
3. In die Sonne schauen
Regie: Mascha Schilinski | FSK ab 16 Freigegeben | Min ca. 148 | Drama
Darsteller: Luise Heyer, Lena Urzendowsky, Claudia Geisler-Bading, Lea Drinda
Ein abgelegener Vierseitenhof in der Altmark, dessen Mauern seit mehr als hundert Jahren die Erinnerungen seiner Bewohner*innen in sich tragen. Über mehrere Jahrzehnte hinweg ist dieser Ort Heimat von vier Frauen, deren Lebenswege auf unsichtbare Weise miteinander verbunden sind: Alma (Hanna Heckt), Erika (Lea Drinda), Angelika (Lena Urzendowsky) und Nelly (Zoë Baier). Jede von ihnen verbringt einen prägenden Abschnitt ihrer Kindheit oder Jugend auf dem Hof – und stößt dabei auf Spuren einer Vergangenheit, die nie ganz verschwunden ist. Verdrängte Ängste, familiäre Traumata und sorgfältig gehütete Geheimnisse kommen nach und nach ans Licht. Alma erfährt, dass sie den Namen ihrer verstorbenen Schwester trägt und beginnt, deren Schicksal zu fürchten. Erika verfällt der düsteren Anziehungskraft ihres schwer verletzten Onkels und verliert sich in gefährlichen Vorstellungen. Angelika schwankt zwischen unbändiger Lebenslust und tiefer Todessehnsucht in einem zerrissenen familiären Umfeld. Nelly hingegen wächst scheinbar behütet auf, wird jedoch von dunklen Träumen und unbewussten Erinnerungen an längst vergangene Ereignisse heimgesucht.
In die Sonne schauen wurde für den Oscar 2026 eingereicht, schaffte es auf die Shortlist für den Internationalen Film, wurde am Ende jedoch leider nicht nominiert. Das ist schade – denn dieses deutsche Meisterwerk ist einer der besten deutschen Filme aller Zeiten, und das ist zu keiner Sekunde übertrieben.
Der Film spielt zwar fast ausschließlich auf einem Vierseitenhof, wirkt durch seine Jahrzehnte umspannende Handlung jedoch wie ein kleines, bedrückendes Epos. Langsam und äußerst bedächtig baut In die Sonne schauen eine Atmosphäre auf, die einen regelrecht in den Kinositz presst. Im Zentrum stehen generationenübergreifende Traumata, und aus der allgegenwärtigen depressiven Grundstimmung macht der Film ein schonungsloses, kaum erträgliches Erlebnis.
Jede einzelne Figur leidet. Alle sind schwer belastet, viele zutiefst depressiv, einige sogar suizidal. Es gibt Szenen – etwa die mit dem Mähdrescher – die sich wie ein Brandmal ins Gedächtnis einbrennen und sich nie wieder vollständig verdrängen lassen. Diese Momente sind brutal, leise, gnadenlos und gleichzeitig von erschütternder Klarheit. Doch In die Sonne schauen versteht sich nicht nur als schweres, düsteres Drama über das Leid mehrerer Generationen. Der Film ist auch eine Warnung: eine Mahnung, die nachfolgenden Generationen anders zu behandeln, damit sich der Kreislauf aus Schmerz, Gewalt und emotionaler Kälte nicht immer weiter fortsetzt und am Ende noch die Enkel der späteren Enkel befällt.
Getragen wird dieses Erlebnis von einer technischen Brillanz, die ihresgleichen sucht. Besonders die herausragende Kameraarbeit und das unvergessliche Sounddesign stechen hervor. Letzteres unterlegt viele Szenen nur unterschwellig, erzeugt aber permanent eine latente Bedrohung und eine Erwartungshaltung, die sich tief im Unterbewusstsein des Zuschauers festsetzt.
Das hier ist bereits jetzt deutsche Filmgeschichte. Ein starkes stück Kino, das sich mühelos in eine Reihe mit Das Weisse Band - Eine Deutsche Kindergeschichte, Systemsprenger oder Angst essen Seele auf stellt. Wer diesen Film bislang verpasst hat, sollte ihn spätestens jetzt unbedingt nachholen. In die Sonne schauen ist seit dem 22. Januar 2026 auf Blu-ray und DVD erhältlich.
2. Miroirs No. 3
Regie: Christian Petzold | FSK ab 12 Freigegeben | Min ca. 86 | Drama
Darsteller: Paula Beer, Barbara Auer, Matthias Brandt, Enno Trebs
Laura (Paula Beer), Klavierstudentin in Berlin, sehnt sich nach einer Auszeit von der grauen Enge der Großstadt. Gemeinsam mit ihrem Freund fährt sie ins Umland – doch der Ausflug endet in einer Katastrophe. Bei einem schweren Autounfall kommt er ums Leben, während Laura wie durch ein Wunder unverletzt überlebt. Nach dem Schock findet sie zunächst Zuflucht bei Betty (Barbara Auer), die den Unfall miterlebt hat. In deren Haus, bei Ehemann Richard (Matthias Brandt) und Sohn Max (Enno Trebs), erfährt Laura Halt und Geborgenheit. Während sie versucht, das Erlebte zu verarbeiten und langsam wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen, wird ihr bewusst, dass auch diese Familie von einem tiefen, unausgesprochenen Schmerz geprägt ist. Unverarbeitete Trauer und innere Konflikte treten zutage – und zwingen schließlich alle, sich ihren eigenen Dämonen zu stellen.
Christian Petzold ist einer der besten deutschen Regisseure unserer Zeit. Mit hochgradig emotionalen Filmen wie Roter Himmel, Transit oder Undine ist er tief in die menschliche Psyche vorgedrungen, ohne dabei jemals ins Überdramatische abzurutschen. Sein neuer Film Miroirs No. 3 setzt diesen Weg konsequent fort.
Dieser Film schreit förmlich vor Traurigkeit. Das Haus auf dem Land, unweit der Unfallstelle unserer Protagonistin, ist durchzogen von Schwere und Last. Unter der Decke, unter dem Boden, unter dem Teppich, unter allen Gegenständen – in den Wänden, in den Fenstern, in den Möbeln – überall ist der Verlust spürbar, um den es hier geht. Miroirs No. 3 ist ein vielschichtiges Drama über genau dieses Thema. Wie macht man nach einem Schicksalsschlag weiter? Und wie verfällt man nicht den eigenen, immer wieder kreisenden Gedanken? Denn egal, wie viel in diesem Haus repariert wird, egal, wer dort ist, egal, wie oft ein Zimmer umdekoriert wird – der Schmerz verschwindet niemals. Er sitzt überall, aber ganz besonders in den Köpfen und Herzen der Menschen.
Christian Petzolds kurzes, hochgradig emotionales Drama schafft es trotz seiner sehr ruhigen, fast schon stillen Inszenierung, eine tiefe Traurigkeit freizulegen, die sich dank der beiden perfekt spielenden Leading Ladies Paula Beer und Barbara Auer zu jedem Zeitpunkt unmittelbar auf den Zuschauer überträgt. Ihre Präsenz, ihr Spiel und ihre leisen Momente tragen den Film mit einer Intensität, die lange nachhallt.
Wieder einmal beweist Petzold damit, dass er zu den besten Regisseuren dieses Landes gehört. Miroirs No. 3 ist ein stilles, schmerzhaftes und zutiefst menschliches Drama, das sich langsam, aber nachhaltig im Inneren festsetzt. Miroirs No. 3 ist ab dem 29. Januar 2026 auf Blu-ray und DVD erhältlich.
1. Einer flog über das Kuckucksnest
Regie: Milos Forman | FSK ab 12 Freigegeben | Min ca. 133 | Drama
Darsteller: Jack Nicholson, Louise Fletcher, Brad Dourif, Danny DeVito, Christopher Lloyd
Randle Patrick McMurphy (Jack Nicholson), ein abgebrühter Draufgänger, denkt, ein Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt sei immer noch besser als der Knast. Um einer Gefängnisstrafe zu entgehen, plädiert er vor Gericht auf Unzurechnungsfähigkeit und lässt sich einweisen. Doch die Realität ist härter als gedacht: Eine tyrannische Stationsschwester regiert die Klinik mit brutaler Strenge, während die Patienten in Angst und Hoffnungslosigkeit dahinvegetieren. Wer sich nicht fügt, wird mit schmerzhaften Elektroschocks „diszipliniert“. McMurphy lässt sich davon nicht einschüchtern – im Gegenteil, er sorgt für Aufruhr, stiftet Chaos und bringt dabei Leben in die tristen Tage der Mitpatienten. Nach und nach findet er Verbündete, und seine unkonventionellen Streiche werden zu einem befreienden Funken, der die Patienten aus ihrer lähmenden Passivität weckt.
Zum 50. Jubiläum erscheint das mit 5 Oscars ausgezeichnete Meisterwerk endlich wieder auf Blu-ray und DVD – und dieses Mal sogar in einem wunderschönen Steelbook. Für Sammler also perfekt, für Fans des Films (wie mich) ein absolutes Must-Have.
Einer Flog über das Kuckucksnest hat sich über die Jahrzehnte einen Ruf als Klassiker erarbeitet, den ihm niemand mehr nehmen kann – ebenso wie den Ruf, einer der besten Filme aller Zeiten zu sein. Es gibt nur selten Filme, die in jeder Einstellung, in jedem Moment und in jeder Dialogzeile so perfekt konzipiert sind wie Milos Formans Opus Magnus. Hier stimmt einfach alles.
Von der sensationellen Besetzung – Jack Nicholson, der hier seine beste schauspielerische Leistung liefert, bis hin zu Louise Fletcher, die mit Schwester Ratched eine der beeindruckendsten Bösewichte der Filmgeschichte spielt – gibt es hier tatsächlich nichts auszusetzen. Selbst der letzte Akt und das Finale sind kaum besser geschrieben oder inszeniert worden. Unter der Oberfläche behandelt der Film auch die grausamen Probleme des damaligen Gesundheitssystems, insbesondere in Bezug auf Nervenheilanstalten, und zeigt, wie Menschen mit psychischen Problemen von der Gesellschaft isoliert und wie Tiere behandelt werden konnten, wenn sie sich nicht „benehmen“. Doch Forman verurteilt seine Figuren nicht: Der Film zeigt Menschen mit Problemen, ohne dass diese ihre Menschlichkeit oder ihren Charakter definieren.
Einer Flog über das Kuckucksnest ist ohne Frage einer der besten Filme aller Zeiten und für mich als Autor dieses Artikels sogar der beste. Wer diesen Film noch nie gesehen hat, sollte das nun nachholen. Miroirs No. 3 ist ab dem 29. Januar 2026, frisch zum 50 jährigen Jubiläum auf Blu-ray im Steelbook erhältlich.
Das waren die 10 Heimkinostarts im Januar 2026, die ihr unbedingt nachholen solltet, falls ihr sie noch nicht gesehen habt. Jetzt interessiert uns eure Meinung: Schreibt uns in die Kommentare, welche Filme euch am meisten angesprochen haben und welche ihr euch unbedingt noch ansehen wollt!
