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Lady Bird

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Lady Bird Kritik

Lady Bird Kritik

Lady Bird Kritik
0 Kommentare - 14.05.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Lady Bird" ist.
Lady Bird

Bewertung: 4 / 5

Christine McPherson (Saoirse Ronan) wächst unter den strengen Augen ihrer konservativ katholischen Mutter Marion (Laurie Metcalf) auf. Christine ist angeödet vom Leben in Sacramento und träumt davon ein College an der wesentlich intellektuelleren und künstlerischen Gegend der Ostküste zu besuchen. Die junge Frau, die sich von allen nur Lady Bird nennen lässt, verbringt ihre Zeit mit ihrer besten Freundin Julie (Beanie Feldstein) und lernt zudem zwei junge Männer kennen, zu denen sie sich hingezogen fühlt. Den wohlhabenden Danny (Lucas Hedges) und den stürmischen Kyle (Timothée Chalamet).

Als sich die amerikanische Presse seiner Zeit Lady Bird annahm, sprach man hier von dem nächsten großen Wurf. Einem Film also, der wachrüttelt, weil er die Wahrheit skizziert und in weiten Strecken unbequem ist. Es ist vielleicht anmaßend so etwas zu behaupten und dennoch fühlt man sich gerade den Vereinigten Staaten doch sehr oft überlegen, weil strukturelle Diskriminierung, antiquierte Weltanschauungen und systemischer Umgang, sowie ein unglaublich breites Spektrum an Vaterlandsliebe und brechen von Völkerrechten so zu den Amerikanern gehören, wie die Bürokratie zu Deutschland. Während Musiker wie Pitbull oder Jason Derulo mit dem ständigen Berichten von exzessiven Nächten mit Frauen und Alkohol im prüden Amerika tatsächlich einen Tabubruch begehen, ist das nach deutschen, wie auch weiteren Standards innerhalb von Europa kein Tabubruch mehr. Diese Tatsache trifft dabei auch auf Lady Bird zu. Das große Problem, was der Film hat, ist tatsächlich eines, was sich auf die Lebenswelt vieler Menschen nicht anwenden lässt, so berichtet der Film von amerikanischen Kleinstadtproblemen einer Familie, die versucht sich über Wasser zu halten. Es ist tatsächlich eine Dekonstruktion des amerikanischen Traumes, wie offengelegt wird, daß nur diejenigen eine Chance haben, die auch das nötige Kleingeld haben. Und so versucht die Familie von Christine ihrer Tochter durchaus vieles zu ermöglichen, dennoch ist es nicht möglich, weil das Geld einfach nicht da ist.

Trailer zu Lady Bird

Wenn man den Kapitalismus tatsächlich als antagonistische Kraft begreift – was er nicht eindeutig ist – dann ist die Personifizierung dessen eine manipulative, weil sie eben jene Menschen gegeneinander aufstachelt, die eigentlich zusammenstehen sollten. Das mag pathetisch klingen, doch auch dieser Film zeigt auf, wie Konflikte eben dann entstehen, wenn die finanzielle Zukunft und das ständige Vergleichen mit Mitmenschen dazu führen, daß das familiäre Kollektiv unglücklich wird. Dabei ist der Film abermals ziemlich ehrlich, denn er sucht seine Konflikte eben in den Parteien, die eigentlich die gleiche Vorstellung haben. Natürlich wird das anders ausgedrückt und so muss Christine „Lady Bird“ McPherson ihrer Mutter erklären, warum sie sich gegen ihren Lebensstil entscheidet. Doch diese Diskussion bleibt aus, weil keine der beiden Figuren genau versteht, was das eigentliche Problem ist. So berichtet Christine von Träumen und dem Drang nach Leben, während Marion vom Erhalt und dem Klammern an das Hab und Gut berichtet. Da steckt natürlich die Angst drin, einander zu verlieren. Und dennoch ist es gerade die Verantwortung, die hier das größte Problem für beide Figuren bietet, weil eben auch niemand der beiden sich sein Leben so vorgestellt hat, aber Marion dennoch ihre Tochter schützen will.

Doch Lady Bird träumt von Kunst und von Wahrhaftigkeit. Sie träumt von Selbstverwirklichung und all den Dingen, die das Leben ausmachen. Von Liebe, von Freiheit, von Bedeutung, von Erkenntnis, von zwanglosem Dasein eben. Und genau deshalb versucht sie sich an Universitäten zu bewerben, um ihren ganz eigenen Sinn zu finden. Ohnehin scheint sie überhaupt auch nicht in das stockkonservative Sacramento hineinzupassen, wenn sie einen Vortrag zum Thema Abtreibung unterbricht, oder auch die katholische Highschool, auf die sie geht, vermeintlich blamiert. Es ist erstaunlich, wie ehrlich Greta Gerwig auch in dem Benennen von Problemen des liberalen Amerikas ist. Dabei ist es sicherlich nicht verwunderlich, daß rechtskonservative Geister hier nicht viel zu suchen haben. Doch gleichsam eben auch die Werte der demokratischen Partei als ungenügend und pseudonahbar zu entlarven ist sehr mutig. Natürlich steht Lady Birds mentaler Zustand dem auch so ein wenig entgegen, weil der Film ihren Freigeist auch mit einer lethargischen Ermüdung von Sacramento untermauert. Dabei könnte der Film schnell an Kraft verlieren, wenn er dies zum Kern der Handlung machte, dadurch daß der Film aber eben weiß seine Hauptfigur clever zu schreiben, ist dem nicht so und es führt sogar eher noch dazu, daß man ein Verständnis für sie entwickelt und auch ihre Taten durchaus sinnig erscheinen.

Klar wirken die Ausschnitte aus dem Leben von Lady Bird im Zuge der Adoleszenz erstmal unglaublich stereotyp. So etwa, wenn es um grundsätzlichen die Konflikte, die sexuellen Erfahrungen, wie auch die aufmüpfigen Kommentare geht. Auf der anderen Seite will sich die Figur nicht in weitere Stigmata reinpressen lassen und so geht sie ihren eigenen Weg, der dann wiederum recht originell ist und zum Ende hin auch keiner anpassenden Kehrtwende unterliegt. Dabei zeigt sich, daß die Optik Lady Birds auch nicht nur stereotyper Figurenzeichnung unterliegt, sondern es viel mehr um ihre Ideologien geht. Ein Stigma, daß mit dem erklärtem Hipstertum an Präsenz gewonnen hat und sich oftmals auch im linken Spektrum tummelt, ohne jene Gedanken zu leben, sind diese Sorte Mensch, die ihre vermeintlich rebellische Attitüde optisch leben, in der ein oder anderen Nacht manifestieren und sich dennoch grundsätzlich einer Anpassung unterwerfen. Das wird hier vor allem eindrucksvoll am Halbruder von Lady Bird gezeichnet. Doch die Hauptfigur will sich eben nicht in etwas pressen lassen, was sie nicht ist und die größte Stärke vom Film liegt darin, daß auch nicht zu tun.

Zudem ist auch der Umgang mit einer katholischen Hochschule als Ort der Festigung des Charakters offenbarend simpel. Wirkliches Hinterfragen und kritisieren altbackener Strukturen ist hier nicht erwünscht, was auch einen großen Charme des Humors nach sich zieht. Die Charaktere wirken dabei entlarvt, wenn sie auf das wirklich linke, intellektuelle Wesen von Lady Bird treffen. Die Arbeiterklasse, sofern man sie so nennen mag, entscheidet entgegen der eigenen Interessen und das scheint einer der Gründe zu sein, warum sie in Gerwigs Werk nicht gut wegkommen. Dabei gelingt es aber auch, daß nicht als bloße Arroganz verkommen zu lassen, sondern als reelles Problem, daß durch die Legislaturperiode zum Ende der 2010er Jahre besonders im modernen Amerika bestätigt wurde.

Als bloßer Coming of Age-Film ist Lady Bird keine Offenbarung. Viel zu klischiert sind die prägenden Momente einer Adoleszenzphase hier gewählt. Dann wiederum ist der Film doch so unglaublich ehrlich und intelligent, indem er die Lösungen einzelner Probleme eben nicht banalisiert. Die Zeichnung der sogenannten Untersicht wird hier drastisch und direkt dargestellt, während Träume im Konflikt mit Verantwortung stehen. Schauspielerisch glänzen Laurie Metcalf und Saoirse Ronan in ihren Rollen.

Lady Bird Bewertung
Bewertung des Films
810

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