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Orphan - Das Waisenkind

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Orphan – Das Waisenkind Kritik

Orphan - Das Waisenkind Kritik

Orphan - Das Waisenkind Kritik
0 Kommentare - 17.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Orphan - Das Waisenkind" ist.

Bewertung: 2.5 / 5

Kate Coleman (Vera Farmiga) leidet unter Alkoholsucht. Diese führte dazu, daß ihr ungeborenes Kind bei einem Unfall starb und auch ihre Tochter Max (Aryana Engineer) beinahe das zeitliche segnen musste. Auch ansonsten führt Kate keine gute Ehe mit ihrem Mann John (Peter Sarsgaard). Um einen Neuanfang zu wagen, adaptiert das Paar die außergewöhnlich intelligente und kreative Esther (Isabelle Fuhrman). Sie scheint die perfekte Ergänzung zu ihren Söhnen Max und Daniel (Jimmy Bennett). Doch schnell stellt die Neunjährige das Leben der Familie auf den Kopf und scheint ein grausames Geheimnis zu bewahren.

Das zugrundeliegende Material, ist, wie man hört stark inspiriert von einer wahren Geschichte oder auch gar nicht. Je nachdem, Quellen sind dazu kaum zu finden und urbane Mythen wären ja nicht das erste Mal Teil von Unterhaltung. Man erinnere sich nur mal an Jonathan Frakes. Die Frage bleibt aber auch letztlich relativ irrelevant und sollte eigentlich durch die Frage ersetzt werden, ob Orphan – Das Waisenkind überhaupt gut ist. Nun nach etlichen Sichtungen spätere Filme von Regisseur Jaume Collet-Serra kann man nun endlich zu dem Schluss kommen, daß der Mann einfach ein talentfreier Dilettant ist, der irgendwie in Hollywood rumgeistert. Belege dafür sind nicht nur Unknown Idenitity (2011), Run All Night (2015) oder The Commuter (2018), nein, auch dieses Werk hier reiht sich nahtlos in die absurde Riege einfallsloser Regiearbeiten ein. Das beginnt beim Spannungsaufbau und mündet in einem zu genrekonformen Chaos aus idiotischem Handeln und billigen Jump Scares. Es ist fast so, als wolle Collet-Serra bewusst als schlechter Künstler durchgehen, weil er Jump-Scares völlig wirr platziert. Etwa dann auf einem Spielplatz, oder wenn sich Esther aus unerfindlichen Gründen unter einer Decke versteckt. Das ist absurd und sinnlos, weil der Zuschauer weiß, wo sie ist. Also warum dann ein Jump-Scare? Das sind auch nur einige Beispiele für den breiten Dilettantismus, der hier in diesem Segment geboten wird.

Trailer zu Orphan - Das Waisenkind

Lange Zeit weiß Orphan – Das Waisenkind auch nicht wirklich, was er erzählen möchte. Zwar gibt es durchaus einen Twist, der verhältnismäßig sogar mal unerwartet und unerwartet gut daherkommt, allerdings sind es dann wiederum Dinge, die den Plot einfach nur vorantreiben, um ihn voranzutreiben. So ist hier nicht das Problem, daß Mami und Kind einen Konflikt austragen und das die Figur der Kate Coleman etwa langsam auf den Trichter kommt, daß etwas mit dem Kind nicht stimmt. Es ist viel mehr das Problem, wie billig der Film versucht einem weiß zumachen, daß sich nun alle auf die Seite des Dämonenkindes schlagen. Warum sollte John Coleman das tun? Wo ist dieser Konflikt entstanden? Sicherlich nicht aus der dysfunktionalen Ehe, die die beiden ausleben. Daß hier von einem Alkoholproblem der Mutter gesprochen wird und das damit alles, was sie tut, uns sagt nichtig sei, daß bleibt im Film leider bloße Behauptung. Und daß sich das Paar bald trennen möchte, ist zwar im Hinblick auf einige Details der Figuren ersichtlich, bleibt aber im Verlauf des Films eher passend gemacht, als wirklich organisch geschrieben. Unterdessen bietet der Film durchaus einige Wendungen, die man nicht erwartet hatte und die sicherlich auch Unterhaltungswert bietet. So etwa, wenn man erfährt, daß das Waisenhaus, aus dem das Kind eigentlich kommt, eben kein Waisenhaus ist. Und das Kind eben kein Kind darstellt.

Allerdings macht das peinliche Drehbuch dem auch schnell wieder einen Strich durch die Rechnung, weil es die Figuren offenkundige Dinge erst spät aussprechen lässt. Zwar kann es sein, daß sich Menschen etwas vorlügen, wenn etwas, auf das sie so lange gewartet haben, als gegenteiliges Phänomen entpuppt. Hier spreche ich vor allem von der Tatsache, daß die Zieheltern eben lange nicht erkennen wollen, daß mit der Tochter etwas nicht stimmt. Doch auch da kommt der Film dann rein handwerklich in seinem Konstrukt total ins Straucheln, weil der Zuschauer eben um diesen Umstand weiß. Wir wissen ja, daß etwas mit dem Kind nicht stimmt, daß es vielleicht gar ein Teufelskind im Stile von Der Exorzist (1973) oder Das Omen (1976) darstellt. Nun, dem ist nicht so, aber das ist ja mal die grundsätzliche Prämisse, also das Versprechen, mit dem man überhaupt den Film schaut. Also, warum will einen der Film da für blöd verkaufen? Und spätestens wenn dann Schwester Abigail stirbt, sollte man sich doch fragen, ob hier nicht etwas gänzlich merkwürdig ist. Natürlich kann man das auch allegorisch verstehen, womit wir wieder beim Thema Teufelskinder wären. Wenn nämlich die Vertreter Gottes – wie sie sich selbst nennen – durch ein Kind ermordet werden – dann ist das wahr gewordenes Anti-Christentum. Wie gesagt, die Idee bleibt aber eben so unoriginell, daß man damit wenig anfangen kann. Zwar gelingt es allen Schauspielern hier zu überzeugen und gerade Farmiga, Sarsgaard und Fuhrman tun ihr Bestes, um das zu retten. Aber der Film ist eben auch nicht mehr zeitgemäß. Warum zum Teufel trägt man etwa Ende der 2000er solche Klamotten? Soll einen daß das Fürchten lehren? Ja, die Stillosigkeit tut es jedenfalls.

Daß die Figuren selber davon ausgehen, daß nur weil ein Kind obszön ist zunächst, man definitiv ein seltsames Kind zu Hause hat, zeigt wie konservativ peinlich Amerika ist. Ficken, Arschloch, Bastard, Schlampe, Hure, Missgeburt und all diese Worte sind ja für Amerikaner Teufelswerk und erschreckend ist auch, daß sie ähnlich wie Sexualität weniger gewöhnlich scheinen, als Gewalt in Filmen. Nun, daß aber mal beiseite gestellt, ist es einfach nur witzig, worin man hier das wahre böse sieht. Weil jemand Ficken sagt, muss er zum Arzt. Ja, ’ne, is klar. Daß man hier einen Konservatismus propagiert deckt sich im übrigen auch dann, wenn das Waisenkind aggressiv wird, sobald die Familie – Seine Zweckeltern als Konstrukt – in Gefahr schweben. So flirtet der Vater auf einem Spielplatz mit einer Frau, darauf folgt ein Zwischenfall, was eben das Kind jener Frau betrifft und damit ist dann auch klar, daß das Böse hier die Familie erhalten will. Das ist schon unfreiwillige Ironie und herrlich.

Wie man konsequent an gutem Material vorbeifilmt beweist Collet-Serra in Orphan – Das Waisenkind. Einem generischen Film, aus vergangener Zeit, der vieles aufgreift, was damals schon wenig Originalität aufwies. Der Cast ist gut, es ist ok gemacht, aber eben wenig aufschlussreich und damit belanglos.

Orphan - Das Waisenkind Bewertung
Bewertung des Films
510

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