AnzeigeN
AnzeigeN

Chicago

Kritik Details Trailer Galerie News
Chicago Kritik

Chicago Kritik

Chicago Kritik
0 Kommentare - 07.07.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Chicago" ist.

Bewertung: 4 / 5

Im Gefängnis lernt die Hausfrau Roxie Hart (Renée Zellweger) ihr Idol Velma Kelly (Catherine Zeta-Jones) kennen. Roxie sitzt wegen des Mordes an ihrem Liebhaber ein, der sie an ihrem Traum, einer Gesangskarriere hindern wollte. Nun soll sie zur Todesstrafe verurteilt werden und setzt damit ihre letzte Hoffnung in den erfolgreichen Anwalt Billy Flynn (Richard Gere). Durch ihren Mann Amos (John C. Reilly) gelingt es ihr den Anwalt zu engagieren, der nun die Macht der Medien nutzt, um seine Mandantin freizubekommen.

Ein Blick auf eine Zeit, die dermaßen anders war, wird bei Chicago nicht nur zu der offensichtlichsten aller Studien über die 1920er Jahren, sondern auch über die fast achtzig Jahre später, in welcher der Film zum gleichnamigen Musical erschien. Es ist immer wieder zu beobachten, daß moderne Filme eine Reminiszenz an vergangene Tage bieten. Das an sich ist weder aufschlußreich noch eine Analyse. Es ist erstmal ein Fakt. Doch wer das Kino ganz genau beobachtet, der weiß, welche Sorte Film besonders bei Kritikern beliebt ist. Es sind die Filme, die die große Errungenschaft Film wirklich in den Mittelpunkt rücken. Von Ed Wood (1994), zu Die Tiefseetaucher, über The Artist (2011), bis hin zu Hail, Caesar! (2016) verbindet alle Filme, daß sie das Filmemachen als solches in den Vordergrund rücken und es lieben. Ja, die Cinephilen werden hier vollends abgeholt und man huldigt damit vermutlich mehr denn je dem eigenen Schaffen. Ob darin nun eine Kunstform steckt, der man sich selbst nur beweihräuchert, müssen diejenigen entscheiden, die diese Filme auf ihre Mehrdeutigkeit untersuchen. In den frühen 2000er Jahren gab große Filme ohne Zweifel, wenngleich natürlich der Franchise-Wahn mehr und mehr Gestalt annahm. Inmitten dieser Zeit entstand auch Chicago unter der Regie von Rob Marshall, der sich nicht nur als dessen Debüt entpuppte, sondern gleichsam auch den wohl bekanntesten Filmpreisen der Welt sechs von insgesamt zwölf Nominierungen einheimsen konnte. Die Rede ist natürlich, hier selbstverständlich vom Academy-Award.

Nun würden zynische Filmkenner vermutlich sagen, daß es nicht gerade verwundert, daß die Academy sich selbst auszeichnet. Und dennoch unterscheidet sich dieser Film dann doch immens von Filmen der 2010er und 2020er Jahre. Denn während dieses Kino häufig aus einer unkritischen Auseinandersetzung und einer Durchemotionalisierung der Zuschauerschaft besteht, ist Chicago fast schon eine Antithese dessen. Daß jedoch im Guten, wie im schlechten Sinne. Die Identitätspolitik hat den vermeintlich linken Teil Hollywoods voll im Griff und so steht diesem Teil vor allem ein Antiintellektualismus, der sich mit Geschichtsrevision und substanzloserer Hundertachtzig Grad-Wende befasst. Ghostbusters (2016), Get Out (2017), oder Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn (2020) wären nur einige dieser Filme, die zu Recht kritisiert werden, weil sie stellenweise unglaublich banal in ihren Aussagen sind, oder in anderen Teilen ganz einfach in all ihrem wirklich wichtigen Treiben manchmal auch nur den Spieß umdrehen und damit neue Hürden schaffen. Für Chicago bedeutet das, daß aber das Frauenbild des Films seiner Zeit irgendwo entspricht. Denn beide Hauptfiguren sind Frauen. Beide Hauptfiguren sind Mörder und beide Hauptfiguren würden alles tun, um erfolgreich zu sein. Und hier kommt ein großer Knackpunkt im Film, der tatsächlich Segen und Fluch zugleich ist, denn während die Frauen hier in keinem guten Licht stehen, ist es aber vor allem eine Parabel auf die Grenzenlosigkeit von kapitalistischen Träumen des Aufstiegs. Denn wie es in Hollywood wohl tatsächlich Teil des Alltags ist, würden auch diese Figuren so ziemlich alles tun, um ihren materiellen- und Ruf-Erfolg voranzutreiben. Das gibt den Figuren aber auch einen doppelten Boden.

Die Geschichte geht so gesehen ähnliche Wege wie Prestige – Die Meister der Magie (2006), weil auch hier das Ausspielen des Gegenübers immer im Vordergrund der Geschichte steht. Daß der Erfolg im Showgeschäft hier mit Morden verbunden wird, ist dahingehend tatsächlich eine wirklich gelungene Idee, die der Film immer wieder satirisch kommentiert. Ohnehin ist schwarzer Humor ein großer Teil des Films, der dem Zuschauer hier vor allem die Ambivalenzen der Vertreter eines kaputten Systems offenbart. Es verwundert dabei auch eigentlich ein wenig, daß Hollywood gerade einen solchen Film auszeichnet, der ja doch auch stark die Schattenseiten der Traumfabrik in den Vordergrund rückt. Natürlich könnte man argumentieren, daß der Film sich bewusst ja eine Zeit aussucht, die schon lange zurücklag. Doch das wäre Unfug, denn wenn ein Werk in einer Zeit keine Relevanz hat, dann wird es auch nicht gemacht. So geht es den rechten, wie auch den linken Filmemachern. Daher kann es eigentlich nur noch zwei Möglichkeiten für die Entstehung dieses Projektes geben. Entweder war es den Beteiligten Produzenten egal, oder sie haben das Werk schlicht und ergreifend selbst nicht verstanden.

Diese Unmenschlichkeit überträgt sich dann natürlich auch stark auf die Figuren. So bekommt der Zuschauer mit Roxy Hart eine Figur präsentiert, die natürlich zu Beginn schon ein wenig naiv anmutet. Doch je mehr sich diese Kriminalgeschichte aufdröselt, wird klar, was sie bereit ist, zu tun, nur um ihren Erfolg und ihre Zukunft zu sichern. Ebenso stark ist im übrigen auch Catherine Zeta-Jones als Velma Kelly, die im Verlauf dadurch so ein wenig ausgestochen wird. Doch Mitleid sollte man auch mit ihr nicht haben, weil sie vom selben Schlag ist und ebenso Blut an ihren Händen klebt. Daß das hier vom Regisseur auch stilistisch in Szene gesetzt wird, ist nur noch umso bemerkenswerter. Und man kann es nur nochmal hervorheben, weil es so besonders ist. Nämlich wird durch die Abgründe, in denen die Figuren sich bewegen, keinerlei Romantik an diesem pervertierten System hinterlassen. Es zeichnet alle Figuren, daß sie nur an ihr eigenes Leben denken. Daß ein farbenprächtiges Musical das herausstellen muss, ist dann irgendwo schon ironisch. Schließlich wirkt diese Kunst häufig so gestellt, beziehungsweise im Vergleich zu anderen filmischen Werken sehr oft surreal, weil sie ihre Geschichte weniger geerdet erzählen, als es eben Dramen tun.

Doch gerade das ist auch so spannend, weil dieses Musical in seinen stärksten Momenten dann komplett in eine andere Ebene abhebt. Der Genre-Hybrid aus Drama, Krimi, Komödie und eben Musical ist dann am stärksten, wenn er seine Gesangseinlagen als vollkommen surreal verkauft. Das erinnert dabei stark an 8 Frauen (2002), wobei es nie dessen Brillianz erreicht. Doch das muss es auch nicht, um insgesamt stimmig zu sein. Und gerade in den Gesangsnummern kann der Regisseur seine Stärken vollends ausspielen. Denn diese sind unglaublich gut choreografiert, was Marshall einfach als Choreograf super beherrscht.

Der Traum von der Traumfabrik wird in Chicago vollends zerstört. Die Machtstrukturen, die Gewalt und all die anderen Verbrechen stellt das Werk gekonnt dar und kann auch schauspielerisch überzeugen. Denn die Damen sind in ihrem Machtspiel gefangen und werden von dieser korrumpiert, was sich hier in diesem speziellen Kontext echt anfühlt. Zwar ist es auch irgendwo ein klassischer Fall von Oscar baite, doch mit einem gewissen Kniff, der das Werk von anderen dieser Art hervorhebt.

Chicago Bewertung
Bewertung des Films
810

Weitere spannende Kritiken

Predator - Prey Kritik

Userkritik von Raven13

Poster Bild
Kritik vom 13.08.2022 von Raven13 - 1 Kommentar
Heute habe ich mir "Prey" angesehen. Was für ein toller Predator-Film! Meine kurze Kritik ist spoilerfrei. Entgegen der Meinung mancher hier fand ich die Darstellung von Naru super und überhaupt nicht überzogen schlau oder stark. Zum Einen ist sie eine Komanche, und bei denen ging e...
Kritik lesen »

Nope Kritik

Nope Kritik

Poster Bild
Kritik vom 12.08.2022 von ProfessorX - 0 Kommentare
Die Kinder des legendären Pferdetrainers Otis Haywood Sr. (Keith David) haben seine Ranch geerbt. Während der pflichtbewusste OJ (Daniel Kaluuya) und seine Schwester Emerald (Keke Palmer) nicht unterschiedlicher sein könnten, beginnen seltsame Wettereignisse sie aus ihrem Alltag und d...
Kritik lesen »
Mehr Kritiken
Horizont erweitern

Was denkst du?
oder direkt auf MJ registrieren Ich stimme den Anmelderegeln beim Login zu!

Forum Neues Thema
AnzeigeN