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Everything Everywhere All at Once

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Peppige Odyssee im Multiversum

Everything Everywhere All at Once Kritik

Everything Everywhere All at Once Kritik
2 Kommentare - 07.08.2022 von Moviejones
Wir haben uns "Everything Everywhere All at Once" für euch angeschaut und verraten euch in unserer Kritik, ob sich dieser Film lohnt.
Everything Everywhere All at Once

Bewertung: 4.5 / 5

Trotz unserer scheinbar unbändigen Superkräfte können auch wir leider nicht im Handumdrehen zu jeder Zeit in jedem Kino der Welt sein, wodurch uns so manche Filmperle durch die Finger rinnt. In einer anderen Realität liegt diese Kritik bereits seit Monaten vor, wir schwören es! Dennoch wollten wir uns nach Doctor Strange in the Multiverse of Madness die zweite Inspektion eines Multiversums in diesem Jahr nicht nehmen lassen und besuchten ein kleines Programmkino, das es gut mit uns gemeint hat.

Um es kurz zu machen: Everything Everywhere All at Once hat uns ebenso umgehauen, wie Hauptdarstellerin Michelle Yeoh ihre Gegner innerhalb der abgedrehten Handlung. Mit Blick auf die Heimkinoveröffentlichung möchten wir diesem besonderen Filmerlebnis eine Bühne bieten und hoffen, dass euch der neue A24-Film des Swiss Army Man-Duos Dan Kwan und Daniel Scheinert ebenfalls in seinen aberwitzigen und gleichzeitig feinfühligen Bann zieht.

Trailer zu Everything Everywhere All at Once

Everything Everywhere All at Once - Kritik

Für Evelyn Wang (Michelle Yeoh) scheint der amerikanische Traum längst ausgeträumt: Als Waschsalonbesitzerin ist sie ein wandelndes Klischee. Tagein, tagaus muss sich die chinesische Einwanderin mit einer undankbaren Klientel herumplagen, eine lieblose Ehe am Laufen halten und versuchen, mit ihrer Teenie-Tochter auszukommen. Was hätte nur alles aus ihr werden können, wenn sie sich an bestimmten Punkten ihres Daseins für andere Optionen entschieden hätte? Schon bald findet sie darauf eine Antwort, denn das Multiversum ihres Lebens öffnet sich: Sie ist der einzige Mensch, der die scheinbar endlosen alternativen Realitäten voller unausgeschöpfter Möglichkeiten vor dem drohenden Absturz bewahren kann. Kann das gut gehen?

Dieser wahnwitzige Genre-Mix ist pures Chaos: Im Kampf um das Schicksal multipler Realitäten muss Evelyn Wang hin und wieder zu drastischen Mitteln greifen und sich auf Kommando ihres Operators in die Hose pinkeln, damit sie die schwelenden Kräfte einer alternativen Version ihres eigenen Ichs freisetzen kann. Das ist ungefähr der Grad an Verrücktheit, auf den man sich beim Ansehen von Everything Everywhere All at Once gefasst machen darf.

Das selbsterklärte Motto von Everything Everywhere All at Once: Je absurder, desto besser! Der Verve von Jackie Chan-Klassikern wie Sie nannten ihn Knochenbrecher oder City Hunter ist tief in die DNA dieser Multiversum-Story eingegraben, wie die gleichermaßen aufwendigen wie lustigen Kampfchoreografien beweisen. Allerdings verbirgt sich hinter dieser Fassade noch viel mehr, was von euch entziffert werden kann:

In Manier des Matrix-Helden Neo erforscht die von Martial-Arts-Ikone Michelle Yeoh gespielte Protagonistin Evelyn Wang stetig noch tiefere Ebenen des bestens ausgehöhlten und verzweigten Kaninchenbaus, der ihr Dasein repräsentiert. Dabei wechseln die Abschnitte in verspielter Art und Weise, wobei selbst ein Christopher Nolan im Angesicht des hohen Dialogtempos und der ausgefeilten Schnitttechniken von raum- und zeitübergreifenden Szenen ins Staunen geraten dürfte.

Erinnert ihr euch an die berühmte Matrix-Szene aus dem ersten Science-Fiction-Ausflug von Lana und Andy Wachowski, in der Trinity mit Neo vor einem ihr unbekannten Helikoptermodell steht und vom Operator im Nu die entsprechenden Fähigkeiten des Handbuchs in ihren Geist eingespeist werden? Genau mit derartigen Ideen spielt Everything Everywhere All at Once am laufenden Band, wobei sich die eingeflochtenen Begebenheiten zu keinem Zeitpunkt bemüht oder deplatziert anfühlen. Ein Beispiel gefällig? Während Evelyn in bester Martial-Arts-Manier gegen brutale Widersacher kämpft, sind ihr die messerscharfen Fähigkeiten als Küchenmeisterin behilflich, die sie in einem ihrer zahlreichen anderen Leben verkörpert. Sagen wir es so: Sonderlich gut geht diese Konfrontation für ihre Gegner nicht aus.

Mehr als nur einmal kam uns in Anbetracht derartiger Szenen der Vergleich mit Edgar Wrights ultra-nerdigem Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt in den Kopf, was augenscheinlich Sinn ergibt, da sich beide Werke in popkulturellen Anspielungen baden und mit einer comicartigen Ästhetik versehen wurden. Mutet diese abgefahrene Mischung zu Beginn noch ein wenig unausgegoren und verwirrend an, entwickeln die sich stapelnden Szenen schon bald eine unglaubliche Eigendynamik, wobei man gespannt, belustigt, angeekelt oder ungläubig kopfschüttelnd dieses wahnsinnige Schauspiel beobachten und sich von den fantasievollen Welten in den Bann ziehen lassen kann.

Beim Anblick der temporeichen Gefechte fällt besonders die virtuose Kameraarbeit ins Gewicht, die die Action auf den Punkt unterstreicht, wodurch deren phallische, ähm pardon wir meinen natürlich komödiantische, Wucht vollends zum Tragen kommt. Der nuancierte Einsatz einer höheren Bildwiederholfrequenz (HFR) in diesen Slapstick-Sequenzen führt uns vor Augen, welch ungeheures Potenzial in dieser Technologie schlummert, sofern vom Drehteam reflektiert wird, welche Wirkung man damit beim Publikum hervorrufen möchte. Everything Everywhere All at Once kann definitiv als unangefochtene Referenz auf diesem speziellen Gebiet angesehen werden.

Großartig anzusehen sind auch die verschiedenen Kostüme, in die sich die Darstellerinnen und Darsteller gezwängt haben, wobei auch hier das Überraschungsmoment den Spaß ins schier Unermessliche steigert. Die verschiedenen Kulissen stehen dem im Übrigen in nichts nach. Für das Leinwandspektakel ließ man sich offensichtlich von Klassikern der Filmgeschichte inspirieren, wobei der Kunstgriff vollzogen wurde, darüber eine eigene Identität zu entwickeln, indem man sich traut, die herangezogenen Vorbilder ordentlich gegen den Strich zu bürsten.

Besondere Anerkennung verdient ebenfalls der unglaublich spielfreudige Cast, der Everything Everywhere All at Once davor bewahrt, wie ein aufgeblasenes Soufflé zusammenzufallen. Neben Michelle Yeoh, die mit dieser Darbietung wohl die Performance ihres Lebens liefert, müssen wir besonders auf die Rolle von Jamie Lee Curtis zu sprechen kommen. Als Mitarbeiterin der amerikanischen Steuerbehörde kommt ihre Deirdre Beaubeirdra (ja, ihr habt richtig gelesen) herrlich böse daher und sorgt in den großspurigen verbalen und körperlichen Schlagabtauschen für einige unglaublich heftige Zwerchfellattacken. Damit hat sie uns, ähnlich wie das Finanzamt, völlig aus der Kalten heraus erwischt. Wir lieben sie!

Auch Stephanie Hsu als Evelyns Tochter Joy Wang und den von Ke Huy Quan gespielten Ehemann möchten wir an dieser Stelle nicht unterschlagen, da sie für die emotionalen Anteile der Geschichte sorgen und dies in Hinblick auf all die kruden Geschehnisse glaubwürdig hinbekommen. Bei all den bekloppt-charmanten Einfällen muss festgehalten werden, dass Everything Everywhere All at Once ohne sein emotionales und intellektuelles Rückgrat schnell die Puste ausgegangen wäre und sich womöglich schneller das Genick gebrochen hätte als das bei den blutrünstigen Kriegern der Fall ist. Dabei dreht sich die Geschichte im Kern nicht um abgefahrenen Klamauk, sondern um wichtige Werte wie Akzeptanz, Selbstfürsorge und das Bewusstsein, dass man nicht jedes Detail des Lebens planen kann.

Die beiden Daniels reihen mit Everything Everywhere All at Once atemberaubende Action-Szenen, augenzwinkernde Meta-Dialoge und emotional mitreißende Beziehungsgeflechte zu einem wundersam wohltuenden Potpourri aneinander, das die üblichen Actionaufgüsse fad und bieder anmuten lässt. Durch die mannigfaltigen Wendungen vergehen die knapp 140 Minuten der emotionalen und adrenalingeladenen Erkundungstour wie im Flug, wobei man sich genau überlegt hat, wie diese absurde Geschichte mit ihren verrückten, aber liebenswerten Figuren zu einem stimmigen Gesamtbild vermixt werden kann.

Was uns letzten Endes für die Traumwertung fehlt, ist absolut marginal, doch wir möchten trotzdem darauf zu sprechen kommen: Für unseren Geschmack wurden ein paar der Gags zu oft recycelt, wobei sich die im Kern lustigen Ideen dadurch ein wenig abnutzen. Das machen die kreativen Einfälle von Everything Everywhere All at Once wie etwa eine völlig unerwartete Dialogszene in einem scheinbar unbelebten Universum aber locker wieder wett! Was es außerdem mit einem kochenden Waschbären oder Hotdogs in Evelyns alternativen Realitäten auf sich hat, müsst ihr aber lieber selbst herausfinden. ;-)

Der Hype ist real: Dieser liebenswerte Film hat unsere Augen wahrhaftig zum Wackeln gebracht und unsere Synapsen neu verdrahtet! Trotzdem fällt es gar nicht leicht, Everything Everywhere All at Once adäquat zu beschreiben, weil er so viel mehr als die Summe seiner Teile ist. Das abgespacete Abenteuer mutet wie von einem anderen Stern an: Es hat Herz, Hirn und eine ordentliche Portion Humor - inklusive "Nachschlag" so viel man möchte, versteht sich!

Wiederschauwert: 99%

Everything Everywhere All at Once Bewertung
Bewertung des Films
910

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2 Kommentare
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Manisch : : Moviejones-Fan
07.08.2022 10:27 Uhr
0
Dabei seit: 19.10.18 | Posts: 978 | Reviews: 16 | Hüte: 40

Ich wollte den Film eigentlich damals im Kino sehen, aber irgendwie lief der hier nirgends drop

Ziemlich seltsam, da er doch gar nicht mal SO Indie ist und auch insgesamt ziemlich guten Zuspruch und Aufmerksamkeit bekam...

Bitte hört auf, das Wort "manisch" in euren Kommentaren oder Filmkritiken zu verwenden. Streicht es am besten aus eurem Wortschatz. Ich bekomme sonst immer Benachrichtigungen, dass ich erwähnt wurde. Vielen Dank :D

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MisfitsFilms : : Marki Mork
07.08.2022 01:53 Uhr
0
Dabei seit: 09.07.13 | Posts: 4.222 | Reviews: 0 | Hüte: 121

Fun Fact: ursprünglich sollte Jackie Chan die Rolle übernehmen, aber aus dem einen wie anderen Konflikt ging man dann auf Yeoh zu, welche bereits einige Male .ist Chan zusammen drehte

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