AnzeigeN
AnzeigeN

Ich und Earl und das Mädchen

Kritik Details Trailer Galerie News
Prädikat: besonders wertvoll

Ich und Earl und das Mädchen Kritik

Ich und Earl und das Mädchen Kritik
1 Kommentar - 15.11.2015 von FBW
Hierbei handelt es sich um eine Kritik der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW).
Ich und Earl und das Mädchen

Bewertung: 4 / 5

Greg ist 17, Außenseiter in seinem letzten Highschool-Jahr, dessen soziale Kontakte sich auf seinen Freund Earl reduzieren. Geselligkeit ist ihm ein lästiges Übel. Gemeinsam mit Earl flüchtet er sich in die Welten historischer Filmklassiker, die sie selbst nachspielen und mit skurrilen Titeln persiflieren. Doch Greg wird aus seinem Alltagstrott geworfen, als ihn seine Mutter dazu zwingt, Zeit mit der an Leukämie erkrankten Mitschülerin Rachel zu verbringen. Aus der anfänglichen gegenseitigen Abneigung entwickelt sich eine innige Freundschaft, die das Leben der beiden nachhaltig verändert.

Ich und Earl und das Mädchen gelingt es, bei der im Zentrum stehenden Geschichte (die schon allzu oft in Filmen erzählt worden ist) ungewöhnliche Wege zu beschreiten und ein Gesamtkunstwerk zu kreieren, das aus Sicht der Jury völlig nachvollziehbar auch beim Sundance Film Festival mit zwei Hauptpreisen ausgezeichnet wurde.

Das exzellente Drehbuch von Jesse Andrews nach seinem eigenen Roman wartet mit zahlreichen kreativen Einfällen und Figurenkonstellationen auf, die sich auf magische Weise zu einem großen Ganzen verflechten. Egal ob „Ill Phil“ schwadroniert, flauschige Kissen weibliche Namen erhalten und von Greg zu Masturbationszwecken umfunktioniert werden oder der tätowierte Geschichtslehrer seinen Schülern Respekt vor der Forschung einzuimpfen versucht - der Film umschifft Klippen der Peinlichkeiten und kreiert einen humoristisch-skurrilen Erzählstil, der sowohl der literarischen Vorlage (durch wunderbare Kapitelüberschriften wie "Tag 1 der todgeweihten Freundschaft" und einen zeitweise philosophisch anmutenden Off-Kommentar) als auch den filmischen Möglichkeiten mehr als gerecht wird.

Trailer zu Ich und Earl und das Mädchen

Die persiflierten Filmklassiker werden vielfach nur angedeutet, doch schon die kurzen Ausschnitte von "A Sockwork Orange" mit Sockenmännchen bis zu "Apocalypse Now" aus Schnittblumen machen Lust darauf, Klassiker wie Satiren wiederzuentdecken. Werner Herzog spielt eine zentrale Rolle für die Filmemacher, mehrfach taucht er in Filmausschnitten auf - mit dem Höhepunkt von Gregs Imitation von Werner Herzog in einem Monolog über den Aufnahmeprozess ins College als ewiger Kampf, was erfreulicherweise auch in der deutschen Synchronisation sehr gut gelungen ist.

Die hervorragende Kameraarbeit mit Trickelementen, ungewöhnlichen Perspektiven und Weitwinkel-Überhöhungen in den Zimmern der Protagonisten erzeugen die dem Stoff angemessene visuelle Vielfalt zwischen Puppenhaus-Ästhetik und den langen, als feindliches Gebiet inszenierten Gängen der Caféteria. Zugleich werden metaphorisch Kriegserfahrungen der amerikanischen Gesellschaft eingeflochten, die zahlreichen Metaebenen des Filmes funktionieren dabei herrlich unaufdringlich. Jeder Kenner von Filmgeschichte und amerikanischer Politik wird sich jedoch an den überaus inspirierten Insider-Anspielungen herzlich erfreuen. Zugleich ist auch der Musikeinsatz gespickt von Zitaten, die wie ein ergänzender Kommentar ironisieren und Distanz bzw. Nähe schaffen.

Prädikat: besonders wertvoll

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung

Ich und Earl und das Mädchen Bewertung
Bewertung des Films
810

Weitere spannende Kritiken

Der Wolf und der Löwe Kritik (Redaktion)

Prädikat: wertvoll

Poster Bild
Kritik vom 05.12.2021 von FBW - 0 Kommentare
Bewegender Abenteuerfilm mit wunderschönen Bildern rund um die ungewöhnliche Freundschaft zwischen zwei tierischen Gefährten.Alma beschließt, nach dem Tod ihres Großvaters in die kanadische Wildnis zurückzukehren, wo sie aufgewachsen ist. Kurz nach ihrer Ankunft rette...
Kritik lesen »

Lauras Stern Kritik (Redaktion)

Prädikat: besonders wertvoll

Poster Bild
Kritik vom 05.12.2021 von FBW - 0 Kommentare
Die erste Realverfilmung des Kinderbuchklassikers Lauras Stern erzählt die Geschichte der kleinen Laura, die einen Stern findet und mit ihm magische Abenteuer erlebt. Mit viel Fantasie und Charme ist dieser liebevoll umgesetzte Film das perfekte Wohlfühl-Kinderkino.Regisseurin Joya Thome u...
Kritik lesen »
Mehr Kritiken
Horizont erweitern

Was denkst du?
oder direkt auf MJ registrieren Ich stimme den Anmelderegeln beim Login zu!
1 Kommentar
Avatar
Janosch : : Sentinel
16.11.2015 11:20 Uhr
0
Dabei seit: 13.02.13 | Posts: 369 | Reviews: 13 | Hüte: 3

Den Film will ich mir seit dem ersten Trailer ansehen, da ich grundsätzlich solche Filme mag (Perks of being a Wallflower, Its kind of a funny story, the art of getting by, kings of summer, ...) Der Film ist leider (in der Schweiz) nur auf englisch in einigen Kinos ausserhalb meiner Reichweite erschienen bevor es überhaupt einen Trailer gab und so werde ich ihn mir wohl irgendwann online ansehen.

Den deutschen Titel finde ich ein wenig trügerisch, da es auch einfach um eine gewöhnliche Dreiecksbeziehung gehen könnte.

Nobody exists on purpose, nobody belongs anywhere, everybody’s gonna die. Come watch TV.

Forum Neues Thema
AnzeigeN