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Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens

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Filmhistorischer Quervergleich

Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens Kritik

Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens Kritik
3 Kommentare - 25.06.2018 von MobyDick
In dieser Userkritik verrät euch MobyDick, wie gut "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" ist.

Bewertung: 4.5 / 5

Als Bram Stoker seinen Roman Dracula schrieb, konnte er nicht ahnen, wie oft sein Werk verfilmt werden würde (ganz zu schweigen davon, dass er gar nicht gewusst hätte, was ein Film denn so ist), und was der Name Dracula in der Popkultur alles bedeuten sollte.

Im Nachfolgenden werde ich die wichtigsten Verfilmungen besprechen und miteinander in Quervergleich setzen, sowie ihre Bedeutung für die jeweilige Ära anreissen.

Die Handlung:

Dies jetzt nur rudimentär, da zwar alle Filme grundsätzlich mehr oder minder dieselbe Handlung haben sollten, aber sich vor allem mit den neueren Verfilmungen auch immer größere Veränderungen zum Originaltext wiederfinden.

Ein Vampirfürst reisst aus Osteuropa in eine moderne Grossstadt, findet dort neue Opfer, will sich an einer holden Unschuld vergehen, was letztlich zu seinem Verderben führt.

Die Verfilmungen:

1. Nosferatu (1922)

Dieser Film ist eine inoffizielle Buchadaption des Romans von Stoker. Regie führt Murnau und den Grafen Orlok (richtig: Nicht Dracula) spielt Max Schreck. Da es sich hierbei noch um einen Stummfilm handelt, der während der Weimarer Zeit gedreht wurde, ist ziemlich deutlich die expressionistische Handschrift des deutschen Kinos jener Tage zu erkennen. Auch sonst hat der Film eine extrem düstere und überragende Athmosphäre. Natürlich bleibt es nicht aus, dass die Handlung abgeändert werden muss, da es sich ja um keine erlaubte Verfilmung des Stoffes handelt. Dennoch, im Grunde genommen handelt es sich um eine ziemlich akkurate Verfilmung, mit einem Ende, das sich allerdings sehr stark vom Roman unterscheidet. Das liegt allerdings auch daran, dass der Charakter Orlak sehr stark gezeichnet ist und er nur durch eigene Verschuldung (in diesem Fall Wollust) besiegt werden kann. Im Grunde genommen legt diese Verfilmung die Latte für künftige Verfilmungen exorbitant hoch an.

Punkte: Damals wahrscheinlich 9 Punkte, aus heutiger Sicht vielleicht 6 Punkte, filmhistorisch betrtachtet 9 Punkte

2. Dracula (1931)

So schwer es evtl. anfangs zu glauben ist, so wahr ist es doch dann auch. Zwischen dem Murnau-Klassiker und diesem Film liegen gerade einmal 9 Jahre! Und in diesen 9 Jahren hat der Tonfilm Einzug gehalten. Bam! Und was für ein Bam! Regie führt der Großmeister des klassischen Monsterverse Ted Browning, und Bela Lugosi gibt den Grafen Dracula. Es handelt sich also um eine offizielle Verfilmung. Und das tut dem Endergebnis sichtlich gut. Im Prinzip hält sich diese Verfilmung recht nah an das Buch, lediglich der Charakter, der in die Karpaten reist, ist ein anderer, was die gesamte Dynamik der Geschichte zwar ein bißchen verschiebt, aber was meines Erachtens auch eine der großen Schwächen der Buchvorlgae eigentlich kongenial einfach verhindert. Die Stimmung ist in edlem und erlesenen Schwarz-Weiß gehalten und die Athmosphäre ist zum Schneiden dicht. Die Länge der Verfilmung ist mit knapp 70 Minuten für einen so frühen Tonfilm erstaunlich lang, doch kurz genug, dass Elemente aus den Roman einfach mal weggelassen werden können. Auch das Ende weicht stark vom Roman ab, aber das ist völlig ok im gegebenen Rahmen und ist sehr gut gelungen. Bela Lugosi spielt hier die Rolle seines Lebens, und leider wird er künftig so in dieser Rolle gefangen sein, dass es fast zu schade um ihn ist. Aber hier in diesem Film ist alles Top.

Punkte: Damals vielleicht 9 Punkte, aus heutiger Sicht immer noch sehr gut 9 Punkte, filmhistorisch betrachtet 9-10 Punkte

3. Dracula (1958)

Der Dracula Film aus den Londoner Hammer-Studios mit dem legendären Christopher Lee in der blutrünstigen Rolle des Grafen. Dies ist im Unterschied zu den vorherigen Verfilmungen auch noch ein Farbfilm, was besonders in seiner intensiven Nutzung der Farbe rot seinen Widerhall findet. Im Prinzip sind die Hammer Dracula Filme in dieser speziellen Konstellation auch als Vorläufer des Italienischen Giallo anzusehen. Diese Dracula Verfilmung schert sich einen feuchten Kehricht um eine akurate Buchverfilmung, hier wird einfach ein grotesk übersteigerter Bösewicht aufgebaut, vor dem das Publikum Angst haben soll. Punkt. Die gesamte Handlung ist auf Action ausgelegt (für damalige Verhältnisse versteht sich) und nur das Grundgerüst erinnert entfernt an Stoker. Dennoch, Lees Performance ist ikonografisch und am Puls der Zeit. Für viele ist er der Dracula Darsteller schlechthin, aber der Film ist eher ein Blockbuster im modernen Sinne denn eine akurate Gothic-Schauer-Mär-Verfilmung.

Punkte: Damals vielleicht 9 Punkte, aus heutiger Sicht: sicherlich 7 Punkte, filmhistorisch: Wahrscheinlich so um 8 Punkte

4. Nosferatu (1979)

Oh ja, der Klaus Kinski-Nosferatu von Werner Herzog! Dies ist schon ein merkwürdiges kleines Filmchen. Als Nosferatu 1922 in die KInos kam, war er zur Hochzeit des Expressionismus, als Deutschland weltweit den Filmtakt vorgab, in der Zwischenzeit ist es ziemlich tot um den deutschen Film geworden, und erst in den 1970ern mit solchen Namen wie Fassbinder oder eben Herzog wird in einem neuen nüchternen Ton international Furore gemacht. Und in diese Phase fällt nun auch der 1979er Nosferatu, der sich augenscheinlioch sehr stark am 1922er Original abarbeitet, aber dennoch immer wieder neue Wege geht. Ähnlich wie in der 1922er Version ist dieser Vampir deutlich mächtiger, und die Geschichte verläuft auch in sehr ähnlichen Wegen. Nur am Ende gelingt es Herzog dennoch einen äußerst bitteren und pessimistischen Kommentar abzulassen. Was zu Klaus Kinski zu sagen erübrigt sich eigentlich, da er wirklich so wirkt, als würde er jeden Augenblick tatsächlich dem Wahnsinn Anheim fallen. Dennoch, dieser Film ist qualittaiv im Vergleich leider ein Abfall gegenüber den vorgenannten Filmen und lediglich den Komplettisten zu empfehlen. Wie gesagt schlecht ist der Film nie und besonders sein Ende sticht besonders hervor.

Punkte: Damals: 6 Punkte, aus heutiger Sicht: vielleicht 6 Punkte, filmhistorisch: höchstens 5 Punkte, aber eigentlich nicht wirklich von Bedeutung

5. Dracula (und schon wieder 1979)

Wenn man in den USA nach den besten Dracula Verfilmungen fragt, taucht komischerweise diese Verfilmung aus 1979 immer wieder auf. Also dann, was ist an diesem Film denn nun dran? Auf dem Papier haben wir mit John Badham einen Topregisseur von damals hinter der Kamera und mit Frank Langella einen Darsteller, der zumindest darstellerisch was auf dem Kasten haben sollte. Aber ähnlich der Hammer Verfilmung kehrt auch diese Verfilmung sich relativ wenig um Roman-Nähe. Die meisten Figuren sind tatsächlich vorhanden, aber teilweise in komplett anderer Konstellation, ganze Handlungsstränge sind verkürzt oder verändert. Und das Ende ist auch wieder stärker am Hammer-Film als am Original dran. Dies ist jedoch auch der Tatsache geschuldet, dass jede Generation andere Sehgewohnheiten hat. Und Langella? Nun ja, sagen wir es so, es gibt deutlich schlechtere Dracula Darsteller in der langen Riege der Dracula Darsteller, aber hier liegt er eigentlich nur vor Kinskis Performance, wenn überhaupt.

Punkte: Damals vielleicht 7 Punkte, heute höchstens 6 Punkte, filmhistorisch keinerlei Bedeutung (egal was die Amis dazu sagen mögen)

6. Dracula (1992)

Tja, was passiert, wenn man einen Mann wie Coppola an Dracula ranläßt? Ein Mann, der nur noch Filme aus irgendwelchen Selbstverwirklichungsgründen dreht? Entweder geht es komplett in die Hose oder es entsteht ein Meisterwerk. Oder vielleicht doch nicht? Coppolas Verfilmung hält sich weitestgehend sehr akurat an den Roman, allerdings nimmt er sich auch ausufernd viel Zeit, seine Geschichte auszuschmücken und dem Titelcharakter etwas mehr Tiefe zu verleihen. Dafür bedient er sich der realen Historie und Draculas Vorgeschichte wird mit der des realen Rümänenfürsten Vlad Tepes vermengt, dazu wird eine tragische Liebesgeschichte, die irgendwo in die Richtung ewig inklusive Wiedergeburtsthematik geht, hinzu kommt mit Gary Oldman ein extrem wandlungsfähiger Charakterdarsteller als Dracula Darsteller und ein paar sehr hoffnungsvolle Jungschauspieler (Ryder und Reeves) . Die Inszenierung wird extra künstlich gehalten, so dass schon eine Nähe zu den alten Monsterverse Filmen auszumachen ist, sozusagen eine Hommage, inklusive waberndem Nebel, nur halt in Farbe statt in Schwarzweiss. Im Grunde genommen ist es fast ein Wunder, dass sich der Film irgendwie anachronistisch einfach nicht in die Zeit seiner Entstehung pressen lässt, denn in einer Zeit, wo alles möglichts weit weg von der Vorlage sein muss, ist es hier genau andersrum, der einzige wirkliche Unterschied zur Vorlage, neben der hinzugefügten Ebenen, ist das bittersüße Lovestory-Ende, welches allerdings auch perfekt in diesem Rahmen eingebettet ist. Die Inszenierung erinnert in großen Teilen an irgendwelche alten italienischen Opern gepaart mit Gothic. Das Erbe dieses Filmes ist auch insofern groß, da heutzutage fast jede Verfilmung mit Tepes als Dracula hausieren geht.

Punkte: damals so um 9 Punkte. heutzutage 8 Punkte, filmhistorisch: ebenso 9 Punkte.

Der Quervergleich:

Der 1922er Klassiker ist eben dies: ein Klassiker, mit überbordernder Bildsprache, auch heute noch sehenswert. Der 1931er ist ein absolutes Meisterwerk, dem es gelingt, Schwächen des Buches auszubügeln, eigene Akzente zu setzen, und filmhistorisch sowohl mit Akurattesse, als auch zeitloser Athmosphäre und einem Dracula für die Ewigkeit zu punkten. Der 1958er Dracula ist der Popkultur-Dracula, der eher Popstar als gelungene Verfilmung ist. Die beiden 1979er Varianten - sowohl Nosferatu als auch Dracula - sind eigentlich schmückendes Beiwerk, lediglich für Komplettisten. Und der 1992er Dracula hat auf ewig Vlad Tepes mit Dracula verwoben, heutzutage gehen alle Verfilmungen davon aus, dass es ein und dieselbe Person sind. Das mag auch irgendwie zutreffen, da Stoker sich ganz klar an Tepes orientiert hat, aber das raubt dem Werk aber auch an Interpretationsmöglichkeiten.

Meine Rangfolge der Filme deckt sich weitestgehend mit der Rangfolge der Darsteller, da sich ein jeder Darsteller die jeweilige Rolle und damit auch den Film komplett unter den Nagel reissen.

Also dann, meine Rangfolge der Darsteller:

1. Bela Lugosi - prägt den blutsaugenden Aristokraten bis zu Graf Zahl in der Sesamstrasse!

2. Gary Oldman - prägt die Figur mit der Verbindung zum realen Karpatenfürsten

3. Max Schreck - prägt die Figur des unheilvollen Stellvertreters, der Pest und Cholera verbreitet

4. Christopher Lee - der Popstar

der Rest ist ferner liefen

Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens Bewertung
Bewertung des Films
910
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3 Kommentare
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MobyDick : : Moviejones-Fan
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Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 2.626 | Reviews: 25 | Hüte: 141

Danke dir. Ich denke mal, wenn dir die Story an sich nicht zusagt, ist Dracula wahrscheinlich wirklich nichts für dich.

Was das "schlechte Altern" (wie du es siehst) von Coppolas Version angeht: Ich war schon damals der Meinung, dass die Inszenierung nicht wirklich zeitgemäß war, alles wirkte irgendwie künstlich billig, anachronistisch. Das liegt aber durchaus daran, dass es sich wie ja schon gesagt, gleichzeitig auch um eine Hommage handelt. Das der Film so wirkt, ist meines Erachtens durchaus so gewollt. Und das ist auch gleichzeitig sein Alleinstellungsmerkmal... Aber das muss auch nicht jedem gefallen.

Dünyayi Kurtaran Adam
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luhp92 : : BOTman Begins
25.06.2018 23:31 Uhr | Editiert am 25.06.2018 - 23:35 Uhr
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Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 9.937 | Reviews: 127 | Hüte: 311

Zunächst erstmal einen Hut für dieses Review der anderen Art, ein solcher Vergleich ist sehr erfrischend und informativ!

Ich habe bisher nur Murnaus "Nosferatu" (überragend mit Live Musik) und Coppolas "Bram Stokers Dracula" gesehen, abseits all der Raffinesse gibt mir die Dracula-Handlung leider ziemlich wenig, für mich langweilig und uninteressant. Letzgenannter Film ist für mich zudem schlecht gealtert.

"Nosferatu"-Kommentar:
https://www.moviejones.de/filme/278/nosferatu.html#commentstop

"Bram Stokers Dracula"-Kommentar unter der Kritik von Tim:
https://www.moviejones.de/kritiken/bram-stokers-dracula-kritik-1165.html

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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MobyDick : : Moviejones-Fan
25.06.2018 17:38 Uhr | Editiert am 25.06.2018 - 17:46 Uhr
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Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 2.626 | Reviews: 25 | Hüte: 141

Hier mal die Besprechung von 6 Vampirfürstverfilmungen als Quervergleich :-)

Edit:

Falls es nicht schon klar war: Das hier soll keine komplette Liste aller Dracula Verfilmungen sein, sondern lediglich die wichtigsten Verfilmungen gegeneinander abwägen, daher spielen solche Filme wie Liebe auf den ersten Blick, Blackula oder gar Blade 3 und weitere Verfilmungen in denen ein blutsaugender Fürst auftritt keine Rolle.

Dünyayi Kurtaran Adam
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