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Banklady

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Ba-Ba-Banküberfall

Banklady Kritik

Banklady Kritik
0 Kommentare - 06.04.2014 von DirtyMary
In dieser Userkritik verrät euch DirtyMary, wie gut "Banklady" ist.

Bewertung: 3 / 5

Die österreichische Anarchopopband [b]“[/b]Erste Allgemeine Verunsicherung[b]”[/b] hat es vor einigen Jahrzehnten in einem ihrer vielen Klassiker auf den Punkt gebracht: [b]“[/b]Das Böse ist immer und überall[b]”[/b]. Und das [b]”[/b]Böse[b]”[/b] kann sehr viele Ausprägungen haben. Da ist zum Beispiel das berechnend Böse, welches einen perfiden und gut durchdachten Plan verfolgt, aber es gibt auch das Böse, das sich scheinbar zufällig, fast schon schicksalhaft seinen Weg im Menschen bahnt. In welcher Kategorie die echte Bankräuberin Gisela Werler einzuordnen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Bankräuberin Gisela Werler im Film [b]Banklady[/b] gehört irgendwie in beide Kategorien, und allein diese Ambivalenz macht den Film schon mal interessant. Regisseur [i]Christian Alvart[/i] hat nicht gerade das Who is Who des deutschen Kinos zur Verfügung. Mit [i]Nadeschda Brennicke[/i], [i]Ken Duken[/i], [i]Charly Hübner[/i], [i]Andreas Schmidt[/i] oder [i]Heinz Hoenig[/i] hat sich eher die gehobene TV-Serien-Klasse versammelt, und nicht jede Figur funktioniert oder hat ihre Idealbesetzung gefunden. [i]Andreas[/i] [i]Schmidt[/i] ist mit seiner Rolle ein Stück weit unterfordert und [i]Heinz[/i] [i]Hoenig[/i] verkörpert eine überflüssige Knallcharge. [i]Ken[/i] [i]Duken[/i] als leitender Ermittler funktioniert mit Ach und Krach, in einigen Szenen agiert er aber hart an der Grenze zur Selbstparodie. Es ist [i]Christian Alvart[/i] und den beiden Hauptprotagonisten zu verdanken, daß dieses Gangsterstück, welches ein Stück weit an echten Begebenheiten und an real existierenden Personen angelehnt ist, als Genre- und Popcornkino über die volle Spieldistanz unterhält. Das vermiefte und verspiesste Deutschland der 60´er Jahre wird ohne grossen Szenenbildaufwand gelungen porträtiert, und so oberflächlich und scheinbar stereotyp die filmische Handlung und die Figuren angelegt sind, so scheinen doch immer wieder unter dieser Oberfläche Eruptionen durch, die dem Streifen zumindest eine leichte und mitunter unvorhersehbare Tiefe verleihen. [i]Alvart[/i] gelingt es idR auch sich aus dem Fahrwasser unfreiwilliger Komik rauszuhalten. Denn vieles an technischem und (zwischen)menschlichem der damaligen Zeit ist nach heutigem Maßstab und rückblickend betrachtet belustigend. Und wenn der Regisseur bei den Raubüberfällen zur Splitscreentechnik greift oder bei [b]”[/b]Verfolgungsjagden[b]”[/b] sich in der visuellen Umsetzung an moderne amerikanische Vorbilder anlehnt, dann hätte vieles daneben gehen können, aber der schmale Grat zwischen verspieltem Kontrast und banaler Comedy wurde erfolgreich bewältigt. Auch sind die Macher nicht der Versuchung unterlegen eine deutsche Variante von[i] Bonnie und Clyde[/i] abzudrehen, deren intensive Liebesbeziehung sich auf der rohen Gewalt gründete, die sie ausübten. Die in [b]Banklady[/b] sich entwickelnde Liebesbeziehung zwischen Gisela und ihrem Kumpan basiert dagegen auf etwas gänzlich anderem. [u]Inhalt[/u] Die verhuschte und oberflächlich verschüchterte Gisela Werler [b]([/b][i]Nadeschda[/i] [i]Brennicke[/i][b])[/b] lebt mit ihren 30 Lenzen noch bei ihren Eltern in ihrem kleinen Kinderzimmer. Dort empfängt sie regelmässig ihren Dauerfreund Uwe [b]([/b][i]Andreas Schmidt[/i][b])[/b] mit dem sie auch an ihrem Arbeitsplatz zu tun hat. Dieser kann [b]–[/b] der damaligen Zeit angemessen [b]–[/b] zumindest zu vorgerücker Uhrzeit nur per Fenstereinstieg seine Liebste besuchen. Aber zu den aus seiner Sicht erwünschten Intimitäten kommt es nicht, auch ahnt er wenig von den heimlichen Sehnsüchten Giselas und deren Geheimnissen. Diese Geheimnisse werden erst offenbar, als sie per Zufall einen Kumpel von Uwe kennenlernt. Dieser übt auf Gisela eine seltsame Faszination aus, obwohl er sich ihr gegenüber gänzlich uncharmant verhält. Aber dieser nicht ganz austrainiert wirkende Typ raubt in seiner Freizeit Banken aus, und Gisela glaubt in ihm einen Seelenverwandten gefunden zu haben, verliebt sich gar in ihn. Sie sieht nur eine Möglichkeit sein Herz gewinnen zu können: die Teilnahme an den Banküberfällen. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten scheinen die beiden zumindest als Räuberduo gut zu harmonieren, aber als Gisela erfährt, daß ihr Gaunerfreund nicht der ist, der er vorgibt zu sein, muss sie entscheiden wie sehr sie ihr neues Leben und auch ihn tatsächlich liebt. [u]Kritik[/u] Um die Beweggründe und Motivation Werlers verständlich zu machen, wird Zeitkolorit im Film gross geschrieben. Keine Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, tradierte Wertvorstellungen über Familie und Beruf, der oftmals monotone Arbeitsalltag und die in solchen Gesellschaften unvermeidliche Doppelmoral in Sachen Sexualität[b]([/b]auswärts hui, zu Hause ...[b])[/b]. Während Giselas Eltern und ihre ArbeitskollegInnen diesen Mief unisono akzeptieren oder gar (unfreiwillig) fördern, ist diese Art von Leben für Gisela mehr als frustrierend, in ihr schlummert mehr als nur der oberflächliche Ruf nach Freiheit [b]([/b][b]"[/b]Capri[b]"[/b][b])[/b]. Sie möchte das Leben spüren, und dies will sie mit demjenigen teilen, der ihr das ermöglicht. Koste es, was es wolle. Ohne Zeigestock des Oberlehrers oder den [b]“[/b]Zaunpfählen[b]”[/b] eines Stümpers gelingt es Regisseur [i]Alvart[/i] die damalige Zeit gekonnt zu inszenieren und der Figur Gisela Werler damit den entscheidenden Stempel aufzudrücken, der sie den Zuschauern so nahe bringt, daß man mit ihr mitfiebern kann. Und zwar sowohl auf der emotionalen als auch auf der Actionebene. Ihre Beziehung zu ihrem [b]“[/b]Kollegen[b]”[/b] gestaltet sich analog zum erhöhten Risiko der Raubzüge immer intensiver. Der von [i]Charly Hübner[/i] ([b]Ladykracher[/b] ..) gespielte Bankräuber gewinnt nach und nach auch immer mehr an Format, und die Interaktion mit [i]Nadeshda Brennicke[/i] erweist oft sich als Volltreffer. Die beiden sind die Seele des Films, wobei die ganz grosse Spannungskurve leider ausbleibt. Denn dazu hätte es adäquate Gegenspieler bedurft. Die Polizei kommt den beiden nur schwerlich auf die Schliche. Der gut ausgebildete, aber noch unerfahrene leitende Ermittler [b]([/b][i]Ken Duken[/i][b])[/b] denkt viel zu kompliziert, während sein älterer Kollege [b]([/b]H[i]einz Hoenig[/i][b])[/b] zu einfach gestrickt ist, um das unkonventionelle Gangsterduo zu stoppen. Beide bereichern den Plot nicht in dem Maße wie es zwecks Spannung wünschenswert gewesen wäre. Daran ändert auch der eine oder andere pathetische Moment nichts, den man im Schlussakt und Epilog für [i]Duken[/i] ins Drehbuch geschrieben hat [u]Fazit[/u] Was am Ende von dem Streifen hängen bleiben wird, ist vermutlich nicht der mitunter zu konstruierte Plot, sondern der Mut von Regisseur [i]Christian Alvart[/i] für eine [b]“[/b]altbackene[b]”[/b] Zeit modernste filmische Methoden einzusetzen, ohne dabei das eigene Werk ins Lächerliche zu ziehen oder damit den Akteuren nicht den nötigen Respekt zu zollen. Auch der Kamera gebührt in dieser Beziehung eine explizites Lob. Immer wieder werden die Dialoge mit eigenwilligen Perspektiven unterfüttert und pointiert, und die Überfälle werden so fotographiert, daß man die Perspektive der Bankräuber nachvollziehen kann. Man würde sich bei deutschen Filmemachern mehr solche mutigen Projekte wünschen. Der deutsche Kinofilm ist zumeist tonnenschwer mit Problemen beladen oder [i]Schweiger[/i] duelliert sich mit [i]Schweighöfer[/i] darum, wer den vorhersehbarsten Liebesplot schauspielerisch am besten vergeigen kann. Was man mit einem vergleichsweise geringen Budget, einer mutigen visuellen Umsetzung und dem einen oder anderen guten Darsteller erreichen kann, zeigt dieses Werk, welches mal nicht auf einem Pfad trampelt auf dem schon seit längerem kein Gras mehr wächst.

Banklady Bewertung
Bewertung des Films
610

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