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Free State of Jones

McConaughey im Sumpf

Free State of Jones Kritik

0 Kommentar(e) - 04.10.2016 von Moviejones
Filmkritik

Free State of Jones Bewertung: 3.5/5

Durch Zufall konnten wir bereits Free State of Jones sehen, der bei uns im November nur im Heimkino erscheint, in anderen Ländern dagegen regulär ins Kino kam. Wer einen Blick auf das amerikanische Box Office wirft, wo der neue Film mit Matthew McConaughey nur knapp 21 Mio. Dollar bei einem Budget von 50 Mio. einspielte, wird die Entscheidung nachvollziehen können. Regisseur Gary Ross wagte sich dabei an ein düsteres Kapitel der amerikanischen Geschichte und vielleicht ist das Thema Sezessionskrieg in den USA analog zu unseren geliebten Filmen mit Til Schweiger, über die DDR oder den Zweiten Weltkrieg - irgendwann ist man satt...

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Zur Zeit des nordamerikanischen Bürgerkriegs: Der Farmer Newton Knight (Matthew McConaughey) aus Mississippi ist als Soldat bei den Konföderierten. Als er genug von Tod und Leid hat, desertiert er, denn schlussendlich teilt er auch die Überzeugung der Südstaaten nicht, für die er kämpft: Das Recht auf Sklavenhaltung. Hinzu kommt das seiner Meinung nach unfaire Verhalten der Armee gegenüber den zurückgelassenen Farmerinnen und Ehefrauen, deren wenige Erlöse und Nutztiere nach Belieben gepfändet werden. Er begibt sich auf die kräftezehrende Heimreise und trifft auf seine Frau (Keri Russell) und ihren gemeinsamen kleinen Sohn. Diese lässt er kurze Zeit später zurück und begibt sich in die Sümpfe, wo er mit einer Gruppe entflohener Sklaven versteckt haust. Doch sie bleiben nicht lange unter sich, denn weitere Deserteure schließen sich ihnen an und auch wenn es Reibereien zwischen Weißen und "Negern" gibt, gelingt es Knight, eine Vision zu verwirklichen - die Vision eines freien Staates, den "Free State of Jones" (aufgrund der Nähe zu Jones County), in dem die Menschen in Frieden miteinander leben...

Free State of Jones Kritik

Regisseur Gary Ross, der zuletzt 2012 den erfolgreichen ersten Teil der Panem-Reihe in die internationalen Kinos brachte, wagt sich in seinem neuesten Film an eine düstere Episode der amerikanischen Geschichte und nicht zuletzt an eine kontroverse Figur. Er rückt mit Newton Knight einen Mann und dessen überaus interessantes Leben in den Mittelpunkt, der für die einen ein Held, für die anderen nichts mehr als ein Deserteur war, der die Werte des Südens verriet. Beim Schauen wird schnell klar, auf welche Seite sich Ross schlägt, was eventuell manchen amerikanischen Zuschauern zu simpel war, wo der Film sang- und klanglos an den Kinokassen unterging. Vielleicht war ihnen das Thema auch schlichtweg egal.

Mit Matthew McConaughey prominent und ausdrucksstark besetzt, ist es auf keinen Fall der Cast, dem man mangelnde Qualität vorwerfen könnte. An seiner Seite spielen unter anderem Keri Russell, Mahershala Ali und sehr emotional die Britin Gugu Mbatha-Raw, so dass der Krieg und das abseitige Leid der Bevölkerung, die üblichen Kollateralschäden, sehr intensiv und schmerzhaft beim Zuschauer ankommen. Andererseits erfreuen viele wundervolle Naturaufnahmen der Sümpfe das Herz jedes Liebhabers der amerikanischen Südstaaten, wenn Hanging Moss, Reiher und die stillen Sumpflandschaften einen Moment der Harmonie versprechen.

Mit 138 Minuten ist Free State of Jones jedoch etwas zu lang geraten, auch wenn mit Knights Leben beileibe keine Langeweile aufkommt. Nicht in allen Details wird die historische Person korrekt wiedergegeben, dennoch ist Free State of Jones auf weiter Strecke eine Hommage an einen Freidenker, Kämpfer und Menschenfreund (so wie ihn wohlgesonnene Menschen sehen). Teils sehr drastische Aufnahmen aus dem Kriegsgebiet, dann wieder Schrecken der Lynchjustiz, die mit einer simplen Blutspur noch eindringlicher werden - an vielen Stellen ergreift Free State of Jones den Zuschauer bis ins Mark und macht mit Schrecken deutlich, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf war - und gerade in rassistischen Belangen immer noch ist.

So realistisch Free State of Jones auch gefilmt ist, der auf unnatürliche Hochglanzeinfärbungen verzichtet, so fühlt er sich doch trotz drastischer Momente und Bilder fast zu glatt an. Hinzu kommt, dass Ross in einer Nebenerzählung auch in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts springt, was nett gemeint ist, wenn von den Nachfahren Knights gesprochen wird, aber doch eher verwirrt. Hier wird zu viel gewollt, wie eben auch nahezu alle Details auf seinem Leben auf den Tisch zu packen, was tatsächlich etwas zerfasert anmutet. Positiv hingegen ist anzumerken, dass Ross nicht zusätzlich auch auf kitschige Liebeszenen setzt, sondern die Annäherung von Knight mit der ehemaligen Sklavin Rachel äußerst bedacht und recht beiläufig begleitet, was durch seine stillen Töne positiv auf den Film einwirkt.

Free State of Jones Bewertung

Free State of Jones reiht sich ein in die abwechslungsreiche Schar amerikanischer Filme über den Sezessionskrieg und lässt Matthew McConaughey erneut eine memorable Performance abliefern. Ein intensiver Film, ein langer Film, der mit teils drastischen, teils wunderschönen Naturbildern daherkommt, aber etwas zu lang ist. Ein interessantes Stück amerikanische Historie wird aufgerollt und wir lernen einen für seine Zeit überaus aufgeklärten Charakter kennen - dem wir etwas mehr Erfolg in den Kinos in seinem Heimatland gegönnt hätten.



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