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Frühling, Sommer, Herbst, Winter... und Frühling

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Frühling, Sommer, Herbst, Winter... und Frühling

Frühling, Sommer, Herbst, Winter... und Frühling Kritik

Frühling, Sommer, Herbst, Winter... und Frühling Kritik
0 Kommentare - 09.04.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Frühling, Sommer, Herbst, Winter... und Frühling" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Ein Novize (Kim Young-min) verschreibt sich dem Glauben und verliert dennoch seine Unschuld. Immer mehr gibt er sich seinen Gelüsten hin und wird nach und nach von dem Gedanken der Eifersucht zerfressen. Sein Lehrmeister und Mönch (Oh Yeong-Su) beobachtet, wie sein Schüler unter der Last seines Glaubens zusammenbricht.

Eine nicht unwesentliche These jener systemkritischer Menschen, die vom Alltag und den Gegebenheiten in der westlichen Welt, oder auch anderer Orte enttäuscht sind, ist die Monotonie, nach welcher Menschen sich insbesondere ob der immer gleichen Abläufe und Handlungen in einem Trott befinden, der nur durch außergewöhnliche Umstände mal als Wanken gerät. Doch selbst das ist auch in einer technisierten Welt wohl kein Grund mehr in Panik zu geraten und so berichtet Frühling, Sommer, Herbst, Winter und... Frühling, wie auch schon der Titel vermuten lässt, von der ständigen Gleichheit des Lebens, daß sich zwar durchaus äußerlich ändern kann, im Kern dennoch immer gleich abläuft. Dabei wählt der Film vor allem eine spirituelle Ansicht auf die Dinge, die nicht nur ob der Prämisse zum Einsatz kommt, sondern auch ganz klar durch die Figuren getragen wird. Denn schließlich scheinen die Dinge, die unser Leben so ausmachen vor dem Hintergrund der Tatsache, daß alles nicht nur auch ohne den Menschen liefe, sondern vielleicht auch geregelter und besser vonstattenginge, würde der Mensch sich diese Welt nicht zu eigen machen.

Klammheimlich enttarnt Kim Ki-duk so das Leben als eines, das immer durch höhere Instanzen geprägt ist. Dabei erzählt der Film vor allem von religiösen Vorstellungen und macht auch keinen Hehl darauß, daß seine beiden Hauptfiguren buddhistische Anhänger sind. Ein Schüler-Lehrer-Verhältnis, nach welchem es in klischierter Form vor allem dem jungen Mönch danach dürstet, auch seine fleischlichen Gelüste ausleben zu dürfen. Der ein oder andere Übergriff des Mönches auf der beheimateten Klause der beiden wird hier zum Drang nach Nähe und zum Auflehnen gegen die Keuschheit. Zwar spielt dieser Drang eben auch eine gewisse Form von vermeintlicher Einvernehmlichkeit vor, dennoch sind gerade diese Szenen voller Unbehagen geraten. Allerdings muss man der Idee dahinter auch zugutehalten, daß der Film hier wohl auch das Verlangen mit Liebe gleichsetzt. Nicht umsonst ist dieser Film eigentlich in seiner Gesamtheit ein spirituelles Werk über die Thesen des Seins. Doch auch das Verlangen hat hier seinen Preis und so müssen die Figuren sich auch immer wieder ins Bewusstsein rufen, daß es dafür keine Zukunft gibt. Kein rührseliges Happyend mit der Frau der Träume. Doch sowas spielt der Film gar nicht vor und zeigt indes, daß es der Keuschheit eigentlich nur um das Ausleben geht.

Dabei wird die Botschaft des Filmes relativ schnell klar und so sind es vor allem die Jahreszeiten, die hier das Sein als monotones Gefüge widerspiegeln. Nur Kälte im Winter, aber keine Änderung. Der Zustände und dabei entpuppt sich das Konzept vielleicht zum ersten Mal als wirklich vorhersehbar. Denn Individuen sind nun mal komplex, so wie auch Jahreszeiten in dieser Form vor Komplexität nur so sprühen. Es ist die Sinnsuche in das spirituelle, die aber gleichsam auch gar nicht so wesentlich von den Gedanken abweicht, die sich wohl Jeder schon mal gemacht hat. Da wird dann infrage gestellt, ohne infrage zu stellen. Das Jahr spiegelt alle Gefühlsregungen wider, wenngleich auch der Umgang mit der Natur und seinen nicht menschlichen Wesen hier stark geahndet wird. Und so verstehen sich diese Gläubigen nicht unbedingt als Erretter einer Welt, sehr wohl aber als diejenigen, die sie erhalten mögen. Und dabei stehen sie fast alleine da und sind dazu noch von ihrer eigenen Unperfektheit geplagt.

Im Endeffekt scheinen sie unbedeutend und werden somit auch gegen Ende durch die Wiedergeburt aller Dinge ausgetauscht. Die Frage, ob eine Wiedergeburt allerdings etwas am akuten Zustand ändern kann, wird hier nicht beantwortet, sehr wohl aber die, nach dem Strapazieren von Grenzen. So wird im weiteren Verlauf der Geschichte deutlich, wohin endlose Gier führt und was deren Akteure zu erwarten haben. Die Eifersucht sucht sich so anhand des Novizen seine Opfer, der damit gleichsam zum Täter wird und Zuflucht sucht. Und ob der Tatsache, daß der Meister ihm seine Zuflucht gewährt, wird er nun selbst zum Unvollkommenen und wählt das Schicksal, welches er seinem Schüler verwehrte. Daß diese Tatsache nicht nur durch den reinen Akt der Doppelmoral geprägt ist, versteht jeder, der sich der Frage hingibt, wieso der Meister den Schüler vor dem eigenen Ende durch sich selbst bewahrt, dieses aber zugleich für sich selbst wählt. Indem Moment offenbart sich das Religiöse in den Figuren als Trugschluß, weil zumindest der Mönch zumindest immer von einem anderen Leben schwärmte und dies auch abverlangte. Nun kann er aber diesen Werten nicht mehr gerecht werden und entpuppt sich somit wiederum nur als ein weiterer Mensch.
Daß Kim Ki-duk Gewalt hier vor allem in spirituellen Kreisen sucht, ist erschreckend ehrlich und entlarvt dabei nicht nur diesen spirituellen Ansatz, sondern gleich auch alle religiösen und idologieanhängenden Gruppierungen.

Ein zynisch und gleichsam ehrlicher Blick ist Kim Ki-duk mit Frühling, Sommer, Herbst, Winter und... Frühling gelungen. Ein Werk, daß zunächst die Gedanken des Glaubens zelebriert, deren Vertreter jedoch enttarnt, ohne höhere Instanzen gänzlich auszuschließen. Wunderschön bebildert, führt der Film zu einer einfachen Wahrheit über den vielleicht doch nicht stetigen Wandel, dem der Mensch im Laufe seiner Zeit unterliegt und so mutet der Film nicht nur zynisch an, sondern traut seinem Zuschauer damit auch eine Menge zu. Wenngleich daß auf den ersten Blick klar wird, kommt man nicht umher diesen Gedankengang zu loben.

Frühling, Sommer, Herbst, Winter... und Frühling Bewertung
Bewertung des Films
710

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