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Wuthering Heights - Sturmhöhe

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Das Leid und die Herrlichkeit der Liebe

Wuthering Heights - Sturmhöhe Kritik

Wuthering Heights - Sturmhöhe Kritik
0 Kommentare - 13.02.2026 von Moviejones (MJ-SceneTalk)
Wir haben uns "Wuthering Heights - Sturmhöhe" für euch angeschaut und verraten euch in unserer Kritik, ob sich dieser Film lohnt.
Wuthering Heights - Sturmhöhe

Bewertung: 4 / 5

Wuthering Heights gilt als einer der wichtigsten Romane aller Zeiten, und schon oft haben sich Regisseure an dem Stoff die Finger verbrannt. Nun versucht sich auch Oscar-Preisträgerin Emerald Fennell an dem Stoff und macht daraus einen Film über Leid und Leidenschaft, Liebe und Lust.

Für Promising Young Woman hat Emerald Fennell zurecht den Oscar für das beste originale Drehbuch gewonnen, mit Saltburn löste sie hingegen einen riesigen Internet-Hype aus. Nun steht ihr neuer Film in den Startlöchern und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Emily Brontë aus dem Jahr 1847. Dieses Werk gilt bis heute als eines der wichtigsten literarischen Werke überhaupt und wurde auch schon ziemlich oft verfilmt. Allein wenn man sich die Einträge auf Letterboxd unter dem Titel ansieht, gehen die Adaptionen bis ins Jahr 1939 zurück. Die Version von William Wyler aus dem Jahr 1939 mit David Niven und Laurence Olivier gilt dabei als die einzige, die wirklich breite Anerkennung fand.

Die junge Cathy, Tochter des verschuldeten Mr. Earnshaw, lebt mit ihm und einigen Hausmädchen im heruntergekommenen Wuthering Heights. Die Spiel- und Alkoholsucht des Vaters verschärft die finanzielle Not. Eines Tages nimmt er einen Waisenjungen auf, dem Cathy den Namen ihres verstorbenen Bruders Heathcliff gibt. Dieser baut zu Cathy eine enge Bindung auf, und beide wachsen wie Bruder und Schwester auf. Viele Jahre später entscheidet sich die nun erwachsene Cathy (Margot Robbie), der finanziellen Not ihres Vaters entgegenzuwirken und den wohlhabenden Edgar Linton zu heiraten. Damit zerstört sie jedoch die Beziehung zu Heathcliff (Jacob Elordi). Denn beide hatten eine engere Verbindung, als sie die Jahre über dachten.

Emerald Fennell bestand darauf, dass der Titel des Films "Wuthering Heights" - Sturmhöhe immer und ausschließlich mit Anführungsstrichen geschrieben wird. Es soll verdeutlichen, dass es sich um eine freiere Interpretation des Stoffes handelt – und das merkt man schon an der Musik von Charli XCX und den kaum zeitgemäßen Kostümen, was auch im Vorfeld in Interviews angesprochen wurde.

„Wuthering Heights“ versuchte während der markanten Marketingkampagne stark mit dem Erotikfaktor zu spielen. Viele gingen nach Interviews und ersten Stimmen aus Test-Screenings davon aus, dass wir hier eine explizitere Version von Fifty Shades of Grey bekommen würden, angesiedelt im Viktorianisches Zeitalter. Doch diesen Zahn kann man direkt ziehen. Der Film hat nur sehr wenige Sexszenen und kaum Momente, in denen Nacktheit überhaupt eine Rolle spielt. Wer genau das erwartet, dürfte enttäuscht werden. Wer aber ein emotionales Drama sucht, wird eher überrascht. Denn hier funktioniert „Wuthering Heights“ ziemlich gut. Der Film erzählt nicht nur von Liebe, sondern vor allem vom Leid und von der Herrlichkeit der Liebe – und vom hypnotischen Rausch des Reichtums.

Emerald Fennell sagte in mehreren Interviews, dass sie mit ihrem neuesten Film etwas erschaffen wollte, das für die neue Generation eine Art Titanic darstellt. So weit muss man nicht gehen, doch in einem Punkt haben die Filme etwas gemeinsam: Der Fokus liegt nicht allein auf der Romanze, sondern auch auf dem Kapitalismus und darauf, wie er Menschen von innen heraus zerstören kann. Schon in Titanic gab es an Bord die klare Klassenverteilung zwischen Arm und Reich. Ähnlich ist es hier, nur dass die Distanz zwischen Armut und Reichtum fünf Meilen beträgt – so weit liegen das Anwesen der Lintons und Wuthering Heights auseinander. In diesen Orten und den Landschaften dazwischen spielt der Film fast ausschließlich. Gerade wenn Cathy sich an den reichen Linton bindet, um der Armut ihres Vaters zu entkommen und sich sowie Heathcliff ein besseres Leben zu ermöglichen, wird die Kapitalismuskritik greifbar. Doch Geld bringt zwar finanzielle Sicherheit, aber kein Glück – vor allem nicht, wenn das Herz bereits jemand anderem gehört.

Ein weiterer Punkt, der gerade durch die starken Leistungen von Margot Robbie und insbesondere Jacob Elordi entsteht, ist die Liebe und der Schmerz, der damit einhergeht. Filme neigen oft dazu, das Leid einer Beziehung zu filtern und vor allem die glücklichen Momente zu zeigen. „Wuthering Heights“ geht einen anderen Weg und lässt uns nicht nur die Liebe, sondern auch die zerstörerische Kraft des Leidens spüren, wenn diese Liebe unbeantwortet oder unausgesprochen bleibt. Selbst wenn endlich die Worte „Ich liebe dich“ fallen, ist das angestaute Leid zwischen Heathcliff und Cathy nicht verschwunden – im Gegenteil. Der Film zeigt, dass Liebe harte Arbeit ist, an der zwei Menschen gemeinsam arbeiten müssen. Das wird besonders deutlich, als Heathcliff zurückkehrt. Die erotischen Blicke, intensiven Küsse und vor Lust bebenden Körper sind nur Momentaufnahmen, die den eigentlichen Konflikt überdecken. So nimmt uns „Wuthering Heights“ mit auf eine Reise durch eine Liebe, die nicht nach Schema F funktioniert, sondern den Schmerz unerbittlich auf den Zuschauer überträgt.

All diese Tragik, dieses Leid und diese Leidenschaft würden jedoch nicht funktionieren ohne die technische Umsetzung, die uns hilft, in dieser Welt anzukommen. Fennell wollte mit ihrem Film etwas Eigenes wagen und dem Stoff einen Hauch von Surrealismus verleihen. Davon merkt man zwar nicht allzu viel, doch die Musik und die Kostüme stechen heraus. Die Songs von Charli XCX passen überraschend gut zu den Szenen und verstärken die Drastik der Emotionen. Durch die dröhnenden Bässe wirken die Schmerzen zwischen den Protagonisten noch greifbarer. Das Setdesign erinnert in vielen Momenten an die opulenten Welten von Guillermo del Toro. Vieles wurde tatsächlich gebaut statt digital ergänzt, wodurch eine starke Authentizität entsteht. Besonders hervorzuheben sind die Bilder: wilde Farben, interessante Kameraperspektiven und präzises Blocking sorgen dafür, dass sich viele Szenen regelrecht ins Gedächtnis brennen.

FAZIT

„Wuthering Heights“ ist ein schwer romantisches Drama mit weniger Sex, als die Kampagne vermuten ließ, dafür aber mit einer starken Kapitalismuskritik und einem realistischen Blick auf das Leid und die Herrlichkeit der Liebe. Denn am Ende, wenn wir gehen, wenn sich der Blick verschwärzt und der Tod uns holt, dann geht das Leid aber die Leidenschaft sie bleibt. Dank der berauschenden Leistungen von Margot Robbie und Jacob Elordi sowie der beeindruckenden Optik entsteht ein großes, drückendes, emotionales Epos voller Schmerz und Leidenschaft.

Wuthering Heights - Sturmhöhe Bewertung
Bewertung des Films
810

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