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The Tree of Life

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Menschen als Blätter am Baum des Lebens

The Tree of Life Kritik

The Tree of Life Kritik
1 Kommentar - 05.02.2016 von luhp92
In dieser Userkritik verrät euch luhp92, wie gut "The Tree of Life" ist.

Bewertung: 4 / 5

Selten fällt es mir so schwer, etwas zu einem Film zu schreiben, wie jetzt bei "The Tree of Life". Erst einmal muss ich die Eindrücke verdauen, meine Gedanken sortieren. Letztendlich begeistern mich Aronofsky (The Fountain, Noah) und Kubrick (2001) zwar mehr als Malick, aber nichtsdestotrotz ist auch "The Tree of Life" ein großer und einzigartiger Film, den man so schnell nicht vergessen wird.

Das liegt natürlich zum Einen an den beeindruckenden Bildern über die Entstehung des Universums, der Erde, des Lebens sowie über den unweigerlichen Tod der Sonne und der Erde in ferner Zukunft, zum Anderen aber auch an dem intensiven Familiendrama, welches Malick hier präsentiert. Brad Pitt als autoritärer Familienvater und Jessica Chastain als liebende Mutter spielen wahrlich hervorragend. Auch die Kinderdarsteller können mehr als nur überzeugen, in Nebenrollen sieht man Sean Penn als erwachsenen Sohn Jack in einer Selbstfindungsphase und Fiona Shaw (Tante Petunia) als Großmutter.

Meine größte Befürchtung war jene, dass sich Malick zu sehr in christlich-spirituellen Themen verheddert, aber dieser Fall trat zum Glück nicht ein. Selbstverständlich nimmt der Gottesglaube einen nicht geringen Teil der Handlung ein, allerdings ist er stets Ausdruck der Charaktere. Malick selbst stellt Gott als ein Konstrukt bzw. eine Metapher dar und lässt seine menschlichen Charaktere wie im echten Leben darauf reagieren, daran verzweifeln und scheitern. Die Antwort auf die Frage, wo, wer oder was Gott ist, überlässt er dem Zuschauer. Teilweise hatte ich das Gefühl, ihn in der alleswissenden Kamera bzw. dem Zuschauer selbst (also mir) zu finden. Als Zuschauer sieht und hört man alles, selbst zu den innersten Gedanken und Gefühlen hat man Zugang. Dies verbleibt jedoch auf dem Stand eines stummen Beobachters, denn so wie im realen Leben sind die Menschen auf sich allein gestellt und ihrem Schicksal ausgeliefert. Von Gott (falls es ihn wirklich geben sollte) ist keine Hilfe zu erwarten, genauso wenig wie vom Zuschauer.

Darüberhinaus ist "The Tree of Life" eine Liebeserklärung an das Leben selbst, was Malick dadurch bewerktstelligt, dass er das Heranwachsen der Kinder von der Geburt an bis zu ihrer Pubertät auf Schritt und Tritt verfolgt. Mit Sicherheit wird jeder die ein oder andere Parallele zu seinem eigenen Leben in dem jeweiligen Alter ziehen können. So stark wie Malick hier die Wichtigkeit des menschlichen Lebens hervorhebt, verdeutlicht er gleichzeitig dessen Unbedeutsamkeit im Vergleich zur Existenz des Universums. Das Universum existierte schon lange vor den Menschen und wird es auch nach deren Ableben weiterhin tun. Am Baum des Lebens stellt die Menschheit nicht mehr und nicht weniger als ein im Wind wogendes Blatt dar. In gewisser Weise lebensspendend, aber ebenso entbehrlich und vergänglich.

Nichtsdestotrotz muss sich "The Tree of Life" die Aufzählung einiger Schwächen gefallen lassen. Vor allem im ersten Abschnitt leidet der Filmgenuss an einem unausgegorenen Schnitt. Zu abrupt wirken die Szenenwechsel, der Zugang zu den Charakteren und der Geschichte wird dem Zuschauer somit etwas erschwert. Besonders schade ist dies für Emmanuel Lubezkis Kamerafahrten, da es so scheint, als hätte ihn Malick hier mehrmals ausgebremst. Im weiteren Verlauf kann er zum Glück sein volles Talent ausschöpfen. Obwohl mir Malicks Gedankengänge gut gefallen haben, gehen ihm manchmal trotzdem die Pferde durch. Keine Ahnung, was er sich z.B. bei der Gnadentat des Dinosauriers gedacht hat, aber das war mal ganz grober Unfug.

"The Tree of Life" ist ohne Zweifel ein polarisierender und sperriger Film. Zuallererst sollte man sich auf dieses Werk und seine Thematik einlassen können, ansonsten braucht man es mit einer Sichtung gar nicht erst zu versuchen. Ich bin froh, dass mir der Film gefallen hat, werde ihn aber definitiv noch mehrmals anschauen müssen, um ihn vollständig verstehen zu können. Die 8/10 Punkte Bewertung stellt dementsprechend eine Momentaufnahme dar und haben durchaus Potential nach oben.

The Tree of Life Bewertung
Bewertung des Films
810
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1 Kommentar
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
05.02.2016 02:59 Uhr | Editiert am 05.02.2016 - 03:03 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 14.650 | Reviews: 162 | Hüte: 522

The Tree of Life gefiel mir zum Glück bedeutend besser als Der schmale Grat.
Hier versteht Malick etwas vom Geschichtenaufbau und der Charakterdarstellung.

The New World habe ich auch schon gesehen, ein Kommentar steht noch aus.
Eins kann ich aber schon mal sagen: Der Film dauerte gefühlt eine Stunde länger.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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