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Rubinrot

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Rubinrot Kritik

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Rubinrot Kritik
0 Kommentare - 15.06.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Rubinrot" ist.
Rubinrot

Bewertung: 3 / 5

Als die Teenagerin Gwendolyn Shepherd (Maria Ehrlich) kurz vor ihrem sechzehnten Geburtstag erfährt, daß das Zeitreise-Gen ihrer Familie auf sie übergangen ist, ändert sich ihr Leben schlagartig. Zunächst gingen alle davon aus, daß ihre Cousine Charlotte (Laura Berlin) die Genträgerin sei. Nun muss sie zusammen mit dem arroganten Freund ihrer Cousine Gideon de Villiers (Jannis Niewöhner) das Geheimnis ihrer Familiengeschichte lüften und die Wahrheit über den roten Rubin erfahren.

Genrefilme aus Deutschland. Das ist immer eine heikle Sache, weil sich verantwortliche Studio ungern aus bekannten Gefilden bewegen, um eine Produktion zu riskieren. Nun ist das mit dem Genrefilm im Zuge der 2010er in Deutschland schon drastisch vorangekommen. Über großartige Roadmovies wie 25km/h (2018), zu phantastischen Noir-Dramen wie Berlin Alexanderplatz (2020) bis hin zum Gore-Horror Der goldene Handschuh (2019) traut sich der Deutsche Film immer und immer mehr. Das ist auch nur gut so, schließlich kann ein vernünftiger Mensch auch endlose Sexismus-, Rassismus- und Narzissmusproduktionen à la Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer nicht auf ewig ertragen. Da erfreut es zu hören, daß die Zuschauerzahlen seit Jahren kontinuierlich zurückgehen, und eher in Filme wie Rubinrot investiert wird. Es ist natürlich ganz klar, daß auch Rubinrot kein Bein ausreißen wird. Denn die Wahrheit ist, daß der Film durchaus an der ein oder anderen deutschen Kinderkrankheit leidet. So investiert der Film – ähnlich wie es die Amerikaner in ihren Werken tun – keine Minute auch nur dafür zu sorgen, daß seine Schauspieler ordentlich sprächen, oder der Ton in der Post-Produktion gut gemischt würde. Das ist ein Fehler.

Trailer zu Rubinrot

Ein weiteres Problem ist dabei, daß man natürlich auf dem internationalen Markt nicht mithalten kann. Zwar kaschiert der Film durchaus clever, daß das riesige Budget hier einfach nicht vorhanden ist, – weil es dahingehend auch nicht unbedingt ausschlaggebende Szenen gibt – dennoch fällt schon auf, daß Kulissen und Kostüme hier einfach zu glatt gebügelt wirken. Alles will so ein wenig eine Schaufensteroptik einnehmen, wo doch der Reiz des Glaubhaften darauß resultiert, daß auch die agierenden Figuren optische Ecken und Kannten haben. Das ist so Scheinweltprinzip, nach welchem sich der deutsche und der amerikanische Film eher an Telenovela-Perfektion orientieren, als an wirklichen Menschen. Gleichsam wirkt auch das Duo im Zentrum des Werkes ein wenig überfordert. So ist Jannis Niewöhners Charakter zumeist einfach nur ein Unsympathling, dessen Wandlung zum Sympathisant im Zusammenspiel mit Maria Ehrich eher reine Behauptung bleibt, als wirklich vom Film begründet zu werden. Gleichsam ist auch Ehrich in ihrem gesamten Spiel hier etwas überfordert. Zwar macht auch sie ihre Sache nicht schlecht, aber es scheint kein wirklicher Draht zur Figur aufzukommen, weil auch das Drehbuch beide Figuren nach einer Twilight-Logik erklärt. Ähnlich verhält es hier im übrigen auch mit der zu Beginn etablierten Abneigung der beiden.

Am ehesten in Erinnerung bleiben dabei tatsächlich die Nebenfiguren. So ist der große Gottfried John in seiner letzten Filmrolle zu sehen. Zwar ist die latent stereotyp gehalten, dennoch macht es Spaß dem Schauspieler zuzusehen. Ähnlich verhält es sich mit Uwe Kockisch, dessen Figuren zu weiten Teilen des Films irgendwie unergründbar bleibt. Wie genau er sich in das Zusammenspiel der beiden fügt, wird nur treuen Buchlesern zu Beginn klar sein. Auch eine Katharina Thalbach gibt ihr bestes, während vor allem Jennifer Lotsi als beste Freundin von Gwen Sheperd nicht nur die besten Dialoge hat, sondern auch allgemein wirklich charismatisch rüberkommt. Unterdessen darf man die Ambitionen ja durchaus loben. Ob das nun realistisch ist, oder auch die einzelnen Perioden der Geschichte akkurat eingefangen werden, darüber sollen Menschen urteilen, die davon Ahnung haben. Dennoch ist gerade der Zeitreiseaspekt der Geschichte das, was wirklich Laune macht. So sind die einzelnen Etappen zwar durchaus durch stereotypen, deutschen Humor untermalt, gleichsam ist das Wagnis alleine das irgendwie schon wieder wert.

Das Drehbuch von Katharina Schröde beißt sich darauf fest, den Zuschauer vor allem mit vielfältigen und nie gesehenen Schauplätzen in den Bann ziehen zu wollen. Da ist London als Ausgangspunkt schon das geringste, was man da zu sehen bekommt. Überdies punktet der Film tatsächlich mit einem gewissen Reisecharme. Zwar erreicht das optisch nie Hollywoodqualität, weil besagtes Auftreten der Figuren eben zu poliert wird, auf der anderen Seite gibt man sich hier sehr viel Mühe, auch die ein oder andere rasante Szene zu inszenieren. Besonders eine Verfolgungsjagd mit einer Kutsche bleibt hier im Gedächtnis, weil sie durch dynamische Kameras in Szene gesetzt wird und dabei gleichsam die Charaktere in gewisser Weise auch fordert. Schön ist zudem, daß auch die Liebesgeschichte nicht so zentriert wird, wie man es vielleicht annehmen würde. So geht es vor allem für die Hauptfigur Gwendolyn auch zumeist darum, Visionen zu verarbeiten, ihren Auftrag zu erfüllen, oder sich mit der Cousine zu streiten. Das mag zwar alles auch nicht wirklich tiefschürfend sein, dennoch spart man sich damit den Telenovela-Quatsch aus.

Insgesamt macht das Werk einem die Deutung nicht leicht, weil es einfach im Fahrwasser anderer Filme entstanden ist. Dabei scheint es hier primär um Erwartung und auch das Erlernen von Liebe zu gehen. Das ist natürlich ein interessanter Ansatz, weil darin vielleicht auch eine gewisse Wahrheit steckt. Nun hätte man hier ausnahmsweise vielleicht sogar die digitalen Medien weiter ins Zentrum rücken können, um so auch die Bedeutung dieser im Zeitgeist zu erklären. Dabei gibt es solche Ansätze schon. Doch nachdem sich sogar dort ein kleiner Datumsfehler eingeschlichen hat, ist es vielleicht auch besser, daß sich die Filmemacher nicht noch versuchen, damit anzubiedern.

Rubinrot ist vermehrt den Drang des deutschen Films, sich endlich wieder dem Genre-Kino zu widmen und auf internationaler Ebene mitzumischen. Dabei krankt das Werk an typisch deutschen Problemen, deren Definition gar nicht so einfach ist. Überdies punktet der Film schon mit einer gewissen Wagnis und Größe. Vor allem aber die Zeitreisepakete machen durchaus Spaß, während die Geschichte zum Schluß Potenzial für mehr entwickelt.

Rubinrot Bewertung
Bewertung des Films
610

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