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Maria Stuart, Königin von Schottland

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Maria Stuart, Königin von Schottland Kritik

Maria Stuart, Königin von Schottland Kritik
1 Kommentar - 13.01.2019 von Moviejones
Wir haben uns "Maria Stuart, Königin von Schottland" für euch angeschaut und verraten euch in unserer Kritik, ob sich dieser Film lohnt.
Maria Stuart, Königin von Schottland

Bewertung: 3 / 5

Bedauerlich, aber Regisseurin Josie Rourke war es wichtiger, persönliche Präferenzen im Film unterzubringen, als die ohnehin schon spannende Realität angemessen zu verfilmen. Maria Stuart, Königin von Schottland ist ein weiterer Versuch, das nervenaufreibende Leben der schottischen Königin und ihrer englischen Widersacherin einzufangen, scheitert aber teilweise an seinem Wollen.

Maria Stuart, Königin von Schottland Kritik

Im Jahr 1561 kehrt die junge Witwe Maria Stuart (Saoirse Ronan) aus Frankreich in ihre Heimat Schottland zurück und fordert den Thron. Von einem eigensinnigen und dominanten Wesen geprägt, versucht sie sich sowohl gegenüber alteingesessenen schottischen Adeligen als auch ihrer mächtigen Cousine, der englischen Königin Elisabeth I. (Margot Robbie), zu behaupten. Maria, sich als Urenkelin Heinrichs VII. des Thronanspruchs in England bewusst, macht keinen Hehl aus ihrer Position, auch wenn sie eine friedliche Koexistenz neben Elisabeth betont. Zu Beginn im Geiste vereint, spürt die protestantische Elisabeth jedoch mehr und mehr die drohende Gefahr aus dem Norden, die von ihrer katholischen Nebenbuhlerin ausgeht und die zwar nicht von allen, dennoch vielen englischen Katholiken als wahre Thronfolgerin angesehen wird...

Trailer zu Maria Stuart, Königin von Schottland

Maria Stuart, Königin von Schottland erzählt in 125 Minuten die bewegende Zeit zwischen 1561 und 1587, als Maria Stuart wieder schottischen Boden betrat und damit eine direkte Gefahr für die amtierende englische Königin Elisabeth I. wurde. Wie zu erwarten düster, folgt Regisseurin Josie Rourke ihrem Ziel, ein bildgewaltiges Drama über das Miteinander dieser beiden mächtigen Frauen zu drehen und zeigt leider viel zu deutlich, dass ihr als Theaterkennerin so einiges an Finesse fehlt, diesen Film auch über die erhabene schauspielerische Leistung ihrer beiden Hauptdarstellerinnen hinaus zu einem Erfolg zu verhelfen.

Man spürt ihre Kenntnis, Stücke auf die Bühne zu bringen und der bisherige Erfolg gibt ihr in diesem Bereich recht. Jedoch ist das mangelnde Bewusstsein, einen Film zu drehen, überdeutlich und sticht spätestens in der Szene im "Gardinenschuppen" ins Auge. Maria und Elisabeth, die sich im wahren Leben nie trafen, wird wie schon in früheren Werken (wie Friedrich Schillers Drama "Maria Stuart" oder "Maria Stuart, Königin von Schottland" aus dem Jahr 1971) ein Treffen angedichtet, auch wenn die Inszenierung bei Rourke indirekt verdeutlicht, dass mehr der Wunsch Vater des Gedanken war. In vielen Szenen spürt man diese sehr theatralische Vorgehensweise, die andererseits auch schöne Momente produziert.

Die Geschichte hangelt sich an bestimmten Ereignissen entlang, ist aber nicht total akkurat, was aus dramaturgischer Sicht Sinn macht. Wenn aber bereits die Historie selbst so viel spannendes Potential hergibt, dann sind solche sphärische Interpretation und Künstlichkeit nicht vonnöten. Manche Szenen wirken mitunter wie direkt von der Bühne gesprungen, wobei sich der Film einen Gefallen getan hätte, würde mehr Wert auf Echtheit gelegt werden - dazu später noch etwas mehr. Viele Eckpunkte sind stimmig, wie die Ehe mit Darnley, das Schicksal Rizzios oder Marias Hinrichtung, aber selbst die ist überliefert und hätte aufgrund der bekannten Details deutlich bedrückender ausfallen können.

Mitnichten wäre ein Blutbad nötig, doch es ist bekannt, was beim Köpfen geschah und so wie Braveheart aufgrund der Vorstellung im Kopf des Zuschauers einst eine ungemein ergreifende (wenn auch historisch inkorrekte) Szene schuf, wird hier auf diese Möglichkeit nahezu komplett verzichtet. Oder ist das zu erwarten eher weibliche Publikum zu sensibel? Ohne beide Charaktere miteinander zu vergleichen, ist Maria, was Sympathiepunkte angeht, eher schwach auf der Brust, die sehr herrisch sein konnte und deren Charakter so manche Reaktion auf so manche schlechte Entscheidung regelrecht erzwang. Und so hätte der Film am Ende mehr Zuneigung schaffen können, die er nur aufgrund der Tatsache, eine toughe Frau zu porträtieren, die offenbar einfach Pech hatte, ziehen will.

Einer der sehr positiven Punkte von Maria Stuart, Königin von Schottland sind hingegen die schauspielerischen Leistungen von Saoirse Ronan und Margot Robbie. Mehr Königlichkeit ist fast nicht möglich und wo die eine bewusst natürlich, fast unschuldig inszeniert wird (Ronan), legt Robbie in ihre sehr auffällige Rolle, wie schon die echte Elisabeth I., sehr viel Exzentrik. Die sehr attraktive Schauspielerin beweist einmal mehr den Mut zum Hässlichsein und schafft es wie die Monarchin einst, trotz Schicksalsschlägen (Pockennarben) und aus heutiger Sicht grotesker Schönheitsrituale eine selbstbewusste Frau zu porträtieren.

Josie Rourke nimmt die Geschichte jedoch nur als Vehikel, um Themen unserer Zeit zu transportieren. Das ist legitim, wird hier aber in mehreren Dialogen regelrecht mit dem Kantholz vermittelt. Was haben wir da? Starke Frauen in Führungsrollen (check), die unfairerweise (check) angefeindet werden und sich inmitten einer dominanten Männerherrschaft (check) behaupten müssen. Soweit so real. Soweit so dankbar, um sich für Gleichberechtigung stark zu machen. Dennoch ist die gewollte Künstlichkeit in jeder Faser spürbar und wird noch getoppt von der Besetzung mit schwarzen Darstellern, um nur ein Beispiel zu nennen.

Um es ganz deutlich zu machen: Es ist uns absolut egal, welche Hautfarbe oder Herkunft jemand hat, solange er oder sie schauspielern kann und zur Rolle passt. Wenn aber ein historisches Drama verfilmt wird, ob nun absolut akkurat oder mit freien Untertönen, dann sollte man dennoch vielleicht nicht just in diesem Moment die Welt verändern wollen. Für Rourke war es ein Anliegen, "farbblind" zu casten, damit auch "Schwarze endlich eine Chance haben, in solchen Porträts und Filmen eine Rolle zu spielen". Schwarze am englischen oder schottischen Königshof im 16. Jahrhundert? So wie sich der Film an vielen Stellen inszeniert, wird damit nur eine haarsträubende historische Ungenauigkeit erschaffen.

Es geht hier mitnichten um die persönliche knallige Version und überspitze Darstellung eines Regie führenden Andy Warhol, sondern um einen vordergründig als ziemlich echt angepriesenen Film. Wieso wird auf der einen Seite bei den Königinnen viel Wert auf Detailgenauigkeit gelegt, werden echte historische Momente eingeflochten, um den Lebensweg der beiden zu zeigen, wenn an anderer Stelle dermaßen widersprüchlich vorgegangen wird? Es mag sein, dass dies am Theater gängig ist, wir persönlich bewerten so ein Casting als diskriminierend. "Blackfacing" und "White Washing" werden kritisiert und Märchen wie Aladdin sollten bis in die kleinste Nebenrolle ethnisch korrekt besetzt sein - doch wie selbstverständlich wird eine historische Persönlichkeit wie Thomas Randolph, Berater am englischen Königshof, von gespielt und erhält das Etikett künstlerische Freiheit.

So empathisch der Gedanke ist, so wichtig ist auch die Erkenntnis, dass nicht jede sich bietende Gelegenheit ein Anlass ist. Wir haben keine staubtrockene Verfilmung erwartet und die ist Maria Stuart, Königin von Schottland auch nicht geworden, aber so manche Entscheidung tut dem Film nicht gut - anstatt zwischen theatralisch-ernst und absurd-gewollt zu pendeln, hätte man sich eben kein Beispiel an Maria Stuart nehmen sollen, die ebenso gerne mit dem Kopf durch die Wand wollte.

Maria Stuart, Königin von Schottland Bewertung
Bewertung des Films
610
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13.01.2019 00:54 Uhr
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Dabei seit: 29.08.09 | Posts: 10.170 | Reviews: 30 | Hüte: 446

Mit "Outlaw King" und "Maria Stuart" wurden endlich mal wieder Filme zur schottischen Geschichte gedreht. Auf beide habe ich mich zwar gefreut, komischerweise aber auch irgendwie im Gefühl gehabt, dass es nichts Halbes und nichts Ganzes wird. "Outlaw King" war für mich anschaubar, aber weit weg von einem packenden Geschichts-Drama. Wenn ich nun bezüglich "Maria Stuart" in der MJ Kritik mehrmals "Theater" lese, rollen sich mir schon die Fußnägel hoch. Wenn ich Theater sehen wollen würde, würde ich selbiges besuchen. Der Rest der Kritik lässt leider auch nicht viel Besseres erhoffen. Zwar gehe ich mitnichten immer mit den MJ Kritiken konform, jedoch werden hier Aspekte beschrieben, die ich sehr wahrscheinlich ähnlich empfinden werde. Schade.

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