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Nope

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Nope Kritik

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Nope Kritik
0 Kommentare - 12.08.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Nope" ist.
Nope

Bewertung: 3.5 / 5

Die Kinder des legendären Pferdetrainers Otis Haywood Sr. (Keith David) haben seine Ranch geerbt. Während der pflichtbewusste OJ (Daniel Kaluuya) und seine Schwester Emerald (Keke Palmer) nicht unterschiedlicher sein könnten, beginnen seltsame Wettereignisse sie aus ihrem Alltag und den damit einhergehenden finanziellen Problemen zu reißen. Unterdessen bekommen die beiden Hilfe von dem Facharbeiter Angel Torres (Brandon Perea) und dem Regisseur Antlers Holst (Michel Wincott), während der ehemalige Kinderstar Ricky „Jupe“ Park (Steven Yeun) ein schweres Trauma verarbeiten muss.

Die Familie ist ein Konstrukt, welches sich viel zu leicht in Extremen dargestellt sieht. Manchmal als Grund für etwaige Schicksalsschläge und darauß folgenden Traumata und manchmal als das Allerheiligste und zu beschützende Gut, wie etwa in Fast & Furious 8 (2017). Familie ist entweder alles, oder nichts. Auch Nope legt einen großen Schwerpunkt auf die Familie, insbesondere die Väter. Die werden da nicht gut wegkommen, mindestens aber ambivalent gezeigt. Der Vaterkomplex, man kann das nicht anders sagen. Und so ist es doch diese Modeerscheinung, die spätestens seit Spielberg im Kino immer wieder rezitiert wird. Ja, der Papa war nicht der beste. Schlußendlich interessieren diese zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Hauptfigur OJ und Emerald einfach nicht. Denn man hat sie schon zu tausenden Malen gesehen und versteht auf Anhieb, daß es auch irgendwie darum gehen soll, die Entfremdung zu überbrücken und einander näherzukommen. Dieses kitschige Gehabe bremst diesen Film aus, der ohnehin aber auch ein großes Problem damit hat, seine Laufzeit zu rechtfertigen. Denn tatsächlich passieren da große Dinge, oder sie sollen passieren. Doch der Film gerät immer wieder ins Stocken, weil er eben diese Familiendynamik und die teils grotesken und teils wunderschönen Aufnahmen der Landschaft in den Vordergrund rückt. So richtig viel passiert dazwischen allerdings nicht und so darf man sich gerne fragen, ob es das wert war.

Trailer zu Nope

Jordan Peele legt nach seinem sehr direkten Get Out (2017) und nach dem eher pseudogewagtem Werk Wir (2019) die Maßstäbe wieder ein wenig anders. Und so ist Nope durchaus als Kommentar auf die Filmwirtschaft zu verstehen. Das gelingt in einigen Momenten sehr gut und in anderen weniger. Das Wechselbad dessen lässt sich vor allem an dem Zustand erkennen, daß wenn die Außerirdischen, oder was auch immer sie darstellen, auf die Erde kommen, die Technik versagt. Dann bleibt den vermeintlich hilflosen Millennials ja auch nichts anderes mehr übrig, als auf analoges Filmemachen zu setzen. Und so holen sie sich den Kameramann Antlers Holst, der ihnen die Beweise liefern soll, daß es da draußen wirklich Wesen gibt, die auf nun auf die Erde kommen. Nun schwören ja einige renommierte Filmemacher, wie etwa ein Christopher Nolan auf den sogenannten Film und das war aber gleichsam auch immer eine Diskussion, die eher ganz marginal nur etwas mit den politischen Themen oder auch dem Inhalt zu tun hatte. Man muss sich da auskennen und aus einer Laiensicht heraus ist es schwer, sich dazu zu äußern. Im Prinzip hat das aber nicht wirklich was mit dem künstlerischen Anspruch zu tun, sondern ist eher ein Kommentar auf das Handwerk hinter der Kunst. Und auch für einen geeigneten Kommentar über die Zustände in Hollwood, und daß dort Zeit und Geld über der Qualität stehen, ist es letztlich zu speziell. Nun könnte man an der Stelle sicherlich argumentieren, daß der Film ohnehin eher von den Handwerkern oder den eher vergessenen in Hollywood berichtet, doch dies ist als Kommentar einfach zu verkopft.

Wohingegen ja durchaus etwas aus diesem Diskurs entsteht und gerade in diesem Film zeigt sich da eine Debatte, die so ein wenig wohl auch an der New Age-Silicon Valley-Ideologie kratzt. Denn tatsächlich ist der technische Fortschritt hier durchaus etwas, was man nicht ganz so gutheißen sollte. Da kommt es zu Störungen, bedingt durch Wetterphänomene ausgelöst durch die Ankunft der Außerirdischen. Und dann, ganz plötzlich, klappt da gar nichts mehr. Die Handys, die Digitalkameras und alles Weitere funktionieren nicht. Dabei ist es vielleicht ein wenig zu weit hergeholt, wenn man dem Film hier attestiert, daß es nur darum geht, zu zeigen, daß uns die Technik in einer wahren Katastrophe nichts mehr nutzt. Dennoch sollte man das nichts einfach so abtun, weil der Film hier sehr eindrucksvoll zeigt, wie abhängig – auch gerade jüngere Generationen – mittlerweile von Mobilgeräten und dergleichen sind. Schließlich haben viele Arbeitgeber auch die Privatnummer, wenn nicht gar die Kontakte ihrer Mitarbeiter auf ihrem Handy. Es vereinnahmt den Menschen und er ist so sehr daran gewöhnt, seine Problemlösung etwa über Suchmaschinen zu finden, anstatt zu denken. Das mag zunächst auch etwas altbacken und oberschlau anmuten. Doch die Frage ist ja, inwieweit man noch in der Lage ist, ohne ein Handy zu leben. Doch nicht nur das Mobiltelefon ist hierfür zentral. Auch einige Kameras werden hier thematisiert. Und da fällt auf, wie einfach und wie gerne Menschen sich doch der vollständigen Überwachung hingeben, sofern es ihnen für den Moment nutzt. Daß es da um die vermeintliche Wahrheit geht, ist dann zweitrangig. Etwas Hoffnung hat man dann aber doch noch, weil die Figuren sich genau die gleiche Frage ab einem gewissen Punkt stellen.

Ganz intelligent stellt Jordan Peele hier ein paar wirklich interessante Persönlichkeiten zusammen. Zum einen hat man natürlich den starken Kontrast aus den Geschwistern, die am Hungertuch der Existenz nagen und dabei eigentlich nicht viel miteinander zu tun hat, zumindest als ihr Vater noch lebte. Daß der Vater hier zentral ist, ist natürlich klischiert. Auf der anderen Seite ist die Verbindung zwischen OJ und Emerald extrem interessant. Der Introvertierte im Zusammenspiel mit der Extrovertierten. Dabei ist diese Beziehung so glaubwürdig, weil auch die Schauspieler eine unglaubliche Chemie zueinander haben. Daniel Kaluuya besticht hier einmal mehr durch sehr eindringliche Blicke, während man in seinem Spiel durchaus erkennt, daß sich in seinem Inneren mehr wesentlich mehr abspielt. Es gelingt im famos, den Film zu tragen, obwohl er nicht gerade eine nahbare Figur darstellt. Gleichsam hat man mit Keke Palmer und Brandon Perea zwei hochsympathische Darsteller, die Kaluuyas zurückhaltende Präsenz großartig auffangen. Es ist natürlich bezeichnend, daß man hier Menschen darstellt, die alle einen Arbeiterhintergrund haben. Pferdezüchter, Ingenieure und ehemalige Kinderstars, die vom Hollywoodsystem irgendwann ausgespuckt wurden, oder noch werden. Daß Peele seinen Fokus dabei auf die Arbeiterklasse legt, ist bemerkenswert, weil das absolut nicht modern ist, wie aber auch der gesamte Film mit seiner Aufmachung eher wie ein Produkt vergangener Tage anmutet. Und gleichsam hebt er auch die Bedeutung der schwarzen Gemeinschaft für die Filmwelt hervor. Dabei ist der Film glücklicherweise lange nicht so penetrant, wie es viele Vertreter des Reminiszenzen-Kinos heute sind. Doch auffallend ist ja auch, daß die Repräsentation der Arbeiterklasse, gleichsam auch die, der kulturellen Vielfalt ist. Zumindest, wenn man nicht weiß, welche Menschen die eher unliebsameren Aufgaben in einer Gesellschaft übernehmen. Peele streut hier ganz clever tagespolitische Themen ein, ohne sie plakativ zu behandeln. Selbst bei queeren Themen lässt Peele sie einfach gut einfließen. Wenngleich man auch noch einen Schritt weiter wäre, wenn man die sexuelle Orientierung gar nicht erst erwähnen müsste, denn wichtig ist sie für Film und die Menschheit eigentlich weniger.

Der Film scheut sich dabei nicht, auch die Schattenseiten der Industrie zu zeigen. So werden eben hier auch Kommentare auf den Umgang mit Kinderstars in der Systemik Hollywoods getroffen. Wenngleich der gesamte Handlungsstrang um Ricky Parks Vergangenheit sich auch nicht ganz so organisch in den Rest des Films fügt, so ist dieser in vielerlei Hinsicht durchaus interessant. Denn hier begreift der Film die Konsumgier wieder als antagonistisch und zeigt auf, wie Menschen und in diesem Fall auch Tiere dabei gegeneinander ausgespielt werden. Dabei zeigt sich insbesondere die Tierquälerei, die sonst thematisch quasi gar keine Daseinsberechtigung in Hollywoodfilmen hat, als durchaus heikles Thema für den Film. Natürlich kann man das in gewisser Weise auch als das Zurückschlagen der Natur und ihrer Gegebenheiten deuten, wie man es mit dem gesamten Film auch tun könnte. Doch viel zentraler ist noch, der Umgang der Figuren mit dem Phänomen des Himmels. Auch dies ist dann doppeldeutig. Zum einen, weil es natürlich eine Hollywoodmetapher ist, nach den Sternen oder dem Himmel zu greifen. Und zum anderen, weil natürlich auch der Umstand, daß man in seiner eigenen Welt so geblendet von den Gegebenheiten ist, daß man den Fokus auf die wirklich wichtigen, weltverändernden Dinge, nicht wahrnimmt. Was damit letztlich gemeint ist, weiß wohl nur Peele. Tatsächlich bieten sich da einige Interpretationen an und so kann der Film als Folgestatement von Adam McKays Dont Look Up (2021), durchaus überzeugen. Wenngleich aus dem Regisseur auch nicht immer gelingt, als Fährten, die er legt, zu einem Ziel zu führen.

Bei so viel Liebe, die Nope für den Horrorfilm und den Film im Allgemeinen empfindet, kann das manchmal ein wenig snobistisch anmuten und ebenso den Film absolut ins Stocken bringen. Doch das tut nicht viel Abbruch, denn Kreativität weiß dieser Film zu liefern und damit auch Unterhaltung. Er trifft viele Kommentare auf die Filmwirtschaft und schafft mit seinem sympathischen Cast auch, den Zuschauer an sich zu binden, während er sich nicht zurückhält auch mal härter vorzugehen.

Nope Bewertung
Bewertung des Films
710

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