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Gleißendes Glück

Prädikat: besonders wertvoll

Gleißendes Glück Kritik

0 Kommentar(e) - 16.10.2016 von FBW - Hierbei handelt es sich um eine Kritik der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW).

Gleißendes Glück Bewertung: 4/5

Es ist lange her, dass Helene Brindel so etwas wie Glück empfunden hat. In ihrer Ehe, die Routine ist, findet sie es nicht mehr. Und auch den Glauben, der für sie Zeit ihres Lebens immer wichtig war, scheint sie verloren zu haben. Über einen Bericht wird Helene eines Tages auf den Gehirnforscher Eduard E. Gluck aufmerksam, der seine ganz eigene Theorie zum Thema Glück entwickelt hat. Helene ist fasziniert, reist sogar zu einem seiner Vorträge, um ihn zu treffen. Aus einem ersten zögerlichen Annähern wird bald eine gegenseitige Zuneigung zweier verwandter Seelen. Doch Helene ahnt nicht, dass Eduard mit inneren Dämonen zu kämpfen hat, die eine normale zwischenmenschliche Beziehung unmöglich machen. Und Helenes Mann beobachtet argwöhnisch seine Frau, die durch Eduard an Selbstbewusstsein gewinnt. Und die langsam wieder lernt, das Glück in ihr Leben zu lassen. So kurz und so gleißend es auch ist...

Fast schon kammerspielartig wirkt die Szenerie in Gleißendes Glück von Sven Taddicken, der seine Figuren ständig umeinander und auch um sich selbst kreisen lässt. Der Film basiert auf der Vorlage von A.L. Kennedy und erzählt die Geschichte zweier Menschen, die in ihren Fehlbarkeiten gefangen sind und nach dem langersehnten ultimativen Glück suchen.

Dass gerade Helene bei der Suche nach diesem Glück durch eine wahre Hölle gehen muss, ist ein konsequenter Handlungsverlauf und schafft in der Geschichte immer wieder überraschende dramatische Höhepunkte, die für den Zuschauer in ihrer Radikalität die Figuren und ihre komplexe Situation rund und greifbar machen. Martina Gedeck brilliert als Helene. Ist sie zu Beginn noch zugeknöpft, altbacken und in ihren Bewegungen kantig und zurückhaltend, so öffnet sie sich nach und nach mit all ihrer sinnlichen Weiblichkeit für die Welt und den Zuschauer.

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Ulrich Tukur als Gluck und Johannes Krisch als frustrierter Ehemann stehen Gedeck in nichts nach und entfachen mit ihrem Spiel eine Flamme der Emotionen, die jedoch unter der Oberfläche flackert, bereit, jederzeit aufzulodern. Setting, Kostüm und Ausstattung sind perfekt aufeinander abgestimmt und lassen gekonnt eine Art Zeitlosigkeit der Handlung erahnen, das Haus von Helene und ihrem Mann wirkt bieder, altmodisch, gespenstisch, fast schon tot. Ein Spiegelbild von Helenes Seelenleben. Die Lichtsetzung und die Montage überzeugen ebenfalls, die Musik wird sparsam eingesetzt, unterstützt aber mit dem Mut zur Dramatik die wichtigen Spannungspunkte im Film. Unterteilt ist der Film in Kapitel, die jeder Sequenz einen bestimmten Ton verleihen. Am Ende fällt Helene eine drastische Entscheidung, die von Taddicken auf eindrückliche Weise in Szene gesetzt wird.

Mit Gleißendes Glück ist Sven Taddicken ein Film gelungen, der durch die Kraft seiner Bilder, seiner Geschichte und seiner Darsteller die Zuschauer über den Kinobesuch hinaus begleiten wird. Ein kraftvolles Drama über das Suchen und Finden von Glück. Und vor allem sich selbst.

Prädikat: besonders wertvoll

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung



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810
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