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The Man in the High Castle

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Bedeutend besser als Staffel 1

The Man in the High Castle Review

The Man in the High Castle Review
7 Kommentare - 18.06.2019 von luhp92
In dieser Userreview verrät euch luhp92, wie gut "The Man in the High Castle" ist.
The Man in the High Castle

Bewertung: 3.5 / 5

Überraschenderweise hat mir Staffel 2 bedeutend besser gefallen als Staffel 1.

Der Handlungsstrang über John Smiths Familie geht nach Staffel 1 dramatisch in die Tiefe - Rufus Sewell spielt überragend - und bietet so ziemlich alles, was ich in "Charité - Staffel 2" vermisste. Kein vereinfachtes Gut (Rebellen, ehrenhafte Mutter) gegen Böse (Nazis, verzerrte Nazi-Mutter), sondern eine ehrliche, menschliche und in Grautönen gezeichnete Nazi-Familie, die enorm darunter leidet, dass sie bzw. ihr Sohn nicht mehr dem NS-Bild der arischen Herrenrasse entsprechen, obwohl sie eigentlich der NS-Ideologie folgen. Im hochspannenden Staffelfinale werden dahingehend diverse Handlungsstränge zusammengeführt und mit einem Knall beendet, an diese Qualität knüpft Staffel 3 mit einer hochemotionalen Feier- und Redeszene an, in der das NS-Bild der arischen Herrenrasse abermals schockierend offengelegt wird.

Trailer zu The Man in the High Castle

Ansonsten finde ich es spannend, wie die Nachfolgegeneration der deutschen Nazis charakterisiert wird. Hinsichtlich ihrer Parties, ihrer Drogen- und Sexorigen sowie ihrer Ansichten zur NS-Umweltpolitik (Kritik an der Trockenlegung des Mittelmeers) scheinen sie sich zum Einen auf die Kultur der Weimarer Republik rückzubesinnen und zum Anderen ein Pendant der Gegenkultur der realen 1960er darzustellen. In der Parallelrealität kämpft die Generation der Kriegskinder derweil für Frieden und die nukleare Abrüstung.


Im kleinen Rahmen spiegelt die fünfte Episode mit einer Szene die Situation des Kalten Krieges wieder, was in der gesamten Serie im großen Rahmen geschieht. Der japanische Kempetai-Chief-Inspector Takeshi Kido besucht NS-Obergruppenführer John Smith, währenddessen endeckt Kido einen US-Orden, der Smith für seinen Einsatz auf den Salomon-Inseln im Pazifikkrieg verliehen wurde. Kido kämpfte dort ebenfalls, sie standen sich damals also als Feinde gegenüber, während sie in der 1960er-Gegenwart eigentlich Verbündete sind. Eigentlich. Eigentlich sollten sie Verbündete sein, zwischen den beiden Siegermächten haben sich aber längst neue Fronten aufgetan.

Die beiden Siegermächte (USA, UdSSR - -> Deutschland, Japan) teilten das Feindesland (Europa/Deutschland - -> USA) unter sich auf, geraten dann aber in Konflikt miteinander, weil sich beide selbst als die überlegene Weltmacht ansehen. John Smith steht dabei sinnbildlich für einen NS-Offizier oder -Poltiker, der sich nach dem Kriegsende der Demokratie verschworen und mittlerweile einen hohen Posten in der Politik der BRD inne hat, und als US-Verbündeter Westdeutscher nun auf einen sowjetischen Poltiker oder Geheimdienstler trifft.

Darüberhinaus wird die Serie in Staffel 2 jüdisch-kulturell aufgeladen, was mich positiv üverrascht. Wurden die jüdischen Charaktere bisher nur als normale Opfer und Widerstandskämpfer dargestellt, spricht der jüdische Hauptcharakter Frank Frink nun davon, wie Moses Plagen über den japanischen "Pharao" hereinbrechen zu lassen, und handelt dahingehend.


Neben der oben genannten "Kalter Krieg"-Szene enthält Episode 5 noch eine weitere Szene mit hohem Informationsgehalt: Die Bestattung der Widerstandskämpferin Karen Vecchione, bei der ein christlicher Priester die Bestattungsrede hält. Gottesglaube, speziell christlicher, ist ein essentieller Bestandteil der US-amerikanischen Kultur und ihrer Werte, dementsprechend hält auch ein Priester die Rede für die Bestattung einer Frau, die für die Freiheit und Befreiung der alten USA kämpft. Die NS-Ideologie hat sich dagegen von Gott losgesagt, die Evolutionstheorie ins Zentrum des menschlichen Selbstbildes gestellt und den Menschen zum Gott erhoben. Dies thematisiert die Staffel in einer der vorherigen Episoden, in der Reichsminister Heusmann begeistert davon erzählt, welche Freiheiten der Mensch ohne Gottenseinfluss genießt und zu welchen Meisterleistungen er sich aufschwingen kann. Dabei führt er die Wunderstadt Berlin und zukünftige Projekte, wie die Trockenlegung des Mittelmeers als Nutzbarmachung für neues Ackerland, als Beispiele an.

In Episode 7 bekommt man als Zuschauer einen Eindruck davon, wie die Nazis ihre Ideologie und den Führerkult erfolgreich in der US-Gesellschaft und US-Kultur verankern. Ironischerweise haben die Nazis dabei vom Christentum gelernt, um es dann abzuschaffen. Während sich das Christentum im Mittelalter in Europa verbreitete, wurden die bestehenden Kulturen, Religionen und Volkstraditionen nicht von Grund auf umgekrempelt, viel mehr verschmolzen sie zu etwas Neuartigem. Um die heidnischen Menschen einzubinden, übernahm das Christentum also bereits Bestehendes für sich selbst, am Bekanntesten dürfte da wohl die Zusammenlegung des Weihnachtsfestes und der Wintersonnenwende sein.

In den NS-USA der 1960er Jahre wurden die christlichen Priester ihres Amtes enthoben, folglich dürfte es im öffentlichen Leben keinen christlichen Glauben mehr geben. Anstatt die Kirchen niederzureißen und den Gottesdient abzuschaffen, werden diese von den Nazis umfunktionert. Aus den Gotteshäusern werden Führerhäuser, hinter dem Alter prangt nun ein großes Bild Adolf Hitlers, der Prunk wird beibehalten. Man versammelt sich zu besonderen Anlässen wie z.B. Beerdigungen, NS-Priester halten Reden und es wird zusammen gesungen, wie in den alten christlichen Zeiten.


Wie schon erwähnt, konnte die erste Episode der dritten Staffel an die Qulität der zweiten Staffel anknüpfen, da bin ich nun gespannt, was in der dritten und später dann in der finalen, vierten Staffel noch alles geschehen wird!

The Man in the High Castle Bewertung
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7 Kommentare
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
04.07.2019 13:50 Uhr | Editiert am 04.07.2019 - 13:52 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 11.984 | Reviews: 178 | Hüte: 398

@MobyDick

1) An diesem blonden Widerstandskämpfer, der zu ähnlichen Methodiken wie die Faschisten greift und daher von Juliana erschossen wird, kann man sich natürlich mehr reiben als an Wyatt Price. Da gebe ich dir Recht.

3a) Dass "Jahr Null" im Vergleich zur vorherigen kulturellen Übernahme der USA durch die Nazis platter ausfällt, stimmt ebenfalls. Staffel 2 setzt das schon hintersinniger und subtiler um, siehe oben in meinem Review der vorletzte und vorvorletzte Absatz.

3b) Himmler wird weiterhin daran forschen lassen, das dürfte klar sein. Mal schauen, wohin das noch führen wird.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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MobyDick : : Moviejones-Fan
03.07.2019 13:15 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 4.753 | Reviews: 74 | Hüte: 317

luhp:

1. Ja genau, Wyatt Price. Nichts gegen die Figur, man kann sie gerne einführen, aber dafür wird dieser bisherige Blondschopf geopfert. Und selbst Frank ist als Figur deutlich ambivalenter.

2. Frank sehen wir ja ähnlich

3. a)Freiheitsstatue: Genau das meine ich ja, dass hier alles viel platter dargestellt wird. In Staffel 1 wurde alles so beiläufig erzählt, dass einem das Mark gefrieren konnte, hier wird eine Staffel lang vorbereitet, wie US-amerikanische Werte zerstört werden sollen. Das ist durchaus sehr beliebeig, billig, und hat einfach nur den niedrigsten gemeinsamen Nenner gemein anstatt intelligente Kost zu sein. Es ist ja prinzipiell davon schon im Vorfeld auszugehen gewesen, das solche Aktivitäten stattfinden würden/könnten.

b) Himmlers Phantasien: Auch wenn dem möglicherweise der Riegel vorgeschoben scheint, hatte ich das Gefühl, dass Himmler sich davon nicht abhalten lassen wolle und dass dieser Plot immer wichtiger werden wird.

4. Smith: Ja, davon ist auszugehen, aber das kann man auch weniger monoton rüberbringen.

Für mich hat sich Amazon zu stark in die Produktion eingemischt, die fähigen Showrunner durch Ja-Sager ersetzt und nun den Salat. Die Serie, welche potentiell was ganz Großes hätte werden können, wird dadurch vermutlich zu einer Randnotiz degradiert. Mal schauen, ob sie mit Staffel 4 vielleicht doch noch die Kurve kriegen, viel Hoffnung habe ich allerdings nicht

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
03.07.2019 12:12 Uhr | Editiert am 03.07.2019 - 12:13 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 11.984 | Reviews: 178 | Hüte: 398

@MobyDick

Schade, dass dir Staffel 3 weniger gefallen hat.

Zu: "Wem die Stunde schlägt": Meinst du da Wyatt Price oder jemand anderen?

Zu Frank Frink: Diesen ganzen "Frank ist tot"-Subplot fand ich auch billig bzw. schwach geschrieben. Das erinnerte mich an die scheinbare Sterbeszene von Glenn in "The Walking Dead - Staffel 6", als man ihn bewusst mit dem Holzhammer totgeschrieben hat, auch bei Frank dürften das wohl die wenigsten geglaubt haben. Erst recht, da Chief Inspector Kido den Bombenanschlag überlebte - wenn er, dann auch Frank.

Zu den Allmachtsphantasien: Das radikale Auslöschen der US-amerikanischen Kultur und Geschichte durch "Jahr Null", vor Allem mit der Zerstörung der Freiheitsstatue als Höhepunkt, empfand ich schon als sehr erschreckend. "Die Nebenwelt" mit der Tunnel-Quanten-Transfermaschine störte mich zwar nicht, zählt aber schon zu den uninteressanteren Handlungssträngen. Nötig wäre das auf jeden Fall nicht gewesen. Die Serie hat dem vorerst aber ja ohnehin einen Riegel vorgeschoben, da nur die Menschen transferieren können, die in der Parallelwelt bereits tot sind.
B-Movie-Territorium betritt hier insbesondere Kenneth Tigar, der seinen Heinrich Himmler schon sehr übertrieben anlegt. Mir kommt es so vor, als habe er sich da stark von Bruno Ganz in "Der Untergang" inspirieren lassen, ohne aber dessen Authentizität rüberbringen zu können.

Zu John Smith: In der ersten Hälfte der Staffel stand er schon im Vordergrund, wenn man die Folgen von Thomas Tod und den Machtkampf mit Rockwell und Hoover bedenkt. In der zweiten Staffel tritt er mehr in den Hintergrund, wobei ich das eher als vulkanisches Brodeln und Zweifeln an der NS-Ideologie interpretiere. Ich vermute, dass dies als Vorbereitung dafür dient, dass Smith in der finalen Staffel 4 erneut die Seiten wechseln wird und das NS-Reich zum Einsturz bringen möchte.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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MobyDick : : Moviejones-Fan
03.07.2019 09:34 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 4.753 | Reviews: 74 | Hüte: 317

luhp:

Ja, das kann man so sehen, ich habe es eher so gesehen, dass sie die unbequemen Hauptfiguren einfach dem typischen uramerikanischen "Ernest Hemmingway" (Wem die Stunde schlägt)-style Hallodrie Protagonisten opfern, ist ja schließlich auch einfacher für das Publikum sich mit einem Helden zu identifizieren. Auch die tatsache, dass Frank zurück gebracht wird, nur um zu sterben, fand ich ehrlich gesagt ziemlich billig, auch wenn es angeblich seinen Charakter-Arc befriediegend abgeschlossen hat. Nee, ich war hier masslos enttäuscht, auch von den ziemlich dümmlichen Allmachtsphantasien, die ja nun wirklich in B-Movie-Territorium gehen, und recht wenig mit der Allegorie der bisherigen Serie gemein haben. Hinzu kommt, dass sie auch anscheinend recht wenig mit John Smith anzufangen wussten, der Kerl hat ja gefühlt ganze Episoden apathisch in seinem Privatkino verbracht.

Ich freue mich, dass die die Staffel gefallen hat, aber mir hat sie im Grunde kaum gefallen, jetzt da das Ende ja feststeht, ziehe ich das Ding natürlich auch durch, aber erwarten tu ich eine typische Network-Auflösung, die immer weniger so ambivalent sein wird wie es die erste und zweite Staffel noch waren.

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
03.07.2019 00:41 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 11.984 | Reviews: 178 | Hüte: 398

@MobyDick

Jetzt bin ich auch mit Staffel 3 durch. Etwas schwächer, aber auf einem ähnlichen Niveau wie Staffel 2, Episode 9 hat mich schon etwas "ge-game-of-throned".

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
21.06.2019 03:23 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 11.984 | Reviews: 178 | Hüte: 398

Staffel 3 - Episode 3 & 4

Diese Episoden standen für mich insbesondere im Zeichen der neuentdeckten Liebe.

Bereits früheren Episoden der Serie und sepziell in Episode 3 der Staffel 3 (was ich unten nicht erwähnte) wurden zwei heteroseuxelle und zwei homosexuelle Beziehungen angedeutet.

Erstens eine schwule Beziehung zwischen dem US-amerikanischen Ed und dem Mexikaner/Latino Jack aus der Neutral Zone (Rocky Mountain States), was in den beiden faschistischen Reichen natürlich nicht erlaubt ist. In Episode 4 steht sich Ed schließlich seine Gefühle ein und überwindet seine Angst vor Repression.

Zweitens eine lesbische Beziehung zwischen der populären NS-Journalistin Thelma Harris und der NS-Filmregisseurin Nicole Dörmer. Die Journalistin scheint generell bisexuell zu sein, was bei den Nazis interessanterweise teils geduldet wird. Ich habe mich gerade mal etwas angelesen, Lesben wurden während der NS-Zeit in der Tat weniger (hart) verfolgt und bestraft als Schwule. Jedenfalls knistert es zwischen den beiden Frauen von der ersten Sekunde an, die erotische Spannung ist förmlich spürbar, was Episode 4 dann weiterführt.

Drittens die aufkeimende Liebe zwischen dem Witwer Nobusuke Tagomi und der Ryūkyū-Hawaiianerin Tamiko Watanabe. Tagomi gilt eigentlich als stolzer Japaner, der viel Wert auf die Identität mit dem eigenen Volk legt, so fährt er seinem Sohn in der alternativen Realität wütend über den Mund, als dieser meint, er identifiziere sich selbst mit den USA, auch wenn er in Japan geboren wurde. Analog wendet sich Tagomi zunächst von Tamiko Watanab ab, sie ist eben keine "echte" Japanerin, letztendlich überwindet er allerdings seinen Stolz und trifft sich mit ihr am Strand oder zum Essen.

Viertens das Hingezogen Fühlen Chief Inspector Takeshi Kidos zu dieser US-amerischen Dame der Yakuza (?). Wie Tagomi legt Kido als gebürtiger Japaner viel Wert auf seine Herkunft, sieht seine Familie wegen seiner Arbeit in den japanischen USA jedoch kaum noch und wird mehr und mehr vom US-Amerikanischen beeinflusst. Zum Einen merkt ein japanischer General an, Kido würde mittlerweile Japanisch mit US-amerikanischem Akzent sprechen, zum Anderen weckt oben genannte Dame seine Gefühle und Wünsche nach Zuneigung, Zärtlicheit und Zweisamkeit, die ihm in seinem isolierten, harten, brutalen und stressigen Job abseits der Familie verwehrt bleiben. In Episode 4 gibt er dieser Sehnsucht endlich nach.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
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MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
20.06.2019 23:47 Uhr | Editiert am 20.06.2019 - 23:53 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 11.984 | Reviews: 178 | Hüte: 398

Staffel 3 - Episode 3

Wie es der Zufall will, habe ich heute mittag im GeoEpoche-Magazin "Der Traum vom Fliegen" das Kapitel über den ersten bemannten Flug ins All durch die UdSSR gelesen.

In diesem Kapitel geht es u.A. darum, wie die UdSSR ihr Raumfahrtprogramm im Einklang mit dem Kommunismus unter die Fahne der säkulären Religion des Kosmismus gestellt haben. Eine religiöse Auffassung, nach der der Mensch im Weltall als Neuer Mensch bzw. Übermensch wiedergeboren wird. Der Pilot-Kosmonaut Jurij Gagarin wird zu Propagandazwecken zu eben diesem Neuen Menschen idealisiert, entwickelt sich nach dem Weltraumflug zum Messias für diese Religion und wird als Wunschkind des gesamten Volkes vergöttert. Anfangs die Vorzüge genießend und zum Wohle seiner westrussischen Heimatregion nutzend, leidet er irgendwann unter der Idealisierung bzw. Vergötterung und geht schließlich daran zugrunde.

Nach seinem Flug ins All warnte Gagarin bereits selbst: "Man darf einen Menschen nicht so idealisieren, man muss ihn so nehmen, wie er ist." Auch sein Vater meinte dazu: "Vorher haben sie einen Hund ins All geschickt, warum machen sie jetzt ausgerechnet ihn zum Helden? Er ist ein ganz normaler Kerl, wie jeder."


Gleiches geschieht nun genau in der dritten Staffel von "The Man in the High Castle" mit Thomas Smith, dem Sohn der US-Nazi-Familie Smith. Er opferte sich für das Fortbestehen und den Glauben an den NS-arischen Übermenschen und wird dafür von der NS-Propagandamaschinierie als idealisierter Held inszeniert. Nicole Dörmer, die sich als zukunfstorientierte Leni Riefenstahl einer neuen, jungen NS-Generation versteht, dreht sogar einen Film über Thomas und seinen Vater John Smith, der sowohl in Deutschland als auch in den NS-USA gefeiert wird.

John und Helen Smith befinden sich derweil noch tief in der Trauer um ihren toten Sohn und sehen sich nun mit der Propaganda konfrontiert, die ihren normalen Sohn zu einem Volkshelden idealisiert. Sein Gesicht sehen sie überall. In ihrer Ehe kriselt es deswegen und ihre Töchter werden angefeindet, Helen nimmt Therapiestunden bei einem Psychotherapeuten und erträgt die Siuation nur mit Hilfe von Alkohol und Pillen. Nach außen hin müssen sie als Teil der NS-Politikelite allerdings der Linie der Propaganda folgen, um ihren Ruf zu wahren, was insbesondere Helen aufgrund ihres alkoholisierten Zustandes schwerfällt.

Dies macht John Smith wiederum anfällig für Feinde und Machtkonkurrenten innerhalb der NS-Elite, hier in Form und NS-US-Reichsmarschall George Lincoln Rockwell und NS-FBI-Direktor J. Edgar Hoover.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
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