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Schneller als der Tod

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Schneller als der Tod Kritik

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Schneller als der Tod Kritik
0 Kommentare - 25.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Schneller als der Tod" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Die Kleinstadt Redemption liegt fest in den Händen des Bürgermeisters John Herod (Gene Hackman). Dieser veranstaltet einmal im Jahr einen Schießwettbewerb, um das Volk bei Laune zu halten, aber auch seine Feinde zu eliminieren. Unter den Kandidaten finden sich dieses Jahr einige Besonderheiten, wie etwa der dazu genötigte Priester Cort (Russell Crowe), Herrods Sohn Fee (Leonardo DiCaprio), sowie die mysteriöse Ellen (Sharon Stone). Als sich herausstellt, daß einer der Kandidaten ein Kopfgeldjäger ist, der angeheuert wurde, um Herrod zu ermorden, ändert dieser kurzerhand die Regeln des Wettbewerbs.

Eine Unbekannte betritt die Szene. Eine Kleinstadt, voll von Hurerei und hin und wieder erledigt ein Konflikt den ein oder anderen Bewohner. Ein Mann mit Macht, verantwortlich für all das Grauen. Ein Junge, der sich beweisen will. Ein Mann, der dem auf anderen Wegen trotzen will, mit Gott, wenn man so will und eine Szenerie, die nur allzu bekannt anmutet. Schneller als der Tod heißt dieses Werk von Regisseur Sam Raimi. Es ist ein Film, der keineswegs in die Annalen der Filmgeschichte eingegangen ist. Oder vielleicht irre ich auch da. Aber es scheint so, als würden die allerwenigsten von diesem einen Klassiker mit Sharon Stone, Gene Hackman, Russell Crowe und Leonardo DiCaprio sprechen. Allein wenn man diese Namen hört, sollte man sie vermutlich schon mit einem großen Film assoziieren. Doch das ist Schneller als der Tod eben nicht. Und man muss dazu sagen, daß das auch seine Begründung darin findet, daß das Werk eben sehr, sehr klischiert erzählt. Denn all die Manierismen eines Western waren Mitte der 1990er Jahre schon lange auserwählt. Klar, es gab da auch andere, größere Beispiele. Wie den grandiosen Todeszug nach Yuma (2007), oder Tarantinos Meisterwerk Django Unchained (2012). Wobei man hier wohl sagen muss, daß das eine ein Remake ist und das andere stammt eben von einem Ausnahmetalent.

Nun ist es vielleicht aber auch nicht unbedingt ein Negativpunkt eine Western-Hommage zu drehen, die sich unter anderem besten Western aller Zeiten – nämlich Spiel mir das Lied vom Tod (1968) – orientiert. Dennoch gelingt nicht alles an der Erzählung. Hier sind es vor allem die sehr eindeutigen Rückblenden, die dem Zuschauer irgendeine Form von Verbundenheit zur Hauptfigur herleiten soll. Wieder ist Daddy gestorben und was eben in den 1960ern und 1970er Jahren noch grandios inszeniert wurde, ist hier eben eine Hommage oder ein Wieder hervorholen von Klischees. Dabei ist Schneller als der Tod vielleicht dennoch ein ungewöhnlicher Western. Nicht weil er Protagonist und Antagonist lange gegenüberstellt, sondern weil es sich hierbei um einen Turnierfilm im Sinne von Ritter aus Leidenschaft (2001) handelt. Nur eben ohne die großartigen Anachronismen. Und damit ist aber eigentlich auch alles Wesentliche an dieser Produktion gesagt. Die Metaphern spiegeln die üblichen Themen des Western, aber auch von New Hollywood wider. So sind es vor allem Themen wie Machtverhältnisse oder auch die Entzweiung der Familie. So könnte es auch ein Werk von Coppola oder Scorsese sein. Dazu muss man sagen, daß Raimi seine B-Movie-Routen wie immer nicht ganz unter Kontrolle hat. Besonders in Actionsequenzen erinnert das mal wieder an einen Comic.

Und das macht schon Spaß, weil es zunächst irritiert. Denn Schneller als der Tod ist nicht nur ein konventioneller Western, sondern auch ein konventioneller Film. Allerdings wird das durch die eindeutige Handschrift von Sam Raimi wieder stark aufgewertet. Denn hier wird schnell mal angezoomt, dann explodiert etwas und es kann schnell hektisch werden. Es ist an anderer Stelle wiederum etwas wehleidig geworden, über das Thema Feminismus im Film zu sprechen. Die Tatsache allein, daß man hier Stereotypen umdreht und den wortkargen Antihelden im Film, mit einer Frau besetzt, macht Schneller als der Tod eindeutig noch nicht zu einem zeitlosen Meisterwerk. Tatsächlich fällt aber etwas anderes auf, wenn es um die Figur der Ellen geht, die abseits von „The Lady“ auch keinen weiteren Namen bekommt. Natürlich für den großen Twist, aber auch weil das eben Teil der Sergio Leone-Inszenierung war. Was vor allem aber auch auffällt, ist, daß Ellen keine solidarische Figur ist. Die anderen Frauen im Film – sofern man darin eine Art Zugehörigkeit suchen würde – sind ihr eigentlich egal. Sie empfindet das Handeln von Prostituierten als peinlich, oder abstoßend und lebt nach dem Motto, daß jeder für sein Schicksal selbst verantwortlich ist. Nun auch das passt zum Thema des Antihelden – oder in dem Fall der Antiheldin – ist aber auch übertragbar auf moderne Zeiten. Denn ein weiteres Problem am Kapitalismus zum Beispiel ist ja, daß der Markt das Individuum von klein auf gegeneinander ausspielt und Mitgefühl eben sehr rar ist.

Leider limitiert sich Schneller als der Tod aber stürmisch wieder selber. Denn es ist ein Film, der eben im Turnier-Sektor angelegt ist und dann auch auf ein großes Finale ausgelegt wird. Das ist eben dann schon etwas unspannend und selbst in den Momenten, in denen man etwas von den Konventionen eines herkömmlichen Films abweichen könnte, bleibt man den gängigen Erzählmustern doch enttäuschenderweise sehr treu. Denn was wäre, wenn etwa die Konfrontation zwischen Ellen und Cort wirklich etwas blutiger ausgefallen wäre? Doch hier inszeniert Raimi dann doch etwas zu sehr im Sinne eines großen, massentauglichen Films. Dieser ist über weite Strecken auch nicht schlecht, nur eben in vielerlei Hinsicht zu einfach gehalten. Denn die Konflikte der einzelnen Figuren sind ja durchaus altbekannt und wenig verschachtelt. Nach etwa zehn bis zwanzig Minuten hat man Schneller als der Tod nämlich entzaubert. Dabei wird hier das Vertrauen zwischenzeitlich auch wieder in Gott gelegt. Vor allem im geläuterten Cort wird sich das zeigen. Nun ist klar, daß man hier sehr zynisch, den Menschen entzaubert, indem man ihn in eine aussichtslose Situation verfrachtet. Dort greift er dann wieder zur Waffe und legt damit offen, wie wenig eigentlich der Glauben selber davon abhalten wird, die eigene Haut zu retten. In dem Fall tut es nur die Liebe.

Auch in den 1990er Jahren gab es schon Filme, die allein als Hommage funktionierten. Schneller als der Tod beweist das und erweist sich als recht gradliniger Film, der eben nie über Konventionen hinauskommt. Das ist schon ein wenig ärgerlich, weil man sich da schon mehr erhofft hatte. Doch unterhaltsam für die Paar-Minuten ist das alle Mal.

Schneller als der Tod Bewertung
Bewertung des Films
710

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