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Ein Fressen für die Geier

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Ein Fressen für die Geier Kritik

Ein Fressen für die Geier Kritik

Ein Fressen für die Geier Kritik
0 Kommentare - 26.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Ein Fressen für die Geier" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Mexiko im Jahr 1865: Der wortkarge Söldner Hogan (Clint Eastwood) wird beauftragt, eine französische Garnison einzunehmen. Auf dem Weg hört er die Schreie einer hilflosen Frau, die gerade von drei Männern bedrängt wird. Er eilt ihr zur Hilfe und die schreiende Nonne Sara (Shirley MacLaine) weicht von nun an ihrem Retter nicht mehr von der Seite. Überrascht muss Hogan feststellen, daß Sara ganz anders ist, als er sich eine Nonne vorgestellt hat und er hat recht, denn sie bewahrt ein Geheimnis.

Wenn man ein gewöhnlicher Schauspieler ist, dann ist die Verfilmung des amerikanischen Mythos immer nur ein weiterer Western. Wenn man Clint Eastwood oder Charles Bronson heißt, dann ist das ein wenig anders. Beide prägten auf ihre ganz unterschiedliche Art und Weise das Genre so sehr, daß sie auch – besonders im Falle von Eastwood – heute noch mindestens von popkultureller Bedeutung sind. Aber was will man auch machen, wenn man in Werken wie Zwei glorreiche Halunken (1966) oder Spiel mir das Lied vom Tod (1968) dabei war? Es geht nicht besser und kaum jemand, der sich nur ein bisschen mit Filmen auskennt, würde das Bezweifeln. Nun ist es also gut, daß man es auch gar nicht weiter versucht. Oder doch? Na ja, Don Siegel, der vor allem mit Dirty Harry (1971) den Polizeifilm prägte – im übrigen auch eine Art verkappter Neo-Western – veröffentliche zu Beginn des neuen Jahrzehnts mit Ein Fressen für die Geier einen weiteren Eastwood-Western. Dieser, daß muss man leidlich feststellen, verliert sich zwar vor allem in der zweiten Hälfte etwas. Da geht es dann um Kolonialherrschaft und einen großen Krieg. Das ist so ein wenig verwirrend, begann das Werk doch eigentlich mal ganz anders. Und man hat ohnehin das Gefühl, als habe sich Siegel da ein wenig verhoben, weil den schmerzhaften Traum jedes Büro-Athleten in Form eines verhobenen Hexenschusses inszeniert, der sich hier vor allem am Ende in wildem, sinn- und spaßlosem Geballer verliert.

Überdies ist Ein Fressen für die Geier ein durchaus interessantes Werk. Wenn etwa ein eiskalter Cowboy durch die Prärie reitet und eine junge Nonne vor einer Vergewaltigung durch notgeile Männer bewahrt, dann ist das zunächst wahres Heldentum. Aus dieser Zeit spiegelt sich natürlich auch der libertäre Geist, der die Figur von Eastwood Hogan antreibt. Denn Hogan ist am weltlichen Geschehen kaum interessiert. Zynisch betrachtet er die Menschen und auch die, die ermordet als beiläufige Begegnungen. Mit einem gewissen Blick zum selbstzerstörerischen Drang distanziert sich der einsame Reiter von allen anderen. Dabei baut Siegel hier ein Werk, daß seiner Zeit voraus war und unsere dem bedauernd hinterherblicken sollte. Denn was Ein Fressen für die Geier vor allem ist, ist eine Satire auf den Western und seine eigenen Klischees. Da verwundert es auch nicht, daß der Zynismus und Ennio Morricone gleich auch aus dem Italo-Western übernommen wurden. Ein Fressen für die Geier etabliert eine Nonne und einen Pragmatiker als eine Art Buddy-Komödie. Sie reitet auf einem Esel, der auf einem Pferd. Solche Szenen haben nicht nur doppelten Boden, sondern gleich dreifachen. Denn wenn eine Nonne auf einem Esel reitet, ist sie nicht nur langsamer und wesentlich kleiner als der Mann, es ist auch mitunter lustig, aber vor allem ist es eine Metapher. Denn welcher Christ ritt gleich nochmal auf einem Esel? Genau! Das ist schon bitter und lässt kein gutes Haar am Glauben selbst, der hier mit dem konfrontiert wird, was er scheinbar am allermeisten fürchtet.

Denn eine Nonne im Freudenhaus grenzt an Blasphemie. Wenn Sara davon berichtet, daß ihr Herz und ihr Körper Jesus gehören, dann gibt es wohl kaum jemand besseren als Clint Eastwood der mit einem irritiert aggressiven Blick neben einem stehen könnte. Siegel weiß hier ganz genau wie er die Qualitäten seines Darstellers gekonnt in Szene setzt, sodass Bilder über Jahrhunderte entstehen. Natürlich darf man auch nicht viel mehr von jemandem wie Eastwood erwarten, der in seinem Spiel hier doch deutlich limitierter ist, als er vielleicht sein wollte. Denn außer grimmigen Blicken gibt das nichts. Aber auch das passt zum Film, der wie gesagt auch eher als eine Satire, denn als ernstgemeinter Film anmutet. Da ist es auch egal, daß der Film mit dutzenden Anachronismen aufwartet, die so eben normalerweise der Glaubwürdigkeit eines Films schaden würden. Nun zeichnet der Film natürlich auch moderne Fragen ab. Generell spielt der Kolonialismus ja immer wieder mal eine Rolle in modernen Debatten. Den Zusammenhang zwischen Ausgangslager und Krieg zwischen unterdrückten Mexikanern durch übermächtige Franzosen kann Ein Fressen für die Geier zwar nicht gänzlich erklären, ist aber an sich eine wichtige und gute Aufarbeitung. Und dann schöpft Siegel hier aus dem Vollen und wird mit Maschinengewehren geschossen, alles zerstört und Menschen sterben ohne Ende. Sowas hatte man nun eigentlich nicht erwartet und ist mitunter zumindest in einigen Momenten auch etwas zäh.

Dennoch tut das dem Gesamtgefühl vom Werk kaum einen Abbruch. Das liegt auch nicht zuletzt daran, daß das Gespann aus Eastwood und MacLaine durchaus überzeugend daherkommt. Und dazu gesellen sich Dialoge, die nur noch umso mehr unterstreichen, daß man hier eindeutig keinen ernstgemeinten Film vorliegen hat. Es ist trocken, wie Eastwood Charakter hier zwar kaum trocken zu legen ist. Doch das passt und es alles dermaßen ironisiert, daß man hin und wieder wirklich applaudieren möchte.

Ein Fressen für die Geier läutet mit einem recht zähen Nachgang ein, ist aber über den Großteil der Geschichte ein recht mundendes Werk Filmkunst geworden. Zynisch, ironisiert und unterhaltsam schlagen sich Nonne und Anti-Held durch die Wüste. Das kann mitunter Sauer aufstoßen, ist aber herrlich bebildert und inszeniert.

Ein Fressen für die Geier Bewertung
Bewertung des Films
710

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