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Der Stern von Indien

Prädikat: besonders wertvoll

Der Stern von Indien Kritik

0 Kommentar(e) - 30.07.2017 von FBW - Hierbei handelt es sich um eine Kritik der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW).
Filmkritik

Der Stern von Indien Bewertung: 4/5

Indien 1947: Lord "Dickie" Mountbatten erhält von König George VI. einen historischen Auftrag und zieht dazu mit seiner Frau Edwina und seiner Tochter Pamela in den prachtvollen Amtssitz in Delhi. Nach über 300 Jahren der Besetzung soll er als letzter britische Vizekönig den Subkontinent möglichst reibungslos in die Unabhängigkeit entlassen. Doch es ist ganz und gar unklar, wie die Zukunft Indiens aussehen soll: Während sich der Indische Nationalkongress unter der Führung von Nehru und dem Volksidol Ghandi für einen Einheitsstaat einsetzen, um Hindus und die muslimische Minderheit friedlich zu vereinen, plädiert Muhammad Ali Jinnah mit Vehemenz für eine Teilung des Landes, um so seinen muslimischen Brüdern und Schwestern die Unabhängigkeit in einem neuen muslimischen Staat zu schenken: Pakistan. Und je länger die Entscheidung herausgezögert wird, desto mehr Blut fließt auf den Straßen. Unterdessen trifft der Hindu Jeet, ein Bediensteter des Palastes, auf seine muslimische Jugendfreundin Aalia Noor, die aber unlängst jemand anderem versprochen wurde: Das Land, so wie die Menschen, stehen am Scheideweg. Gemeinsam oder getrennt?

Die britische Filmregisseurin Gurinder Chadha, die bereits mit Kick It Like Beckham das indisch-britische Verhältnis auslotete, geht mit ihrem Historiendrama Der Stern von Indien einen Schritt weiter und porträtiert den historischen Umbruch Indiens in den späten 1940er Jahren politisch als auch menschlich. Ihr Film changiert schier mühelos zwischen dem zwischenmenschlichen Subtext der Liebesgeschichte und der sich zuspitzenden politischen Weltlage. Chadha gelingt es so, ein facettenreiches, starkes Drama auf die Leinwand zu bringen, welches das Potenzial besitzt, über den Kinobesuch hinaus für Gesprächsstoff und Diskussionen zu sorgen. Die kriegsähnlichen Revolten zeigt sie innerhalb der Schlossmauern und erzählt außerhalb des Palastes mit eindringlichem Dokumentarmaterial die Geschichte weiter.

Überzeugen kann der Film auch in seiner hochkarätigen Besetzung. Hugh Bonneville strahlt als ewiger Diplomat und Vermittler Mountbatten Ruhe, Souveränität und Klasse aus, wobei in dem gütigen Gesicht auch immer wieder unterdrückte Wut auf die eigene erzwungene Passivität aufblitzt. An seiner Seite glänzt Gillian Andersson als Mountbattens Frau Edwina, die sich von Anfang an mit den Problemen der indischen Bevölkerung auseinandersetzt und eher die Ärmel hochkrempelt und hilft, anstatt in royaler Untätigkeit zu verharren. Und Manish Dayal und Huma Qureshi überzeugen als Jeet und Aalia, deren Liebesgeschichte den emotionalen Kern des berührenden Dramas bildet und damit die Geschichte lebendig werden lässt.

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Neben den überzeugenden Einzelleistungen sind es vor allen die beeindruckenden Massenszenen mit unzähligen Darstellern und Statisten, die den besonderen Reiz des Films ausmachen. Die opulente, detailverliebte Ausstattung und die aufwendigen Kostüme bieten große Schauwerte und tragen zur Faszination bei. Die Kamera von Ben Smithard fängt dieses wunderbare Ambiente im klassischen 35mm-Cinemascope-Format ein und taucht es in ein Licht, das alle Farben Indiens zum Strahlen bringt und den Film zu einem großen Fest für die Augen macht.

Dabei ist Der Stern von Indien ein Film über politisches Handeln zwischen Kalkül und Konsens, der dem Diskurs und den verschiedenen Standpunkten den angemessenen Raum gibt und sich durch pointierte Dialoge auszeichnet. In geschickt miteinander verwobenen Parallelhandlungen zeigt er sowohl den Druck und die Beschränkungen, denen die politischen Akteure unterliegen, als auch die unmittelbaren Auswirkungen, die ihre Entscheidungen auf das Leben der Menschen haben. Dabei wird der Palast selbst zum Epizentrum des dramatischen Geschehens und zum Mikrokosmos des Landes, in dem sich Intrigen, Klatsch und Konflikte spiegeln.

Ebenso unterhaltsam wie engagiert erzählt Regisseurin Gurinder Chadha die Geschichte vom Ende der britischen Kolonialherrschaft und der Geburt der Staaten Indien und Pakistan, wobei sie die Mittel des Mainstreamkinos meisterhaft nutzt, um die Hintergründe und Konsequenzen der politischen Entscheidungen zu beleuchten und aktuelle Bezüge anklingen zu lassen.

Prädikat: besonders wertvoll

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung



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Der Stern von Indien Bewertung
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810
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