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Happy Hour

Prädikat: besonders wertvoll

Happy Hour Kritik

0 Kommentar(e) - 09.05.2016 von FBW - Hierbei handelt es sich um eine Kritik der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW).

Happy Hour Bewertung: 4/5

Es ist nicht mehr zum Aushalten, wie sich H.C. von seiner Frau auf der Nase herumtanzen lässt. Seit zwei Jahren betrügt sie ihn, doch H.C. nimmt es hin - weil er eben immer alles hinnimmt. Seine zwei besten Freunde Wolfgang und Nic entscheiden, dass H.C. einmal den ganzen Stress hinter sich lassen muss. Und auch sie selbst können eine Auszeit vom Alltag gut gebrauchen. Also reist das Trio nach Irland, in Wolfgangs Ferien-Cottage. Doch anstatt Erholung wartet dort jede Menge Ärger. Denn die drei haben nicht mit den irischen Frauen gerechnet, die zunächst für angenehme Ablenkung, dann aber für jede Menge Konfliktstoff sorgen. Und spätestens da merkt das ungleiche Kleeblatt, dass man vielleicht vor den Problemen fliehen kann - ihnen entkommen kann man jedoch auch auf der grünen Insel nicht...

Franz Müllers Happy Hour steigt ohne großen Prolog direkt ein in die Handlung. Drei Freunde in den besten Jahren, jeder von ihnen unzufrieden mit dem eigenen Leben, reisen nach Irland, um dort Abstand, Ruhe und bessere Laune zu finden. Jeder der drei behauptet, nur die anderen hätten Probleme, jeder verleugnet seine eigenen Befindlichkeiten. Müller, der auch das Drehbuch schrieb, lässt die Egos der unterschiedlichen Freunde nach und nach in immer wiederkehrenden Alltagsmomenten aufeinanderstoßen.

Da ist der Womanizer Nic, der zuhause einen Sohn und eine gescheiterte Beziehung sein eigen nennt, aber im Grunde seines Herzens immer noch ein unreifer Junge ist, für den Verantwortung ein Fremdwort ist und den Mehdi Nebbou mit jungenhaftem Charme spielt. H.C., großartig verkörpert von Alexander Hörbe, ist der Gegenentwurf zu Nic. Gutmütig, ein wenig pummelig, immer lächelnd, immer ausgleichend. Hörbe veranschaulicht überzeugend, wie diese Figur nach und nach eine Entwicklung durchmacht und mehr und mehr Selbstbewusstsein erlangt. Und Wolfgang, den Simon Licht zwischen manisch begeistert und zwangspedantisch spielt, macht ebenfalls eine Entwicklung durch. Denn er verliebt sich in eine resolute Irin, gespielt von Susan Swanton. Und diese wunderbar selbständige, charmante und dennoch sensible Frau bringt den kontrollierten Geschäftsmann dazu, seine Grundsätze und seine Einstellungen zu hinterfragen.

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Geschickt verknüpft Müller die Entwicklungen der einzelnen Figuren mit einer mehrfachen Veränderung der Gruppendynamik. So variiert die Rollenverteilung im Trio von Szene zu Szene, die Dialoge, die mit Witz und Genauigkeit daherkommen, wirken spontan und improvisiert, enthalten aber gezielt gesetzte Spitzen, die jede Szene in eine andere Richtung treiben. Das Zusammenspiel aller drei Hauptdarsteller, aber auch das Zusammenspiel mit den großartigen irischen Darstellern, ist hervorragend und glaubhaft. Als Handlungsort wirkt das irische Landleben genau richtig. Die kleine Dorfgemeinschaft mit den verlassenen Straßen, das gemütliche und authentisch wirkende Cottage, die Pubs als zentraler Treffpunkt, die irische Folkmusik, die verwitterte Winterlandschaft - all dies strahlt eine Melancholie aus, die man mit diesem Teil der Welt gerne verbindet und die dem Film seine Seele verleiht.

Und so braucht es in Happy Hour keine großen dramatischen Szenen und keine aufsehenerregende Kulisse. Es braucht nur ein überzeugendes Setting, starke Protagonisten und viel zwischenmenschliches Knistern. All dies hat die charmante Tragikomödie und deutsch-irische Koproduktion zu bieten. Ein wunderschöner Film voller Witz und Wärme, Traurigkeit und Sehnsucht.

Prädikat: besonders wertvoll

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung

Happy Hour Bewertung
Bewertung des Films
810
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