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Ritter aus Leidenschaft

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Ritter aus Leidenschaft Kritik

Ritter aus Leidenschaft Kritik

Ritter aus Leidenschaft Kritik
0 Kommentare - 14.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Ritter aus Leidenschaft" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Als Sohn eines armen Dachdenkers hat Junker William Thatcher (Heath Ledger) eigentlich keinerlei Möglichkeiten als Ritter bei einem Turnier aufzutreten. Als eines Tages sein Meister, angesehenen Geschlechts und Ritter bei einem Turnier stirbt, erfüllt sich Williams Traum. Zusammen mit seinen Freunden Roland (Mark Addy), Chaucer (Paul Betanny), Wat (Alan Tudyk) und der Schmiedin Christina (Bérénice Bejo) holt er als Sir Ulrich von Lichtenstein einen Sieg nach dem anderen. Während die Masse begeistert ist und auch die edle Jocelyn (Shannyn Sossamon) Interesse an Thatcher zeigt, versucht der verschlagene Graf Adhemar (Rufus Sewell) den jungen Mann auszuschalten.

Historische Ungenauigkeiten schockieren diejenigen, die um die Wahrheit wissen und einen seltsamen Anspruch an einen Film hegen. Ritter aus Leidenschaft hat da also schlechte Karten, immerhin gibt es quasi Musicaleinlagen. Und dennoch gibt es ja ganz andere, triftigere Gründe, warum der Film vielleicht doch nicht in die Annalen der Filmgeschichte eingegangen ist. Da wäre vielleicht zu nennen, daß er rein filmisch ein wenig generisch daherkommt. Seine Geschichte passiert einfach. Das mag in den meisten Fällen vielleicht dann sehr organisch wirken, ist aber in diesem Fall ob einiger, bedienter Klischees schon ein wenig anstrengend. Ritter aus Leidenschaft hat aus irgendeinem Grund das Talent Trash zu sein. Er hat Charme, aber ob seiner Dramaturgie, seinem Fokus auf die Hauptfigur, gelingt es ihm auch nicht gänzlich ein zeitloser Klassiker zu sein. Überdies ist die Darstellung einiger, nun nennen wir sie mal Metaphern, sofern man Figuren und Ideen als solche begreift, nicht mehr wirklich zeitgemäß und wirkte vielleicht auch im Jahr 2001 schon etwas überholt. Es ist ein Film, der erinnert, warum man Hollywood mag. Es ist aber auch ein Film, der eben sehr dümmlich sein kann.

Retrospektiv, nicht anders geht es, muss man Ritter aus Leidenschaft betrachten. Dabei ist er in seiner Figurendarstellung durchaus interessant, weil er die Underclass in den Mittelpunkt rückt. Richtig heraus stellt, er, daß nicht alle Menschen gleich sind und so behandelt werden. So stellt es eben auch eine Hürde für William Thatcher dar, überhaupt an besagtem Turnier, um das es im Film hauptsächlich geht, teilnehmen zu dürfen. Doch wer nun glaubt, daß der Film abseits dies nur in die Jahre gekommen sei, der wird überrascht feststellen, daß mit der Figur der Kate ein richtiger Schritt in Richtung Gleichberechtigung getan wurde, ohne, daß man das als Politikum oder gar grandiose Idee verkaufen müsste. Das verwundert also und das im positiven Sinne. Einen richtigen Kern hat Ritter aus Leidenschaft überdies vielleicht nicht: Die Geschichte ist schnell erzählt und geht in den wenigsten Fällen über Mittelmaß hinaus. Also bleiben nur die allegorischen Funktionen. Und da zeigt sich durchaus eine Idee, nach welcher der Film dann doch wiederum erschreckend zeitgemäß ist. Denn klar, unsere Gesellschaft neigt ja dazu, zu sagen, es gäbe so etwas wie Chancengleichheit. Das ist Utopie und der Film erklärt auch, warum das so ist. Wenn man eben nicht aus dem richtigen Haus kommt und das richtige Startkapital und die richtigen Möglichkeiten hat, dann ist man damals, wie heute gesellschaftlich nichts. Sorry, der Zahn musste gezogen werden.

Der Unterschied mag jedoch klar hier liegen, daß der Film es schafft unter den Ärmsten der Armen eine Solidargemeinschaft zu bilden. Figuren sind im besten Sinne heroisch, weil sie etwas tun, was völlig absurd erscheint und dies im weiteren Verlauf auch erreichen können. Da kann man wirklich nur hoffen, daß das jetzt niemanden überrascht, weil ups, keine Spoilerwarnung. Der Hauptgrund, warum man dieses Pseudo-Mittelalter vielleicht doch ganz gut findet, liegt in den Figuren begründet. Es sind sympathische Wesen, die sich da um William Thatcher tummeln. Allen voran Paul Bettany kann hier einen ersten, etwas ungeübten Achtungserfolg leisten und man merkt allen Darstellern durchaus an, wie viel Freude sie daran haben. Und dann ist das eben weitab von großen Kriegen und Schlachten. Dadurch wirkt Ritter aus Leidenschaft auch immer wie ein sehr intimes Werk, weil er eben eine recht kleine, niedliche Geschichte erzählt. Und in der Vermischung aus moderneren Popsongs, dem Spiel mit der Kamera und eben dem Mittelalter, kann man sagen, trifft er schon bessere Töne, als das moderne Blockbusterkino um Thor: Tag der Entscheidung (2017), King Arthur: Legend of the Sword (2017) oder eben Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben (2023). Vielleicht liegt es aber auch einfach am besseren Geschmack und der Tatsache, daß nicht wirklich alles ironisch aufgeladen ist, obwohl man den Eindruck haben könnte. Der Film braucht dem Zuschauer, ähnlich wie moderne Filme, nicht alle naselang etwas erklären. Und das schöne hierbei ist, daß er es im Gegenzug zu genannten Beispielen auch nicht für eine Offenbarung hält, offenkundiges zu erklären. Ha ha.

Der Unterschied zu modernen Blicken auf „Ritter“, ist, daß Ritter aus Leidenschaft wohl Freude daran hat, einfach nette Menschen zu zeichnen. Zumindest nimmt er aus dem Protagonisten weitestgehend Komplexität. Der Anspruch neuerdings ist ja vielschichtiger, spätestens wohl seit Game of Thrones (2011 – 2019) und dann folgend Werken wie dem bereits erwähnten Guy Ritchie-Film oder The Last Duel (2021). Nun muss es nicht zwingend naiv, romantisch und heroisch zugehen. Man darf vielleicht das alles auch dekonstruieren. Doch Brian Helgelands Werk hat einfach Spaß daran, dümmlich, irgendwie und noch eher naiv zu sein. Und damit überträgt sich diese Freude, die mitunter auch eine Botschaft vertritt. Es ist einer der ungezwungensten Blockbuster, seit längerem. Und das ist natürlich auch klar, heute denkt man anders. Aber man sehnt sich doch so ein wenig nach diesen Zeiten.

Weder das Mittelalter, noch der Feudalismus, Feminismus und viele weitere Themen werden hier gekonnt erklärt. Ritter aus Leidenschaft bleibt dumm, aber darin so unterhaltsam, charmant und verspielt. Das zeigt sich vor allem an den Sets, aber auch an den Schauspielern und dadurch hat einer vor allem großen Charme.

Ritter aus Leidenschaft Bewertung
Bewertung des Films
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