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21 Gramm

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Kurz-Kritik: Der Leidensweg des Menschen

21 Gramm Kritik

21 Gramm Kritik
8 Kommentare - 14.02.2016 von luhp92
In dieser Userkritik verrät euch luhp92, wie gut "21 Gramm" ist.

Bewertung: 4.5 / 5

Zum Glück habe ich gestern um 20.15 Uhr noch rechtzeitig in die Fernsehzeitung geschaut, da bin ich doch glatt auf ZDF neo über "21 Gramm" von Alejandro Gonzalez Inarritu gestolpert! Die ersten 1-2 Minuten habe ich zwar leider verpasst, dafür aber einen überragenden Film geliefert bekommen, den ich ansonsten wohl erst sehr viel später gesehen hätte. Überrascht war ich über den fehlenden TV-Tipp von eli4s^^

"21 Gramm" gehört zu der Sorte Film, die heutzutage entweder nur noch selten vorzufinden sind und/oder in der Masse einfach untergehen. Drei verschiedene Handlungsstränge über drei verschiedene Menschen und deren Familien, welche miteinander verwoben werden. Cristina Peck (Naomi Watts), die ihre Drogensucht überwunden hat und ein glückliches Leben mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern führt. Paul Rivers (Sean Penn), der an einer Herzkrankheit leidet, auf eine Transplantation wartet und mit seiner Frau (Charlotte Gainsbourg) über das Zeugen eines Kindes streitet. Jack Jordan (Benicio del Toro), ein früherer Sträfling, der seinen Weg zu Jesus Christus gefunden hat und seine Frau (Melissa Leo) und Kinder damit belastet. Anstatt diese Handlungsstränge linear auszuarbeiten und zu verknüpfen, setzt Inarritu auf eine zeitlich nicht chronologische und verschachtelte Erzählweise. Der Geschichte verleiht diese Verschachtelung zwar keine höhere Komplexität, wohl aber kann sie die Intensität des Dramas punktuell verstärken und den Zuschauer zum selbstständigen Mitdenken auffordern. Man kann sich nicht einfach nur berieseln lassen, sondern muss sich mit den Charakteren beschäftigen. Nach einer gewissen Laufzeit entwickelt sich ein automatischer Fluss, ein Sog zu den Charakteren hin, und in diesen Fluss bettet Inarritu schließlich seine Verknüpfungen und Handlungswendungen ein, die mich mehrmals vollkommen unvorbereitet und hart trafen. Aha-Momente, die ein größeres Ganzes offenbaren.

Mit "21 Gramm" widmet sich Inarritu sehr ausführlich dem Leid der Menschen. Wie viele Schicksalsschläge kann ein Mensch erleiden, bis er daran und am Leben selbst zugrunde geht? Inwiefern können Schicksalsschläge das Wesen eines Menschen verändern, sowohl im positiven als auch im negativen Sinn? Wie kann man als Mensch glücklich sein in einer Welt voller Tod und Krankheit? Gibt es trotz alldem Hoffnung auf Besserung? Welches Gewicht hat das Leben, sind es diese 21 Gramm, das "Gewicht der Seele"?
"21 Gramm" ist ebenso eine Belastungsprobe für den Zuschauer, manche Szenen bewegen sich nahe an der Grenze zur Unerträglichkeit. Selten findet man solche Filme, in denen sich die Schauspieler dermaßen intensiv in ihre Rollen hineinversetzen wie hier. Und das betrifft nicht nur das Hauptdarstellertrio bestehend aus Watts, Penn und del Toro sondern auch die komplette Nebendarstellerriege. Naomi Harris und Benicio del Toro wurden für ihre Leistungen für den Oscar nominiert, selbiges hätte ebenfalls auf Sean Penn zugetroffen, wenn er im gleichen Jahr nicht schon für Mystic River nominiert gewesen bzw. wenn eine Doppelnominierung in der Darstellerkategorie erlaubt wäre.

Die 9/10 Punkten stehen hier wegen ein paar, aber wenigen Längen im Mittelteil, allerdings hat die Bewertung definitiv Luft nach oben. Es könnten genauso gut 10/10 Punkten sein! Ohne jetzt auch nur irgendeinen näheren Vergleich ziehen zu wollen, vermittelte mir Inarritu hier in gewisser Hinsicht ein Filmgefühl, wie ich es zuletzt bei Nolans und Tarantinos Frühwerken bzw. Erik Van Looys "Loft" verspürt habe. Jeder dieser Filme beeindruckte mich auf unterschiedliche, aber doch ähnliche Weise. Damit meine ich nicht die Form an sich, sondern die Art, wie Form und Inhalt zu einer Einheit verschmolzen werden.

21 Gramm Bewertung
Bewertung des Films
910

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8 Kommentare
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
14.01.2020 23:06 Uhr
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Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 14.811 | Reviews: 163 | Hüte: 523

@eli4s

Ja, von "The Tribe" habe ich schonmal gelesen. Gut möglich, dass das sogar ein Kommentar von dir war, falls du dazu mal etwas auf Moviejones geschrieben hast.

Thematisch etwas weiter entfernt mochte ich da auch die Umsetzung in den neuen "Planet der Affen"-Filmen, dort unterhalten sich ja zunächst James Franco und Caesar und später dann die Affen untereinander ebenfalls in Gebärdensprache. Auch in der Realität können Menschenaffen Gebärdensprache lernen, von solchen Fähigkeiten (allgemein Intelligenz und Menschenähnliches im Tierreich) bin ich immer wieder fasziniert.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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eli4s : : Moviejones-Fan
14.01.2020 21:25 Uhr
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Dabei seit: 22.02.12 | Posts: 2.560 | Reviews: 31 | Hüte: 106

@luph92

Ja, das stimmt, die Figurenkonstellation ist da deutlich enger, intimer.

Apropos Gebärdensprache. Vor ein paar Jahren gab es da mal einen Film "the tribe", der war nur in Gebärdensprache und ohne Untertitel. War auch mal interessant ^^

Bin auch gespannt, was innaritu als nächstes macht.

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
14.01.2020 20:56 Uhr | Editiert am 14.01.2020 - 21:00 Uhr
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Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 14.811 | Reviews: 163 | Hüte: 523

@eli4s und TiiN
Das ist auch ein Grund, warum mir "21 Gramm" besser gefiel, hier verschmelzen die drei Handlungsstränge zu einem großen Ganzen, während das in "Babel" hinsichtlich des Japan-Handlungsstrangs weniger gut gelingt. Nichtsdestotrotz sagte mir sehr zu, dass Innaritu hier eine Taubstumme und Gebärdensprache in den Fokus rückte, das sieht man ja nicht allzu oft.

@TiiN
Falls du Amazon hast, da werden "Buitiful" und "Amores perros" zum Leihen angeboten. Ersterer zudem zum Leihen auf Maxdome und im kostenlosen Monatspaket, falls du die Flatrate gebucht hast.


Ansonsten frage ich mich, wann mal wieder ein Langfilm von Innaritu kommt. "The Revenant" ist schon mehr als vier Jahre alt und seitdem hat er nur zwei Kurzfilme gedreht.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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TiiN : : Goldkerlchen 2021
14.01.2020 20:42 Uhr
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Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 7.115 | Reviews: 146 | Hüte: 437

@eli4s

Jo Birdman sowie The Revenant kannte ich schon, sah beide im Kino. Alle anderen Werke bin ich gerade dabei aufzuarbeiten.

Stimmt, während des Japan-Plots bei Babel fragte ich mich auch, wie dieser Part mit dem Rest verknüpft sein soll. Aber mir gefielen die vielen Kulturen, welche man dadurch in den Film bauen konnte. Natürlich war es etwas weit hergeholt, aber das fand ich für einen Spielfilm nicht so kritisch.

Mal gucken wann ich die letzten beiden Filme zu Gesicht bekomme.

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eli4s : : Moviejones-Fan
14.01.2020 18:42 Uhr | Editiert am 14.01.2020 - 19:13 Uhr
0
Dabei seit: 22.02.12 | Posts: 2.560 | Reviews: 31 | Hüte: 106

@Tiin

ich finde nicht, dass er es mit dem Leiden übertrieben hat, sondern eher mit dieser Aussage "wir sind alle eins und alles hängt zusammen". Die Verbindung zu der Japan-Story ist ja schon etwas arg banal und reinkonstruiert. Das Schicksalsthema und diese Tendenz zu "alles hat eine Bestimmung" ist ja eigentlich in all seinen anderen Filmen präsent. Spirituelle Elemente baut er ja immer wieder ein. da kann halt nicht unbedingt jeder was mit anfangen.

Schön, dass dir 21 Gramm gefällt. Bin gespannt auf die anderen...
Interessant ist da auch, dass Innaritu hier Zeit und zeitliche Relationen also, was war vorher nachher vollkommen obsolet macht und sich nur auf die Emotionen der Figuren fokussiert und die praktisch alles verwischen, Vergangenheit/Gegenwart/Zukunft, weil die Figuren seit dem Schicksalsschlag vollkommen aus ihrem Leben geschmissen sind.
Ich musste den Film ein paar mal sehen, bis ich da durchgestiegen bin, weil es mich erst oft verwirrt hat.

Birdman kennst du ja wahrscheinlich schon. Der ist ja stilistisch/visuell dann wirklich ganz anders angelegt, wobei er auch die wieder ähnliche Zwecke verfolgt.

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
14.01.2020 17:45 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 14.811 | Reviews: 163 | Hüte: 523

@TiiN

Top!

Bei einem Vergleich mit "Babel" im Bezug auf das erzählte und dargestellte Leid könnte ich da aktuell auch nur subjektive Empfindung als Grund anführen.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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TiiN : : Goldkerlchen 2021
13.01.2020 21:21 Uhr
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Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 7.115 | Reviews: 146 | Hüte: 437

Weiter ging es bei mir mit Alejandro González Iñárritu - heute habe ich mir 21 Gramm angeschaut.

Teilweise ist der Film echt großartig und hat richtig mitreißende Szenen. Ich empfand jedoch ein starkes Schwanken bei der Laufzeit. Manche Phasen waren überraschend, andere hatten einen Hänger, insgesamt aber ein mehr als gelungener Streifen.
Iñárritu hat das schöne Talent, Szenerien und Darsteller authentisch darstellen zu können und so fühlt sich quasi alles im Film echt an.
Jedoch gefiel mir in Babel die Inszenierung besser, zudem wurden durch die drei unterschiedlichen Kulturen größere Kontraste geschaffen.
Aber 21 Gramm ist von den einzelnen Momenten intensiver. Besonders durch einen starken Sean Pean und eine überragende Naomi Watts.

Von mir bekommt 21 Gramm wie auch Babel 8 von 10 Punkten. Die Begeisterung von luhp92 für dieses Werk kann ich jedenfalls nachvollziehen. Verstehe jedoch nicht, wieso die Leute meinten, dass Babel es mit dem Leiden übertrieben hat. Ich persönlich fands in 21 Gramm heftiger. Aber ist wohl immer die persönliche Auffassung.

Nun fehlen mir von Alejandro González Iñárritus Filmografie noch Amores Perros sowie Biutiful. Natürlich gibts die beiden bei Netflix nicht. Werden also nicht in den nächsten Tagen folgen. Aber sicher bald.

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eli4s : : Moviejones-Fan
14.02.2016 23:13 Uhr
0
Dabei seit: 22.02.12 | Posts: 2.560 | Reviews: 31 | Hüte: 106

... hehe. das liegt einfach daran, dass ich viel anderes zu tun hatte am Wochenende und außerdem vielleicht erstmal genug habe von Inarritu für ne Weile.

Gute Kurzzusammenfassung des Films, der wirklich interessant mit Zeit und Raum umgeht. Wobei er mich nicht ganz so beeindruckt hat, wie es bei dir ganz eindrücklich der Fall war.

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