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The Equalizer

Kritik Details Trailer Galerie News
Denzel macht den Azrael

The Equalizer Kritik

The Equalizer Kritik
10 Kommentare - 01.03.2020 von MobyDick
In dieser Userkritik verrät euch MobyDick, wie gut "The Equalizer" ist.
The Equalizer

Bewertung: 0.5 / 5

Achtung, diese Kritik ist höchst subjektiv, voller Spoiler und alles andere als wohlwollend. Ich habe euch also gewarnt.

während ich also seit gefühlt Monaten darauf warte, dass der beste jemals gedrehte und zu drehende Filme aller Zeiten in der MJ Datenbank angelegt wird, widme ich mich mal einem Film, den ich richtig scheisse in Erinnerung hatte, dem ich aber zuletzt doch noch eine zweite Chance einräumen wollte, da ich zuletzt von dem einen oder anderen Film bei Zweitsichtung doch recht angetan war. Equalizer fällt leider eben nicht in diese Kategorie, ehrlich gesagt finde ich den Film bei Zweitsichtung sogar noch beschissener. Aber eines nach dem anderen, ich greife ja die Wertung vorweg!

Trailer zu The Equalizer

Denzel Washington ist ein Klasse-Schauspieler, und von den Darstellern seiner Generation wahrscheinlich der beständigste Kassengarant. Der Mann hat Charisma wie es nur die alten Hollywoodhaudegen von einst hatten - und mit Abstrichen heutzutage vielleicht noch Cary Grant, äh sorry George Clooney. Und es gibt eigentlich niemanden auf der Welt, der den Mann nicht irgendwie cool fände, ich denke selbst irgendwelche Rechtsradikale schauen dem Mann gerne bei der Arbeit zu. So sehr transzendiert dieser Mann alles um ihn herum. Wie gesagt, das ist alles nur meine persönliche Meinung.

Am besten wurde Washington in der Regel, wenn er unter dem leider viel zu früh verstorbenen Tony Scott rechtliche Grauzonen ausloten durfte, und das Publikum trotz aller gesichteten Gräueltaten Denzel die Nibelungentreue hielt, sei es weil die Geschichte das hergab, sei es weil Denzel mit seinem Charisma das Publikum auf seine Seite zog, und sei es auch, weil die Geschichte auch immer recht moralisch inszeniert war: So muss Denzel beispielsweise am Ende von Man on Fire natürlich auch sterben, weil er für sein Ziel wirklich jegliche Grenze überschritten hat.

Dass nicht jeder martialisch anmutende Regisseur so subversiv dennoch moralisch ist wie Scott beweist nun extrem eindrucksvoll Fuqua mit dem Equalizer. Auf dem Papier haben wir wieder den stoischen Einzelgänger, der deutlich mehr drauf hat als zuerst der Anschein. Dann haben wir den Fall des in die Kinderprostution gerutschten Mädchens, das gerettet werden muss, und einer daraus eskalierenden Gewaltspirale. So weit so herkömmlich, hanebüchen und altbacken. Doch was daraus gezaubert wird, spottet zumindest für mich jeglicher spoilerfreien Kritik, so dass ab jetzt schweres Spoilerterritorium beginnt, und nur wer den Film gesehen hat oder dem Spoiler egal sind, sollte weiter lesen - auf eigene Gefahr.

Er geht also zu den Russen (natürlich) hin, will das Mädchen freikaufen, die Männer lachen ihn aus und sagen, er solle wieder gehen. Daraufhin schlachtet er die Männer allesamt erstmal ab, bleibt bei einem noch sitzen bis dieser elendig zu Ende röchelt, faselt was davon, dass ihm leid tue, dass es so weit kommen musste, nur um am nächsten Tag Witze darüber zu reißen, dass er Dreck beseitigt hat (oder so ähnlich).

Na gut, könnte man sagen, was will der gute Moby da, er hat Kinder schlagende und zur Prostitution zwingende Schweine abgeschlachtet, das ist im Rahmen dieser Filme okay. Man könnte aber auch sagen, dass der Tod der Männer vielleicht hätte besser legitimiert werden können, wenn diese Männer versucht hätten, ihn zusammen zu schlagen oder sowas. Aber nein, er tötet sie einfach, weil - so suggeriert es der Film - Denzels Dackelblicke das legitimieren.

Dann wird der Baumarkt überfallen, in dem der gute Mann arbeitet, woraufhin sich Denzel einen Vorschlaghammer im Laden ausleiht und den Mann dafür mal nebenher hinrichtet. Das wird damit gerechtfertigt, dass der Räuber wohl zuletzt mehrere Baumärkte überfallen hatte und dabei auch jemanden getötet. Außerdem ist der Typ sowieso wohl rechter Abschaum gewesen.

Also auch hier: Der Niedrigste gemeinsame Nenner für eine äußerst fragwürdige reaktionäre Sichtweise missbraucht.

Sein Charakter ist ein Ex CIA Topagent, der genau wissen sollte, dass es Graustufen gibt, doch ständig Predigt er in inhaltlosen Einzeilern von Schwarz und Weiß, gut und böse, nichts dazwischen, und ständig greift er zuerst zur höchsten möglichen Eskalation, um eine Diskussion zu exekutieren.

Dabei greift der Film oberflächlich auf typische 1980 und 90er Filmtropen zurück, um die beiden Seiten in Position zu bringen und den Bösewicht zu definieren. Doch das geht voll in die Hose, wenn der Bösewicht ein paar Mal rumwüten darf, einen Iren verprügelt (dabei jedoch den neuen Hellboy die Hauptarbeit machen lässt) oder eine Hure tötet (wo man eigentlich nach all der Vorbereitung in der Szene eigentlich was viel böseres erwartet hatte).

Jedes Mal wenn Fuqua eine interessante Idee hat, die den Film interessant machen könnte, negiert er den Einfall einfach, indem Denzel eine extrem passende Antwort parat hat. Der Mann kommt gar nich erst in eine Bedrouille ( abwarten, zuDEM einen Mal komme ic noch!)

Spätestens wenn er völlig in Sicherheit alles über Minikameras überwacht aber stundenlang nur im Dunkeln sitzt (Wozu? Kann er sich den Strom nicht leisten?) wird der Typ regelrecht creepy. Wie gesagt SPÄTESTENS! Seine Ansichten zu Moral un sein scheinheiliges Getue wiederhole ich jetzt mal nicht, sondern komme gleich zur eskalierten Konfrontation zu sprechen: Er hat sich also mit einem Olligarchen angelegt, einem der mächtigsten Russen der Welt, und fängt an, dem Mann das Geschäft zu sabotieren.

Beispielsweise jagt er in superzeitlupe Öltanker und Pipelines von dem Ölmagnaten in die Luft, während er ohne mit de Wimper zu zucken daneben herläuft. Jaja, kann man als coole Socke ansehen, der alles absolut im Griff hat. Aber man kann auch sagen, warum muss der Typ dabei nebenher laufen, wie viel professioneller wäre es, das Ding aus der Ferne zu sprengen? Das wirkt irgendwie extrem gehört auf mich.

Aber sei es drum, dann kommt es zum Showdown im Baumarkt. Hier massakiert er einen nac dem anderen, und schaut sich teilweise seine Opfer beim qualvollen Sterben genüsslich noch minutenlang zu - während die anderen Bösen im Nichts nach ihm suchen. Und was macht Denzel, er zweckentfremdet Utensilien wie Bohrer und Nagelmaschinen und wird dabei auch noch heroisch stilisiert.

Wow. Das ist bisher schon menschenverachtend gewesen, und treibt einem Frank Castle oder einem John Wick den Neid in die Hirnlappen, aber danach geht er mal nebenher als Schwarzer unbehelligt nach Russland und vernichtet im Vorbeigehen den kompletten Olligarchenkleinstaat.

Ach ja, dann kommt der gerettete kleine gefallene Engel, findet ratzfatz unseren bisher unauffindbaren Helden auf der Straße und alle sind Happy. Wieso konnten die Russen nicht so freundlich nach ihm fragen, ihn finden und einfach auf offener Straße erschiessen?

Ich glaube, ich habe ganz ehrlich noc nie einen so gemeingefährlich geheuchelten menschenverachtenden Schund gesehen, das war sogar fast das erste Mal, dass ich irgendwann durchweg für die Bösen war. Nich weil ich mich mit denen identizieren könnte, sondern weil ich diesen Charakter des Equalizers einsilbig, monoton, heuchlerisch, menschenverachtend und einfach nu widerlich empfand.

Wahrscheinlich bin ich die falsche Adresse für diesen Film, finde ich doch schon Butlers Gesetz der Rache oder Bacons Death Sentence reaktionär und in ihren Aussagen nicht tragbar. Aber es gab in solchen Blockbustern immer zumindest eine gewisse Schwelle, die diese Filme immer auch immer noch irgendwie Konsenzfähig beließ, sei es weil die auf die Antiheldseite gewechselte Hauptfigur zu einer Art getriebener wurde, oder gar bestraft. Das passiert hier nicht, wir bewegen uns hier tatsächlich fast auf Slasherniveau der untersten Sorte, wo die Hauptfigur quasi unverwundbar einen auf Candyman für Arme macht. Das eine Mal, wo er am Boden liegt, dient nur dazu, den lächerlichen minutiös ach so krass aufgebauten Nebenplot mit seinem dicken Kumpel Früchte tragen zu lassen. Aber selbst da wird die Szenerie einfach nicht konsequent weiter gesponnen, sondern dem Rumgepose Denzels geopfert.

Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, warum gerade dieser Film so abgefeiert wird, er bietet wirklich weitaus weniger Story oder Charaktermomente als jeder drittklassige Bronson Reisser aus seiner Death Wush Fortsetzungszeit. Die Inszenierung geifert Tony Scott nach, onevdessen Viruosität zu erreichen. Und Washington toppt mal nebenher die Neesons Butlers mit einem abstrus fürchterlichen Franchiseauftakt.

Letztlich noch ein Wor zu Washington. So gerne ich den Mann auf de Leinwand sehe, so dubios empfinde ich ihn manchmal als klerikal auftretenden frommen alttestamentarisch anmutenden Menschen. Das gab mir damals bei Book of Eli schon zu denken, als ich noch dachte, dass das vielleicht PR wäre. Aber irgendwie habe ich in der Zwischenzeit diverse Interviews mitbekommen. Gepaart mit diesem krassen Ego Auftritt in diesem Film, ist mir das schon sehr suspekt.

Grundsätzlich trenne ich ja Privatperson und Schauspieler, ich mag die Filme von Cruise, Gibson, Polanski usw. obwohl ich diese Leute nicht gerne als Nachbarn hätte. Aber der Equalizer ist so nachhaltig so schlecht bei mir verankert, dass ich bei Washington derzeit nicht weiß, ob ich seine Filme ohne nennenswerte Hilfe seitens einen guten Regisseurs freiwillig schauen würde.

Naja, das ist wahrscheinlich zu hoch gegriffen, aber ihr versteht denke ich doch trotzdem, wie mies de Film bei mir haften geblieben ist.

Fazit also

ideologisch komplett fragwürdiger menschenverachtender scheinheiliger Film, der zwar schick aussieht, aber erstens billig bei Scott abschaut und immer wenn es um eigene Ideen geht entweder optisch ins Dunkle oder Zynische abgleitet. Dazu ein Protagonist ohne jegliche Fallhöhe, der von der Kanzel runter predigt.

Ein Punkt

The Equalizer Bewertung
Bewertung des Films
110
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10 Kommentare
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MobyDick : : Moviejones-Fan
16.03.2020 16:33 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.485 | Reviews: 144 | Hüte: 387

MB80

Danke dir für den Hut :-)

Und ja, wir sehen den Film anscheinend sehr ähnlich, selbst diese überragende Tattoo-Szene, welche wie eine coole Szene aus einem deutlich besseren anderen Film wirkte wink

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
13.03.2020 00:12 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.427 | Reviews: 32 | Hüte: 109

MobyDick:

Also dieser Film war bei mir immer in der "no fucks given" Ecke, weil er auf zehn Kilometer schon nach nem generischen Selbstjustiz-Streifen aussah. Ich habe ihn mir jetzt tatsächlich mal wegen deier Wertung (gelesen habe ich danach) angesehen, und naja... ich kann deine Kritik voll nachvollziehen, denke sogar deine Beobachtungen treffen ziemlich genau den Text des Filmes und sind gar nicht so subjektiv.

Der Film schießt sich eigentlich direkt am Anfang selber ins Knie, und zwar indem er Washington als extremen Perfektionisten inszeniert und charakterisiert. Das wird dann bei den von dir angesprochenen Szenen problematisch: wenn die Rechtfertigung vom Drehbuch her schon nicht gut gelöst ist, die Inszenierung machen aus dem Angagonisten einen reinen Sadisten. Er könnte in der Büro-Szene die Pistole nutzen, was er ja auch tut... er lässt sie dann aber fallen, um seine Gegner schön langsam und uneffektiv mit anderen Gegenständen zu massakrieren. Ganz krass, und unglaubwürdig dazu, wird das dann im Warenhaus, Stichwort "Stacheldraht" (ernsthaft?!)...

"Der Niedrigste gemeinsame Nenner für eine äußerst fragwürdige reaktionäre Sichtweise missbraucht."

Ist mir auch aufgefallen... Ja, wenn man die CIA mal machen lassen würde, aber alle diese Liberalen und anderen Weicheier halten uns ja vom Weltfrieden ab *kotzt leise in sein Popcorn*

"Beispielsweise jagt er in superzeitlupe Öltanker und Pipelines von dem Ölmagnaten in die Luft, während er ohne mit de Wimper zu zucken daneben herläuft."

Bei der Szene musste ich übrigens herzhaft lachen, das war bestes camp Territorium. Als er gemütlich an den Tankwagen vorbeischländert wusste ich schon, die gehen gleich hoch, aber nicht das unser Halbgott mal seine Hufe bewegen müsste.

Die Szene war aber auch symptomatisch für ein mäßiges Drehbuch, in dem in der zweiten Hälfte die Zahnräder nicht mehr ineinander griffen, sondern einfach nur noch Szenen "passieren".

Noch eine Bemerkung von mir: ich fand die Insznierung generell ziemlich inkonsistent. Es gab mehrere Szenen, in denen sich z.B. die Kamera völlig unmotiviert bewegte (Langeweile?). Dann soll ja bei dem Dialog mit der Prostituierten Nähe vermittelt werden, aber die beiden sind in fast keiner Szene gemeinsam im Bild, stattdessen gibt es aus zufällig wechselnden Winkeln close ups von deren Gesichtern. Extrem seltsam.

Gut war dageben die Szene, in der sich der Bösewicht streckt, die Kamera über seine Tatoos schwebt, und er plötzlich wie ein Dämon über dem Stadt Panorama schwebt. Die Szene war schon fast zu gut für diesen Film, den ich bestenfalls als "generisch unterdurchschnittlich" bewerten würde, und schlimmstenfalls eben so wie du (Hut) wink

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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MobyDick : : Moviejones-Fan
10.03.2020 11:06 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.485 | Reviews: 144 | Hüte: 387

TiiN

Danke für den Hut smile

Und neee, ein paar Wochen ist ein sehr dehnbarere Zeitrahmen ;)

Dünyayi Kurtaran Adam
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TiiN : : Pirat
08.03.2020 16:31 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 5.273 | Reviews: 126 | Hüte: 256

Laaaaaaange? Nach meinem Kenntnissstand sind das geht in ein paar Wochen. ;) Aber ich mag auch nicht weiter rumnecken, ist ja völlig legitim, wenn es andere Prioritäten gibt als alte Schinken einzutragen.

Trotzdem freuts mich, dass offenbar nicht nur ich mich über ein paar Klassiker-Eintragungen freue smile

@Topic

Interessante Argumentation, ich habe The Equalizer tatsächlich nur damals im Kino gesehen und kann mir vorstellen, dass ich ihn bei der nächsten Sichtung etwas anders aufnehmen würde. Ich bin gespannt. smile

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MobyDick : : Moviejones-Fan
08.03.2020 16:28 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.485 | Reviews: 144 | Hüte: 387

Tim

Im Grunde genommen verstehe ich dich, und muss dir auch insofern zustimmen, dass es evtl. so wirkt, als würde ich Tony Scott über Gebühr loben. Was aber definitiv nicht der Fall ist! Der Mann hat in der Tat zuletzt mehr Murks als gute Ware abgeliefert. Aber darum geht es mir in dem Vergleich gar nicht, auch nicht darum, Fuquas grundsätzliche Fähigkeiten in Frage zu stellen, die ja zweifelsohne vorhanden sind.

Es geht mir nur um diesen einen Film, der schnitttechnisch, belichtungstechnisch, styletechnisch eher gefühlt einem Spät-90er-Scott nachzueifen scheint, als eine eigene Sprache entwickeln zu wollen, und immer wenn es nicht das Stakkatoschnittmassaker (Tonys Markenzeichen werdend in der genannten Zeitspanne) gibt, bleibt Fuqua sehr oft im Dunkeln.

Inhaltlich der Vergleich mit Man on Fire, da wir hier wie da einen von der Leine gelassenen Washington haben, nur im Equalizer hat der Mann keinerlei Fallhöhe, da er immer auf alles eine Antwort hat und nie in irgendeiner Bedrouille steckt, auch ist er persönlich nie wirklich betroffen oder getroffen.

Und letztlich zum Rächer- und Selbstjustizaspekt: Washingtons Charakter rächt hier grundsätzlich niemanden wirklich, sondern agiert immer, wie es ihm in seine verlogene Moral passt. Dann entscheidet er, wer es verdient, sofort umgebracht zu werden, und mit wem er sich noch unterhalten möchte, um die Person vor eine vermeintliche Wahl zu stellen. Außerdem ist er so ein mächtiger Geist, dass er unbehelligt einen der mächtigsten Männer der Welt mitsamt komplettem Hofstaat innerhalb von drei Tagen vernichten kann und es auch tut.

Wenn er also auf Gerechtigkeit aus wäre, wie es hier so suggerriert wird, und er so einen starken moralischen Kompass hat, und er zudem auch noch alle Mittel dazu hat, seinen Willen allen aufzudrücken, nicht nur Notfalls durch Tötung, wieso läuft er nicht durch die gegend und beendet alle Kriege und Ungerechtigkeiten, in deren Nähe er ist?

Hinzu kommt eine extrem archaische Sichtweise, dass Menschen sich nie verändern werden, und einmal böse immer böse. Was durch diese Geschichte untermauert wird, die der Equalizer im Restaurant von sich gibt.

Wie gesagt, ich habe grundsätzlich nichts gegen gut gemachte und hintergründige Stories über Männer/Frauen, die sich rächen oder gewisse Fähigkeiten haben und plötzlich auf der Flucht sind. Sowohl der Bronson Klassiker Ein Mann sieht rot, als auch Peppermint, sogar Man on Fire halte ich für mindestens brauchbare bis gute Filme. Auch die von dir genannte Bourne Reihe fällt überragend in diese Kategorie.

Selbst die von mir nicht sonderlich gemochten, Ressentiments bedienenden Rachefilme Taken und Gesetz der Rache geben dem Protagonisten einen Grund wirklich derbe rumzuwüten. In Equalizer gibt es all das nicht. Washington entscheidet ganz alleine, wer im Recht ist, wer nicht, wer es verdient zu sterben, wer nicht, und er entscheidet sich auch noch, Leute zu töten, denen er gar keine Wahl lässt (obwohl er es ein paar mal tut - sehr willkürlich, wenn man mich fragt!), und das Ganze wird so inszeniert, als wäre der Mann komplett im Recht.

Selbst die ultrakonservative Fox-Serie 24 gab ihrem immer monströser werdenden protagonsiten Jack Bauer irgendwann die gewisse Ambivalenz, dass selbst der liberalste Zuschauer damit seinen Frieden finden konnte, und die Serie genoss. All das gibt es hier nicht. Der Mann überschreitet willkürlich zig Grenzen, kommt davon, und die innere Logik dieser Filmwelt wird auch nicht wirklich genügend eingehalten, siehe, dass man ihn finden kann, wenn mal will, er aber für die Russen irgendwann nur noch ein Geist ist.

Aber in keinem jener Filme wird das Töten des Gegenübers so zelebriert wie hier, oder das benutzen von Handwerkzeug als Tötungsinstrument so fetishiert wie hier. Das ist schon wirklich Slasherniveau mit einem Boogeyman als vermeintlich guter Identifikationsfigur.

Dünyayi Kurtaran Adam
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MobyDick : : Moviejones-Fan
08.03.2020 15:03 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.485 | Reviews: 144 | Hüte: 387

@Moviejones

Prinzipiell habt ihr ja schon gesagt, dass es laaaaaange dauern kann bis ihr eure Datenbank mit alten Filmen aktualisiert, daher alles easy, ich necke euch da nur wink Aber wenn ihr schon so freundlich fragt: La Strada wäre wirklich sehr nice to have, ebenso wie einige andere Fellini Klassiker, die von PaulLeger wohl auch schon beantragt wurden. Und ausserdem wäre La Flor auch der Hammer :-)

Besten Dank im Voraus victory

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
07.03.2020 18:58 Uhr | Editiert am 07.03.2020 - 18:59 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 12.654 | Reviews: 184 | Hüte: 432

@Tim
"[Tony Scott] ist ein toller Regisseur und weiß was er will [...], der aber durchaus sehr solide Filme gedreht hat. Da waren immer auch mal wieder sehr unterhaltsame, sogar sehr gute Filme dabei, die spannend waren und gut unterhielten. Aber vieles war auch Mittelmaß."

Das würde ich genauso aber auch über Antoine Fuqua schreiben, meiner Meinung nach bewegen sich beide Regisseure auf sehr ähnlichem, schwankendem Niveau.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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Tim : : King of Pandora
07.03.2020 12:29 Uhr
0
Dabei seit: 06.10.08 | Posts: 2.926 | Reviews: 192 | Hüte: 79

Natürlich sehr subjektiv die Kritik, da kann man wenig gegen sagen.

Der Reiz dieser Filme ist imo, dass da eben jemand ist, der weiß was er tut und die Kontrolle hat. Genauso wie Jason Bourne. Gibt genug trottlige Leute da draußen in Filmen, die dann immer in solche WTF Momente geraten, die einfach nur nerven.

Was du aber als menschenverachtend siehst, versteh ich nicht ganz. Klar haut der in diese Rächerschiene rein und wir müssen nicht drüber reden, dass Selbstjustiz nichts ist, was wir uns in der Realität wünschen sollten. Aber in Filmen funktioniert dieses Motiv nach Gerechtigkeit sehr gut und darauf setzten die Serie und die filmischen Remakes. Denzel sorgt für den Ausgleich und die Gerechtigkeit für jene, die sonst keine Gerechtigkeit erfahren würden. Er mordet aber nicht wahllos oder aus Lust. Gerade im zweiten wird das deutlich, er lässt den Leuten eine Option sich zu ändern. Er zeigt, böse Taten lohnen sich nicht und haben Konsequenzen, was die Leute daraus lernen, überlässt er ihnen. Wenn er angegriffen wird, verteidigt er sich.

Woran ich mich auch noch etwas reibe, ist die Überhöhung von Tony Scott. Fuqua hat das sicher nicht nötig und klar muss man seine Filme mögen, aber bisher hat mich noch keiner seiner Werke enttäuscht. Der Mann ist ein toller Regisseur und weiß was er will. Tony Scott war immer der Bruder im Schatten seines größeren Bruders, der aber durchaus sehr solide Filme gedreht hat. Da waren immer auch mal wieder sehr unterhaltsame, sogar sehr gute Filme dabei, die spannend waren und gut unterhielten. Aber vieles war auch Mittelmaß. Mann unter Feuer war sein letzter überdurchschnittlicher Film, danach war alles so typisch 6/10. Kann man schauen, verpassen tut man nix.

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Moviejones : : Das Original
07.03.2020 12:12 Uhr
0
Dabei seit: 15.10.08 | Posts: 2.049 | Reviews: 956 | Hüte: 121

@MobyDick
Welcher fehlt denn?

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MobyDick : : Moviejones-Fan
01.03.2020 23:34 Uhr
2
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.485 | Reviews: 144 | Hüte: 387

Hmm, ich kann ja nicht immer nur halbwegs gute Filme besprechen.

Übrigens müsst ihr mir die diversen fehlenden Buchstaben nachsehen, irgendwie spinnt meine Tastatur gerade

Dünyayi Kurtaran Adam
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