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Silence

Stille als Zustimmung

Silence Kritik

5 Kommentar(e) - 19.02.2017 von Moviejones
Filmkritik

Silence Bewertung: 3.5/5

Hochmut, Wollust, Habgier ... widmete sich Martin Scorsese in seinem letzten Werk The Wolf of Wall Street den Todsünden, so schwenkt er mit seinem neuen Werk in die gänzlich andere Richtung. Silence ist ein stiller Film, ein eindringlicher Film über menschlichen Glauben und Passion und fordert dem Zuschauer in ca. 160 Minuten einiges ab. Mit Andrew Garfield in der Hauptrolle überzeugend besetzt, erleben wir eine vergangene Epoche, in der es zahlreiche Missionare in entlegene Ecken der Welt trieb. Ein anstrengender Film, aber auch ein Film, der sich mit Überzeugungen auseinandersetzt und den Zuschauer zum Nachdenken anregt.

Silence Kritik

Die beiden portugiesischen Missionare Rodrigues (Andrew Garfield) und Garupe (Adam Driver) begeben sich nach Japan, um ihren dort verschollenen Lehrmeister Ferreira (Liam Neeson) ausfindig zu machen. Dieser reiste mehrere Jahre zuvor gen Osten, um den Menschen den christlichen Glauben näherzubringen. Inzwischen macht das Gerücht die Runde, dass sich Ferreira vom Christentum abgewandt hat, doch dies mag insbesondere Rodrigues nicht hinnehmen. Bald muss er erkennen, dass die japanischen Herrscher die westlichen Einflüsse nicht dulden und mit überaus rigider Hand und Brutalität gegen Christen vorgehen...

Eins vorweg, Silence ist ein Film, der ermüdend wirken kann. Aber für geneigte Kinogänger auch interessante Aspekte und Momente des Innehaltens bietet. Wir werden entführt in die Mitte des 17.Jahrhunderts, als die römisch-katholische Missionierung noch in vollem Gange war und sich nach und nach erfolgreich wähnte. Bis heute konnte sich das Christentum in Japan aber nicht als große Glaubensrichtung etablieren, der nur ein verschwindet geringer Prozentsatz der Japaner angehört. Martin Scorsese widmet sich dieser Aufbruchphase und weder beschönigt er in seinen Bildern etwas, noch werden klare Schwarz-Weiß-Muster gezeigt.

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Er beschreibt die mühevolle Suche nach einem verschollenen Gläubigen und die aufopferungsvolle Mission der beiden jungen Priester, die so überzeugt von der Richtigkeit ihres Tuns sind. Ebenso die missbilligende Reaktion der Japaner, die sich nicht ganz unverständlich in ihrer Hoheit beeinflusst fühlen. Abhängig davon welcher Überzeugung man selbst anhängt, hier am ehesten Christ, Buddhist oder Atheist, entdeckt man dabei sowohl in der einen als auch anderen Argumentation Ansatzpunkte, die nachvollziehbar sind. Der Film stellt die japanischen Foltermethoden drastisch und - was sie sind - unmenschlich dar, aber nichtsdestotrotz behält der Film stets einen respektvollen Blick für die Japaner. Zwar mag ein stimmschwacher Inquisitor mit Hasenzähnen zum Lachen anmuten, seine Methoden und Darlegungen tun es keinesfalls. Denkwürdig, so banal es auch scheinen mag, ist ebenfalls die immer wiederkehrende Bitte nach Absolution durch einen jungen Japaner. Ist der Glaube für ihn ein bloßes Spiel, der mit der flotten Abbitte stets seine Reinheit bewahrt? Oder leidet er wirklich, erkennt als wahrer Gläubiger tief in sich seine Unfehlbarkeit und braucht die Prozedur bei Rodrigues wie das Wasser zum Leben? Ohnehin werden einige interessante Aspekte bezüglich Überzeugung, Märtyrertum und "wahrer" Glaube im Film aufgeworfen, die zum Diskutieren in geselliger Runde reizen.

Insofern ist Silence ein kraftvoller Film, wenn auch teilweise äußerst zäh. Doch widmet er sich diesem Thema, der Missionierung und dem Glauben seiner Protagonisten, was sich epischer anfühlt als zehn neue Ben Hur zusammen, besonders im Originalton. Stille herrscht in vielen Szenen vor, weswegen auch ein kraftvoller Soundtrack umgangen wird und wem das Thema und die starke Performance von Garfield, Driver und Neeson (leider nur sehr am Rande zu sehen) zusagt, wird vom Film gefesselt sein. Nicht zuletzt, weil es wie stets unfassbar ist zu sehen, was der Mensch dem Menschen antut.



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Silence Bewertung
Bewertung des Films
710
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5 Kommentare - Moviejones distanziert sich von Userbeiträgen.
MrNoname
BOT Gott
Geschlecht | 22.02.2017 | 13:10 Uhr22.02.2017 | Kontakt
Jonesi

Bei solch einem "schweren" Thema wundert es mich, dass so ein Film überhaupt fürs Kino produziert wird. Wieso nicht gleich für TV und Co ? Obwohl ich gerne ins Kino gehe und mich der Film auch thematisch interessiert, so ist es mir keinen Kinobesuch wert.

Beachwater
Moviejones-Fan
20.02.2017 | 17:07 Uhr20.02.2017 | Kontakt
Jonesi

Ist interessant, aber auch kein Film den ich mir im Kino ansehen würde. Und das 18-jahrige Samstagabend lieber in einen Blockbuster gehen, kann ich gut verstehen.

GeneralGrievous
Moviejones-Fan
Geschlecht | 20.02.2017 | 10:44 Uhr20.02.2017 | Kontakt
Jonesi

Leider wird das schlechte finanzielle Einspielergebnis vermutlich dafür sorgen, dass man "experimentierfreudigen" Regisseuren in Zukunft noch genauer auf die Finger guckt und seitens der Studiobosse den kreativen Freiraum weiter beschneidet. Mit anspruchsvollen Kinogängern kann man nun mal wenig Geld verdienen, dann doch lieber seelenlose Filme für die breite Masse produzieren. Dazu ausufernde Budgets, die zunehmend für Schauspielergagen und CGI-Effekte verprasst werden. Ein Problem, mit dem Hollywood in naher Zukunft hoffentlich noch gewaltig auf die Schnauze fliegen wird. Die Reaktion der Kinogänger in Silence erinnert mich ein wenig an meinen Kinobesuch von The Revenant, der - obgleich finanziell deutlich erfolgreicher - ähnlich fernab des Mainstreams anzusiedeln ist und sich viele (insbesondere junge) Leute darüber aufgeregt haben, dass "kaum was passiert ist" bzw. dass "der Film viel zu lang war". Ich glaube, das stellt das Problem in der heutigen Zeit schon ziemlich gut dar.

Scorsese ist ein begnadeter Regisseur und ich hoffe, dass er sich von diesem Misserfolg nicht unterkriegen lässt und auch weiterhin Filme in Angriff nimmt, die - obgleich risikobehaftet - anspruchsvoll und eben nicht "für jedermann" geeignet sind.

Danke für diese ehrliche Kritik, MJ! Mich haben die Trailer sehr fasziniert, obwohl ich selbst kein religiöser Mensch bin.

Moviejones
Das Original
20.02.2017 | 10:02 Uhr20.02.2017 | Kontakt
Jonesi

Das ging uns auch so. Garfield spielt wirklich gut und das Thema ist interessant. Um uns herum haben aber einige auf ihren Handys gespielt und immer wieder geseufzt - du merkst, dass das Thema und die Filmlänge nicht allen liegt und das spiegelt sich leider in der internationalen Resonanz wieder.

Wir haben auch zwischen 3,5-4 Hüten tendiert, aber zu Beginn kamen wir nicht gut in die Story rein. Dennoch für uns ein guter Film, der sich wohltuend, wie du schon sagst, abhebt!

Musashi
Moviejones-Fan
20.02.2017 | 07:32 Uhr20.02.2017 | Kontakt
Jonesi

Sehr schöne Kritik von euch. Ich habe mich extrem auf den Film gefreut und wurde nicht enttäuscht (ich persönlich würde ihm 4.5 Hüte geben, aber muss auch zugeben, dass wenn es um das Thema Japan (bzw. Asien generell) geht, ich Dinge generell immer positiv sehe^^).

Dass der Film bei den Oscars kaum Berücksichtigung findet, finde ich sehr schade, denn das hat der Film nicht verdient, vor allem was die schauspielerischen Leistungen angeht. Ich hab auch Hawksaw Ridge bereits gesehen und muss zugeben, dass mir Garfield in Silence noch besser gefiel, vor allem die Szene, in der er Ferreira endlich zu Gesicht bekommt und erkennen muss, dass die Gerüchte um ihn wahr sind, war unglaublich gespielt von ihm. Aber auch in Kategorien wie Szenenbild, Kostüm oder Regie hätte der Film Nominierungen verdient.

Auch dass der Film so extrem floppt find ich echt schade. Gerade in Zeiten in denen wir einen seelenlosen Blockbuster nach dem anderen serviert bekommen sind anstrengende Filme wie Silence eine Rarität geworden und wird es in Zukunft wohl noch weniger geben.