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The Power of the Dog

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Cumberbatch oscarreif fies

The Power of the Dog Kritik

The Power of the Dog Kritik
2 Kommentare - 12.12.2021 von Moviejones
Wir haben uns "The Power of the Dog" für euch angeschaut und verraten euch in unserer Kritik, ob sich dieser Film lohnt.
The Power of the Dog

Bewertung: 4 / 5

Ist schon The Last Duel ein ungewöhnlicher Mittelalterfilm, bekommen Westernfans mit The Power of the Dog ähnlich Ungewöhnliches geboten: nämlich einen Western, der sich mit den typischen idealisierten Elementen des Genres äußerst subtil und doch glasklar kritisch auseinandersetzt: dem harten Kerl, geformt vom rauen Leben auf einer Ranch, der alles verachtet, was dem eigenen Lebensstil nicht entspricht. Und sei es der eigene so gegensätzlich lebende Städter-Bruder. Und das ist noch nicht einmal der Hauptfokus des Netflix-Films! Benedict Cumberbatchs Figur ist Dreh- und Angelpunkt von allen Geschehnissen, doch es ist nicht nur die psychologisch so gelungen fiese Darstellung des Hauptcharakters, warum ihr diesen Western unbedingt anschauen solltet.

The Power of The Dog Kritik

Die reichen Brüder Phil (Cumberbatch) und George Burbank (Jesse Plemons) sind zwei Seiten derselben Medaille: Phil ist elegant, genial und grausam, George hingegen schwerfällig, anspruchsvoll und sanft. Gemeinsam gehört ihnen die größte Ranch in ihrem Tal in Montana. Es ist ein Ort, wo Männer immer noch Männer sind, wo das sich rasant modernisierende 20. Jahrhundert in Schach gehalten und Bronco Henry, der größte Cowboy, den Phil je kannte, verehrt wird. Als George jedoch heimlich die Witwe Rose (Kirsten Dunst) heiratet, führt der schockierte und wütende Phil einen sadistischen, erbarmungslosen Krieg, um sie völlig zu zerstören, indem er ihren verweichlichten Sohn Peter (Kodi Smit-McPhee) als Marionette benutzt.

Trailer zu The Power of the Dog

Natürlich ist es nicht nur Cumberbatch, sondern der gesamten toll besetzten Schauspiel-Riege von The Power of the Dog wie auch Regisseurin Jane Campion zu verdanken, dass dieser Western so absolut mühelos Genregrenzen überschreitend noch so viel mehr ist als das: Er ist auch ein grandioser Psychothriller. Und ein poetisches bis hin zu furchtbar quälerisches Liebes- und Familiendrama. Die offizielle Story gibt pointiert all diese Elemente wieder, die hineinspielen, und kann doch nicht wirklich erfassen, was man mit diesem ungewöhnlichen Werk geboten bekommt!

Allem voran einen Cumberbatch, wie man ihn noch nie sah, und es ist mit Worten kaum zu beschreiben, wie grandios durch oftmals nur Kleinigkeiten seine fiese Art rüberkommt. Denn es braucht bei all dem Gerede vom starken Mann null Muskelkraft, um Menschen zu demütigen, zutiefst zu verletzen und zu verängstigen. Es ist tatsächlich eine widerlich elegante Brutalität, die hier zur Schau gestellt wird, anders kann man es nicht ausdrücken. Für diese Darbietung dürfte eine Oscar-Nominierung fällig sein.

Doch auch Plemons als beschrieben andere Seite der Medaille überzeugt absolut als die Moderne und all den Komfort, die Bildung, die Kultur genießender Stadtmensch, heilfroh, dem Rancherleben entkommen zu sein - und der sicher nie zurückgekehrt wäre, hätte er sich nicht ausgerechnet in die verwitwete Rose verliebt. Dunst wiederum glänzt als Witwe, Mutter und Phils erklärter Eindringling und Feind auf der Ranch, ihr nimmt man die Hölle wahrlich ab, die sie durchmacht.

Doch nicht nur sie, auch Smith-McPhee überzeugt vollends als Sohn Peter, der von Beginn an nur Spott und Hohn von Phil erntet, und so wird wahrlich jede Sekunde für die beiden zur Qual, die sie in Phils Anwesenheit verbringen müssen. Sein Bruder George hat dem nicht nur nicht viel entgegen zu setzen, er bekommt Vieles nach der Hochzeit erst gar nicht mit, was in seiner Abwesenheit auf der Ranch passiert.

Es klingt alles immer noch zu simpel, und doch kann man kaum mehr beschreiben, ohne zu spoilern: Denn so klar manchem nun die Motivationslagen der Figuren erscheinen mögen nach unserer Beschreibung, ist das noch nicht die letzte Wahrheit. Phils Grausamkeit entspringt einer dunklen Quelle, die noch tiefer sitzt als die recht offensichtliche Verachtung, Eifersucht und Hassliebe, die er zur Schau trägt, und genau diese gelungen facettenreiche Darstellung beeindruckt.

Anders als in The Last Duel wird der Konflikt in The Power of the Dog auf eine Weise gelöst, die zur subtilen Kritik im gesamten Film passt und statt des Genres den Figuren selbst treu bleibt - jeder nach seiner Facon, das gilt auch für den Showdown! Zugleich ehrt Campion das Genre und zeigt in wunderschönen Bildern das, was man am ländlichen Western-Look so liebt. Die dargestellten Konflikte wiederum bleiben hochaktuell, denn sie wiederholen sich in jeder Zeit, jeder Region und Kultur - leben und leben lassen, das ist eine Kunst, die der Mensch bis heute leider immer noch nicht beherrscht. Aber genug der Worte, die den Film schwer fassen können, schaut ihn euch an! Sehr, sehr vereinzelt auch im Kino möglich.

Wiederschauwert: 80%

The Power of the Dog Bewertung
Bewertung des Films
810

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2 Kommentare
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Dude : : Moviejones-Fan
16.12.2021 13:48 Uhr
0
Dabei seit: 17.07.17 | Posts: 93 | Reviews: 0 | Hüte: 5

Ein weiteres Highlight, das ich am diesjährigen ZFF geniessen durfte. Cumberbatch ist eine Wucht aber auch die anderen Darsteller sind gut, insbesondre Smith-McPhee. Die Brutalität ist wirklich elegant, auf der psychologische Schiene.

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Kal-El : : Moviejones-Fan
13.12.2021 10:06 Uhr
0
Dabei seit: 13.03.17 | Posts: 869 | Reviews: 2 | Hüte: 24

Cumberbatch at its best. Was ein toller Schauspieler. Ich habe den Film in English gesehen und muss sagen, absolut einfach alles gelungen: die Story ist ziemlich banal, aber toll durch tolle Bilder erzählt.

Phil ist so fies, habe aber irgendwie (zumindest ich, meine Frau eher nicht) verständnis für sein Verhalten. Ein Cowboy mit fieser Fassade mit Verlustängsten, Angst einsam zu werden. Genial gespielt.

Absolut empfehlenswert.

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