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Das kalte Herz

Nicht kalt genug

Das kalte Herz Kritik

3 Kommentar(e) - 11.08.2016 von Moviejones
Filmkritik

Das kalte Herz Bewertung: 3.5/5

Wilhelm Hauffs Märchen "Das kalte Herz" ist bald 200 Jahre alt und hat in all dieser Zeit nichts von seiner Faszination verloren. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich viele Kreative an dem Stoff versucht und in diversen Filmen und Theaterstücken die Geschichte neu erzählt. Vor allem der DEFA-Film Das kalte Herz aus dem Jahr 1950 sticht hier hervor und gilt als Maßstab, an dem sich nun auch die Neuinterpretation messen lassen muss.

Der gutmütige Peter Munk (Frederick Lau) wächst bei seinen Eltern im Schwarzwald auf einem Köhlerhof auf. Die Arbeit ist hart und schmutzig und bringt weder großen Ertrag noch Respekt ein. Nur Lisbeth (Henriette Confurius), die Tochter des wohlhabenden Glasmachers, bringt Peter Freundlichkeit entgegen. Peter, der Lisbeth total verfallen ist, weiß aber auch, dass ein Niemand wie er nie um die Hand einer solchen Frau anhalten kann. Doch Peter hat Glück: Er ist ein Sonntagskind und denen erfüllt das Glasmännchen im Schwarzwald drei Wünsche, sofern man nach ihm sucht. Nur machen die drei Wünsche Peter auch nicht glücklich und so wendet er sich an den bösen Holländer-Michel (Moritz Bleibtreu), der Peter Reichtum und Macht verspricht - sofern Peter einwilligt, sein gütiges Herz gegen einen kalten Stein einzutauschen...

Das Kalte Herz Filmkritik

Manchmal muss man auch zugeben, im Vorfeld zu negativ eingestellt gewesen zu sein. Wir waren extrem skeptisch, ob die Neuverfilmung von Das kalte Herz eine gute Idee ist, da klassische Märchen in der heutigen Zeit gern weichgespült und aus düsteren Geschichten schnell seichte Erzählungen ohne Botschaft werden. Dies hatten wir bei Das kalte Herz befürchtet und wurden dann doch innerhalb weniger Minuten eines Besseren belehrt. Atmosphärisch dicht und erstaunlich düster erzählt Regisseur Johannes Naber die Geschichte vom Kohlenmunk-Peter und dem Verlust seines Herzens. Naber setzt dabei auf ein überraschend langsames Tempo und widmet sich vor allem zu Beginn sehr aufmerksam der Charakterzeichnung Peters und seiner Beziehung zu Lisbeth.

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Und noch etwas fällt sofort auf. Naber versucht, dem Film eine neue, tiefere Botschaft mitzugeben, indem er die Geschichte mit dem Fall des Holländer-Michels und Waldgeistern beginnt. Der Mensch, der sich in seiner Gier die Natur unterwirft und sich dabei selbst verliert, wird zu einem großen Leitbild, welches fortan Das kalte Herz prägt und symbolisch an der Figur Peters gezeigt wird. Dabei dürfte so mancher Fantasy-Fan sich ein Schmunzeln nicht verkneifen können, erinnert der Anfang doch akustisch sowie visuell stark an Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs. Gollum, äh das Glasmännchen lässt grüßen.

Auch liegt es Naber fern, Hauffs Geschichte originalgetreu nachzuerzählen. Sein gutes Recht, welches er an einigen Stellen aber etwas zu gewagt auslegt. Während es durchaus angebracht ist, Figuren mit mehr Vorgeschichte auszustatten und dem Glasmännchen mehr Hintergrund mitzugeben, sind andere Änderungen teils kontraproduktiv. Die Geschehnisse um Peters Vater sollen einen weiteren Konfliktherd ermöglichen, was legitim ist, Namensänderungen, wie aus Ezechiel einen Etzel zu machen, leuchten dagegen weniger ein.

"Schatzhauser im grünen Tannewald, bist schon viel hundert Jahre alt. Dir gehört all Land, wo Tannen stehn – lässt dich nur Sonntagskindern sehn."

Wer auf dieses markante und sehr wichtige Gedicht wartet, ist bei dieser Interpretation von Das kalte Herz ebenfalls völlig falsch. Aus drei werden letztlich vier Wünsche inklusive Selbstaufopferung, und der Holländer-Michel wird statt zu einem Waldgeist zu einem fast normalen Menschen heruntergebrochen. Statt List und Tücke wird am Ende lieber auf einen Showdown im Zweikampf gesetzt. Bedauerlich, dass der großartige Moritz Bleibtreu als Holländer-Michel keine überzeugende Figur abgibt und auch Frederick Lau nicht die perfekte Wahl ist, dessen Peter gerade zu Beginn viel zu dümmlich dargestellt wird. Das Casting ist damit nicht ganz glücklich gelungen, jedoch macht Henriette Confurius als Lisbeth eine deutlich bessere Figur.

Vieles kann dennoch verziehen werden, wenn auch eine Änderung von uns kritisch hinterfragt werden muss. Gerade der Wandel eines gutmütigen Menschen hin zu einem herzlosen, von Gier zerfressenen und nach Macht strebenden Wesen zeichnet die Vorlage aus. Diese Erkenntnis manifestiert sich spätestens in jenem Moment, in dem Peter zum tödlichen Schlag gegen Lisbeth ausholt. Hier zeigt sich dann aber doch, dass das moderne Kino bestimmte Darstellungen scheut, in steter Angst, Erwartungen der Zielgruppe zu verfehlen, um einen Erfolg an den Kinokassen zu erzielen. Indiskutabel die dramaturgische Neuinszenierung, wirkt sich die ursprüngliche Szene doch maßgeblich auf Peters Rückbesinnung aus. In Das kalte Herz wird der Umweg über die Krücke eines Unfalls konstruiert, der nicht einmal ansatzweise die gleiche emotionale Wirkung entfalten kann.

Das Kalte Herz Bewertung

Zwar schafft es Naber nicht, mit Das kalte Herz der ursprünglichen Geschichte und der DEFA-Produktion auch nur ansatzweise das Wasser zu reichen, dennoch wurde ein atmosphärisch dichter Märchenfilm geschaffen, der aus dem deutschen Kino-Einheitsbrei hervorsticht. Man kann mit einem weinenden Auge über mehrere Unzulänglichkeiten hinwegsehen, denn die gelungene und düstere Schwarzwaldatmosphäre wird trotz weniger Schauplätze mit einer tollen Farbgebung eingefangen. Die melancholische Grundstimmung und Musik tun ihr Übriges dazu.



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Das kalte Herz Bewertung
Bewertung des Films
710
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3 Kommentare - Moviejones distanziert sich von Userbeiträgen.
sublim77
Moviejones-Fan
Geschlecht | 12.09.2016 | 11:49 Uhr12.09.2016 | Kontakt
Jonesi

Ja, der deutsche Film..

Ich hab echt so meine Probleme mit deutschen Filmen. Es gibt da ganz wenig, was aus deutscher Hand kam und mich am Schirm gehalten hat. Ausnahmeerscheinungen wie "Hell", "Wir sind die Nacht" und "Krabat", lassen mich aber immer wieder hoffen. Ins Kino werde ich dafür sicher nicht gehen, aber für das Heimkino, lass ich mich gerne mal drauf ein.

Bei der Macht von Greyskull! Isch han uff de Grub Geschloof!!!

LastGunman
Moviejones-Fan
21.08.2016 | 00:55 Uhr21.08.2016 | Kontakt
Jonesi

Klingt gut. Habe schon am Trailer bemerkt, dass der Film viel besser wirkt als der übliche 0815-Film aus Deutschland.