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Poor Things

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Alle redeten über Barbie: Poor Things macht es deutlich besser!

Poor Things Kritik

Poor Things Kritik
1 Kommentar - 02.03.2024 von TiiN
In dieser Userkritik verrät euch TiiN, wie gut "Poor Things" ist.
Poor Things

Bewertung: 4 / 5

Poor Things ist ein britischer Spielfilm aus dem Jahr 2023 des griechischen Filmemachers Giorgos Lanthimos. Der Film präsentiert eine Frankenstein-ähnliche Geschichte, in der Willem Dafoe als Dr. Godwin Baxter einer leblosen Frau ein neues Gehirn einsetzt und sie wieder zum Leben erweckt. Da ihr neues Gehirn leer ist, muss die Frau, die körperlich in ihren Dreißigern ist, alles neu erlernen.

Das klingt sehr abgedreht, und es wird durchaus noch bizarrer. Lanthimos präsentiert einen sehr ungewöhnlichen Film, der an vielen Stellen von der Norm abweicht, aber bestimmte Themen so stark bedient, dass beispielsweise eine Barbie in Sachen Feminismus locker stehen gelassen wird.

Trailer zu Poor Things

Poor Things ist allein optisch gewöhnungsbedürftig. Nicht, dass die ersten ca. 30 Minuten in Schwarz-Weiß eingefangen sind - so etwas war im Jahr 2023 keine Überraschung. Insbesondere am Anfang wird in vielen Innenaufnahmen eine Weitwinkelkamera verwendet, die sehr breite und verzerrte Bilder zeigt. Eine Fischaugenperspektive erleben wir auch gelegentlich.

Zeitlich befindet sich der Film im 19. Jahrhundert im europäischen Raum. Die Szenenbilder sind äußerst fantasievoll gestaltet, wirken teilweise futuristisch, teilweise sehr traditionell. Der Himmel erscheint so blau wie aus einem Traum.

Dr. Baxters „Kind“ hört auf den Namen Bella. Nachdem sie einige Grundlagen des Lebens verinnerlicht hat, versucht der Anwalt Duncan Wedderburn, sie zu verführen, und bricht mit ihr auf eine Reise im Mittelmeerraum auf. Dr. Baxter selbst lässt sein Kind ziehen, und so beginnt eine prägende Kreuzfahrt über Lissabon, Alexandria bis hin nach Paris.

Wer bei Schlagwörtern wie Schwarz-Weiß oder Weitwinkel schon abgeschreckt war, für den wird es noch ein bisschen härter. Denn Poor Things trägt seine Altersfreigabe ab 16 Jahren nicht ohne Grund. Es werden einige Operationen am menschlichen Körper gezeigt, Experimente, die an Freaks aus dem Jahr 1932 erinnern, und der Film zeigt jede Menge Sex. Die junge Bella lernt auf faszinierende Weise ihren Körper kennen, stellt interessante Fragen und bringt Thesen auf. So zeigt sich, wie in Poor Things zunehmend eine selbstbestimmende Frau aufwächst, die sich schon im 19. Jahrhundert gegen primitive Alphamänner behauptet und es teilweise sogar schafft, diese zu brechen. Überwiegend gelingt das mit hervorragender Komik und zu jeder Zeit spielend leicht.

Neben der starken Szenenbilder und der experimentellen Kamera brilliert der Film vor allem durch seine Hauptdarstellerin Emma Stone. Sie schafft es einen zu Anfang fast leblosen Menschen zu spielen, welcher sich zunehmend weiterentwickelt und dabei auch die Motorik und Gestik vollkommen verändert. Die anderen Darsteller funktionieren auch gut, nehmen aber vor der Kamera nie diese Präsenz ein.
Musikalisch ist man, passend zur Geschichte ebenfalls etwas experimentell unterwegs, diese Töne begleiten die Handlung wunderbar.

Poor Things bringt es auf eine Laufzeit von 141 Minuten. Diese vergeht überwiegend sehr schnell, wobei der Film im dritten Viertel einige kleinere Längen aufweist. Das Finale könnte ein runder Abschluss werden. Leider wird hier jedoch noch einmal eine redundante Ausfahrt genommen, die zwar zu einer guten Schlussszene führt, aber generell hätte man den Schlussakt knackiger gestalten können.

Trotz allem ist Poor Things ein wirklich guter Film, der die Themen Selbstbestimmung, Schöpfung und das Sein thematisiert und in seiner feministischen Präsentation deutlich souveräner als der Sommerhit Barbie daher kommt. Die sehr bizarren Elemente sowie viele freizügige Szenen dürften aber einer größeren Zuschauerzahl sauer aufstoßen.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt, sollte sich Poor Things auf jeden Fall anschauen. Einer der besten Filme aus dem Jahr 2023.

Poor Things Bewertung
Bewertung des Films
810

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1 Kommentar
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TiiN : : Goldkerlchen 2019
02.03.2024 23:37 Uhr | Editiert am 03.03.2024 - 08:41 Uhr
1
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 9.040 | Reviews: 173 | Hüte: 607

Wirklich ein klasse Film. Ich bin mal gespannt, wie er bei den Oscars performen wird. Thematisch passt das eigentlich gar nicht so zur Academy. Da waren die zehn Nominierungen schon überraschend. Theoretisch könnte ich mir vorstellen, dass der Film in jeder Kategorie Siegchancen hätte. Andererseits ist das schon weit weg vom klassischen Oscarkino und man war im letzten Jahr mit Everything, everywhere all at Once schon ein bisschen sehr experimentierfreundlich für Oscarverhältnisse.


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