand, der mit dem Gesetz in den Konflikt gerät und dabei anhand seiner eigenen Auffassung von Gerechtigkeit eine Schneise der Verwüstung hinterlässt. Es ist wohl auch kein Zufall, daß ausgerechnet ein Zug in einen Gerichtssaal fährt.

Durch die geldgierigen Revolverhelden auf der einen und die skrupellosen Einwanderer auf der anderen Seite bedient Sinola wohl ungewollt einen relativ modernen Konflikt. Wenngleich das etwas unbeholfen wirkt und man hier keine klare Linie oder Seite ergreifen kann. Zumal man ohnehin auch daran interessiert ist, gut und böse klar zu definieren. Doch so wirklich passiert das nie und so lässt sich Sinola in einigen Momenten eindeutig zu viel Spielraum, um wirklich ein gewagtes Werk zu sein.

Sinola ist ein netter Film ohne Zweifel. Doch man sollte nicht davon ausgehen mehr als einen durchschnittlichen Western zu sehen. Klischees werden hier ohne Ende aneinandergereiht, aber durch gute Schauspieler und einen relativ modernen Konflikt aufbereitet.

Sinola Bewertung
Bewertung des Films
610

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