
Das Jahr startete mit einigen starken Kinostarts wie Hamnet, Der Fremde, Ein einfacher Unfall oder 28 Years Later - The Bone Temple, um nur einige zu nennen. Doch auch im Heimkino ließ man sich nicht lumpen. Tolle Neustarts großartiger Kinofilme aus dem Jahr 2025, spannende Neuauflagen und jede Menge große Emotionen. Das sind die 10 Filme, die im Januar 2026 auf Blu-ray, DVD und VOD erschienen sind und die ihr auf keinen Fall verpassen solltet.
Auf Moviejones sprechen wir meist über die Kinostarts und die neuen Streaming Highlights. Dabei geht der Heimkino-Markt oft zu unrecht unter. Das soll sich jetzt ändern und deswegen sprechen wir jetzt einmal gesammelt über ganze 10 Filme die ihr nicht verpassen solltet. Im Januar erschien zwar einige Filme die ausschließlich im Heimkino erschienen sind, da die meisten aber nicht sonderlich nennenswert sind, mussten wir auf Filme zurückgreifen die endlich ihre Heimkino Premiere feiern durften und Filme die nach Jahren endlich wieder zurück in den Regale sind. Lange reder kurzer Sinn hier sind die 10 Filme für die wir uns entschieden haben. Diese sind nicht nach Qualität sortiert, die Filme sind alle in einer zufälligen Reihenfolge.
10. The Negotiator
Regie: David Mackenzie | FSK ab 12 Freigegeben | Min ca. 112 | Thriller
Darsteller: Riz Ahmed, Lily James, Sam Worthington
Ash (Riz Ahmed) ist ein hochprofessioneller „Fixer“, der diskret Bestechungsgelder zwischen korrupten Konzernen und ihren potenziellen Gegnern vermittelt. Absolute Anonymität, präzise Planung und strikte Regeln sichern seinen Erfolg. Doch als sich die junge Wissenschaftlerin Sarah (Lily James) an ihn wendet und Schutz vor einem mächtigen Biotech-Unternehmen sucht, gerät Ashs kontrolliertes System ins Wanken. Zum ersten Mal ist er gezwungen zu improvisieren – denn plötzlich steht nicht nur Sarahs Leben auf dem Spiel, sondern auch eine Wahrheit mit weitreichenden Konsequenzen.
The Negotiator, der im Original den deutlich besseren Titel Relay trägt, ist ein ruhiger, kleiner und ungemein spannender Thriller, der mit zunehmender Laufzeit seine Spannungsschraube konsequent immer weiter anzieht. Dabei greift der Film interessante Themen auf, allen voran Anonymität im Allgemeinen. Zwar hätte er in dieser Hinsicht stellenweise noch etwas bissiger sein dürfen, doch die moralischen Komplikationen von anonymer Kommunikation – sei es im Internet oder, wie hier zentral, am Telefon – werden dennoch überzeugend und nachvollziehbar verhandelt.
Riz Ahmed liefert eine herausragende, extrem nuancierte Performance ab. Sein Spiel ist zunächst sehr zurückhaltend, fast schon unterkühlt, gewinnt im Verlauf des Films jedoch spürbar an Energie und Dringlichkeit. Man kann ihm dabei förmlich beim inneren Aufbrechen zusehen. An seiner Seite überzeugt Lily James, die in mehreren Schlüsselszenen zeigen darf, wie viel Präsenz und emotionale Wucht sie mitbringt. Sam Worthington, nicht gerade für große schauspielerische Höhenflüge bekannt, bleibt hier zumindest solide und funktional.
The Negotiator ist damit ein spannender Thriller, der streckenweise fast wie ein Spionagefilm wirkt. Er ist sehr ruhig erzählt – bis auf das ausufernde Finale, das tonal vielleicht etwas zu actionreich geraten ist im Vergleich zum restlichen Film. Dennoch bleibt das Gesamtbild stimmig: ein hochspannender, immersiver und durchgehend bedrückender Film.
Für Fans von ruhigen Thrillern, die ihre Spannung langsam, präzise und unerbittlich aufbauen, ist das hier nahezu der perfekte Film. Der Film ist seit dem 09. Januar 2026 als Blu-Ray und DVD erhältlich.
9. The Toxic Avenger
Regie: Macon Blair | FSK ab 18 Freigegeben | Min ca. 102 | Horror-Komödie
Darsteller: Peter Dinklage, Jacob Tremblay, Elijah Wood, Kevin Bacon
Hausmeister Winston Gooze (Peter Dinklage), ohnehin schon vom Leben gezeichnet, gerät eines Tages in ein Fass mit hochgiftigem Müll. Der Unfall verwandelt ihn in eine groteske Mutantenfigur mit übermenschlichen Kräften. Ausgerechnet er, der ewige Außenseiter, muss nun über sich hinauswachsen, um seinen Sohn Wade (Jacob Tremblay), dessen Freunde und schließlich eine ganze Stadt vor Korruption und hemmungsloser Gier zu schützen. Dabei stellt sich ihm eine Reihe skrupelloser Gegner in den Weg – allen voran sein früherer Chef, der korrupte Industrielle Bob Garbinger (Kevin Bacon), und dessen ebenso abstoßender Bruder Fritz (Elijah Wood).
The Toxic Avenger ist der lange überfällige – und jahrelang im Giftschrank (passt ja zum Film) aufbewahrte – Horror-Trash mit Game of Thrones-Star Peter Dinklage. Lange war fraglich, ob der Film überhaupt seinen Weg in die Kinos finden würde. Ende September 2025 war es dann endlich so weit und die ultrabrutale Horror-Komödie konnte auf der großen Leinwand bestaunt werden. Nun erscheint der Film auch für die heimischen Bildschirme – und lässt dort ordentlich die Sau raus.
Das hier ist blutig, bewusst trashig, ziemlich lustig und ein Heidenspaß, besonders wenn man ihn mit Freund*innen und dem ein oder anderen Bier intus schaut.
Dennoch schafft es The Toxic Avenger, zumindest größtenteils eine interessante Vater-Sohn-Geschichte zu erzählen. Diese lockt zwar kein geschultes Filmauge hinter dem Ofen hervor, wirkt aber als angenehmer Gegenpol zu all dem Witz und der bewusst trashigen Gewalt. Im Vergleich zum Original bemüht sich der Film immerhin darum, eine halbwegs schlüssige Handlung zu erzählen. Das gelingt größtenteils auch, nur hätte man den Antagonisten – Kevin Bacon und Elijah Wood – gerne etwas mehr charakterliche Entwicklung im Drehbuch spendieren dürfen. Mit ihren Motivationen bleiben sie nämlich erstaunlich austauschbar.
Wer über solche Schwächen hinwegsehen kann und einfach nur Lust auf eine wilde, brutale Zeit hat, macht am besten jetzt die erste Flasche auf, drückt auf Play und legt los. Der Film ist seit dem 22. Januar 2026 auf Blu-Ray und DVD erhältlich.
8. One Battle After Another
Regie: Paul Thomas Anderson | FSK ab 16 Freigegeben | Min ca. 162 | Thriller-Komödie
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Chase Infinity, Teyana Taylor, Sean Penn, Benicio Del Toro, Regina Hall
Vor 16 Jahren sorgte die Widerstandsgruppe „French 75“ für einen beispiellosen Schlag gegen die US-Einwanderungsbehörde ICE, als sie auf einen Schlag 200 Gefangene befreite. Danach tauchten die Beteiligten unter – darunter auch Bob Ferguson (Leonardo DiCaprio), besser bekannt als Ghetto Pat. Heute lebt Bob in ständiger Angst, denn er ist überzeugt, dass der damalige ICE-Colonel Steven J. Lockjaw (Sean Penn) noch immer Jagd auf ihn macht. Diese Furcht ist nicht unbegründet: Lockjaw ist längst radikalisiert und Teil der rassistischen Miliz „Christian Adventurer Club“. Nun gerät ausgerechnet Bobs Tochter Willa (Chase Infiniti) ins Visier des fanatischen Ex-Colonels. Gemeinsam mit seinen früheren Mitstreiter*innen Sensei Segio (Benicio del Toro), Deandra (Regina Hall) und Perfidia Beverly Hills (Teyana Taylor) stellt sich Bob der Bedrohung – entschlossen, sich seiner Vergangenheit und dem Extremismus ein letztes Mal entgegenzustellen.
Ich denken, zu One Battle After Another ist eigentlich alles gesagt, was man sagen kann. Das hier ist einer der besten Filme des Jahrzehnts, und Paul Thomas Anderson hat einen seiner vielschichtigsten, mutigsten und spannendsten Filme überhaupt abgeliefert. Der Film nimmt sich dem Thema Aktivismus an und seziert die zutiefst problematischen politischen Strukturen der USA, die hier gnadenlos durch den Kakao gezogen werden – ohne dabei auch nur einen Moment ihre Brisanz zu verlieren.
Gerade in Zeiten, in denen Menschen auf offener Straße von Agenten im Auftrag der Regierung getötet werden, braucht es Filme wie diesen. Filme, die Grausamkeiten sichtbar machen, die sonst verdrängt werden – etwa Abschiebelager oder systematische staatliche Gewalt – und diese klar benennen, ohne sie zu relativieren.
Dabei ist One Battle After Another ein bis in die kleinste Nebenrolle perfekt gespielter Film, visuell absolut atemberaubend und inszenatorisch auf einem Niveau, das man nur selten zu sehen bekommt. Besonders die bereits jetzt legendäre Verfolgungsjagd im Finale gehört zu den eindrucksvollsten Sequenzen der letzten Jahre. Der Film ist so nah am Puls der Zeit, wie Kino es aktuell nur sein kann.
Paul Thomas Anderson hat mit One Battle After Another ein Werk für die Ewigkeit geschaffen – ein Film, der als Spiegel unserer gegenwärtigen Gesellschaft funktioniert. Politisch, hochspannend und stellenweise zum Brüllen komisch. Dieses Meisterwerk hätte alle zwölf Oscar-Nominierungen 2026 verdient und ist völlig zu Recht einer der heißesten Anwärter auf den Oscar für den besten Film. Der Film ist seit dem 22. Januar 2026 auf Blu-Ray und DVD erhältlich.
7. When Evil Lurks
Regie: Demián Rugna | FSK ab 18 Freigegeben | Min ca. 100 | Horror-Thriller
Darsteller: Ezequiel Rodríguez, Demián Salomón, Silvina Sabater, Luis Ziembrowski
In einem abgelegenen Dorf in Argentinien stirbt ein Mann auf grauenvolle Weise – langsam und unter unsäglichen Qualen beginnt sein Körper noch zu Lebzeiten zu verfaulen. Für die Brüder Pedro (Ezequiel Rodríguez) und Jimi (Demián Salomón) steht schnell fest: Der Mann ist von einem finsteren Dämon befallen, der direkt aus der Hölle stammt. Ein Exorzist soll das Unheil bannen, doch als dieser brutal ermordet aufgefunden wird, sehen sich die Brüder gezwungen, selbst zu handeln. Mit jedem ihrer Schritte verschlimmert sich die Lage jedoch nur weiter – und das Böse entfesselt einen Albtraum, der alles übersteigt, was sie sich je vorstellen konnten.
Dieser argentinische Horrorfilm ist absolut nichts für Zartbesaitete. In Deutschland erscheint der Film auf Blu-ray und DVD nicht einmal mit einer FSK-18-Freigabe, sondern mit dem Hinweis SPIO/JK geprüft: Keine schwere Jugendgefährdung – und allein das sollte eigentlich schon alles über dieses Werk sagen. Regisseur Demián Rugna kennt keine Grenzen. Er tritt von der ersten Minute an das Gaspedal durch und bremst seinen filmischen Wagen erst bei 300 km/h mit voller Wucht gegen eine Mauer. Dieser Film ist so hart, so brutal und so nihilistisch, dass er einen noch lange nach dem Abspann begleitet. Besonders eine Szene mit einem Mädchen und einem Hund gilt in Horrorkreisen bereits jetzt als Moment, der sich wie glühendes Eisen in die Gehirnwindungen einbrennt. Mehr möchten wir über den Film aber bewusst nicht verraten – denn je weniger man weiß, desto besser. When Evil Lurks will provozieren. Er will radikal sein. Und er konfrontiert euch mit Bildern, die man aushalten können muss. Das hier ist eine einzigartige, kreative Abwärtsspirale, die einen Schicht für Schicht mit Bitterkeit überhäuft, bis einem fast schlecht wird.
Wer ultrabrutale, kompromisslose Filme wie Martyrs oder Eden Lake schätzt, sollte diesen hier auf keinen Fall verpassen – schon allein wegen der wunderbar ekligen, schmierigen und konsequent eingesetzten Practical Effects. Der Film ist seit dem 15. Januar 2026 auf Blu-Ray und DVD erhältlich.
Von uns bekommt When Evil Lurks 4 von 5 Hüten.
6. Ame und Yuki - Die Wolfskinder
Regie: Mamoru Hosada | FSK ab 6 Freigegeben | Min ca. 117 | Anime
Darsteller: Haru Koruki, Yukito Nishii, Aoi Miyazaki, Takao Osawa, Momoka Ohno
Die Studentin Hanna begegnet eines Tages einem geheimnisvollen Wolfsmann und fühlt sich sofort unwiderstehlich zu ihm hingezogen. Zwischen den beiden entsteht eine tiefe Liebe, die mit der Geburt zweier Kinder vollkommen scheint. Die ältere Tochter erhält den Namen Yuki – „Schnee“ –, ihr jüngerer Bruder heißt Ame, „Regen“, benannt nach dem Wetter an ihren Geburtstagen. Beide sind Wolfskinder, könnten jedoch unterschiedlicher kaum sein: Yuki ist temperamentvoll und neugierig, während Ame still und zurückhaltend bleibt. Zunächst lebt die kleine Familie abgeschieden in der Stadt, bis der Vater unerwartet stirbt. Um ihren Kindern ein freies, geschütztes Aufwachsen zu ermöglichen, zieht Hanna mit ihnen aufs Land. Dort scheinen sich neue Wege zu eröffnen: Yuki findet ihren Platz in der Schule, während Ame beginnt, eine ganz eigene Verbindung zur Natur zu entwickeln.
Ame und Yuki – Die Wolfskinder ist nicht nur für Animefans absolutes Pflichtprogramm. Das Fantasy-Coming-of-Age-Drama beginnt wunderbar emotional, lässt uns tiefe Trauer spüren und erzählt vom schmerzhaften Anfang eines Neustarts, der alles verändern soll. Wie das Leben eben so spielt, sind Veränderungen ganz normal – logisch sogar –, doch keine Veränderung bleibt unbemerkt oder ist jemals wirklich einfach. Man könnte diesen Film vorschnell als Kinderfilm abstempeln, doch das wäre grundfalsch. Hier geht es um schwere, zutiefst menschliche Themen: den Verlust eines Elternteils, alleinerziehende Mütter, die für ihre Kinder auch durch die Hölle gehen, und natürlich um das Erwachsenwerden an sich. Denn Kinder werden irgendwann erwachsen und entwickeln sich in Richtungen, die man als Elternteil weder vorhersehen noch kontrollieren kann.
Der Film spricht dabei erstaunlich viele gesellschaftlich relevante Themen an – und jedes einzelne bekommt den Raum, den es verdient, statt nur oberflächlich angerissen zu werden. Gerade weil Ame und Yuki – Die Wolfskinder ein Anime ist, funktioniert er auch für jüngere Zuschauer hervorragend. Mit seiner FSK 6 zeigt der Film, wie wichtig es ist, Themen wie Verlust, Veränderung und das unausweichliche Erwachsenwerden bereits früh zu vermitteln.
Meister-Regisseur Mamoru Hosoda macht dabei unmissverständlich klar, dass diese Erfahrungen zum Leben dazugehören. Zudem sieht der Film in jeder einzelnen Szene schlicht wunderschön aus – nicht zuletzt dank der handgezeichneten Animationen. Die emotionale Musik setzt dem Ganzen schließlich die Krone auf. Das hier ist großes Kino und einer der vielleicht berührendsten Animes die es gibt. Der Film ist seit dem 22. Januar 2026 auf Blu-Ray und DVD erhältlich.
5. 22 Bahnen
Regie: Mia Maariel Meyer | FSK ab 12 Freigegeben | Min ca. 102 | Drama
Darsteller: Luna Wedler, Laura Tonke, Jannis Niewöhner
Tildas (Luna Wedler) Alltag folgt einem strengen Rhythmus: Studium, Schicht an der Supermarktkasse und die Verantwortung für ihre jüngere Schwester Ida (Zoë Baier) bestimmen ihr Leben. Zusätzlich kümmert sie sich immer wieder um ihre alkoholkranke Mutter, die allein für die Familie sorgt. Doch in diesem Sommer öffnet sich eine neue Perspektive: Ein attraktives Jobangebot verspricht Tilda die Chance, nach Berlin zu gehen und dort an ihrer Doktorarbeit zu arbeiten – ein möglicher Schritt in Richtung Selbstbestimmung. Gleichzeitig stellen sich drängende Fragen: Wer übernimmt dann die Sorge für Ida und die Mutter? Mit Viktor (Jannis Niewöhner), der wie sie täglich seine 22 Bahnen im Schwimmbad zieht, tritt zudem jemand in ihr Leben, der Hoffnung weckt. Gerade als Tilda beginnt, an eine bessere Zukunft zu glauben, eskaliert die Situation zu Hause und zwingt sie zu einer Entscheidung.
Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Caroline Wahl inszeniert Regisseurin Mia Maariel Meyer ein ergreifendes Drama über dysfunktionale Familien, Kindesmissbrauch und Alkoholabhängigkeit. Gerade der Alkoholismus der Mutter steht dabei im Fokus – herausragend gespielt von Laura Tonke, die hier einmal mehr beweist, wie vielschichtig sie destruktive Figuren verkörpern kann. Bemerkenswert: In Amrum spielt sie sogar eine noch schlimmere Mutterfigur – und das will wirklich etwas heißen.
Der Film bleibt stets nah an seiner Protagonistin, gespielt von Luna Wedler, die eine sehr intime, zerbrechliche, aber zugleich starke Performance abliefert und den Film emotional zusammenhält. Ihre Darstellung ist zurückgenommen, ehrlich und trägt die Geschichte auch dann, wenn der Film ins Straucheln gerät. Ja, die behandelten Themen sind schwer – und nicht immer trifft der Film dabei den perfekten Ton. Vor allem die etwas zu stark forcierte Romanze nimmt der Geschichte stellenweise an Durchschlagskraft und wirkt wie ein unnötiger Kontrast zur Schwere der restlichen Handlung. Dennoch: Für ein deutsches, prominent besetztes Drama ist das hier erstaunlich mutig, insbesondere in der direkten und unbequemen Darstellung von Kindesmissbrauch und einer Mutter, die sich unter Alkoholeinfluss selbst kaum noch regulieren kann.
Das hier ist kein Film, der sein volles thematisches Potenzial ausschöpft, aber dennoch ein spannendes, hervorragend gespieltes Charakterdrama mit mehreren sehr starken und lange nachwirkenden Szenen. Der Film ist seit dem 23. Januar 2026 auf Blu-ray und DVD erhältlich.
Von uns gibt es für 22 Bahnen daher 3,5 von 5 Hüten
4. The Smashing Machine
Regie: Benny Safdie | FSK ab 12 Freigegeben | Min ca. 123 | Sport-Biopic
Darsteller: Dwayne Johnson, Emily Blunt, Ryan Bader, Bas Rutten
Der Ringer Mark Kerr (Dwayne Johnson) feiert zunächst beachtliche sportliche Erfolge, doch die Olympischen Spiele 1996 in Atlanta markieren einen Wendepunkt: Kerr verpasst die Qualifikation für das US-Team und damit seine große olympische Chance. Auf der Suche nach einem neuen Weg stößt er auf die aufstrebende Welt der Mixed Martial Arts. Dort muss er sich zunächst neu beweisen, doch mit eiserner Disziplin und kompromisslosem Ehrgeiz arbeitet er sich rasch an die Spitze. Kerr dominiert die Kämpfe, besiegt seine Gegner in Rekordzeit und wird so selbst zum Problem für die Veranstalter, denen durch seine schnellen K.o.-Siege wertvolle Werbeminuten entgehen. Um ihn zu bremsen, werden schließlich einige seiner effektivsten Techniken verboten, darunter der Kopfstoß. Während sein sportlicher Erfolg weiter wächst, fordert der brutale Sport jedoch seinen Preis: Kerrs Körper ist gezeichnet, Schmerzmittel werden zum ständigen Begleiter. Die Abhängigkeit belastet zunehmend auch sein Privatleben und bringt seine Ehe mit Dawn (Emily Blunt) gefährlich ins Wanken.
The Smashing Machine ist ein vielschichtiges Drama über Drogensucht, Ruhm und den zwanghaften Drang, erfolgreich zu sein – koste es, was es wolle. Zwar bedient sich der Film durchaus bekannter Biopic-Muster, doch dank der starken Inszenierung und der intensiven Kameraführung fühlt man sich, als wäre man selbst beim Training und beim tiefen Fall von Kerr hautnah dabei. Der Film zieht einen hinein in diesen Strudel aus Selbstzerstörung, Leistungsdruck und medialer Aufmerksamkeit.
Zusammengehalten wird das Ganze vor allem durch Emily Blunt als Mark Kerrs Ehefrau Dawn und Dwayne Johnson, der hier nicht weniger als die beste Performance seiner Karriere auf die Leinwand bringt. Das ist exzellent gespielt, berührend, zermürbend – und man fühlt mit Kerr in jeder Lebenslage mit. Johnson zeigt hier eine Verletzlichkeit und innere Zerrissenheit, die man von ihm in dieser Form nur selten gesehen hat.
Ganz besonders hervorheben muss man zudem die Kameraarbeit. Sie ist oft wackelig, beinahe dokumentarisch und springt unruhig um das Geschehen herum, was die innere Unruhe und den Kontrollverlust der Hauptfigur perfekt widerspiegelt. In den wichtigen Kampfsequenzen hingegen hält die Kamera kompromisslos drauf, lässt die Härte und Brutalität der Kämpfe ungefiltert auf den Zuschauer einprasseln und verstärkt so die physische wie psychische Belastung enorm. The Smashing Machine ist damit ein starker Beweis dafür, dass Dwayne Johnson wirklich gut spielen kann, wenn er sich nicht für den nächsten beliebigen Mainstream-Cashgrab entscheidet, sondern sich Stoffe aussucht, die ihm tatsächlich etwas abverlangen – so wie hier. Mehr davon, bitte. Der Film ist seit dem 16. Januar 2026 auf Blu-ray und DVD erhältlich.
3. In die Sonne schauen
Regie: Mascha Schilinski | FSK ab 16 Freigegeben | Min ca. 148 | Drama
Darsteller: Luise Heyer, Lena Urzendowsky, Claudia Geisler-Bading, Lea Drinda
Ein abgelegener Vierseitenhof in der Altmark, dessen Mauern seit mehr als hundert Jahren die Erinnerungen seiner Bewohner*innen in sich tragen. Über mehrere Jahrzehnte hinweg ist dieser Ort Heimat von vier Frauen, deren Lebenswege auf unsichtbare Weise miteinander verbunden sind: Alma (Hanna Heckt), Erika (Lea Drinda), Angelika (Lena Urzendowsky) und Nelly (Zoë Baier). Jede von ihnen verbringt einen prägenden Abschnitt ihrer Kindheit oder Jugend auf dem Hof – und stößt dabei auf Spuren einer Vergangenheit, die nie ganz verschwunden ist. Verdrängte Ängste, familiäre Traumata und sorgfältig gehütete Geheimnisse kommen nach und nach ans Licht. Alma erfährt, dass sie den Namen ihrer verstorbenen Schwester trägt und beginnt, deren Schicksal zu fürchten. Erika verfällt der düsteren Anziehungskraft ihres schwer verletzten Onkels und verliert sich in gefährlichen Vorstellungen. Angelika schwankt zwischen unbändiger Lebenslust und tiefer Todessehnsucht in einem zerrissenen familiären Umfeld. Nelly hingegen wächst scheinbar behütet auf, wird jedoch von dunklen Träumen und unbewussten Erinnerungen an längst vergangene Ereignisse heimgesucht.
In die Sonne schauen wurde für den Oscar 2026 eingereicht, schaffte es auf die Shortlist für den Internationalen Film, wurde am Ende jedoch leider nicht nominiert. Das ist schade – denn dieses deutsche Meisterwerk ist einer der besten deutschen Filme aller Zeiten, und das ist zu keiner Sekunde übertrieben.
Der Film spielt zwar fast ausschließlich auf einem Vierseitenhof, wirkt durch seine Jahrzehnte umspannende Handlung jedoch wie ein kleines, bedrückendes Epos. Langsam und äußerst bedächtig baut In die Sonne schauen eine Atmosphäre auf, die einen regelrecht in den Kinositz presst. Im Zentrum stehen generationenübergreifende Traumata, und aus der allgegenwärtigen depressiven Grundstimmung macht der Film ein schonungsloses, kaum erträgliches Erlebnis.
Jede einzelne Figur leidet. Alle sind schwer belastet, viele zutiefst depressiv, einige sogar suizidal. Es gibt Szenen – etwa die mit dem Mähdrescher – die sich wie ein Brandmal ins Gedächtnis einbrennen und sich nie wieder vollständig verdrängen lassen. Diese Momente sind brutal, leise, gnadenlos und gleichzeitig von erschütternder Klarheit. Doch In die Sonne schauen versteht sich nicht nur als schweres, düsteres Drama über das Leid mehrerer Generationen. Der Film ist auch eine Warnung: eine Mahnung, die nachfolgenden Generationen anders zu behandeln, damit sich der Kreislauf aus Schmerz, Gewalt und emotionaler Kälte nicht immer weiter fortsetzt und am Ende noch die Enkel der späteren Enkel befällt.
Getragen wird dieses Erlebnis von einer technischen Brillanz, die ihresgleichen sucht. Besonders die herausragende Kameraarbeit und das unvergessliche Sounddesign stechen hervor. Letzteres unterlegt viele Szenen nur unterschwellig, erzeugt aber permanent eine latente Bedrohung und eine Erwartungshaltung, die sich tief im Unterbewusstsein des Zuschauers festsetzt.
Das hier ist bereits jetzt deutsche Filmgeschichte. Ein starkes stück Kino, das sich mühelos in eine Reihe mit Das Weisse Band - Eine Deutsche Kindergeschichte, Systemsprenger oder Angst essen Seele auf stellt. Wer diesen Film bislang verpasst hat, sollte ihn spätestens jetzt unbedingt nachholen. In die Sonne schauen ist seit dem 22. Januar 2026 auf Blu-ray und DVD erhältlich.
2. Miroirs No. 3
Regie: Christian Petzold | FSK ab 12 Freigegeben | Min ca. 86 | Drama
Darsteller: Paula Beer, Barbara Auer, Matthias Brandt, Enno Trebs
Laura (Paula Beer), Klavierstudentin in Berlin, sehnt sich nach einer Auszeit von der grauen Enge der Großstadt. Gemeinsam mit ihrem Freund fährt sie ins Umland – doch der Ausflug endet in einer Katastrophe. Bei einem schweren Autounfall kommt er ums Leben, während Laura wie durch ein Wunder unverletzt überlebt. Nach dem Schock findet sie zunächst Zuflucht bei Betty (Barbara Auer), die den Unfall miterlebt hat. In deren Haus, bei Ehemann Richard (Matthias Brandt) und Sohn Max (Enno Trebs), erfährt Laura Halt und Geborgenheit. Während sie versucht, das Erlebte zu verarbeiten und langsam wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen, wird ihr bewusst, dass auch diese Familie von einem tiefen, unausgesprochenen Schmerz geprägt ist. Unverarbeitete Trauer und innere Konflikte treten zutage – und zwingen schließlich alle, sich ihren eigenen Dämonen zu stellen.
Christian Petzold ist einer der besten deutschen Regisseure unserer Zeit. Mit hochgradig emotionalen Filmen wie Roter Himmel, Transit oder Undine ist er tief in die menschliche Psyche vorgedrungen, ohne dabei jemals ins Überdramatische abzurutschen. Sein neuer Film Miroirs No. 3 setzt diesen Weg konsequent fort.
Dieser Film schreit förmlich vor Traurigkeit. Das Haus auf dem Land, unweit der Unfallstelle unserer Protagonistin, ist durchzogen von Schwere und Last. Unter der Decke, unter dem Boden, unter dem Teppich, unter allen Gegenständen – in den Wänden, in den Fenstern, in den Möbeln – überall ist der Verlust spürbar, um den es hier geht. Miroirs No. 3 ist ein vielschichtiges Drama über genau dieses Thema. Wie macht man nach einem Schicksalsschlag weiter? Und wie verfällt man nicht den eigenen, immer wieder kreisenden Gedanken? Denn egal, wie viel in diesem Haus repariert wird, egal, wer dort ist, egal, wie oft ein Zimmer umdekoriert wird – der Schmerz verschwindet niemals. Er sitzt überall, aber ganz besonders in den Köpfen und Herzen der Menschen.
Christian Petzolds kurzes, hochgradig emotionales Drama schafft es trotz seiner sehr ruhigen, fast schon stillen Inszenierung, eine tiefe Traurigkeit freizulegen, die sich dank der beiden perfekt spielenden Leading Ladies Paula Beer und Barbara Auer zu jedem Zeitpunkt unmittelbar auf den Zuschauer überträgt. Ihre Präsenz, ihr Spiel und ihre leisen Momente tragen den Film mit einer Intensität, die lange nachhallt.
Wieder einmal beweist Petzold damit, dass er zu den besten Regisseuren dieses Landes gehört. Miroirs No. 3 ist ein stilles, schmerzhaftes und zutiefst menschliches Drama, das sich langsam, aber nachhaltig im Inneren festsetzt. Miroirs No. 3 ist ab dem 29. Januar 2026 auf Blu-ray und DVD erhältlich.
1. Einer flog über das Kuckucksnest
Regie: Milos Forman | FSK ab 12 Freigegeben | Min ca. 133 | Drama
Darsteller: Jack Nicholson, Louise Fletcher, Brad Dourif, Danny DeVito, Christopher Lloyd
Randle Patrick McMurphy (Jack Nicholson), ein abgebrühter Draufgänger, denkt, ein Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt sei immer noch besser als der Knast. Um einer Gefängnisstrafe zu entgehen, plädiert er vor Gericht auf Unzurechnungsfähigkeit und lässt sich einweisen. Doch die Realität ist härter als gedacht: Eine tyrannische Stationsschwester regiert die Klinik mit brutaler Strenge, während die Patienten in Angst und Hoffnungslosigkeit dahinvegetieren. Wer sich nicht fügt, wird mit schmerzhaften Elektroschocks „diszipliniert“. McMurphy lässt sich davon nicht einschüchtern – im Gegenteil, er sorgt für Aufruhr, stiftet Chaos und bringt dabei Leben in die tristen Tage der Mitpatienten. Nach und nach findet er Verbündete, und seine unkonventionellen Streiche werden zu einem befreienden Funken, der die Patienten aus ihrer lähmenden Passivität weckt.
Zum 50. Jubiläum erscheint das mit 5 Oscars ausgezeichnete Meisterwerk endlich wieder auf Blu-ray und DVD – und dieses Mal sogar in einem wunderschönen Steelbook. Für Sammler also perfekt, für Fans des Films (wie mich) ein absolutes Must-Have.
Einer Flog über das Kuckucksnest hat sich über die Jahrzehnte einen Ruf als Klassiker erarbeitet, den ihm niemand mehr nehmen kann – ebenso wie den Ruf, einer der besten Filme aller Zeiten zu sein. Es gibt nur selten Filme, die in jeder Einstellung, in jedem Moment und in jeder Dialogzeile so perfekt konzipiert sind wie Milos Formans Opus Magnus. Hier stimmt einfach alles.
Von der sensationellen Besetzung – Jack Nicholson, der hier seine beste schauspielerische Leistung liefert, bis hin zu Louise Fletcher, die mit Schwester Ratched eine der beeindruckendsten Bösewichte der Filmgeschichte spielt – gibt es hier tatsächlich nichts auszusetzen. Selbst der letzte Akt und das Finale sind kaum besser geschrieben oder inszeniert worden. Unter der Oberfläche behandelt der Film auch die grausamen Probleme des damaligen Gesundheitssystems, insbesondere in Bezug auf Nervenheilanstalten, und zeigt, wie Menschen mit psychischen Problemen von der Gesellschaft isoliert und wie Tiere behandelt werden konnten, wenn sie sich nicht „benehmen“. Doch Forman verurteilt seine Figuren nicht: Der Film zeigt Menschen mit Problemen, ohne dass diese ihre Menschlichkeit oder ihren Charakter definieren.
Einer Flog über das Kuckucksnest ist ohne Frage einer der besten Filme aller Zeiten und für mich als Autor dieses Artikels sogar der beste. Wer diesen Film noch nie gesehen hat, sollte das nun nachholen. Miroirs No. 3 ist ab dem 29. Januar 2026, frisch zum 50 jährigen Jubiläum auf Blu-ray im Steelbook erhältlich.
Das waren die 10 Heimkinostarts im Januar 2026, die ihr unbedingt nachholen solltet, falls ihr sie noch nicht gesehen habt. Jetzt interessiert uns eure Meinung: Schreibt uns in die Kommentare, welche Filme euch am meisten angesprochen haben und welche ihr euch unbedingt noch ansehen wollt!
