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Die üblichen Verdächtigen

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Die üblichen Verdächtigen Kritik

Die üblichen Verdächtigen Kritik

Die üblichen Verdächtigen Kritik
0 Kommentare - 10.11.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Die üblichen Verdächtigen" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Nach einer Explosion mit mehreren Todesopfern tappt die Polizei im Dunkeln. Der Zoll unter Dave Kujan (Chazz Palminteri) erhofft sich von der Vernehmung des Kleinganoven Verbal Kint (Kevin Spacey) weitere Hinweise. Nach und nach dröselt sich das Verbrechen auf und es geraten immer mehr Menschen wie Dean Keaton (Gabriel Byrne), Todd Hockney (Kevin Pollack), Michael McManus (Stephen Baldwin) und Fred Fenster (Benico del Toro) ins Visier der Ermittlungen.

Das Spiel mit der eigenen Wahrnehmung ist es, daß Filmen, die über unerwartete Wendungen verfügen, in den Fokus rücken. Da geht es nicht um Ideologie, um Charaktere, tiefe Gefühle oder dergleichen, es geht einzig darum, dem Zuschauer all das zuvor passierte, als eine reine Lüge zu erörtern. Daraus ein entsteht dann wohl eine Art Offenbarung und diese Offenbarung sorgt nicht zuletzt auch dafür, daß Die üblichen Verdächtigen zu einem jener Filme gehört, über den man im Zuge der 1990er Jahre vermutlich zur Genüge sprach. Doch wenn all das vorangegangene nur daraus besteht, daß das Ende dem Zuschauer eine Art von Inhalt serviert, dann wird es schwer. Sicherlich sind Geschmäcker da verschieden, nur bleibt die Frage, warum man denn alles so durchleben muss, wie der Film es zeigt. Hier und da merkt man die Anspannung in diesen Räubern, die sich von Coup zu Coup hangeln, um eben finanziell unabhängig zu sein. Das auffallende dabei ist aber, daß man die Figuren alle nur Schablonenhaft kennenlernt. Und der Film macht keinen Hehl daraus, betitelt er doch selbst einige dieser Menschen mit diesen Schablonen. Dabei steht in diesem Film vor allem das Gimmick im Vordergrund und wenn man weiß, wohin die Reise gehen wird, dann kann man es vielleicht sogar getrost sein lassen.

Klar ist das Ansichtsache und auch leidet der Film letztlich darunter, daß die deutsche Synchro die vielleicht so tolle Wendung eigentlich schon vorwegnimmt. Im Prinzip nicht das Problem des Filmes, der tatsächlich auch in anderen Belangen durchaus gut gemacht ist. Zum einen schmiegt der sich eng an den Film-Noir, ein Genre, daß 1995 neben diesem Film auch mit Sieben eine Art kleines Revival feierte. Es geht hier nicht um gute Menschen, die versuchen alles richtigzumachen, viel mehr fungiert der von Kevin Spacey verkörperte Verbal als unzuverlässiger Erzähler, der dem Zuschauer immer wieder eine Geschichte erzählt, die so keinen Sinn zu ergeben scheint. Dabei kommen die einzelnen Stationen eines Unglücks zum Vorschein, daß hier als Ausgangspunkt für das Dilemma fungiert. Gerade dieser Anfang ist dabei vielleicht sogar das beste, vom gesamten Film, weil hier eine Spannung erzeugt wird, die man so eher selten verspürt. Unterdessen ist es dann vor allem das gemeinsame Miteinander der Figuren, daß hier ausschlaggebend ist. Und so gesehen ist dieser Film eigentlich zu jedem Zeitpunkt ein Anti-Helden-Film, was das Werk nur noch mehr von anderen abhebt, da man sich im modernen Kino kaum noch traut, wahrhaft komplexe und schwierige Persönlichkeiten auf die Leinwand loszulassen. Die dichte Atmosphäre kreiert Bryan Singer durch seine gute Regie. Er hält sehr viel auf das Geschehen und gibt seinen Figuren damit einen Raum, zu entfalten und auf den Zuschauer zu wirken. Der Film moralisiert zu keinem Zeitpunkt diese Gestalten, was dem Werk ganz guttut.

Auch das Schauspiel der einzelnen Akteure sucht hier seinesgleichen. Kevin Spacey als unscheinbarer und gebrechlicher Mann zeigt, warum er mal zu den größten Schauspielern seiner Generation gehörte. Insgesamt ist die Truppe um viele Stereotype natürlich gut ausbalanciert, sodass Künstler wie Stephen Baldwin, Gabriel Byrne, aber auch Benicio del Toro gut im Gedächtnis bleiben. Der größte Trick des Teufels, war es, die Menschheit glauben zu lassen, daß es ihn nicht gäbe, wird an einer Stelle im Film gesagt. Natürlich eine wunderbar poetische und theologische Metapher, doch damit verweist der Film natürlich auch clever auf seine eigene Wendung. Und genau da wird ein Krimi spannend. Wenngleich der Film eben doch zu offensichtlich ist, so ist es durchaus angebracht, den Zuschauer miträtseln zu lassen und ihm die Möglichkeit zu geben, daß Mysterium zu entschlüsseln. Das erfordert dann Aufmerksamkeit und steht vielleicht auch ein wenig zu sehr im Weg der Bedeutung aller Metaphern und ideologischen Konzepte. Meta ist das also nur im Handwerk. Auf der anderen Seite spürt man, daß der spätere X-Men-Regisseur Bryan Singer hier schon eines seiner größten Themen im Film verarbeitet. Zu manchen Momenten kommt dann doch eine Rassismus-Problematik im Film auf. Natürlich ist das noch nicht so präsent und zentral, wie es in den späteren Werken des Künstlers sein sollte, doch man spürt hier sofort einen gewissen Still, der den Mann prägen sollte.

Dann wiederum wird natürlich Wahrnehmung im Allgemeinem zu einer zentralen Frage im Film. Es ist klar, daß es da Unstimmigkeiten in den erzählten Geschichten geben muss. Doch es ist nie klar, wo das ganze hinführt. In diesen Momenten hat Singer den Zuschauer komplett in der Hand, weil er ihm das offensichtliche Hinschmeißt, aber auf das Hintergründige hinauswill. Die großen Themen, die der Film dabei auch wieder genretypisch anspricht, ist der Kampf zwischen Gut und Böse, ausgedrückt durch eine Verbrecherbande, die vom Staat verfolgt wird. Dadurch dann auch die Kriminalität der Hauptfiguren. Lügen, indem schon zu Beginn das Gesagte von Verbal anzweifelt wird, sowie Manipulation, durch die Überzeugungskraft, die die Figur hat und somit aus einer brenzlichen Situation gelangt. Daß sind natürlich auf den ersten Blick keine Themen, mit denen man sich im Normalfall beschäftigen würde, doch im Prinzip spiegeln sie ja auch ganz menschliche Züge wider und damit schließt sich der Kreis der Geschichte so ein wenig, weil das natürlich auch auf den Ausgangspunkt des Filmes verweist. Dazu wird der gesamte Film durch einen sehr subtilen und schleichenden Humor aufgewertet, sodass das Werk den Zuschauer ob schrulliger Dialoge unterhalten.

Eiskalt und minutiös ist Die üblichen Verdächtigen zu einem modernen Klassiker geworden. Das mag für eine kurze Zeit recht unterhaltsam sein, leidet aber an einem offensichtlichen Knackpunkt, während vor allem die Figuren nie so ganz durchleuchtet werden. Doch das ist nicht weiter wild, weil der Film seinen Reiz primär aus Atmosphäre und der ein oder anderen Absurdität zieht. Gleichsam wird das Anti-Helden-Kino abermals hervorgeholt und erlebt in all dem Dreck und finsteren Gestalten, eine wirkliche Zuneigung, die man so ganz selten schreiben kann.

Die üblichen Verdächtigen Bewertung
Bewertung des Films
710

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