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Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

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Als Hitler das rosa Kaninchen stahl Kritik

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl Kritik

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl Kritik
0 Kommentare - 09.03.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" ist.
Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Bewertung: 3.5 / 5

Zu Beginn des aufsteigenden Nationalsozialismus in Deutschland lebt die kelien Anna Kempter (Riva Krymalowski) in unsicheren Zeiten. Ihr Vater Arthur (Oliver Masucci) wird gezwungen, mitsamt ihrer Familie das Land zu verlassen. Zusammen beschließen sie in die Schweiz zu fliehen, während ihre Mutter Dorothea (Carla Juri) und ihr Bruder Max (Marinus Hohmann) zusammen mit Anna getrennt vom Vater unterwegs sind, bereisen sie Frankreich und England, um endlich in Sicherheit zu sein.

Das Thema 2. Weltkrieg ist mittlerweile eigentlich schon ein eigenes Genre geworden. Nicht umsonst bekommen die Zuschauer Jahr um Jahr wieder eine Geschichte präsentiert, die sich mit dem Thema befasst. Mal als unkonventionelle Komödie, mal als Spiegelbild der Kunst, mal als Rettungsversuch, mal als Geschichten über starke Persönlichkeiten, mal aus der Sicht von Märtyrern, mal als kontrafaktisches Märchen und mal aus der Sicht von Kindern. Und in diese Kategorie lässt sich auch Als Hitler das rosa Kaninchen stahl einordnen. Allerdings ist er dabei bei weitem nicht der erste Film. Ohnehin ist aber die grundsätzliche Prämisse, nämlich den Holocaust und die Nazizeit aus der Sicht eines Kindes zu erzählen, spannend. Sollte man das überhaupt. Soll man Kinder mit solch grauenhaften Themen wie der Vergasung von Menschen, Krieg und vielem weiterem konfrontieren, oder eben nicht. Einer ähnlichen Frage ging in den späten 2000er Jahren auch Der Junge im gestreiften Pyjama (2008) nach und wurde nicht zuletzt auch deswegen stark kritisiert. Und auch Hollywood versuchte sich im gleichen Jahr wie Als Hitler das rosa Kaninchen stahl eben an dieser Frage. So wurde mit Taika Waititis Jojo Rabbit (2019) ein Film veröffentlicht, der genau diese Frage beantworten soll und anscheinend mit einem klaren „Ja“ entgegnet.

Trailer zu Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Nun hat man sich in Deutschland für die Adaption des Werkes eine Regisseurin geholt, die eine gewisse Erfahrung mit der Umsetzung schwieriger Stoffe aus der Sicht von Kindern mit sich brachte. Schließlich schuf sie zuletzt mit Der Junge muss an die frische Luft (2018) einen Film, der mit Themen wie Depressionen, Suizid oder finanzieller Not spielend leicht hantierte. Und ja, selbst wenn die Geschichte keineswegs originell ist und der ganzen Thematik – wie sollte es auch anders sein – nichts mehr hinzuzufügen hat, so gelingt es Caroline Link ein unglaublich bewegend, infantil porträtiertes Drama über eine Familie zu zeichnen, die ob ihrer Konfession zur Flucht gezwungen werden. Dabei werden die großen Konfliktfragen eigentlich die gesamte Zeit über von den Erwachsenen Figuren getragen, während die Kinder, vor allem die kleine Anna, nie so recht verstehen, was eigentlich passiert. Dadurch, daß der Film seine eigentliche Drastik in dem kindlichen Unverständnis über diese Gräueltaten sucht, trifft er genau den Kern des Zweiten Weltkrieges. Denn es ist nicht zu verstehen. Nicht als Kind und auch nicht als Erwachsener. Daß die Umstände hinter den Taten dabei natürlich geklärt werden, zeigt abermals, wie intelligent dieser Film ist. Sie sind nie rational und werden es auch nie werden.

Zudem schafft der Film dadurch auch den Spagat zwischen naivem Drama mitsamt dem kindlichen Explorationsverhalten, ohne das Treiben des Landes irgendwie zu verklären. Zwar spielt der Zweite Weltkrieg hier eigentlich auch gar keine Rolle, und der Film zeichnet somit eher den Untergang der Weimarer Republik. Dennoch ist er eben dadurch auch ein Film, der aktueller nicht sein könnte. So gelingt es Link nicht nur den Krieg kindlich zu erklären, ohne ihn zu verklären, gleichsam hat sie durch das Miteinbringen erstaunlicher Parallelen im Untergang der Weimarer Republik im Vergleich zu unserer Bundesrepublik auch genau den Zeitgeist getroffen. Ebenso ist Links Inszenierung abermals atemberaubend. Denn erneut gelingt es ihr ein furchtbar emotionales Werk zu schaffen, ohne dabei plakativ auf die Tränendrüse zu drücken. Denn der erwachsene Zuschauer weiß – also im Normalfall – die ganze Zeit um die Gefahr, die die Familie während ihrer Flucht aus Deutschland umgibt und kann aufgrund der tatsächlichen Gegebenheiten Verknüpfungen erstellen, während Kinder darin die einfache Thematik von gut und böse erklärt bekommen. Und tatsächlich bietet sich dabei kein besseres Thema als eben der Zweite Weltkrieg an, weil kaum ein Konflikt in der Menschheitsgeschichte so einfarbig, so klar ist, wie eben die Taten der Nazis.

Gerade weil aber auch das Thema quasi nur am Rande eine Rolle spielt, sucht der Zuschauer ständig nach einer Perspektive, die der der Wissenden nahekommt. Dabei ist es vor allem Oliver Masuccis Arthur Kempter, der die meiste Zeit über, seine Kinder eigentlich zu schützen versucht. Sowohl auf physischer Ebene, als auch auf psychisch, emotionaler Ebene. Denn als kritischer, jüdischer Künstler im Dritten Reich, war das Leben – wenn es denn überhaupt noch war – keine einfache Aufgabe. Und so spürt man auch die ganze Zeit, die Angst und das Unverständnis in Masuccis Figur, die gleichsam versucht für ihre Familie stark zu sein und ihre Flucht als eine Art Spiel zu erklären. Dann wiederum kommt es eben in dieser aufreibenden Zeit manchmal zu Gefühlsausbrüchen, die die Figur so nahbar machen und wodurch Massuci abermals beweisen kann, was für ein phantastischer Schauspieler er ist. Selbiges gilt auch für Carla Juri, die hier die Mutter verkörpert und mehr noch als ihr Mann eben das emotionale, beziehungsweise die Gefühlsausbrüche trifft.

Aber auch die Besetzung der Hauptfigur durch Riva Krymalowksi zeigt abermals, was für ein gutes Händchen Link im Umgang Kinderdarstellern hat. So wird die Figur eigentlich durch eine gewisse Neunmalklugheit, aber auch dem starken Drang zu entdecken ausgezeichnet. Daß das jetzt nicht besonders originell ist, muss man an der Stelle wohl kaum erwähnen. Allerdings trägt Kryamlowski zu jedem Zeitpunkt diesen Film, und schafft es durch ihre charmante und fröhliche Art eine Art Optimismus in dieser Zeit zu finden. Natürlich ist das vielleicht auch dem Umstand geschuldet, daß die Figur sowieso nicht genau weiß, was gerade um sie herum passiert. Dennoch macht es die Performance mit Nichten schlechter. Und gerade weil der Charakter so fröhlich durch die Welt streift, ist der Film die ganze Zeit mit einem Optimismus versehen, der in dieser Form sehr speziell auch innerhalb des Genres ist. Klar ist das pathetisch und gleichzeitig ist es dennoch nie weitab der Realität. Das führt dazu, dass der Film mitunter auch viele herzhafte, lustige Momente hat, die aber dennoch respektvoll und zu keinem Zeitpunkt irgendwas ins lächerliche ziehen. So etwa, wenn Masuccis Arthur sich bei Hitler über eine eher naive Ungerechtigkeit beschweren würde.

Ein schwieriges Thema naiv verpackt, ohne dabei die Grauen jener Zeit zu verharmlosen wird in Als Hitler das rosa Kaninchen stahl zu einem emotionalen Werk, daß besonders durch seine vielschichtige Herangehensweise, aber auch seinen Optimismus punkten kann. Schauspielerisch beweist der gesamte Cast sein Talent, während vor allem die Inszenierung einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl Bewertung
Bewertung des Films
710

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