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Jäger des verlorenen Schatzes (1981)

Ein Film von Steven Spielberg mit Harrison Ford und Karen Allen

Kinostart: 30. Oktober 1981115 Min.Action, Abenteuer
Meine Wertung
Ø MJ-User (19)
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Jäger des verlorenen Schatzes Bewertung

Jäger des verlorenen Schatzes Inhalt

Indiana Jones (Harrison Ford) verkörpert einen Archäologen während der 1930er Jahre und ist Held der gleichnamigen Filmreihe von George Lucas und Steven Spielberg. Seine lässige Art, mit Abenteurerhut und Peitsche auf die Pirsch zu gehen, machen aus ihm bei aller Besonnenheit einen sympathischen Helden.

Im ersten Teil Jäger des verlorenen Schatzes kehrt Indiana "Indy" Jones gerade aus dem tiefsten Dschungel Südamerikas zurück, als er den Auftrag erhält, die geheimnisumwobene Bundeslade zu finden, in der die Zehn Gebote von Moses aufbewahrt werden. Kein Wunder dass die Zeit drängt, sind doch auch die Nazis hinter dem guten Stück her, um ihrem Allmachtsanspruch etwas näher zu rücken.

Cast & Crew

Wer ist der Regisseur von Jäger des verlorenen Schatzes und wer spielt mit?

OV-Titel
Raiders of the Lost Ark
Format
2D
Box Office
384,14 Mio. $
Uns liegen keine Informationen zur FSK-Freigabe des Films vor.
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17 Kommentare
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Silencio : : Moviejones-Fan
23.05.2021 12:44 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.895 | Reviews: 48 | Hüte: 204

luhp:

"Die Ausführungen zu "Star Wars" mögen ja alle ihre Richtigkeit haben. Ich verstehe nur nicht, inwiefern die "Rambo"-Fortsetungen, "Predator" oder "Red Heat", die die Reagan-Politik in unterschiedlichen Härtegraden gebauchpinselt und beworben haben, in irgendeiner Form zu einer kritischen Aufbereitung der zeitgenössischen Probleme beigetragen haben

"Predator" hat die Reagan-Politik nicht gebauchpinselt, da verlässt der Actionheld den Film als gebrochener Mensch. Den darf man schon als "kritischen" Actionfilm verstehen.

Die anderen Beispiele sind schon näher dran (wobei auch "Red Heat" eine selbstreflexive Ebene hat), aber die nehmen halt DIREKTEN Bezug auf damals aktuelle Themen. Alleine dadurch tragen die zur kritischen Aufarbeitung bei - entweder, weil man sich gegen die Aussagen positioniert oder die abnickt. Im Gegensatz dazu stehen dann "Star Wars" und "Jäger des verlorenen Schatzes", die sich sehr bewusst "entpolitisiert" haben - wobei wir natürlich wissen, dass das gar nicht geht. Das ist ja nicht mal irgendeine wilde These meinerseits, Lucas und Spielberg würden wohl zustimmen (und haben sich in die Richtung geäußert), dass sie nostalgischen Eskapismus schaffen wollten.

"Dann doch lieber kritische Versatzstücke wie in "Star Wars". Zumal die "Star Wars"-Reihe im Kern trotz kolonialistischer Denkmuster eine Geschichte über das Versagen eines religiösen, dogmatischen Ritterordens, Aushöhlung der Demokratie, Aufschwung eines totalitären Systems und den liberalen Befreiungskampf bleibt.

Das stimmt zum einen nur für die Prequels und auch da nur knapp - und da war es auch noch en vogue, sich kritisch zum War on Terror zu äußern. Mal abgesehen davon ist der Vietnamkriegbezug, wenn man ihn denn wirklich in "Return of the Jedi" reinlesen möchte, auch kein "liberaler" Befreiungskampf...

"Ja, Lucas und Spielberg politisch irgendwo anders als im Liberalismus zu verorten, wäre auch Unsinn^^ Spielbergs Filmographie besteht ja auch nicht nur aus "Indiana Jones". "Der weiße Hai" sprach ich schon an, am Mittwoch habe ich "Duell" gesehen, das sind Filme, die ideologisch Nähe zur 60er-Bürgerrechtsbewegung aufweisen oder gar daraus hervorgingen. "The Bridge of Spies" fällt mir gerade zum Thema des Kalten Krieges auch noch ein, der sich klar für den US-amerikanischen Liberalismus ausspricht, Sowjetunion und DDR aber nach gleichen Werten bemisst, auf Diplomatie und Humanismus setzt und sich gegen antirussische Xenophobie ausspricht."

Spielberg jetzt als Teil der Bürgerrechtsbewegung zu verstehen, halte ich dann doch für gewagt. Aber "Bridge of Spies" ist dann doch ein ganz gutes Beispiel für das, was ich meine (und warum das liberale Unterhaltungskino gefährliche Untertöne hat): Auch der zieht sich aus aktuellen Geschehnissen zurück, stattdessen darf man sich zwei Stunden mit "Guck mal, wie weit wir es geschafft haben als Gesellschaft, so sind wir ja schon gar nicht mehr!" berieseln lassen, während man aktuelle Probleme ausblendet. Verstehe ich auf einer Ebene mit so Filmen wie "Green Book", die Rassismus als Problem der Vergangenheit betrachten.

Das würde ich übrigens auch in abgeschwächter Form in "Der weiße Hai" (der nebenher übrigens trotzdem zu Recht ein Klassiker ist) finden. Der hat ein paar politische Bezüge, die sind aber bewusst vage gehalten, damit man niemanden zu sehr verschreckt, und die gehörten damals auch zum guten Ton. Insitutionelles Versagen konntest du damals schon fast nicht aus deinem Film lassen, das hat jeder zweite Unterhaltungsfilm der 70er.

"Duell" hab ich zulange nicht mehr gesehen, der hat aber, wenn ich mich recht erinnere, zumindest das Stadt/Land-Gefälle als treibenden Inhalt.

Nothing-is-Written:

"Die Vorstellung von Indiana Jones als ein Relikt durch deine wortgetreue Einordnung gefällt mir sehr, muss ich sagen. Das ringt seiner Gier nach Abenteuern und alten Schätzen eine zusätzliche Komponente ab. In dieses Spiel mit seiner Identität und seinen Wünschen wird das Publikum wohl insofern mit einbezogen, da es die vielen alten Vorbilder eigentlich kennen müsste, aber sie vergessen oder verdrängt hat und die Versatzstücke nun wieder auffrischt."

Ja, man kann das meiner Meinung auch recht selbstreflexiv lesen, Indy ist alt und eigentlich nicht mehr zeitgemäß, wie es das Genre auch ist. Das ermöglicht auch so ein bisschen, den Film als Throwback zu genießen.

"Vielleicht meine ich eher das Wort "Vitalität" als Jugendlichkeit."

Ich würde es ganz platt als Potenz bezeichnen.

"Indianas Verletzlichkeit ist also ein wenig vorgeschoben, um den Suspense-Charakter (wie du auch feststellst) zu generieren."

Da ist mMn ganz wichtig, die Struktur des Films als Rückschau auf die Serials zu verstehen: das ganze ist ein bisschen episodisch, alle paar Minuten passiert was wahnwitziges, das ein oder andere Mal muss man annehmen, dass es Indy eigentlich gerade umgebracht hat. Ähnlich funktionieren auch Serials, die am Ende jeder Episode einen Cliffhanger hatte, der den Zuschauer wieder ins Kino locken sollte. Diese Cliffhanger bestanden nicht selten daraus, dass der Held scheinbar ums Leben kam - wir wissen aber, dass er nicht tot sein kann, weil wir ja nächste Woche die neue Folge sehen können. So läufts ja auch bei Indy: der MUSS aus dieser Situation entkommen können, weil der Film halt noch eine gute Stunde dauert.

Der 80er Actionheld kommt da, wie du auch sagst, aus einer anderen Tradition, der ist zum Teil im Kriegsfilm, im Urban Vigilante-Film und Western verwurzelt. Ohne John Wayne und Clint Eastwood vielleicht kein Stallone und Schwarzenegger - aber einen Indy gäbe es schon.

"Tatsächlich: Das asketische Ideal bestätigt die Verschiedenheit Indys zu den beiden vorgebrachten Action-Helden. Das ist eine von mir bisher missachtete und überaus interessante Feststellung, um die unterschiedlichen Muster zu betonen. Wiederum verweist das auf die Präzision und somit zusehends maschinenhafte Gestaltung der Figuren. Stallones oder Schwarzeneggers Figuren kennen nur die Bewältigung ihrer Ziele und lassen sich durch nichts ablenken

Der Unterschied liegt da mAn vor allem darin begründet, dass Indy ein "richtiger" Charakter ist, der Identifikation, die ja zumeist über Schwächen hergestellt wird, und Projektion zulässt. Der 80er Actionheld ist da mehr Projektionsfläche, der ein Innenleben schon fast fehlt. Wollte man sich dem psychoanalytisch nähern, dann wären die Figuren wohl lebendig gewordener Todestrieb, den der Kapitalismus im 20. Jahrhundert ja wunderbar fruchtbar gemacht hat.

" Zeichentrickfiguren wie He-Man stehen sie körperlich in nichts nach. Eher noch: das Zeichentrick-Genre kann ihre Physis gar nicht mehr überhöhen, sondern lediglich bestätigen. Das versinnbildlich ja auch die Verwandlung Prinz Adams in diese vor Kraft strotzende Gestalt. Schwarzenegger und Stallones sind selbst wahrgewordene Fantasien von Potenz und Macht

Absolut, der 80er Actionheld ist im besten Falle "larger than life", dessen stetig wachsender Bizeps sinnbildlich für den Exzess steht, den man so gerne mit den 80ern in Verbindung bringt. Da finde ich das He-Man Beispiel übrigens auch ganz gut: dessen Verwandlung ist ja eigentlich gar keine, der Actionheld ist immer da.

"Wenn ich dich nun richtg verstehe, markiert Indy damit genau jenes letzte Aufbäumen der Hollywoodtypischen Darstellungsmuster des Helden (wofür wohl die Analogie zu James Bond sympomatisch steht), bevor ein neuer Figurentypus etabliert wurde (vllt. auch: werden konnte?)"

Ja, kann man durchaus so sehen. Ich würde nicht unbedingt sagen, dass der Bodybuilderheld ein ganz neuer Figurentypus ist. Der ist ja auch ein Echo des Peplumhelden wie Steeve Reeves, Schwarzenegger selbst hat ja mit Hercules und Conan zwei Figuren gespielt, die im sich Sandalenfilm ganz wohl gefühlt haben bzw. wohl gefühlt hätten. Insofern ist er eine neue Konfiguration, ähnlich wie Dirty Harry eigentlich ein Cowboy ist.

" Demnach sind Stallones und Schwarzeneggers (Anti-)Helden modellhafte Figuren, die die Fassade der filmischen Wirklichkeit empfindlich penetrieren und dem in den 1980er Jahren grassierenden Trend des Optimierungs- und Fitnesswahns viel deutlicher gerecht werden/entsprechen?"

Man kann sogar so weit gehen und sagen, dass sie diesen Wahn nicht nur abbilden, sondern sogar entscheidend mitgeprägt (und Mitschuld an ihm) haben.

"Ich würde einhaken und sagen, dass die notwendig agitierte und damit modifizierte Moral Hollywoods auch eine Rolle spielte, dass solche Entwicklungen wie die des Exploitation-Kinos und "Porn Chicks" überhaupt das Licht der Welt erblicken konnten."

Kann man so sehen, die Strömungen stehen ja auch alleine dadurch im Bezug zur Hollywoodmoral, weil sie in deren Schatten entstanden sind. Ob das dann eine bewusste Abkehr ist oder Kalkül, weil man zB weiß, dass Gewalt beim italienischen Publikum ankommt. Häufig sind die Filme ja für einen einheimischen Markt entstanden, die nach amerikanischem Vorbild "mehr" liefern sollten.

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
22.05.2021 16:30 Uhr
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Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 14.231 | Reviews: 156 | Hüte: 506

@Nothing-is-Written und Silencio

Die Ausführungen zu "Star Wars" mögen ja alle ihre Richtigkeit haben. Ich verstehe nur nicht, inwiefern die "Rambo"-Fortsetungen, "Predator" oder "Red Heat", die die Reagan-Politik in unterschiedlichen Härtegraden gebauchpinselt und beworben haben, in irgendeiner Form zu einer kritischen Aufbereitung der zeitgenössischen Probleme beigetragen haben. In den Rocky-Filmen ist das ja auch Thema, da weiß ich aber nicht, wie die sich da positionieren.

Dann doch lieber kritische Versatzstücke wie in "Star Wars". Zumal die "Star Wars"-Reihe im Kern trotz kolonialistischer Denkmuster eine Geschichte über das Versagen eines religiösen, dogmatischen Ritterordens, Aushöhlung der Demokratie, Aufschwung eines totalitären Systems und den liberalen Befreiungskampf bleibt.

Ja, Lucas und Spielberg politisch irgendwo anders als im Liberalismus zu verorten, wäre auch Unsinn^^ Spielbergs Filmographie besteht ja auch nicht nur aus "Indiana Jones". "Der weiße Hai" sprach ich schon an, am Mittwoch habe ich "Duell" gesehen, das sind Filme, die ideologisch Nähe zur 60er-Bürgerrechtsbewegung aufweisen oder gar daraus hervorgingen. "The Bridge of Spies" fällt mir gerade zum Thema des Kalten Krieges auch noch ein, der sich klar für den US-amerikanischen Liberalismus ausspricht, Sowjetunion und DDR aber nach gleichen Werten bemisst, auf Diplomatie und Humanismus setzt und sich gegen antirussische Xenophobie ausspricht.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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Silencio : : Moviejones-Fan
18.05.2021 06:05 Uhr
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Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.895 | Reviews: 48 | Hüte: 204

luhp:

Ergänzend zu Nothing-is-Written: der "Vorwurf" meinerseits, der bewusst offengehalten war, weil ich den beiden nichts Böses unterstellen wollte - die Muster erkläre ich mir mehr mit Unbedachtheit als damit, dass sie beinharte Faschisten sind, kam daher, dass sie eben solche Aussagen in der Öffentlichkeit tätigen, dann aber kolonialistische Handlungsmuster bedienen. Das IST rückschrittlich, da hilft auch nicht, dass beide liberale Ideale halten mögen. Gerade "Star Wars" ist dann auch noch so offengehalten, dass es niemandem auf die Füße treten kann (wir erinnern uns: zum Start von "Rogue One" war die amerikanische Rechte beleidigt - sollten die Bösewichte etwa Nazis sein?!?!), das ist doch das Erfolgsrezept. Jeglicher Bezug, der über WWII-Ikonographie hinausgeht, ist revisionistisch hergestellt und ergibt, wie N-i-W schon festgestellt hat, auch darüberhinaus wenig Sinn.

Nothing-is-Written

"Ganz unpolitisch mögen die Filme natürlich nicht sein."

Alleine schon deshalb, weil es keine unpolitischen Filme gibt. Unpolitisch erscheint nur, was mit der herrschenden Ideologie im Einklang steht - was ja gerade eines der Erfolgsrezepte des Unterhaltungsfilms ist.

Zur Hauptdiskussion kehr ich zurück, sobald ich fünf Minuten mehr Zeit hab. ;)

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

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Nothing-is-Written : : Moviejones-Fan
18.05.2021 01:38 Uhr | Editiert am 18.05.2021 - 01:42 Uhr
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Dabei seit: 04.01.21 | Posts: 295 | Reviews: 2 | Hüte: 46

@Luhp92

Man muss aber doch festhalten, dass dieser zeitbezogene Subtext eher der künstlerischen Inspiration diente und dann nur am äußeren Rande bei Interpretationen einfließt, als tatsächlich gezielt geübte Kritik am damaligen politischen Fundament der 1970er Jahre zu sein. Wenn man es plakativ ausdrücken möchte, ist das die harmlose, auf Erfolg bedachte Blümchen-Version von kritischer Annäherung.

Die Analogie zur nuklearen Aufrüstung des Kalten Krieges ist für mich im Gegensatz zur Metaphorik zweier (!) Atombomben auch nicht so stimmig: hier fehlt klar der Waffenstillstand aufgrund gleichwertiger Abschreckungsmechanismen. Und wenn man nun dadurch einwenden möchte, dass der Schulterschluss der beiden Todessterne mit der traumatischen und verheerenden Beendigung des Zweiten Weltkriegs durch die beiden Atombomben ebenfalls ein politisches Bild zu transportieren versucht, dann ist dem wiederum entgegenzuhalten, dass diese geschichtlichen Bezüge fast willkürlich und zusammenhangslos erscheinen. Partisanenkriege gegen unüberwindbare Feinde mit besseren Waffen findet man etwa in der Geschichte häufiger. Ich glaube nur zu gern, dass sich Lucas und Spielberg vom Geschehen in Vietnam beeinflussen ließen (wer nicht?), aber das Arrangement von Versatzstücken macht noch lange kein Statement. Die Botschaft erscheint mir jedenfalls zu konfus, um wirkliche Schlagkraft zu besitzen.

Star Wars ist ein bedeutungsoffenes Sammelsorium an wundersamen Einfällen und Techniken: manches davon ist überaus gelungen und manches eher befremdlich. Es ist all das, was man darin sehen möchte. Das fängt schon bei der unscharfen Genre-Gestaltung an. Das ursprüngliche Herzblut und das Risiko, die in dieses Projekt geflossen sind, muss man wohl am allermeisten hervorheben.

Das steht der tragischen Biographie und Genese einer Figur wie Stallones John Rambo deutlich entgegen. Darüber hinaus ging es auch um eine filmübergreifende Deutung des Action-Heroen allein anhand bestimmter körperlicher Merkmale und Plotelemente, die mit dieser Physis hantieren und dadurch für den damals unmittelbaren Zeitgeist werben. Ein vorgebrachter Argumentationsstrang war ja, dass Lucas und Spielberg durch Indiana Jones (und damit irgendwo auch Star Wars) eine Rückschau auf Hollywoods einstige Erfolgsstories betrieben und sich das System durch derartige Kassenschlager selbst erneuerte. Das vollends ungetrübte Happy End erscheint doch da passend. Wer trauert schon um die zahlreich draufgegangenen Fliegerpiloten und Informant:innen? Wäre da nicht der passende Raum gewesen, um ein politisches Statement zu hinterlassen? Anscheinend ging das wegen der formeltypischen Anbiederung nicht und wahrscheinlich auch deshalb, weil man es bei lieb gemeinten Metaphern ohne unangenehmen Flashback belassen wollte.

Ganz unpolitisch mögen die Filme natürlich nicht sein. Das bestätigte ich schon mit meiner These: "An kritischer Aufbereitung der zeitgenössischen Probleme sind sie durch diese Bezugnahme deutlich weniger interessiert als die Figuren Schwarzeneggers oder Stallones."

"I have been watching my life. It’s right there. I keep scratching at it, trying to get into it. I can’t." "MAD MEN" S02E12: THE MOUNTAIN KING

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
17.05.2021 23:52 Uhr | Editiert am 17.05.2021 - 23:54 Uhr
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Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 14.231 | Reviews: 156 | Hüte: 506

@Silencio und Nothing-is-Written
"könnte man Spielberg und Lucas, die sich beide ja als sehr liberal sehen und geben, gerade wegen der kolonialistischen Muster in ihren Filmen für wesentlich regressiver halten als die Reagan-inspirierten Klopper aus der Golan/Globus-Schmiede"
"An kritischer Aufbereitung der zeitgenössischen Probleme sind sie durch diese Bezugnahme deutlich weniger interessiert als die Figuren Schwarzeneggers oder Stallones."

Das würde ich so jetzt nicht sagen, wenn man bedenkt, was im politischen Subtext der "Star Wars"-Filme so alles mitschwingt. Der Todesstern gemäß des Kalten Krieges und der nuklearen Aufrüstung als Planeten zerstörende Waffe. Endor mit dem Guerillakampf der Ewoks und Rebellen im Dschungel gegen das militärisch und technologisch überlegene Imperium als Vietnam. Palpatine/Sidious als Richard Nixon. Dazu passt auch, dass George Lucas ursprünglich "Apocalypse Now" drehen wollte, bevor ihm "Star Wars" dazwischenkam.

https://www.history.com/news/the-real-history-that-inspired-star-wars

Oder beim "Weißen Hai", wie sich Spielberg dort anhand der Charakterisierung der drei Männer auf dem Boot und des Handungsverlaufs im Bezug auf kriegerisches Machogehabe und Autoritätsstrukturen positioniert.

https://www.moviejones.de/kritiken/der-weisse-hai-kritik-5970.html

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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Nothing-is-Written : : Moviejones-Fan
17.05.2021 13:17 Uhr | Editiert am 17.05.2021 - 21:59 Uhr
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Dabei seit: 04.01.21 | Posts: 295 | Reviews: 2 | Hüte: 46

@Silencio

" "Youre not the man I knew ten years ago" - Indy ist ein Relikt, genau wie das Genre selbst, das da wiederbelebt werden soll. Jugendlich ist an dem nichts mehr, im Gegensatz zu den anderen 80er Actionhelden bestehen seine ikonischsten Momente auch daraus, dass er eben nicht mehr auf der Höhe ist. Man denke da an den angetäuschten Peitschenkampf, wo er sich kaum noch auf den Füßen halten kann."

Die Vorstellung von Indiana Jones als ein Relikt durch deine wortgetreue Einordnung gefällt mir sehr, muss ich sagen. Das ringt seiner Gier nach Abenteuern und alten Schätzen eine zusätzliche Komponente ab. In dieses Spiel mit seiner Identität und seinen Wünschen wird das Publikum wohl insofern mit einbezogen, da es die vielen alten Vorbilder eigentlich kennen müsste, aber sie vergessen oder verdrängt hat und die Versatzstücke nun wieder auffrischt.

Vielleicht meine ich eher das Wort "Vitalität" als Jugendlichkeit. Zur Jugend zählt ja auch eine Form von Unschuld. Diese Eigenschaft haben Helden wie Indy längst abgelegt (sofern sie diese je besaßen). Im noch krasseren Maße trifft das auf die mit maschineller Präzision agierenden Action-Heroen Stallone und Schwarzenegger zu. Demgegenüber wirkt Indy in den Filmen oft angeschlagen und windet sich aus brenzligen Situationen mit dem nötigen Quentchen Glück und Abgebrühtheit heraus.

Noch einmal zur von uns diskutierten Maschinen-Analogie: Actionhelden wie Schwarzenegger rüsten sich im Handlungsverlauf eher noch einmal für die bevorstehenden Konflikte und "reparieren" ihre angeschlagenen Teile. Dieses Moment des Leistungs-Upgrades finden wir in der Indy-Reihe tatsächlich nicht vor. Insofern gebe ich dir für deren differente Funktions- und Wirkweise recht. Indy agiert situationsbezogen und plant seine Angriffe nicht. Er ist Teil einer Kaskade von irrwitzigen Aktionen und mag zur Attraktion gehören, aber er steht als alleinige Attraktion nur selten im Brennpunkt. Ausgenommen ist davon natürlich das Wissen des Publikums, dass er sich seinen Feinden entledigt und für das unbesiegbar Gute eintritt. Indianas Verletzlichkeit ist also ein wenig vorgeschoben, um den Suspense-Charakter (wie du auch feststellst) zu generieren. Demgegenüber ist der Actionheld eher mit einer eigenen Moral ausgestattet, die sich nicht unbedingt dem Muster von gut/böse zuordnen lässt. Diese Figuren sind wohl eher wie Italo-Western-Söldner situiert, die sich durch ihre Bewältigung eines gegebenen Auftrags auszeichnen. Meine Referenzsuche im Western-Metier ist mitunter durchaus fragwürdig - dessen bin ich mir bewusst. Es geht mir hier eher darum, lose den Unterschied zu Indy herauszuarbeiten.

"Die Anschlussfähigkeit und der Figurenkult sind aber mMn zwei unterschiedliche paar Schuhe.Ich würde auch insoweit widersprechen, dass Rambo solche Insignien nicht hätte: Rambo ohne Stirnband ist bloß Sylvester Stallone."

Zum Thema Insignien bei Rambo: ja, das stimmt - Stallone Alias Rambo benötigt das Stirnband, damit man die Figur als solche identifizieren kann. Das habe ich etwas außen vor gelassen. Mein Punkt zielte besonders darauf ab, dass Indy ohne Schusswaffen oder Peitsche ein Normalsterblicher mit unverschämten Glück ist. Rambo oder Arnold Schwarzenegger hingegen kommen auch mit bloßen Fäusten zurecht und können sich aus den Situationen bar ihrer Kraft befreien. Sie besitzen eine physische Präsenz, die einschüchtert. Man könnte fast sagen: Die verwendeten Waffen kanalisieren/präzisieren und zähmen ihre Kraft eher, als dass sie diese erweitern (benötigen würden). Schlagen sie aber mit den Fäusten zu, dann kommt ihre gesamte rohe Härte zum Tragen. Das ist bei Indy eindeutig nicht der Fall: Seine Faustkämpfe schlägt er in der Tat mit dem Kopf (Spiel auf Zeit) und dem damit verbundenen Glücksmoment. Insofern sehe ich eine andere Form von körperlicher Attraktion bestätigt. Der Effekt gehört bei der Indy-Reihe unwidersprochen als Hauptanreiz dazu, aber die windige Physis Indys und sein übermenschlich körperliches Leiden (für mich) ebenso. Insofern: Ansichtssache wie du sagst. Dein Einwand kommt für mich aber wunderbar klar rüber.

"[...] das ist aber durchaus ein Kontrast zu den asketisch-asexuellen Helden der 80er. Körperliche Freuden bleiben denen verwehrt, die haben meist (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel) nur das Martyrium mit Indy gemein. Auch da ist Indy vielmehr in der relativen Vergangenheit verhaftet, das weist ja wie nichts anderes auf seine Genese als amerikanischer James Bond hin."

Tatsächlich: Das asketische Ideal bestätigt die Verschiedenheit Indys zu den beiden vorgebrachten Action-Helden. Das ist eine von mir bisher missachtete und überaus interessante Feststellung, um die unterschiedlichen Muster zu betonen. Wiederum verweist das auf die Präzision und somit zusehends maschinenhafte Gestaltung der Figuren. Stallones oder Schwarzeneggers Figuren kennen nur die Bewältigung ihrer Ziele und lassen sich durch nichts ablenken.

Da sehe ich einen interessanten Link zur Realität: Insbesondere der Hang dieser Filmbusiness-Heroen zur körperlichen Dressur unterscheidet sie deutlich von Fords lediglich ein wenig (aber nicht zu viel) in Form gebrachten Hollywood-Körper. Anders ausgedrückt: Filmische Fassade und Wirklichkeit wurden durch Schwarzenegger und Stallone in Einklang gebracht. Da sehe ich ebenfalls deutliche mentale Unterschiede in der ausgelebten Form ihrer Maskulinität. Schwarzenegger und Rambo wirken im Kosmos der 1980er ja auch als testosteron-versprühende Mannequins für Spielzeugfiguren. Zeichentrickfiguren wie He-Man stehen sie körperlich in nichts nach. Eher noch: das Zeichentrick-Genre kann ihre Physis gar nicht mehr überhöhen, sondern lediglich bestätigen. Das versinnbildlich ja auch die Verwandlung Prinz Adams in diese vor Kraft strotzende Gestalt. Schwarzenegger und Stallones sind selbst wahrgewordene Fantasien von Potenz und Macht. Wenngleich es auch Indiana-Jones-Actionfiguren für Kinder und Junggebliebene gab: Diesen hervorgebrachten Aspekt sehe ich bei Harrisson Ford/Indiana Jones so überhaupt nicht, nachdem wir das alles hier diskutiert haben.

Wenn ich dich nun richtg verstehe, markiert Indy damit genau jenes letzte Aufbäumen der Hollywoodtypischen Darstellungsmuster des Helden (wofür wohl die Analogie zu James Bond sympomatisch steht), bevor ein neuer Figurentypus etabliert wurde (vllt. auch: werden konnte?). Korrigier mich bitte gern, wenn ich mit meiner Schlussfolgerung falsch liege: Demnach sind Stallones und Schwarzeneggers (Anti-)Helden modellhafte Figuren, die die Fassade der filmischen Wirklichkeit empfindlich penetrieren und dem in den 1980er Jahren grassierenden Trend des Optimierungs- und Fitnesswahns viel deutlicher gerecht werden/entsprechen?

Deine weiteren zeithistorischen Einordnungen waren für mich noch einmal sehr aufschlussreich.

"Kann man so sehen, wobei ich beide Bewegungen eher mit sich ändernden Vorstellungen über Moral und Darstellbarkeit erklären würde, als mit Hollywoods Krise. Andererseits bestehen da schon Überschneidungen, gerade Porno Chic war ja möglich, weil der europäische Kunstfilm eine Freizügigkeit erläubte, die der amerikanische Mainstreamfilm nicht zu bieten hatte. Für Porno und Exploitation war es ein leichtes, sich hinter dem Feigenblatt der Relevanz zu verstecken, indem man auf den Kunstfilm zeigte und sagte "DAS machen wir, wir sind kein Schmutz." Ohne "Die 120 Tage von Sodom" vielleicht kein "Salon Kitty"..."

Ich würde einhaken und sagen, dass die notwendig agitierte und damit modifizierte Moral Hollywoods auch eine Rolle spielte, dass solche Entwicklungen wie die des Exploitation-Kinos und "Porn Chicks" überhaupt das Licht der Welt erblicken konnten. Hätte die klassische Hollywood-Formel weiterhin für das Publikum funktioniert, gäbe es ja weniger potentiell zahlungswillige Zuschauer:innen für diese Art von "abseitigen" Filmen. Das ist aber dennoch anschlussfähig an die Anbiederung des europäishen Kunstkinos. Ich würde auch nicht widersprechen, dass dieser eigens verliehene Anstrich eher ein Feigenblatt war um die Gelüste des Publikums zu bedienen und zu schockieren. Das war ja auch so eine Art Überbietungs-Kino und da steckte mitunter viel kapitalistische Berechnung dahinter. Die Leute konnten so aber ihrer Expermentierfreude freien Lauf lassen, was demgegenüber unter klassischen Umständen im Hollywoodsystem eher nicht möglich gewesen wäre. Das stärkte mitunter die Vielfalt. Das Medium und die Produktionsseite wurde dadurch demokratischer. Dein vorhergehender Verweis auf Ronald Reagans vehement betonte amerikanische Werttreue und die damit verbundenen Traditionsgedanken entzogen dieser Entwicklung mitunter ihre Schlagkraft und diskreditierten sie als "unamerikanisch".

Indiana Jones wird in dieser Hinsicht tatsächlich wenig politisiert wahrgenommen. Auch weil es so ist, wie du sagtest: da verhielten sich Lucas/Spielberg sehr liberal und thematisieren schwelende innerpolitische Konflikte kaum. Das wird ja auch geschickt durch die zeitebene der 30er bis 50er Jahre gewährleistet, in welcher es deutlichere Gut-/Böse-Muster in der Welt zu geben schien. An kritischer Aufbereitung der zeitgenössischen Probleme sind sie durch diese Bezugnahme deutlich weniger interessiert als die Figuren Schwarzeneggers oder Stallones.

Ich habe die letzten Tage ganz schön was dazu gelernt und konnte einige krude Thesen von mir noch einmal grundsätzlich hinterfragen und (um bei der optimierungssüchtigen Maschinen-Analogie zu bleiben) "neu verdrahten". Das ist echt cool und ich bin bereits auf deine weiteren Feststellungen gespannt smile

"I have been watching my life. It’s right there. I keep scratching at it, trying to get into it. I can’t." "MAD MEN" S02E12: THE MOUNTAIN KING

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Silencio : : Moviejones-Fan
16.05.2021 20:16 Uhr
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Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.895 | Reviews: 48 | Hüte: 204

Nothing-is-Written:

"Harrison Fords Körperteile (besonders die gestählte Brust) werden ja nicht umsonst in den Handlungsverläufen durch seine verschlissene Kleidung umspielt, wodurch sie wiederum dessen jugendliche Agilität bezeugen und durchaus Bezüge zu griechischen Statuen herstellen (man siehe etwa die griechische Statuengruppe des mythischen Helden Laokon, bei der die Hauptfigur sich aus den Fängen von Schlangen zu befreien versucht und dabei eine lustvoll erotische Komponente erahnen lässt.) Die Kameraeinstellungen etwa im Tempel zeigen Ford ja auch in prägnater Untersicht mit nacktem Oberkörper. Da ist also schon ein Spiel mit dessen Potenz und körperlicher Reize vorhanden."

"Youre not the man I knew ten years ago" - Indy ist ein Relikt, genau wie das Genre selbst, das da wiederbelebt werden soll. Jugendlich ist an dem nichts mehr, im Gegensatz zu den anderen 80er Actionhelden bestehen seine ikonischsten Momente auch daraus, dass er eben nicht mehr auf der Höhe ist. Man denke da an den angetäuschten Peitschenkampf, wo er sich kaum noch auf den Füßen halten kann.

Ansonsten verstehe ich, was du meinst. Ich würde da aber zum einen entgegnen, dass das nicht typisch 80er ist, weil die (homoerotische) Schaulust sich durch die Filmgeschichte zieht (Maciste als vielleicht frühester Beispiel?) und ich deswegen Typizität eher über die Darstellung im Besonderen herstellen würde - der typische Actionheld der 80er stellt ja zum Beispiel häufig eine Einheit mit einer Maschine dar. Das Maschinengewehr ist genauso Teil von Arnold Schwarzenegger, wie es das Endoskelett ist. (Bei näherem Lesen fällt mir auf, dass dein Stallone-Gedankengang ja ähnlich ist...)

Zum Anderen ist Fords Darstellung wesentlich näher an der Darstellung von Sean Connery, als an der altgriechischer Statuen und das Schlangenmotiv wohl auch eher der judäo-christlichen Symbolik geschuldet (wobei auch diese natürlich eine erotische Komponente hat). Die Statuenästhetik erfüllen da auch eher die Bodybuilderdarsteller, das war auch durchaus deren Inspiration - gerade Schwarzenegger spricht häufig davon, dass er die Proportionen einer griechischen Statue erreichen wollte.

"Die Filme der Reihe werden dadurch als anschlussfähig an verschiedene Zielgruppen propagiert und ermöglichen den Figurenkult (wofür aber auch die Insignien "Hut" und "Peitsche" verantwortlich sind. Da sehe ich John Rambo schon noch maskuliner, da tödlicher im gezielten Nahkampf und mit Schusswaffen. Rambos/Silvester Stallones Körper IST aber stets die eigentliche Insignie und Waffe.)"

Die Anschlussfähigkeit und der Figurenkult sind aber mMn zwei unterschiedliche paar Schuhe.Ich würde auch insoweit widersprechen, dass Rambo solche Insignien nicht hätte: Rambo ohne Stirnband ist bloß Sylvester Stallone.

" Allerdings ist das auch eine Attraktion, da die körperliche Stärke hier gegen Cleverness und Abgebrühtheit ausgepielt

Wobei sich da die Frage stellt, ob das tatsächlich Attraktionen im filmische Sinne sind. Schauwerte schaffen diese Attribute ja allenfalls mittelbar - und dann auch eigentlich nur, weil sich an diesen Stellen häufig eine Suspense entlädt (der Rotor bspw.). Meiner Meinung nach ist das ein bisschen zu abstrakt, um tatsächlich Attraktion zu sein. Your mileage may, of course, vary.

" Außerdem wird Indys Körper durch dessen Malträtierung auch als verletzlich entlarvt, wodurch eine lustvoll sinnliche Komponente für die Zuschauer:innen betont wird. Im Gegenzug erfährt Indy aber auch körperliche Freuden und darf seine weiblichen Wegbegleiterinnen ebenfalls von seinen körperlichen Vorzügen überzeugen."

Dem stimme ich zu, das ist aber durchaus ein Kontrast zu den asketisch-asexuellen Helden der 80er. Körperliche Freuden bleiben denen verwehrt, die haben meist (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel) nur das Martyrium mit Indy gemein. Auch da ist Indy vielmehr in der relativen Vergangenheit verhaftet, das weist ja wie nichts anderes auf seine Genese als amerikanischer James Bond hin.

"Ist die Migration des Autorenfilmtrends aus der europäischen Filmkunst nicht bereits eine Entledigung von der Krise bzw. mindestens deren kreative Bewältigung? Die geschrumpften Budgets und die realitätsnäheren Plotentwicklungen um die psychische Verfasstheit von Figuren und Gruppendynamiken deuten doch in diese Richtung?

Naja, nein. Zuerst sehe ich die "kreative Bewältigung" als absolut von Hollywoods Vormachtstellung losgelöst. Die Vormachtstellung Hollywoods ist ja insbesondere in marktwirtschaftlichen Gegebenheiten verwurzelt (die geben das meiste Geld aus und haben die meisten Zuschauer). Die geschrumpften Budgets waren darüberhinaus auch nicht der "Entledigung der Krise" geschuldet, sondern deren direktes Resultat: die Leute sind nicht mehr in die Großproduktionen gelaufen, die Studios hatten sich verhoben und waren in finanziellen Schwierigkeiten. Es war, platt ausgedrück, einfach nicht genug Kohle da.

Dass wiederum das geringe Budget Freiheit geschaffen hat, ist nichts, was den 70ern irgendwie zueigen gewesen wäre, das zieht sich seit den Gründungstagen durch Hollywoods Geschichte - man denke nur daran, dass der Film Noir, dessen Verfechter genau DIESEN für die künstlerisch fruchtbarste Phase hielt, (fast) nur für niedrige Budgets und mit wenig Studiokontrolle möglich war.

Hollywoods Vormachtstellung (die ich an den relativen Niedergang der europäischen Filmlandschaft knüpfen würde) kam ja dann erst nach der Durststrecke der 60er und 70er zurück, als Hollywood wieder das lieferte, was nur Hollywood (diesmal mit der Hilfe von Marktanalyse und Wall Street, danke Lucas und Spielberg dafür) konnte, nämlich Spektakel, Spektakel, Spektakel.

Andersrum ausgedrückt: könnte Hollywood weiterhin mit Filmen wie aus den 70ern Geld machen (bzw. mehr Geld machen), dann würden die das ja tun...

"Sind diese teils widerstrebenden und uneinheitlichen Entwicklungen deiner Meinung nach eher kreative Versuche und Nebelkerzen für die Ratlosigkeit Hollywoods, was die Leute sehen möchten und was mit dem Medium noch anzufangen ist?"

Das ist mMn einerseits Berechnung, weil ausländische Filme in den 60ern in den USA ganz gut liefen ("Blow Up" war ja zB ein veritabler Kassenschlager, wenn ich mich recht erinnere) und man die mit dem Geld, das man zu der Zeit noch hatte, ganz gut nachahmen konnte. Selbst Journeymen waren ja angehalten, ihre Filme plötzlich künstlerischer zu gestalten. Zum anderen haben die jungen Kreativen da natürlich opportun zugeschlagen, weil sich die Möglichkeit bot, nach den eigenen Vorstellungen zu arbeiten.

Gerade gegen Hollywoods Vormachtstellung zu der Zeit spricht ja auch eigentlich, dass man da den Trends folgte und diese eben nicht geschaffen hat.

"Für diese These spräche, dass im Gegenzug das Exploitation-Kino ebenfalls entscheidende Impulse in der Wahrnehmung der Periode gesetzt hat. Das ist ja als Gegenbewegung auf alte, wiedergekäute Hollywoodschinken und deren Plots zu begreifen. Ebenso könnte man die Etablierung des "Porn-Chicks" darin verorten."

Kann man so sehen, wobei ich beide Bewegungen eher mit sich ändernden Vorstellungen über Moral und Darstellbarkeit erklären würde, als mit Hollywoods Krise. Andererseits bestehen da schon Überschneidungen, gerade Porno Chic war ja möglich, weil der europäische Kunstfilm eine Freizügigkeit erläubte, die der amerikanische Mainstreamfilm nicht zu bieten hatte. Für Porno und Exploitation war es ein leichtes, sich hinter dem Feigenblatt der Relevanz zu verstecken, indem man auf den Kunstfilm zeigte und sagte "DAS machen wir, wir sind kein Schmutz." Ohne "Die 120 Tage von Sodom" vielleicht kein "Salon Kitty"...

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

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Nothing-is-Written : : Moviejones-Fan
16.05.2021 18:33 Uhr | Editiert am 16.05.2021 - 19:28 Uhr
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@Silencio

"Aber auch da seh ich zwei unterschiedliche Strömungen, die Überschneidungen haben, aber auch nicht deckungsgleich sind. Die "Indiana Jones"-Filme seh ich auch eher im "attraktionsbezogenen" Sektor als in dem des "Körperkults" - wobei ich allerdings für vertretbar halte, den Körper im 80er Actionkino auch als "Attraktion" zu verstehen. Vielleicht sollten wir da auch einfach "attraktionsbezogen" durch "effektbezogen" ersetzen, dann kommen wir mMn auch gleich näher an das heran, für das Spielberg und Lucas wesentlich mehr stehen."

Etwas spitzfindig ist meine Definition von "Attraktion" sicherlich. Für mich ist der Körper und dessen Krafteinsatz definitiv als Attraktion zu bewerten. Das Wort" "Attraktivität" bezieht sich ja auf ebenjene körperlichen Vorzüge und verweist auf die psychologischen Prozesse dahinter. Harrison Fords Körperteile (besonders die gestählte Brust) werden ja nicht umsonst in den Handlungsverläufen durch seine verschlissene Kleidung umspielt, wodurch sie wiederum dessen jugendliche Agilität bezeugen und durchaus Bezüge zu griechischen Statuen herstellen (man siehe etwa die griechische Statuengruppe des mythischen Helden Laokon, bei der die Hauptfigur sich aus den Fängen von Schlangen zu befreien versucht und dabei eine lustvoll erotische Komponente erahnen lässt.) Die Kameraeinstellungen etwa im Tempel zeigen Ford ja auch in prägnater Untersicht mit nacktem Oberkörper. Da ist also schon ein Spiel mit dessen Potenz und körperlicher Reize vorhanden.

Die Filme der Reihe werden dadurch als anschlussfähig an verschiedene Zielgruppen propagiert und ermöglichen den Figurenkult (wofür aber auch die Insignien "Hut" und "Peitsche" verantwortlich sind. Da sehe ich John Rambo schon noch maskuliner, da tödlicher im gezielten Nahkampf und mit Schusswaffen. Rambos/Silvester Stallones Körper IST aber stets die eigentliche Insignie und Waffe.)

Dem Wort effektbezogen stimme ich uneingeschränkt zu. Allerdings ist die Attraktion des Körpers auch eine Zutat der ersten beiden Filme (inwieweit das für die Teile 3, 4 oder gar 5 zählt, darüber lässt sich definitiv streiten). Entgegenhalten könnte man meiner These wiederum, dass ja wiederkehrend Muskelprotze zum Einsatz kommen, die Indys Statur schmälern. Allerdings ist das auch eine Attraktion, da die körperliche Stärke hier gegen Cleverness und Abgebrühtheit ausgepielt wird. Außerdem wird Indys Körper durch dessen Malträtierung auch als verletzlich entlarvt, wodurch eine lustvoll sinnliche Komponente für die Zuschauer:innen betont wird. Im Gegenzug erfährt Indy aber auch körperliche Freuden und darf seine weiblichen Wegbegleiterinnen ebenfalls von seinen körperlichen Vorzügen überzeugen.

"Dabei ist das aber eine Vormachtstellung, die in den 20 Jahren zuvor in Frage stand, wenn nicht sogar komplett aufgelöst war (Ende der 60er gab es auch deutliche Stimmen, die meinten, Hollywood sei endgültig vorüber...). "Indiana Jones" ist allenfalls eine revisionistische Affirmation, die gerade als Reaktion auf die vorangegangene Krise zu verstehen ist, und nicht als ein Ausdruck von Hollywoods tatsächlicher Position. Diese sollte sich ja auch erst mit dem voranschreitenden Jahrzehnt wieder etablieren. Insofern finde ich schon interessanter, wie "Indiana Jones" (und auch "Star Wars") eben wieder an Hollywoods goldenes Zeitalter anknüpfen wollen, dabei aber bewusst auf Hollywoods "Abfallprodukte" Bezug nehmen."

Dazu habe ich ein paar Fragen:

Ist die Migration des Autorenfilmtrends aus der europäischen Filmkunst nicht bereits eine Entledigung von der Krise bzw. mindestens deren kreative Bewältigung? Die geschrumpften Budgets und die realitätsnäheren Plotentwicklungen um die psychische Verfasstheit von Figuren und Gruppendynamiken deuten doch in diese Richtung? Besonders wenn man bedenkt, dass dieses Kino sehr experimentierfreudig situiert war und junge Filmemacher auf den Markt drängten, wodurch folglich eine Erneuerung des Hollywoodkinos überhaupt erst initiiert werden konnte. Sicherlich hat man sich damit nicht komplett vom europäischen oder asiatischen Filmmarkt gelöst, aber der Erfolg bei der Presse spricht doch eine recht deutliche Sprache. Natürlich wurden zahlreichen Filme dieser Ära das Prestige erst lange nach ihrer Veröffentlichung zuteil.

=> Sind diese teils widerstrebenden und uneinheitlichen Entwicklungen deiner Meinung nach eher kreative Versuche und Nebelkerzen für die Ratlosigkeit Hollywoods, was die Leute sehen möchten und was mit dem Medium noch anzufangen ist?

Für diese These spräche, dass im Gegenzug das Exploitation-Kino ebenfalls entscheidende Impulse in der Wahrnehmung der Periode gesetzt hat. Das ist ja als Gegenbewegung auf alte, wiedergekäute Hollywoodschinken und deren Plots zu begreifen. Ebenso könnte man die Etablierung des "Porn-Chicks" darin verorten.

Die Wiederentdeckung der klassischen Abenteuerfilmplots und deren Re-Arrangement zeugt ja wie du sagst auch von einem Bewusstsein für Hollywoods Tradition.

Zum Rest deines Kommentars: Diese Erläuterungen gefallen mir sehr. Da sind viele tolle Beobachtungen und Feststellungen enthalten. Diese werde ich etwas reifen lassen...

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Silencio : : Moviejones-Fan
16.05.2021 16:27 Uhr
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Nothing-is-Written:

"Mit "Körperkino" meinte ich eher den grassierenden Körperkult der 1980er und dessen attraktionsbezogenes Kino nach anstatt die angesprochenen "body genres". Da habe ich mich unscharf und missverständlich ausgedrückt. Gut, dass du da nochmal korrigierst

Aber auch da seh ich zwei unterschiedliche Strömungen, die Überschneidungen haben, aber auch nicht deckungsgleich sind. Die "Indiana Jones"-Filme seh ich auch eher im "attraktionsbezogenen" Sektor als in dem des "Körperkults" - wobei ich allerdings für vertretbar halte, den Körper im 80er Actionkino auch als "Attraktion" zu verstehen. Vielleicht sollten wir da auch einfach "attraktionsbezogen" durch "effektbezogen" ersetzen, dann kommen wir mMn auch gleich näher an das heran, für das Spielberg und Lucas wesentlich mehr stehen.

"Ich wollte nicht ausdrücken, dass kolonialistische Denkmuster in den 1980ern besonders typisch sind oder exponentiell hochkochen, sondern dass Hollywoods Vormachtstellung und Omnipräsenz für das internationale Kino in den 1980ern nachdrücklich betont wurde"

Dabei ist das aber eine Vormachtstellung, die in den 20 Jahren zuvor in Frage stand, wenn nicht sogar komplett aufgelöst war (Ende der 60er gab es auch deutliche Stimmen, die meinten, Hollywood sei endgültig vorüber...). "Indiana Jones" ist allenfalls eine revisionistische Affirmation, die gerade als Reaktion auf die vorangegangene Krise zu verstehen ist, und nicht als ein Ausdruck von Hollywoods tatsächlicher Position. Diese sollte sich ja auch erst mit dem voranschreitenden Jahrzehnt wieder etablieren. Insofern finde ich schon interessanter, wie "Indiana Jones" (und auch "Star Wars") eben wieder an Hollywoods goldenes Zeitalter anknüpfen wollen, dabei aber bewusst auf Hollywoods "Abfallprodukte" Bezug nehmen.

"Ich wollte nicht ausdrücken, dass kolonialistische Denkmuster in den 1980ern besonders typisch sind oder exponentiell hochkochen, sondern dass Hollywoods Vormachtstellung und Omnipräsenz für das internationale Kino in den 1980ern nachdrücklich betont wurde"

Die Zähmung des Wilden ist aber doch gerade ein kolonialistisches Bild par excellence, dass dem typischen Actionfilm der 80er eher fehlt. Rambo zähmt die Wilden nicht, er bringt ihnen nur bei, wie man den bösen Russki kalt macht. Das ist wesentlich näher an dem tatsächlichen Vorgehen der amerikanischen Dreibuchstaben-Behörden in den 80ern als das, was Indy macht. Wobei da auch im Bezug auf den "Tempel" durchaus Überschneidungen zu sehen sind.

"Ohne Rambos Relevanz schmälern zu wollen: in der Gesamtbetrachtung glaube ich, dass es schwer zu definieren ist, welcher Film inwiefern hauptsächlichen Einfluss auf die Entwicklungen hatte. Kulturhistorisch gesehen lässt sich auf jeden Fall festhalten, dass aktionsbasierte Plots in den 1980ern Hochkonjunktur hatten und Filme sowie kulturelle Entwicklungen einmal mehr in einem Geflecht zueinander standen."

Ich sag mal so: die "Indiana Jones"-Reihe ist auch recht einflussreich und hat ein paar Nachzügler hervorgebracht, aber der Name "Rambo" hat es als synonym für "Kraftprotz" in den Duden geschafft. Die Cannon Group hatte es sich zu der Zeit zur Aufgabe gemacht, möglichst viele Filme, die in die gleiche Kerbe geschlagen haben, zu drehen, zu keinem anderen Zeitpunkt haben es Bodybuilder so leicht ins Kino geschafft (mit Ausnahme der Pepla aus Italien vielleicht) als zu dieser Zeit. Wenn wir über das Körperkino der 80er reden wollen, kommen wir an Stallone wesentlich schlechter vorbei (wegen der krass breiten Schultern) als an Harrison Ford. Überhaupt seh ich den Spirit der Neocons viel mehr bei den Actionstars der Marke Stallone, Norris oder Schwarzenegger (wobei dessen Filme häufiger auch genau andersrum gelesen werden können), als irgendwo bei Spielberg, der ja erst vor ein paar Jahren öffentlich ein nettes Wort an Reagan verloren hat.

(Wenn man übrigens ganz gemein sein wollte, könnte man Spielberg und Lucas, die sich beide ja als sehr liberal sehen und geben, gerade wegen der kolonialistischen Muster in ihren Filmen für wesentlich regressiver halten als die Reagan-inspirierten Klopper aus der Golan/Globus-Schmiede...)

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TiiN : : Goldkerlchen 2021
16.05.2021 16:20 Uhr
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@Nothing-is-Written
Eines muss ich noch zu der Doku loswerden: die fast schon kindliche Begeisterung des damaligen Publikums (jung wie alt) ist in Bezug auf die Wirkung der damaligen Kinowelt rührend anzusehen. Das gibt ein gutes Zeitzeugnis ab - vor allem vor dem Hintergrund des heutigen Überangebots und der damit verbundenen Übersättigung. Damals war diese Art Film ein waghalsiges Novum.

Ohja, damit sprichst du einen guten Punkt an. Wobei man auch unterscheiden muss bei unserer Übersättigung. Da gibt es zwar jede Menge leichte Unterhaltung, aber nur wenige davon haben das Niveau eines Indiana Jones. Man man ist es halt gewohnt, dass es solche Filme gibt und oft ermüden sie eher als das sie begeistern.

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Nothing-is-Written : : Moviejones-Fan
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@Silencio

Mit "Körperkino" meinte ich eher den grassierenden Körperkult der 1980er und dessen attraktionsbezogenes Kino nach anstatt die angesprochenen "body genres". Da habe ich mich unscharf und missverständlich ausgedrückt. Gut, dass du da nochmal korrigierst. Du kennst dich wirklich gut in der Filmgeschichte aus und es ist gut, dass du so sprachsensibel auftrittst. Das trägt zum Austausch über solche Entwicklungen ungemein bei smile

"Dass der Film kolonialistische Denkmuster aufgreift, da geh ich mit, die sind aber auch nicht ganz symptomatisch für die 80er (und der Film stellt ja auch einen bewussten Throwback dar, genau wie "Star Wars"), die halt eher (kultur-)imperialistisch zu verstehen sind und bei denen es häufig um indirekte Machtausübung geht. Man denke dabei an die Befreiung der Afghanen im dritten "Rambo", wo guter Imperialismus gegen bösen Imperialismus gewinnt."

Ich wollte nicht ausdrücken, dass kolonialistische Denkmuster in den 1980ern besonders typisch sind oder exponentiell hochkochen, sondern dass Hollywoods Vormachtstellung und Omnipräsenz für das internationale Kino in den 1980ern nachdrücklich betont wurde. Das könnte man in Analogie zur in Indiana Jones filmisch provozierten Rückschau des traditionsbeladenen und mythisch gewordenen Abenteuerhelden sehen, der sich traditionellen Feindbildern (Nazis und Kommunisten) selbstgerecht entledigt und Heiligtümer aus anderen Ländern findet und beanspruch. Also widerspreche ich dir hier auch nicht, mit deinem Resümee einer "indirekten Machtausübung" des Helden bzw. einer stellvertretenden Machtrepräsentation Hollywoods.

Dein Beispiel aus Rambo 3 lässt sich ebenfalls auch im zweiten Indy-Ableger "Tempel des Todes" in Indien finden. Indiana Jones zähmt die Wilden und befreit die Arbeiterkinder aus ihrer unfreiwilligen Knechtschaft. Insofern gebe ich dir mit den imperialistischen Ansprüchen der USA gegenüber anderen Ländern definitiv recht. Ohne Rambos Relevanz schmälern zu wollen: in der Gesamtbetrachtung glaube ich, dass es schwer zu definieren ist, welcher Film inwiefern hauptsächlichen Einfluss auf die Entwicklungen hatte. Kulturhistorisch gesehen lässt sich auf jeden Fall festhalten, dass aktionsbasierte Plots in den 1980ern Hochkonjunktur hatten und Filme sowie kulturelle Entwicklungen einmal mehr in einem Geflecht zueinander standen.

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Silencio : : Moviejones-Fan
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Nothing-is-Written:

"Das Thema hätte ich gern noch mal kulturhistorisch vertieft, wenn man die Filme symptomatisch für Hollywoods Vormachtstellung und der Genre-Korpusbildung des Körperkinos der 1980er Jahre begreift."

Naja, symptomatisch würde bedeuten, dass der Film irgendwie typisch für das Körperkino (wobei da ja auch umstritten ist, ob der Actionfilm überhaupt Körperkino ist, die drei klassischen Genres sind Porno, Melodram und Horror) der 80er sei, während das seine Ausprägung viel eher Stallone und den "Rocky"- und "Rambo"-Filmen schuldet.

Dass der Film kolonialistische Denkmuster aufgreift, da geh ich mit, die sind aber auch nicht ganz symptomatisch für die 80er (und der Film stellt ja auch einen bewussten Throwback dar, genau wie "Star Wars"), die halt eher (kultur-)imperialistisch zu verstehen sind und bei denen es häufig um indirekte Machtausübung geht. Man denke dabei an die Befreiung der Afghanen im dritten "Rambo", wo guter Imperialismus gegen bösen Imperialismus gewinnt.

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Nothing-is-Written : : Moviejones-Fan
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Eines muss ich noch zu der Doku loswerden: die fast schon kindliche Begeisterung des damaligen Publikums (jung wie alt) ist in Bezug auf die Wirkung der damaligen Kinowelt rührend anzusehen. Das gibt ein gutes Zeitzeugnis ab - vor allem vor dem Hintergrund des heutigen Überangebots und der damit verbundenen Übersättigung. Damals war diese Art Film ein waghalsiges Novum.

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@TiiN

Die habe ich auch angeschaut. Das sind viele schöne Anekdoten über die Reihe und ihre Referenzen enthalten. Auch filmgeschichtlich wird das Genre gut umrissen. Leider fehlten mir Fritz Langs Serial-Beiträge (etwa "Die Spinnen" von 1919/1920).

Quasi ist das "Indy in a nutshell" wenn man es beschreiben wollte. Arte liefert wirklich immer wieder qualitativ gute bis hochwertige Beiträge zu den Themen Kunst und (Pop-)Kultur smile

Edit: Das Thema hätte ich gern noch mal kulturhistorisch vertieft, wenn man die Filme symptomatisch für Hollywoods Vormachtstellung und der Genre-Korpusbildung des Körperkinos der 1980er Jahre begreift. Die Thematik des Schatzraubs als schwerwiegender Eingriff der kolonialen Bevormundung könnte als dessen regelhaft gewordener Ausdruck dieses Kinos verstanden werden.

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TiiN : : Goldkerlchen 2021
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Bei Arte gibt es eine sehr schöne Dokumentation über die Figur des Indiana Jones, die Enstehung des Films, die Zusammearbeit von Spielberg und Lucas, Einflüsse und Auswirkungen. Sie beinhaltet teilweise Archivmaterial wie Testaufnahmen mit Tom Selleck in der Hauptrolle.

Die 50 Minuten lohnen sich:

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