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Big Fish - Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht

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Big Fish Kritik

Big Fish - Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht Kritik

Big Fish - Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht Kritik
0 Kommentare - 29.07.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Big Fish - Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht" ist.

Bewertung: 4.5 / 5

Edward Bloom (Albert Finney und Ewan McGregor) ein alter Geschichtenerzähler liegt im Sterben. Als sein Sohn William (Billy Crudup), mit dem er viele Jahre nicht gesprochen hat, ihn besucht, merkt William, daß er seinen eigenen Vater gar nicht kennt. Darum erzählt Edward seinem Sohn seine Lebensgeschichte in Form eines surrealen Märchens.

Als Mensch wird man nicht gerne belehrt. Das ist wohl eine Tatsache. Auch wenn man sich das Leben lang in einem schizophrenen Kampf zwischen Herbeisehnen und Ablehnen von Strukturen befindet, so ist der Mensch dennoch in der Sehnsucht festgefahren, durch höhere Instanzen gebremst zu werden. Daher maßen wir uns auch an, Menschen, die ein definitiv anderes Verständnis von Raum und Zeit, von Wahrnehmung und Wirklichkeit haben, in eine gewisse Ordnung zu drängen. Dabei entledigt man sich jedweder Faszination und ohnehin ist es schwer, sich von dem Treiben dieser Welt nicht zum Zynismus bekehren zu lassen. Mit Big Fish richtet Tim Burton den Blick mithilfe des autobiografischen Drehbuchs von John August auf eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung. Dieser Vater, gespielt von Albert Finney, beziehungsweise Ewan McGregor in jüngeren Jahren, berichtet von Abenteuern. Doch anders, als in herkömmlichen Beziehungen behauptet dieser Vater, daß die Geschichten, die er seinem Sohn vor dem Schlafengehen erzählt hat, keine Märchen sind. Nun gehören Familienbände vermutlich auch zu den kompliziertesten Vereinigungen der Menschheit. Denn egal wie man Dinge dreht oder wendet, Blut bleibt Blut. Daß darin selbstverständlich auch eine durch ewige Geschichten und Werte getragene Verbundenheit besteht, ist ein Umstand, der auch im Kino schon von vorne bis hinten beleuchtet wurde.

Doch selbst wenn Big Fish im Kern wie eine gewöhnliche Familientherapie anmutet, versteckt sich im Kern eine wesentlich bedeutendere Botschaft. Gerade auch mit dem Zustand der heutigen Welt, im Hinblick auf die sozialen Medien, gewinnt dieser Film an unglaublicher Brisanz. Betrachtet man im Zuge des Kapitalismus erfolgreiche Funktionäre einer Welt, dann fällt auf, daß immer mehr Menschen dazu neigen ihr eigenes Leben ins Rampenlicht zu ziehen. Aus Kleingeistern werden über Nacht Stars und aus dem Leben dieser Kleingeister, wird die voyeuristische Befriedigung nach Gleichgesinntheit im Profanen. Nicht umsonst sind gerade semi-interaktive Medien wie YouTube oder Instagram für diese Sorte Mensch so wertvoll. Denn nirgendwo kann man eine bessere Nahbarkeit suggerieren kann, als im Netz. Dabei entpuppen sich diese Konzepte jedoch recht schnell auch als falsch, weil auch die Selbstoptimierung in dieser Welt von großer Bedeutung ist. Der Protagonist der Geschichte weiß darum, eine Geschichte auszuschmücken. Denn wahre Unterhaltung braucht, abseits des Normalen, auch eine Daseinsberechtigung. Daher ist Big Fish eine Ode an das Geschichtenerzählen in Formen von Märchen oder Abenteuern. Da kommt ein Zirkusdirektor als Attraktion zu kurz, und daher muss auch eine Werwolfartige Mystifizierung stattfinden, um das Erlebte auch Berichtenswert zu Gestalten. So gesehen ist dies also die Antithese zum absoluten Realismus und der Nahbarkeit.

Das heißt aber nicht, daß das Werk nicht nahbar sei, oder sich in gar keiner Form von Realität festigt. Denn egal wie man es dreht und wendet, alle Medien berichten vom Leben. Und dieses Leben wird in jeder erdenklichen Faser durchleuchtet. Ob Kindheit, Adoleszenz, Mündigkeit, ja selbst der Tod ist Teil des Lebens. Dabei zieht sich der von Der König der Löwen (1994) angedeutete ewige Kreis hier in eine neuere, wesentlich bessere Form. Denn ironischerweise dreht sich auch hier der Kreis, aber nicht einfach in eine Richtung, sondern zu zwei unterschiedlichen Perspektiven, auf ein und dasselbe Ziel. Während der ältere Edward Bloom immer wieder von Abenteuern berichtet, die ihm in seiner Kindheit, seiner Jugendphase, wie auch dem Erwachsenendasein passiert sind, so ist es der Sohn, der das Alter von seinem Vater aus dergleichen Perspektive betrachtet, aber dennoch eine ganz andere, wesentlich gereiftere Version darin sehen will. Es geht sozusagen um die Sehnsucht nach Normalität. Denn William Bloom sehnt sich nach nichts mehr, als nach einem Vater, der für ihn da ist und nicht ständig von Geschichten berichtet. Doch darin kann keine Erfüllung liegen, weil der Drang nach Flucht aus der Normalität für Edward Bloom viel zu groß ist.

Tim Burton inszeniert seinen Film als postmodernes Märchen, daß sich im Zuge dessen, auch nicht auf seine reine Grundgeschichte reduzieren lassen darf. Dazu beitragen tut vor allem die wunderbare Musik von Danny Elfman, die sich bewusst auf sehr ruhige und melodische Töne beschränkt. Dabei wird immer wieder der Abenteuerfaktor hervorgehoben. Es geht darum ein erstaunliches Leben in Töne zu verwandeln, was Elfman auch zu jedem Zeitpunkt gelingt. Dabei ist seine Musik sowohl extrem unaufdringlich, also auch emotional. Gerade wenn Will seinen Vater am Bett besucht, wird es überdeutlich, weil es hier um ein Leben geht, daß sich immer die Fragen nach Wahrheit und Liebe gestellt hat. Gleichsam steht dies auch im Kontrast, zu all den Abenteuern, die Edward erlebt hat oder haben soll. Hin und wieder schleichen sich auch hier die typischen Burton-Momente ein. Verfolger von dessen Filmografie werden es wissen und bestätigen können, daß wenn Bloom über den Gigantofikationsmus berichtet, entstehen absurde Momente. Dazu gesellt sich ein recht seltsames Treffen mit einem Riesen, der im Konflikt mit einer Kleinstadt steht. Dabei kann man das hier vermutlich schon als die humanistische und humorvolle Variante von ähnlichen Erlebnissen aus Hans und die Bohnenranke, sowie Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer (2018) verstehen.

Insgesamt ist das Werk von opulenten Bildern und purer Schönheit durchzogen. Wenn dieser Edward Bloom durch die Welt streift, dann sind es Bäume und Lichter, die hier das gesamte Treiben in einen puren Optimismus werfen. Gleichsam schafft es Burton aber auch horroreske Ortschaften zu inszenieren, die dabei auch an andere Werke des Regisseurs erinnern. So sieht gerade der dunkle Wald, doch den Wäldern von Sleepy Hollow (1999) ähnlich. Und damit sieht er auch wie diese aus den frühen Disney-Werken Schneewittchen und die sieben Zwerge (1937), sowie Bambi (1942) ähnlich. Und das beißt sich auch keineswegs mit der sonst eher optimistischen Geschichte, die Burton erzählt. Dann wiederum nimmt der Film auch Bezug auf die Gegenwart, indem er das Konzept von Utopia auf eine Kleinstadt verfrachtet. Als diese quasi von der Außenwelt entdeckt wird, ist es vor allem der Fortschritt in Formen von Banken und dergleichen, der sie ereilt. Dabei ist klar, daß diese mit dem Hab und Gut spekulieren, und anschließend bankrottgehen. Nun ist dieser Film zwar vor der großen Weltwirtschaftskrise im Jahr 2008 entstanden, und dennoch kann man hier ein Muster erkennen, welches sich augenscheinlich durch die gesamte Geschichte zieht und den Menschen als profitorientiertes Wesen darstellt.

Eine etwas komplexere Ausgangsgeschichte hätte Big Fish sicherlich gut gestanden. Abseits dessen ist dieser Film durch seine wunderschöne Optik, seinem Spiel zwischen Realität und Fiktion und damit im starken Kontrast zu modernen Medien, ein wirklich mehr als gelungenes Werk. Schauspielerisch funktioniert Ewan McGregor als optimistischer Gatsby-Verschnitt, voller Träume und Hoffnung sehr gut. Auch handwerklich mutet das gesamte Werk skurril, und dennoch wunderschön an.

Big Fish - Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht Bewertung
Bewertung des Films
910

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