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Blond

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Künstlerischer Alptraum

Blond Kritik

Blond Kritik
3 Kommentare - 29.09.2022 von Moviejones
Wir haben uns "Blond" für euch angeschaut und verraten euch in unserer Kritik, ob sich dieser Film lohnt.
Blond

Bewertung: 2.5 / 5

Netflix hat den Film Blond mit Ana de Armas in der Hauptrolle veröffentlicht. Und schon im Vorfeld war klar, dass der Fokus vor allem auf der Leistung von Armas sowie dem Aufsehen erregenden NC-17-Rating liegen würde. Doch hat der Film sonst auch noch mehr zu bieten?

Blond Kritik

Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Joyce Carol Oate erzählt der Film vom Leben Marilyn Monroe (Ana de Armas) und ihrem Aufstieg zum gefeierten Weltstar. Doch der Ruhm hat auch Schattenseiten. Je berühmter Marilyn wird, desto mehr leidet die Person hinter der Kunstfigur, Norma Jeane.

Trailer zu Blond

Um ganz offen zu sein: Wir sind unsicher, was wir zu Blond schreiben sollen. Dazu muss einem zu Beginn vor allem eines klar sein: Dies ist kein Biopic. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Joyce Carol Oates, welcher zu großen Teil rein fiktional ist. Und damit stellt sich schon die erste Frage: Warum soll man sich einen Film über Marilyn Monroe ansehen, der zum großen Teil rein fiktional ist?

Das Zweite, was man wissen sollte: Dies ist kein Film über Marilyn Monroe, sondern vielmehr über die Person hinter der öffentlichen Maske, Norma Jeane.

Blond umfasst dabei das ganze Leben Monroes und beginnt in ihrer Kindheit, die wenig glücklich dargestellt wird und im Waisenhaus endet, trotz noch lebender Mutter. Ihr anschließender Werdegang zum Weltstar wird nur sporadisch gezeigt und kommt nur am Rande vor. Vielmehr konzentriert sich der Film auf die Opfer und den Horror, den Norma Jeane dabei durchmachen musste, angefangen mit einer Vergewaltigung durch einen Studio-Präsidenten, wodurch sie ihre erste Rolle erhielt.

Im Fokus von Blond steht dabei komplett Ana de Armas und ihrer Performance. Und das ist auch gut so, denn wenn es einen Grund gibt, sich diesen Film anzusehen, dann ist es Ana de Armas. Ihre Darstellung ist das Highlight und der große Pluspunkt des Films. Ihre Leistung steht komplett außer Frage und wird sie sicherlich auch zu einer wichtigen Person in der kommenden Award-Saison machen. Ob es für einen Oscar ausreicht? Schwer zu sagen. Ihre Chancen wären größer, wäre der Film besser gelungen.

Denn wirklich begeistert waren wir nicht. Vielleicht haben wir den Film nicht in der richtigen Stimmung gesehen, aber der komplette Stil hat uns nicht zugesagt. Blond wurde sehr künstlerisch gedreht, und für unseren Geschmack hat man es hier ein wenig übertrieben. Bilder in Farbe und Schwarz/Weiß wechseln sich genauso ständig ab, wie das Bildformat ständig zwischen Breitbild und 4:3 wechselt. Eine Logik dahinter konnten wir nicht klar erkennen.

Hinzu kommen so manche verschwommenen Bilder, Kameraeinstellungen im oder aus dem Körper heraus sowie weitere künstlerische Entscheidungen, die uns das Gefühl vermittelt haben, Regisseur Andrew Dominik wollte unbedingt ein Werk voller künstlerischer Ästhetik und Symbolik drehen und hat dafür einfach alles in den Film hineingeworfen. Dabei darf auch eine Fahrt mitten hinein ins unendliche Universum nicht fehlen. Oder Gespräche mit einem ungeborenen Fötus. Für uns war es einfach zu viel Kunst und zu wenig Film.

Man fragt sich, was der Film sein möchte. Ein Biopic über Marilyn Monroe ist es nicht. Vielmehr ein fast dreistündiger, unbequem wirkender Alptraum einer Frau, gefangen und ausgenutzt in einer von Männern dominierten Welt. Und der Film macht auch einen guten Job, einem dieses Gefühl mit all seinen verschiedenen Stilmitteln zu vermitteln. Auch als Zuschauer fühlt man sich verloren, verwirrt, wie in einem Fiebertraum und will nur noch, dass es endet. Es macht keinen Spaß, ihr Leiden, sowohl körperlich wie seelisch, mit anzusehen. Und das soll es auch nicht.

Doch mehr als das bietet der Film inhaltlich eben auch nicht. Und so versagt er unserer Meinung nach, ein Film über Marilyn Monroe zu sein. Es gibt zwar beispielsweise ein oder zwei Szenen, die durchaus zeigen, dass Monroe alles andere als ein dummes, naives Blondchen war. Doch abseits dieser wenigen Szenen wird sie zumeist dann doch genau so dargestellt. Dies dient dem Narrativ, sie als hilfloses Opfer dieser Gesellschaft darzustellen, aber der Mensch Monroe geht dadurch verloren. Wir lernen sie nie wirklich kennen. Und ja, auch das kann eine bewusste Entscheidung der Macher sein. Doch erneut stellen wir die Frage, warum sollen wir uns einen Film über Monroe ansehen, der nur wenig mit Monroe zu tun hat?

Kommen wir zu dem Punkt, der im Vorfeld so viel Aufsehen erregte. Denn Blond bekam in den USA das berüchtigte NC-17-Rating. Eine Einstufung, die nur wenige Filme bekommen, nicht selten vor allem Pornos. Dieses Rating steht dabei sogar noch über dem R-Rating. Der Unterschied: Beim R-Rating dürfen Menschen unter 18 Jahren mit Eltern den Film sehen. Bei einem NC-17-Rating nicht.

Bekommen hat Blond dieses Rating aufgrund der sexuellen Darstellungen, und hat so für einige Aufmerksamkeit gesorgt. Seien wir ehrlich: Einige werden genau deswegen neugierig auf den Film sein. Doch lohnt die Aufregung darum überhaupt?

Ja, es gibt Sexszenen. Ja, man sieht Ana de Armas mehrere Male vor allem obenrum nackt. Aber das Rating hat Blond kaum für diese Szenen bekommen, da bieten andere Filme oder Serien wesentlich Expliziteres.

Es geht hier wohl vor allem um eine ganz spezielle Szene, in der Marylin Monroe Oralverkehr verübt, und vor allem, wie die Szene gedreht wurde, nämlich per Nahaufnahme ihres Gesichts. Aufgrund der Kameraeinstellung, direkt auf ihr Gesicht gerichtet, ist der Zuschauer näher an ihr dran, näher an dem Horror, den sie durchleiden muss. Die Intention ist hier klar. Dennoch, man hätte die Szene auch anders darstellen und trotzdem den Horror vermitteln können. Es wirkt auf uns, als habe man dies absichtlich so gedreht, einfach nur, um das NC-17-Rating zu erhalten. Der Provokation willen. Geholfen hat es, denn im Vorfeld wurde teils mehr über das Rating als über den Film, die Geschichte oder gar die Leistung von Ana de Armas gesprochen.

Ein Wort zur Bewertung, denn die mag überraschen, wirkt diese doch höher als das, was wir hier beschrieben haben. Der Grund ist folgender: Allein die Leistung von Ana de Armas ist mindestens zwei Hüte wert. Und auch, wenn uns der übertrieben künstlerische Aspekt nicht gefallen hat, so gelingen einige tolle Bilder, die nicht unerwähnt sein sollen. Blond hat uns nicht gefallen, manche kreative Entscheidung können wir nicht nachvollziehen, eine Katastrophe war er jedoch nicht.

Ein großer Name, eine fantastische Performance und ein künstlerisch verpackter Alptraum erwarten euch, wenn ihr euch Blond anseht. Für einige mag dies genau das Richtige sein. Für uns hat der Film im Vorfeld mehr Aufhebens gemacht als er eigentlich wert ist. Am Ende bleibt eine Performance von Ana de Armas, die es wert ist, gesehen zu werden. Und ein Film, den wir schon bald hoffentlich vergessen haben.

Wiederschauwert: 25%

Blond Bewertung
Bewertung des Films
510

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3 Kommentare
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MobyDick : : Moviejones-Fan
04.10.2022 13:50 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 7.036 | Reviews: 213 | Hüte: 558

sehr seltsam, sind aber diesmal ziemlich deckungsgleich, ich werde wohl alt tongue-outshock

Dünyayi Kurtaran Adam
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Stahlking : : Moviejones-Fan
29.09.2022 08:21 Uhr
0
Dabei seit: 23.12.09 | Posts: 168 | Reviews: 0 | Hüte: 2

Wie sieht es denn mit der Kritik zu "Smile" aus? Kommt diese noch?

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Borschtel : : Moviejones-Fan
29.09.2022 08:14 Uhr
0
Dabei seit: 01.02.15 | Posts: 35 | Reviews: 0 | Hüte: 0

"Bilder in Farbe und Schwarz/Weiß wechseln sich genauso ständig ab, wie das Bildformat ständig zwischen Breitbild und 4:3 wechselt. Eine Logik dahinter konnten wir nicht klar erkennen." "Für uns war es einfach zu viel Kunst und zu wenig Film."

Danke @Moviejones für diese Einschätzung, ich dachte schon ich wäre der Einzige, dem es genauso geht.

Letztlich wurde sehr viel Hype im Vorfeld über diesen Film gemacht, mit dem nicht jeder wirklich etwas anzufangen weiß. Mich eingeschlossen. Es waren teils sehr qualvoll lange 160 Minuten ohne zu wissen, worauf der Film eigentlich hinaus will. Schade um de Armas, die eine wirklich großartige Performance hinlegt.

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