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Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit

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Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit Kritik

Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit Kritik

Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit Kritik
0 Kommentare - 08.11.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Auf einer Fähre in New Orleans töten Terroristen, 543 Menschen. Um im Fall zu ermitteln, setzten die FBI-Agenten McCready (Bruce Greenwood) und Pryzwarra (Val Kilmer) eine neue Technologie ein, die es ihnen ermöglicht, in die Vergangenheit zu schauen. Um das Gerät richtig nutzen zu können, holen sie sich den ortskundigen ATF-Agenten Doug Carlin (Denzel Washington) dazu. Bald jedoch findet dieser heraus, daß das Gerät nicht nur in die Vergangenheit schauen, sondern diese auch beeinflussen kann. Und so möchte er dies nun nutzen, um die gestorbenen zu retten.

In einem Film, der das Gefühl der Vertrautheit einer aktuellen Situation zum Titel und zum Thema der Geschichte macht, sind es vor allem kleine handwerkliche Kniffe, mit denen Tony Scott versucht, seiner Regiearbeit einen gewissen Flair oder Schliff zu verpassen. Da werden dann teilweise Passagen wiederholt, um dem Zuschauer einen Meta-Witz ohne Pointe zu erzählen. Das ist gut und gerne eine Idee, aber nicht jede Idee ist es auch wert an die Menschheit gebracht zu werden. Insgesamt vermittelt der Film gerade zu Beginn eine Spannung, über seine Hauptfigur, die der Film auch einfach zu sehr ausreizt, als daß man sie auf Dauer als Gimmick erhalten könnte. Wer ist dieser Mann? Wer ist besagte, ominöse Frau? Da wird ein Fass aufgemacht und es wird ein Mysterium etabliert, daß in einen Twist mündet, den der Film aber eigentlich von Sekunde eins an schon auflöst. Das heißt eigentlich, daß eine Anti-Spannung der ganze Clou an Déjà Vu – Wettlauf gegen die Zeit ist. Zumindest, wenn es in einem Film nur noch darum geht, in irgendeiner Weise überrascht zu werden. Natürlich kann man sich dem Thema Zeitreise an diesem Punkt auch noch widmen und sich daran aufhängen, daß das immer unlogisch sein wird. Gerade die gängigste Theorie zu diesem wissenschaftlich-philosophischen führt der Film hier ad absurdum.

Doch es geht nicht um Logik. Kein Film dieser Welt wird vollständig in der Logik behaftet sein, maximal noch Dokumentationen. Aber auch diese bedienen sich einem unterhaltendem Narrativ. Das Narrativ dieses Films scheint die logische Konsequenz aus Der Staatsfeind Nr. 1 (1998) zu sein und handelt von einer Spezialeinheit, die in die Vergangenheit schaut und dabei Verbrechen genau nachvollziehen kann. Die Kritik ist ja eigentlich offenkundig und im Zuge der 2010er Jahre haben sich Medien tatsächlich als das entpuppt, was in Science-Fiction-Dystopien gerne mal so plakativ vor Augen geführt wird: Die völlig freiwillige Hergabe der Freiheit, der absolute Voyeurismus, der Verlust der eigenen Identität zu einem kollektiven Normalisierungsprinzip. All das sind Themen, die Tony Scott in seinem Werk anschneidet und kritisiert. Natürlich arbeitet dieser Doug Carlin mit dem Staat zusammen und im Prinzip möchte der Film sich auch lange nicht dazu äußern, wie er denn persönlich zu der totalen Überwachung steht. Doch dann gibt es doch einzelne Szenen, die gerade den voyeuristischen Anteil dieser Untersuchung ausmacht. Da werden tote Menschen quasi wiederbelebt und ausgespannt. Etwas, daß der Film hier zwar als einen Witz einzelner Parteien verkauft. Dennoch aber kritisch zu verstehen ist, weil eben die Hauptfigur einen ganz anderen, vielleicht verliebten Blick auf diese Frau hat, die da gezeigt wird.

Man kann sich eigentlich ausmalen, wie das ist, seine eigene Gedankenwelt zu verlieren und nicht zu erinnern, wer man war. Gerade das Thema ist ja eines, daß sich im Zuge der 2000er Jahre sehr prominent in Die Bourne Identität (2001) und den darauffolgenden Teilen zeigte. Und tatsächlich erinnert der Film zu Teilen auch stark an das Werk von Doug Liman. Wenngleich die Figur bewusst mysteriös bleibt und natürlich ist das Gimmick auch ein anderes, dennoch aber ist die Kernkritik die gleiche und dann bleibt natürlich auch die Frage, inwieweit ein Mensch überhaupt noch durch eine Identität definiert wird. Ein Gruselszenario, daß dieser Film dabei eröffnet. Natürlich hätte man vermutlich viel größere Töne noch spucken können, wenn man diese staatliche Einheit in ihrem Treiben komplett freidrehen lässt, denn dann hätte man sich wirklich in einen dystopischen Polizeistaat bewegt. Klar ist auch, daß das alles durch das Trauma vom 11. September 2001 gezeichnet ist: Die Hoffnung auf die totale Überwachung des Staates, eine Explosion, die ein Volk in Angst und Schrecken versetzt. Die höhere Angst und Gewalt. Und die generelle Bereitschaft, diese Dinge in Kauf zu nehmen. Natürlich etwas, was das Leben in seiner Ganzheit durchaus zweifelnd dem generellen, nicht ermessbaren Wert der Menschen gegenüberstellt.

Und bei solchen Fragen muss natürlich viel geredet werden. Auch hier würde man dem Film vermutlich vorhalten, daß er als Action-Science-Fiction-Film aus viel zu viel Exposition und zu wenig Explosionen besteht. Doch irgendwie ist das erfrischend und durch die latent hektische und wilde Inszenierung von Tony Scott fällt gar nicht so sehr auf, daß es da zu relativ wenig Action kommt. Zumal der Film auch mit einem sehr effektiven Knaller anfängt und die Spannung aus der kompletten Überforderung der Zuschauer entsteht. Das ist dann doch nicht zu einhundert Prozent Bruckheimer, auch wenn es vielleicht draufsteht. Auch schauspielerisch macht das eine Menge Spaß, weil Denzel Washington mit gewohnter Dominanz daher schreitet und einfach eine gute Präsenz hat. Ein Val Kilmer hält sich stark zurück, während eine Paula Patton hier auch Drehbuchbedingt mehr für Fragezeichen sorgen soll. Auch der restliche Cast ist dabei recht gut gewählt. Zudem fällt auf, daß Harry Gregson-Williams’s Musik hier durchaus mal wieder gut zum Einsatz kommt. Ein Talent, daß im Blockbuster des modernen Hollywoodkinos keinerlei Rolle mehr spielt.

Natürlich wird bei einem solchen Film und Titel dann auch die Frage der Zeit gestellt. Inwieweit, ist es möglich, Dinge zu beeinflussen. Sind bestimmte Fixpunkte vorhergesehen und darf der Mensch überhaupt in dieser Form in Geschehnisse eingreifen. Das ist dann wieder ethisch-philosophisch und wird eigentlich auch von dem Thema der staatlichen Überwachung runtergespielt. Dennoch muss man es dem Film zugutehalten, daß ein Blockbuster mit solchen Themen spielen kann und trotzdem den Unterhaltungsfaktor nicht vergisst.

Retrospektiv fällt auf, daß Déjà Vu – Wettlauf gegen die Zeit ein Genre bedient, welches nach moderneren Maßstäben seine Ernsthaftigkeit verloren hat und auch bereitwilliger Themen, die vor geraumer Zeit noch ein Schreckensszenario darstellten, legitimieren. Dieser Film greift ein übliches Thema für Tony Scott auf und ist vielleicht streckenweise ein wenig zäh und actionarm. Auf der anderen Seite bietet der Film auch einen tollen Cast und die richtigen Fragen zur richtigen Zeit.

Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit Bewertung
Bewertung des Films
710

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