
Bewertung: 1.5 / 5
Ja, Liam Neeson wird nur noch für B-Actionfilme getypecastet – aber muss er wirklich jedes Projekt annehmen? Ice Road 2 - Vengeance, in dem es nicht einmal eine vereiste Straße gibt, hat nun wirklich keiner gebraucht. Warum? Das verraten wir euch in unserer Kritik.
Es sind vier Jahre vergangen, seitdem der erste The Ice Road in den Kinos lief. Seitdem hat sich nicht sonderlich viel geändert. Liam Neeson dreht noch immer jeden drittklassigen Actionfilm, auf den er spürbar schon gar keine Lust mehr hat. Einzig sein Mitwirken bei Die nackte Kanone war eine willkommene und tatsächlich sehr lustige Abwechslung. In Ice Road 2 - Vengeance kehrt er nun aber wieder ins Actiongenre zurück und man fragt sich unweigerlich: Warum gibt es zu diesem Film überhaupt eine Fortsetzung? Die Kritiken zum ersten Teil waren schlecht, und ein Einspiel von gerade einmal sieben Millionen Dollar weltweit rechtfertigt nun wirklich keine Weiterführung der Reihe. Jetzt ist der Film aber da, und wir müssen uns irgendwie damit arrangieren. Schaden dürfte es Neesons Karriere jedenfalls nicht mehr, denn wie heißt es so schön: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.
Trailer zu Ice Road 2 - Vengeance
In Ice Road 2 - Vengeance geht es erneut um Mike McCann (Liam Neeson), der nach Nepal reist, um seinem verstorbenen Bruder die letzte Ehre zu erweisen und dessen Asche auf dem Mount Everest zu verstreuen. Doch kaum ist McCann in Nepal angekommen und hat sich der Bustour „Road to the Sky“ angeschlossen, nimmt das Desaster seinen Lauf. Denn der Bus, in dem er sich befindet, wird von Söldnern überfallen, die in der Gegend Dörfer und deren Bewohner tyrannisieren. Nun müssen Mike und die mysteriöse Dhani (Bingbing Fan), die sich ebenfalls an Bord befindet, das Dorf vor den Banditen beschützen.
Der Titel Ice Road 2 - Vengeance ist – und das muss man ganz eindringlich sagen – eine einzige Verarsche. Denn in diesem Film kommt so gut wie gar kein Eis vor. Der Film spielt nicht einmal im Winter, sondern im Sommer. Ja, auch in Nepal mag es kälter sein als in anderen Ländern, aber wenn der Film Ice Road heißt, wäre es schon ganz schön gewesen, zumindest irgendwo eine vereiste Straße zu sehen. Meinetwegen auch nur im Hintergrund, verschwommen – Hauptsache Eis. Denn das Einzige, was hier wirklich eisig ist, ist die Leistung von Liam Neeson, der nach all den unzähligen und immer schlechter werdenden Actionfilmen endgültig aufgegeben zu haben scheint. Wie ein dementer und sedierter Rentner schleicht er durch die Szenerie, auf der Suche nach dem einen Pfleger, an den er sich noch erinnert. Das hier grenzt nicht mehr an Arbeitsverweigerung – das ist Arbeitsverweigerung. Würde man uns erzählen, dass man Neeson unter Zwang ans Set eskortieren musste, wir würden es sofort glauben.
Neben Neeson ist auch X-Men - Zukunft ist Vergangenheit-Star Bingbing Fan mit dabei. Und nein, das ist kein piependes Geräusch eines defekten Ventilators, das ist ihr echter Name. Sie ist durchaus bekannt aus „Meisterwerken“ wie League of Gods, Air Strike mit Bruce Willis, The King’s Daughter (mehrfach für die Razzies nominiert) oder Future X-Cops. Ja, das sind alles echte Filme, und nein, wir haben uns keinen davon ausgedacht – auch wenn wir über Bruce Willis’ Totalausfall Air Strike am liebsten den Mantel des Schweigens legen würden. Fan ist auch hier höchstens nett anzusehen, denn abseits davon spielt sie nicht wirklich, sondern stolziert wie ein aufgescheuchtes Huhn nach der Impfung durch die Gegend. Das hier hat nichts mehr mit Schauspiel zu tun, sondern erinnert eher an einen Hobby-Schauspielkurs aus Wanne-Eickel.
Genug über die schauspielerischen "Leistungen" – werfen wir einen Blick auf das Drehbuch. Und potzblitz, da gibt es ja kaum etwas zu sehen. Hier werden grauenvoll schlechte Dialoge aneinandergereiht, die keinerlei Sinn ergeben. Exposition wird immer wieder und wieder wiederholt, die Charakterzeichnungen sind quasi nicht vorhanden, und Stärken sowie Fähigkeiten werden lediglich behauptet, statt sie tatsächlich zu zeigen. Der Antagonist ist einfach böse, weil das Drehbuch es so will. Warum? Völlig egal – er ist halt böse. Auch der Grund warum die Söldner die Gegend terrorisieren, ist so austauschbar, dass man ihn von der ersten Minute an vorhersehen kann. Hier wird absolut nichts gewagt, und selbst das ist noch eine Untertreibung. Kein Autor dürfte länger als einen Tag an diesem Drehbuch gesessen haben – inklusive großzügiger Pausen. Technisch sieht der Film ebenfalls grausig aus. Ganze Szenen sind offensichtlich nicht fertig gerendert, und in vielen Momenten erkennt man deutlich, dass sich alles in einem dürftig ausgestatteten Studioset abspielt. Das hier ist in jeder Hinsicht faules Filmemachen. Das ist kein Film – das ist Content.
FAZIT
Ice Road 2 - Vengeance ist filmisches Totalversagen mit Schauspielern, die lieber alles andere tun würden, als für diesen Film vor der Kamera zu stehen. Das Drehbuch ist ein einziges Debakel, nichts ergibt vorne oder hinten Sinn, vieles wird lediglich behauptet, ohne jemals gezeigt zu werden. Der Bösewicht ist austauschbar, seine Motivation so dünn wie ein ins Wasser gefallenes Blatt Papier, und technisch ist das Ganze fast so hässlich wie Return to Silent Hill – wobei die Betonung hier ganz bewusst auf „fast“ liegt. Das hier ist kein Film. Das hier ist Content – und leider welcher von der ganz, ganz faulen und schlechten Sorte. Wir gaben aber einen halben Punkt extra, weil Nepal in ganz kurzen Momenten, doch ganz schön aussieht.


