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New York, New York

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New York, New York Kritik

New York, New York Kritik

New York, New York Kritik
0 Kommentare - 17.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "New York, New York" ist.

Bewertung: 3 / 5

Am V-Day trifft der selbstsüchtige Jimmy (Robert De Niro) auf die Lounge-Sängerin Francine (Liza Minnelli). Die Beiden verlieben sich und gehen eine Beziehung ein. Doch schon bald wird ihre Liebe durch ihre Karrierepläne durchkreuzt und sorgt für Probleme.

Martin Scorsese ist wohl das letzte Urgestein New Hollywoods, das in regelmäßigen Abständen noch Filme bringt, die man zumindest gut nennen kann. Ob Shutter Island (2010), den grandiosen The Wolf of Wall Street (2013), seine Abrechnung über die amerikanischen Pilgerväter in Killers of the Flower Moon (2023). Der Italoamerikaner weiß noch immer zu schockieren, wie zu unterhalten und sich zu politischen Themen zu äußern. Nun sind nicht all seine Werke explizit politisch und dennoch findet man die Handschrift des Künstlers in der Regel am ehesten in Filmen wie GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia (1990) oder Casino (1995), eben jenen Filmen, die den amerikanischen Traum dekonstruieren und das Böse, das Schreckhafte und das eindeutig moralisch ambivalente in den Mittelpunkt rücken. Doch ist nicht jeder Film von Scorsese auch gleich als ein Film von ihm zu erkennen. Man erinnere sich nur mal an Hugo Cabret (2011) oder eben den Musical-Film New York, New York. In jenem Film berichtet Scorsese vom von der Glanzzeit des amerikanischen Broadways, eine Hommage sozusagen an die Kunst und vor allem die Musik. Nun sind solche Filme, die immer als Liebeserklärungen gedacht waren, auch abseits dessen nicht viel mehr. Davon sind leider auch die begabtesten Regisseure nicht befreit. Man erinnere sich nur einmal an Once Upon a Time in Hollywood (2019). Und New York, New York will zwischen den Zeilen, wohl mehr sagen, als er es letzten Endes tut.

Es ist die Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, die Japaner haben kapituliert und die Menschen fallen sich besonders in den von Tyrannei befreiten Ländern in die Arme. Davon abgesehen suchen sie neue Aufgaben, Dinge, die so tun können. So auch der Musiker Jimmy Doyle. Nun ist klar, daß hier auch so ein wenig die Geburt des Kapitalismus verarbeitet wird. Euphorisch von den Möglichkeiten übermannt, beobachtet der Zuschauer Doyle und die junge Sängerin Francine Evans, die sich natürlich auch in klassischer Hollywood- und vor allem Musical-Manier ineinander verlieben werden. Dann sind sie letzten Endes nur noch getriebene, die vom großen Erfolg hoffen, der sich sicherlich irgendwann auch noch einstellen wird. Zwischen den Zeilen aber verarbeitet Scorsese das Bild von Glanz und Ruhm und vor allem von der ewigen Liebe, indem er die Beziehung der beiden als zunehmend toxisch und zerstörerisch beschreibt. Hier muss man sagen trifft der Film schon einen Kern. Man weiß aber nie so richtig, welcher Kern das ist. Ist es nur die Dekonstruktion klassischer Beziehungsmodelle? Ist es der Erfolg, der ihnen zu Kopf steigt? Ist es der Kapitalismus, der es ihnen unmöglich macht auf Dauer zusammenzubleiben? Sind sie nie füreinander geschaffen gewesen? Ist es die Kunst überhaupt wert? Die Frage ist, was eigentlich genau die Frage sein soll im Film. Denn New York, New York sagt durchaus vieles, doch nie einen vollen Satz. Das erinnert in seinen Kernmomenten sogar sehr stark an Whiplash (2014), ohne dabei dessen plakative Inszenierung zu übernehmen.

Tatsächlich aber ist das Hauptproblem hier, daß Scorsese nicht weiß, wie er die Spannung beim Zuschauer aufrechterhalten soll. Gefühlt passiert eine lange Zeit gar nichts und am Ende kann man nur beobachten, daß die Liebe am Kapitalismus kaputtgegangen ist. Nun ist das aber nicht mal annähernd so radikal und gewagt, wie der Künstler es zum Beispiel mit Werken wie Taxi Driver (1975) oder The King of Comedy (1982) zu inszenieren wusste. Und das liegt eben auch daran, daß Scorseses Film nicht genau weiß, was er eigentlich will. Will der Film Hommage sein an vergangene Tage, oder will er diese Welt verteufeln? Daß beides Zusammen nicht geht, durfte auch Quentin Tarantino in Once Upon a Time in Hollywood (2019) einige Jahre später erfahren. Und ja, diesem Film ähnelt New York, New York in der Hinsicht ziemlich stark. Nun ist es aber bei weitem auch kein grauenhafter Film. Das muss schon gesagt sein. New York, New York kann mitunter schon unterhalten und ist vielleicht eine unfreiwillig oder bewusst komische Romanze. Ähnlich wie moderne Filme langsam aber sicher immer mehr toxische Beziehungen in den Vordergrund rücken, erweist sich das Gespann um Fancine und vor allem Jimmy als zum Scheitern verurteilt. Das liegt unter anderem auch daran, daß die Figur letzten Endes als Stalker fungiert und Francine hier gar keinen Freiraum mehr lässt.

Daß in einem solchen Film dann munter zitiert wird, dürfte sicherlich kein Wunder sein. Von Du sollst mein Glücksstern sein (1952) über andere Werke vergangener Tage, ist einiges an Zitaten auf die große Filmwelt der 1950er und 1960er Jahre zu finden. Ob man dann noch von einer Parodie auf das Genre berichten kann, darf stark angezweifelt werden. Auch ansonsten kann man sagen, daß Scorsese hier teilweise mit spektakulären Bildern aufwarten kann. Das ist an sich also ein gut gemachtes Produkt. Nur eben inhaltlich etwas mau und seltsam paradox ausgefallen.

Die großen Tage sind vorbei. Schade oder großartig sagt New York, New York. Es ist ein Film, der viele Themen vereint und mitunter rein solide daherkommt. Doch gerade, weil das Skript so konfus ist, kann der Film nie die volle Kraft entfalten, die er vielleicht gehabt hat. Das ist eben sehr schade.

New York, New York Bewertung
Bewertung des Films
610

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