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Phantom im Paradies

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Phantom im Paradies Kritik

Phantom im Paradies Kritik

Phantom im Paradies Kritik
0 Kommentare - 18.10.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Phantom im Paradies" ist.

Bewertung: 5 / 5

Der junge Träumer und Komponist Winslow Leach (William Finley) möchte als Musiker die Charts erobern und hat dafür ein Treffen mit dem Plattenmogul Swan (Paul Williams). Obwohl Swan Gefallen an der Musik findet, schickt er Leach wieder vor die Tür und verkauft dessen Musik als seine eigene. Als Winslow davon erfährt, bricht er bei Death Records ein, um Rache zu üben.

Im Rausch der Macht und des puren Exzesses, der die tiefsten Abgründe und einfachsten Bedürfnisse der Menschheit offenlegt, liegen immer wieder ganz klare Bilder. Sie sind klar, weil sie dem Menschen in seiner eigenen Realität ein Begriff sein dürften. Gewalt, Macht, Sucht und Geld haben nicht nur immer eine klare Metaphorik zu sich, sondern sind auch in ihren grundlegenden Bedeutungen für den Menschen kaum noch einer Rede wert. Daher schockiert es kaum, wenn ein Mensch diesen Süchten verfällt. Zumindest nicht im Film. Und hier macht Brian De Palma etwas, was ihn auch gleich mal von so ziemlich jedem anderen Filmemacher abhebt. Immer wieder springt dieser Film Hecktisch von einem zum anderen Bild, daß der Zuschauer sich zu einem Gesamtwerk zusammensetzten muss. So machen es viele Filme. Doch das spannende, was Phantom im Paradies von all diesen Werken schon gleich zu Beginn abgrenzt, ist, daß er seine eigene Szenerie von Moment zu Moment in ein eher surreales Gemälde verwandelt. Da gibt es dann eine Ansammlung von nackten Frauen vor einem schwarzen Hintergrund. Der Mogul Swan taucht aus einer ebenso plötzlich erscheinenden roten Umrandung auf und gesellt sich zu den Damen. Das beeindruckende ist also, daß der gesamte Film nur in Metaphern stattfindet, dabei aber darüber hinaus auch eine Bedeutung hat, weil man hier einen ganz klaren Kampf zeichnet.

Und dieser Kampf ist natürlich der ewige Kampf der Menschheit, beziehungsweise der ewige Kampf des kapitalistischen Systems. Mensch gegen System. Mensch gegen Unterdrückung. Mensch gegen die eigenen Dämonen. Das ist dann hier natürlich auch eine Hommage an Goethe, nach welcher die Hauptfigur Winslow Leach ihr Können dem Plattenboss Swan anbietet, der nun fortan für ihn Hits komponieren wird. Die Idee dessen liegt wohl grundsätzlich auf der Hand und mag vielleicht nicht sonderlich kreativ anmuten. Doch wenn De Palma seine Charaktere dabei direkt miteinander interagieren lässt, dann filmt er nicht einfach Gespräche ab, die die Beziehung der Charaktere untereinander klären, sondern sie stehen ebenso sinnbildlich, wie die gesamte Kamera im Film. Und wie der Film dabei die Macht ergründet, ist ebenso spannend. Natürlich gibt sich der Musikproduzent auch nicht einfach nur mit seinem Status zufrieden, sondern wird zu Teilen dann auch übergriffig gegenüber Frauen und setzt seine Macht bewusst ein, um das zu bekommen, was er möchte. Diese inhaltliche Auseinandersetzung, die sich natürlich ebenso gut auf das Hollywoodsystem übertragen lässt, ist, wie wir nun auch ganz offiziell wissen, eine Form von Eigentherapie. Weinstein lässt grüßen. Und gerade diese Themen, die den Feminismus in seinem Drang nach Ausbrechen hindern, sind natürlich auch Themen, die dieses Werk in all seinen Belangen aktuell hält. So schmerzhaft das auch ist, so gut wühlt also dieser Film auch in ewigen Wunden.

Das glaubt man vielleicht auch zunächst gar nicht, weil der Film durchaus zu Beginn als gängige Genre-Parodie anmutet und dabei sogar Szenen präsentiert, die herzlich amüsant sind. Doch je länger das andauert, desto tiefer geht der Film. Schluß mit skurrilen Albernheiten und zum Finale hin hat man ein ganz anderes Werk vor sich, daß aber in seiner inneren Logik nie an Kraft oder Glaubwürdigkeit verliert. Das liegt eben auch daran, daß der Film die vermeintliche Sinnbefreitheit auch zum Kern der Geschichte macht, dabei aber eben wesentlich mehr ist, als das. Dabei wird der Film ganz schwunghaft durch die Bilder getragen, indem diese durch gute musikalische Einlagen, rebellisch untermalt werden. Natürlich auch dem Zeitgeist geschuldet, spielt der Film dabei provokant mit Themen der Homosexualität oder der freien Entfaltung von Frauen. Das kann natürlich etwas kritisch begutachtet werden, ist aber eben auch im Kontext des Films nicht das, was die größten Brüskierungen hervorrufen wird. Das ist dann wohl auch so ein wenig vom Musical The Rocky Horror Picture Show inspiriert. Dazu gesellt sich, daß der Film ohnehin in seiner Deutung möglichst ungreifbar verstanden werden will. So etwa im Genre, daß sich zwischen Musikfilm, Drama, Tragödie, Horrorfilm, Science-Fiction oder auch Fantasy suhlt. Gerade ein solcher Spagat scheint eigentlich unmöglich, ist aber hier perfekt gelungen und sorgt ebenso dafür, daß der Film immer unterhaltsam und rasant bleibt.

Hinter all den Farben und den teils grotesken Bildern mutet das Werk dabei mitunter recht infantil an. Es geht darum, ein System zum Einsturz zu bringen und sich völlig von den Ketten größerer Mächte zu lösen. Das ist dann pure Provokanz, die der Film aber zu jedem Zeitpunkt gekonnt ausspielt und entweder in herrliches Gelächter verlegt, oder in lautes Entsetzen. So oder so, der Film spaltet und das ist gut, weil er eben abseits seines grotesken Auftretens auch etwas zu erzählen hat, wovon eben das heutige Kino weit entfernt ist. Nicht, daß es keine provokanten Werke mehr gebe. Allerdings sind diese nicht im Mainstream zu finden. Und so mündet dieser Film in einer waschechten Tragödie, die keinerlei Hoffnung mehr übriglässt.

Mit Phantom im Paradies schuf Brian De Palma mehr ein Gemälde, denn einen Film. Die Metaphorik, mit welcher der Regisseur hier das Kunstgewerbe dekonstruiert, ist einfach nur atemberaubend. Es fällt zudem schwer, den Film greifbar zu machen, weil er seine Stärken aus so vielen einzelnen, völlig surreal anmutenden Ideen zieht, die als Gesamtwerk kaum sinnig wirken. Doch je länger man den Film wirken lässt, umso stimmiger und sinnvoller setzt sich das Werk zu einem bedeutsamen voller genreübergreifender Ideen zusammen, die auch mehr sind, als nur bloße Provokationen.

Phantom im Paradies Bewertung
Bewertung des Films
1010

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