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The Lost City - Das Geheimnis der verlorenen Stadt

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The Lost City Kritik

The Lost City - Das Geheimnis der verlorenen Stadt Kritik

The Lost City - Das Geheimnis der verlorenen Stadt Kritik
0 Kommentare - 16.05.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "The Lost City - Das Geheimnis der verlorenen Stadt" ist.
The Lost City - Das Geheimnis der verlorenen Stadt

Bewertung: 3.5 / 5

Die gefeierte Autorin Loretta Sage (Sandra Bullock) wird auf einer Buch-Tournee entführt. Der Entführer ist der exzentrische Milliardär Fairfax (Daniel Radcliffe), der einen antiken Schatz in einer verlorenen Stadt sucht, von welchem er glaubt, Loretta wüsste, wo er sich befindet. Das Covermodel ihrer Bücher Alan (Channing Tatum) möchte sich beweisen, daß er mehr ist, als nur ein Gesicht und so versucht er Loratta zu retten.

Um in ein gewisses Maß zu passen, lehrt die Hollywoodlogik, daß Schauspielerinnen und Schauspieler gewisse Muster zu erfüllen haben, um so das Gefühl zu vermitteln, man sähe dort jemanden, den man kennt. Und so ganz falsch ist die Produktionivizierung sicherlich auch nicht, weil kein Mensch sich so verstellen kann, daß man ihn nicht mehr in ein typisches Schema packen könnte. Also, wenn es sich nicht gerade um Daniel Day-Lewis handelt. Natürlich ist ein solcher Film nicht nur auf schauspielerischer Ebene dann als reine Hommage zu deuten. Sandra Bullock ist durch romantische Komödien berühmt geworden, als muss sie in diesem Werk eine Autorin von romantischen Abenteuerromanen verkörpern. Channing Tatum wurde durch die Rolle des einfach gestrickten Schönlings bekannt, also verkörpert er diesen hier. Brad Pitt hat die Anmut eines idealen Mannes, also verkörpert er diesen hier und Daniel Radlciffe ist spätestens seit Swiss Army Man (2016), aber im besonderen auch seit Die Unfassbaren 2 (2016) dafür bekannt, exzentrische Figuren und auch Schurken zu verkörpern, also tut er das in diesem Film. Das ist nicht immer zielführend, gerade wenn es um den ein oder anderen Ekelgag geht, merkt man, daß eine reine Parodie, dann doch nicht nur pures Gold ist. Das wissen auch all diejenigen, die Scary Movie (2000) seiner Zeit interpretierten und in manchen Momenten keimt diese Art von Ekelhumor dann durchaus auch auf.

Trailer zu The Lost City - Das Geheimnis der verlorenen Stadt

Ob nun jede einzelne Szene dabei vor Ort entstanden ist, oder vor einem Greenscreen, sei mal dahingestellt. Richtig störend ist das nämlich nicht, weil der Film zu Beginn an auch klarmacht, was für ein absurder Blödsinn er eigentlich ist. Das ist aber nicht die Sorte von überdrehtem, dauerbrechendem Humor, den man seit geraumer Zeit immer wieder serviert bekommt, sondern die Komik entsteht aus der Situation heraus. Dann wird es lustig und natürlich will der Film auch als Hommage an den Abenteuerfilm verstanden werden. Dabei ist die Konstellation aus sehnsüchtigem Model und einer Liebesromanautorin auch clever gewählt, weil der Film gekonnt auch die Frage nach der eigenen Identität in den Raum wirft. Dabei wird das Werk mitunter vielleicht zu melodramatisch an einigen Stellen, allerdings gelingt es dem Regieduo Aaron und Adam Nee auch hier die Gefahr eines Abenteuers und die Spannung, die durch ein solches aufkommen soll, nie zu vernachlässigen. Klar werden einige Momente dort ausgekostet, wie etwa, wenn sich Dash von Blutegeln, die an seinem Körper kleben, umzingelt sieht. Da bleibt allenfalls ein müdes Lächeln. Dennoch überspannen die Regisseure den Bogen in dieser Hinsicht zu keinem Zeitpunkt, sodass man tonal aus dem Film gerissen würde. Und das ist schon erstaunlich, wenn man bedenkt, daß der Schurke des Films so augenscheinlich erstmal eine Motivation hat, die völliger Nonsens ist. Dadurch, daß das Drehbuch dies aber nicht als völlig aus der Luft gegriffen abtun, wirkt der Antagonist hier zu Teilen noch recht bedrohlich.

Es ist die Kunst großer Komik, absurde Momente voller ernst spielen zu können. Das machte Leslie Nielsen zum wohl lustigsten Mann auf dem Planeten. Auf der anderen Seite sucht der Film gar nicht erst den Vergleich und zeichnet einen Schurken, der sich natürlich auch dem Zeitgeist ganz gut hingibt. Ein gelangweilter, reicher Mann, der auch seine eigenen Familienkomplexe ausleben muss. Das erinnert in letzter Instanz an eine Mischung aus einem klassischen Bondschurken und modernen Pseudophilantropen à la Elon Musk. Durch die Wahl eines solchen Schurken wird somit auch klar, wovor man sich in unserer Welt fürchten sollte. Nämlich vor grenzenloser Macht Einzelner, die in Zeiten des neoliberalen Kapitalismus auch einfach gegeben sind. Hinzu kommt, daß Spiel mit der Fiktion. Daß eine solche Geschichte nun in der Realität des Films stattfindet, zeigt ja eigentlich auch auf, woran es dem modernen Kino und meinetwegen auch der Literatur mangelt. Nämlich an Vorstellungskraft und Ideen. Viel zu sehr verlangen Fans und Verleger von Loretta Sage ab, die immer gleichen Geschichten über die immer gleichen Personen zu schreiben. Es ist kein Ende in Sicht und der Seitenhieb auf den filmischen Franchisewahn und die Krise Hollywoods wird deutlich. Tatsächlich hegt der Groll sich aber sowohl gegen die Fans, als auch gegen die Vertriebe hinter dieser Art von Kunst, die eben aufgrund von Profitgier immer nach mehr verlangen. Das ist dann Kritik, die universell anwendbar ist. Ob nun diese Figur der Loretta Sage nun wirklich als die Intellektuelle taugt, zu der sie sich in ihrem Wehleid erklärt, beantwortet der Film nicht. Es könnte ja sein, daß es nicht so ist, was die Heuchelei auch auf die intellektuelle Seite bringen würde. Doch das wäre wohl zu komplex.

Natürlich versucht der Film auch die Oberflächlichkeiten der Medien- und Modelwelt offenzulegen, was dem Film in seinen ernsten Momenten trotz eines wirklich skurrilen Channing Tatums tatsächlich auch gelingt. Ob man nun wirklich seiner ganzen Freunde verliert und jeder nur noch das Produkt in einem sieht, sei mal dahingestellt. Dennoch ist es eine logische Herangehensweise und eben auch nicht komplett unbegründet, wodurch die Figur eben mehr bleibt als eine eindimensionale Hülle. Und das ist dann im Hinblick auf die nervenaufreibenden Szenen voller Action auch gut gemacht, weil man nur durch die Vermenschlichung hier die Gefühle beim Zuschauer entlocken kann, die man letzten Endes bezwecken möchte. Schauspielerisch wird das dann vor allem von Sandra Bullock getragen, wobei das völlig bekloppte Szenario allein schon dafür sorgen sollte, daß man sich in diesem verliert. Sie fühlt sich die ganze Zeit unwohl in ihrer eigenen Haut und das liegt vor allem daran, daß die Figur den an sie gerichteten Erwartungen im Alltag zu keinem Zeitpunkt gerecht werden kann. Es ist erstaunlich wie treffend satirisch die Medienwelt mit endlosen inhaltsleeren Interviews und dem ständigen Voyeurismus von irgendwelchen weichgespülten Fans eigentlich ist. Da geht es keineswegs um Inhalte und insofern spricht der Film natürlich auch ein Plädoyer für die Kunst und deren Künstler aus.

Zudem muss man dem Film hoch anrechnen, daß er sich traut, mit Sandra Bullock und Channing Tatum eine ungewöhnliche Liebeskombination zu inszenieren. Ungewöhnlich ist sie vor allem aufgrund des Altersunterschiedes zwischen den Beteiligten, denn zwischen Bullock und Tatum liegen gute fünfzehn Jahre, welche erstere nun älter ist als der Mann. Das ist insofern spannend, als daß der Film das auch selber anmerkt und es in Hollywood nun wirklich ein Novum darstellt. Warum man dann nicht einfach auch eine Frau wählt, der man das Alter eher ansieht als Bullock, ist in diesem Kontext geschenkt, weil das Casting natürlich auch aufgrund der Karriere der Schauspielerin erfolgte.

Es ist manchmal blöd und bei weitem nicht so clever, wie man hier behauptet. Dennoch liefert The Lost City einen ungewohnten, sehr alten Charme, der vor allem auf einen tollen Cast zurückgreifen kann, der insgesamt die eigenen Rollenmuster in der Gesellschaft karikiert. Der gesamte Film ist aber nicht nur Meta, sondern beleibt ein Genre wieder, das es so gar nicht mehr gibt. Vielleicht zu Teilen etwas zu viel CGI, aber dennoch kurzweilig und herrlich abgedreht sorgt der Film für Freude.

The Lost City - Das Geheimnis der verlorenen Stadt Bewertung
Bewertung des Films
710

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