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Die Tänzerin

Ambitioniert gescheitert

Die Tänzerin Kritik

0 Kommentar(e) - 12.10.2016 von Moviejones
Filmkritik

Die Tänzerin Bewertung: 3/5

Professioneller Tanz, in seinen mannigfaltigen Stilrichtungen überaus beeindruckend, damals wie heute. Wer einmal unbeschuhte Füße von Ballerinas gesehen hat oder las, was Profitänzer Patrick Swayze für Schmerzen einst ertrug, um diese Leichtigkeit auf der Bühne zu leben, ahnt, dass Selbstaufgabe und Qual in diesem Metier oft Hand in Hand gehen. So auch bei Loïe Fuller (1862 - 1928), deren Leben und Passion von Die Tänzerin in den Mittelpunkt gerückt wird. Fuller war zwar keine grazile Ballettttänzerin, mit ihren Ideen aber schuf sie ausdrucksstarke Tänze und gilt nicht umsonst als Pionierin des modernen Tanzes.

Marie Louise Fuller (Soko), eine französischstämmige junge US-Amerikanerin, zeigt früh eine künstlerische Ader, die dagegen im rauen Bergland unter Cowboys nur wenig Anklang findet. Nach dem Tod ihres Vaters macht sie sich auf zu ihrer Mutter (Amanda Plummer) nach New York, doch auch dort, im Schoß der Kirche, fühlt sie sich fehl am Platz. Zu dieser Zeit hat sie bereits ein kleines, aber festes Engagement an einem Theater, wo sie mit ihrem innovativen Tanz die Pause unterhaltsam macht - in weiße Tücher gehüllt und die Arme mit Stöcken verlängert, wirkt sie wie ein zauberhaftes Mischwesen, das die Zuschauer gebannt anstarren. Die Bekanntschaft mit dem reichen Gönner Louis (Gaspard Ulliel) ermöglicht es Louise, die sich nun Loïe Fuller nennt, den Empfehlungen zu folgen und ihren Traum in Paris zu verwirklichen. Dort wird sie in den renommierten Folies Bergères zum Star, doch die Opéra Garnier ruft und Loïe, durch und durch professionell, mutet ihrem Körper Übermenschliches zu...

Die Tänzerin Kritik

Mit viel Passion stürzt sich auch Regisseurin Stéphanie Di Giusto in ihrem Debüt Die Tänzerin in das Leben einer wahrhaft interessanten Frau, die engagiert war, Gelegenheiten nutzte und ihre exotischen Ideen in die Tat umsetzte. Mit Hauptdarstellerin Soko, einer jungen französischen Schauspielerin aus Bordeaux, hätte der Film auch so viel mehr sein können, doch bedauerlicherweise verfolgt Di Gusto einen Plan, der nicht aufgeht.

Wenn sich Fuller, in Leinen oder später in filigrane Stoffe gehüllt, auf der Bühne dreht und tanzt, das Lichtschauspiel beginnt und die Zuschauer den Atem anhalten, dann erlebt man die großen Momente von Die Tänzerin und spürt diesen Zauber, den die junge Frau einst auf ihre Mitmenschen ausgeübt haben muss. Diese Minuten sind der erfolgreiche Höhepunkt eines überaus schwierigen Leidensweges, der mit dem Auftritt in den Folies Bergères aus der kritisch beäugten Loïe einen Star macht, La Fuller! Schade hingegen, dass sich das Drehbuch nur an wenigen Details der wahren Person orientiert und dies ist umso bedauerlicher, wenn man sich als Zuschauer das eine oder andere Mal fragt, was die plötzliche Entwicklung eigentlich begründet.

Im echten Leben entwickelte die junge Louise schon als Teenager eine Obsession für die Bühne und trat als Schauspielerin und Sängerin auf. Im Film merkt man davon nichts, denn "Hillbilly" Louise zeichnet zwar gern, aber erst in New York entwickelt sie sich zur Künstlerin. Diese plötzliche Entwicklung wirkt weniger wie ein Herzenswunsch als wie eine Notwendigkeit, so unterkühlt werden die Anfangstage der inzwischen Dreißigjährigen vermittelt. Später fragt man sich, wann sich die burschikose, aber überaus sportliche junge Frau eigentlich so verausgabt hat, die nahezu urplötzlich all ihrer Kräfte beraubt scheint. Mit Sicherheit sind ihre Auftritte anstrengend, aber schon früh nutzt sie leichtere Stoffe, arbeitet mit Bambushölzern - und dennoch wirkt sie von einem Moment auf den anderen wie ein Wrack, das jahrelang Abend für Abend auf der Bühne stand. Im wahren Leben unternahm Fuller viele internationale Tourneen und trat regelmäßig auf, doch davon bekommt man im Film nichts mit, ebenso wenig wie von der knappen Dekade, die sie am Stück in den Folies Bergères engagiert war.

Hier lässt Die Tänzerin viel vermissen und das ist besonders bedauerlich, weil die dafür in den Vordergrund gerückten amourösen Verwicklungen mit Louis (Gaspard Ulliel) und Tänzerin Isadora Duncan (grazil, aber schwach: Lily-Rose Depp) nicht annähernd so mitreißend erzählt werden, wie es bei dieser Umgewichtung zu erwarten wäre. Auch hier geht die Fantasie mit den Machern durch, denn die homoerotische Annäherung der beiden Frauen hätte gut und gerne dem respektvollen Umgang der beiden miteinander und ihrem konträren Stil (die eine burschikos und unter Tonnen von Stoff, die andere grazil und hochtransparent) geopfert werden können. Herausgekommen wäre eine viel persönlichere Hommage, die Fuller eher gerecht geworden wäre, als ihre Figur nur als Blaupause für einen pseudoerotischen Film zu nehmen, der sich bloß in Ansätzen seinem Titel nähert.

Die Tänzerin Bewertung

Was ist Die Tänzerin nun? Definitiv kein schlechter Film, aber eins dieser Werke, die man nur mit viel Toleranz als wirklich gut bezeichnen würde. Soko, die wundervolle Hauptdarstellerin, ist wie eine leibhaftige Loïe Fuller und reißt mir ihrem packenden Schauspiel den Film nach oben. Ihre Verwundbarkeit und über allem die Tänze sind kurze, grandiose Momentaufnahmen, aber leider versteift sich der Film zu sehr auf die persönliche Beziehung zu Ulliels und Depps Rollen. Ohne Frage ist es legitim, sich nur Punkte aus ihrem Leben herauszunehmen, um einen Rahmen zu schaffen, nur dann sollte Stéphanie Di Giusto auch unterhalten wollen - aber das fällt ihr mit Die Tänzerin zweifellos schwer.

Die Tänzerin Bewertung
Bewertung des Films
610
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